Song Contest: Ein Zauberwald mit Silhouette für Stockholm

Friday, 26. February 2016 um 18:47 Uhr

Wenn beim Eurovision Song Contest im Mai 2016 Töne erklingen, dann sollte man die Augen offen halten. Denn das Bühnenbild für den „Ghost"-Song haben die Hildesheimer Studierenden Uta Meyer, Simon Niemann und Eric Christopher Straube mitentwickelt. Die Idee, dass die Sängerin während der ersten Töne nur als Silhouette zu sehen ist, war schon im allerersten Gestaltungskonzept der Studierenden angelegt.

Was bleibt von einem Song Contest? Eine Menge Erfahrungen. Und zum Beispiel der Mitarbeiterausweis „Unser Lied für Stockholm“ (NDR/RaabTV). Fotografin: Uta Meyer

Seit Donnerstagabend steht fest, wer Deutschland dieses Jahr beim Eurovision Song Contest im Mai 2016 in Stockholm vertreten wird. Einen Anteil daran haben auch Studierende vom Kulturcampus der Universität Hildesheim. Den Raum zur Melodie – das Bühnenbild – haben Uta Meyer, Simon Niemann und Eric Christopher Straube mitentwickelt.

Uta Meyer studiert „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ im Bachelor. Die 22-Jährige kommt aus Dresden. Schwerpunkte im Studium sind Populäre Kultur und zeitgenössischer Tanz. Simon Niemann legt seinen Schwerpunkt im Masterstudium „Inszenierung der Künste und der Medien“ auf Theater und Inszenierung. Der 25-Jährige kommt gebürtig aus Herford. Der Dritte im Bunde ist Eric Christopher Straube aus Zwickau. Der 26-Jährige studiert an der Uni in Hildesheim im Bachelor „Szenische Künste“ und beschäftigt sich mit der Inszenierung von populärer Kultur in Freizeitparks und auf Jahrmärkten.

Während der Zugfahrt von Köln zurück nach Norddeutschland geben die drei Studierenden Einblicke, wie ein Bühnenbild entsteht.

Interview: Wie entsteht ein Bühnenbild für Stockholm?

Hören Sie eigentlich die Klänge des Songs, konzentrieren Sie sich auf die Musik – Augen zu und zuhören – oder liegt Ihr Fokus auf dem Sehen, was auf der Bühne passiert?

Simon Niemann (SN): Als wir die Lieder das erste Mal gehört haben, ging es natürlich erst einmal um die Klänge des Songs. Umso länger wir dann an den Ideen für die Konzepte gearbeitet haben, umso mehr lag dann der Fokus auf den optischen Assoziationen.

Uta Meyer (UM): Sprich – wir hatten natürlich vom ersten Hören an Bilder und Showphantasien vor unseren Augen. Dann haben wir weiter an den technischen und möglichen Umsetzungen gefeilt.

Eric Christopher Straube (ECS): Dazu kam natürlich auch, dass wir die Songs nach dem dritten Mal mitsingen konnten. Sie liefen dann auch oft eher im Hintergrund. Und wir haben eher auf das Zusammenspiel zwischen Musik und Inszenierung geachtet.

Ich erwische Sie auf der Zugfahrt – Sie kommen gerade vom Vorentscheid des „Eurovision Song Contests“. Die Zauberwald-Idee zum Ghost-Song von Jamie-Lee Kriewitz wurde von Studierenden der Universität Hildesheim mitentwickelt. Der NDR hatte ausgewählte Universitäten um Gestaltungskonzepte gebeten. Warum haben Sie sich entschieden, mitzuwirken?

UM: Wir sahen im ersten Moment vor allem die immensen Möglichkeiten bei einem Event solcher Größenordnung mitzumachen, vor allem, da von Anfang an kommuniziert wurde, dass wir in unseren Konzepten völlig frei und ohne Einschränkungen denken sollen.

ECS: Da wir ja auch mehr in theatralen Kontexten studieren und forschen, konnten wir hier mit ganz neuen Ansätzen und möglichen Ideen einsteigen.

SN: Wir studieren alle im Nebenfach Populäre Kultur, was uns neben den Theaterkursen an der Uni verbindet. Nun konnten wir spannende und praxisnahe Einblicke in das Show- und Filmgeschäft bekommen.

Haben Sie die Gestaltungsideen mit Lehrenden besprochen oder sich von anderen Studierenden Rat geholt?

SN: In einem Seminar habe ich von der Ausschreibung des NDR erfahren und danach Eric angesprochen. Zusammen haben wir dann noch Uta mit ins Boot geholt. Damit war unser kleines #ULFS-Kollektiv komplett.

UM: Wir haben dann nach Fertigstellung unserer Konzepte einige Male per E-Mail mit unserem Professor für Populäre Kultur Dr. Stefan Krankenhagen geschrieben und einiges an Feedback erhalten und weiterführende Informationen bekommen.

Im vergangenen Jahr war der Gewinner des Songcontests Teil einer Trickfilmshow. Nun leuchtet der Mond auf der Bühne. Wie entsteht so ein Bühnenbild – als Skizze, als 3D-Modell, in Textform? Wie haben Sie dazu beigetragen?

SN: Bei unserem ersten Treffen ist ein schriftliches Grundkonzept entstanden, in dem aber auch schon einige atmosphärische Bilder, sogenannte moodboards, zu sehen waren, die den „Look and Feel" der Performance beschreiben sollten. Später haben wir zusammen mit dem Produktionsteam und -stab die Ideen weiterentwickelt und visualisiert.

UM: Zunächst haben wir den Auftritt als Ganzes betrachtet und von der Idee eines Ablaufes, wie Kamerafahrten, Bühnenelemente, Kostüm, Bewegung auf der Bühne usw., auf das Bühnenbild geschlossen.

ECS: Die Idee, dass Jamie Lee zu Beginn nur als Silhouette zu sehen ist, war zum Beispiel schon in unserem allerersten Grundkonzept angelegt.

Welche Rolle spielt die Inszenierung, der Einsatz von Licht, Farbe, Bühnenbild-Elementen? Sie hätten ja auch vorschlagen können: Die Sängerin sollte schlicht mit Mikrofon vor ihrem Publikum stehen und singen – ohne Wunderwelt, Nebel, Märchenwald.

ECS: Der Eurovision Song Contest ist seit Jahren kein reiner Gesangswettbewerb mehr. Es geht um die Inszenierung eines Künstlers oder einer Künstlerin – eines Showacts – und einer packenden Show, die einen binnen weniger Sekunden fesselt und dann die restlichen drei Minuten nicht vom Fernseher weggucken lässt.

SN: Emotionen spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn der Zuschauende involviert wird und das Gesamtkonzept stimmig ist, dann braucht es vielleicht auch kein großes Bühnenbild. Bei Jamie-Lee ist es eben eine spannende Mischung.

Ein Einblick in Ihren Tag: Sie studieren auf dem Kulturcampus der Universität in Hildesheim, gerade läuft die vorlesungsfreie Zeit. Wie arbeiten Sie und welche Rolle spielt Inszenierung in Ihrem Studium? Mit welchen Fragen befassen Sie sich zum Beispiel?

SN: Dass wir alle drei unterschiedliche Schwerpunkte in unserem Studium haben, hat uns bei der Arbeit sehr geholfen. Mein Masterstudium zum Beispiel legt den Fokus auf den Inszenierungsbegriff und untersucht ihn in unterschiedlichen Kontexten. Uta und Eric sind durch ihr Studium Experten auf dem Gebiet populäre Kultur und Medien und kennen sich mit Inszenierungsstrategien in ähnlichen Showformaten gut aus. Eine ideale Kombination also.

Und nun – Stockholm kann kommen? Werden Sie mit nach Stockholm reisen? Welche Vorbereitungen stehen an?

UM: Nein, nach Stockholm fahren wir wohl leider nicht, obwohl das sicher ein überwältigendes Erlebnis wäre. Die Produktionsfirma hat Andeutungen gemacht, dass es vielleicht im nächsten Jahr wieder eine Zusammenarbeit mit den Hochschulen geben wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kooperation dann ein wenig ausgebaut wird, weil der zeitliche Rahmen größer ist und wir auf die Erfahrungen aus diesem Jahr zurückgreifen können.

Die Fragen stelle Isa Lange.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)