Populäres Buch der Bücher

Thursday, 25. March 2004 um 09:34 Uhr

Im Jahr der Bibel war die Campuswoche "Nachschlag. Themen zur Bibel" ein voller Erfolg

Normalerweise zeichnet sich Fachbereich Kulturwis­senschaften und ästhetische Kommunikation am stärksten durch Interdisziplinarität aus. Doch in diesem Jahr wurde von den Instituten für Katholische und Evangelische Theologie im Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften ein interdisziplinäres Projekt initiiert, das weit über den wissenschaftlich-künstlerischen Anspruch hinausging: "Nachschlag. Themen zur Bibel".

Zur Teilnahme musste man nicht unbedingt seine Bibelfestigkeit beweisen, sondern entscheidend waren Interesse und Neugier auf neue Sichtweisen und Gestal­tungsmöglichkeiten biblischer Texte. Eine ganze Juni-Woche lang stand der Campus der Universität im Zeichen der Bibel. Den "Nachschlag" konnten sich Studierende, Dozenten und interessierte Gäste gleich auf verschiedene Weise holen. Etwa kulinarisch mit dem biblischen Essen in der Mensa, das an jedem der fünf Tage stets mehrere hundert Hungrige verzauberte. Oder vielfältig mit Kunst und Kultur.

Zur Teilnahme musste man nicht unbedingt seine Bibelfestigkeit beweisen, sondern entscheidend waren Interesse und Neugier auf neue Sichtweisen und Gestal­tungsmöglichkeiten biblischer Texte. Eine ganze Juni-Woche lang stand der Campus der Universität im Zeichen der Bibel. Den "Nachschlag" konnten sich Studierende, Dozenten und interessierte Gäste gleich auf verschiedene Weise holen. Etwa kulinarisch mit dem biblischen Essen in der Mensa, das an jedem der fünf Tage stets mehrere hundert Hungrige verzauberte. Oder vielfältig mit Kunst und Kultur.

"Am Anfang war das Wort" lautete das Motto der Auftaktveranstaltungen in der Bibliothek. Hier konnte man die Ausstellung "Die Frau in der Bibel" bewundern und biblisch inspirierten Texten lauschen. Prof. Dr. Dr. Werner Brändle verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Metaphorik der biblischen Sprache und die vielfältigen Interpretationsräume, die sich beim Einlassen auf das Buch der Bücher böten. Studierende des Studiengangs Kreatives Schreiben hatten dies unter Anleitung von Prof. Dr. Hanns-Josef Ortheil auf sehr anregende Art und Weise beherzigt: Bei ihrer Textpräsentation fand man Adam und Eva bei einem Verhaltenstest in einer Laborsituation wieder, erfuhr, dass Gott eigentlich nur Seeungeheuer im Kopf hatte und die Menschen quasi nebenbei erschuf, und am Anfang von allem eigentlich der morgendliche Kaffee steht und nicht unbedingt das Wort.

Der zweite Tag gestaltete sich ernsthafter: Der Bibelwissenschaftler Prof. Dr. Dieter Sänger von der Universität Kiel lieferte Erhellendes über "die dunklen Seiten der Bibel". Anhand von Beispielen aus dem Alten und dem Neuen Testament erläuterte er, dass das Zweifeln an Gott mindestens genauso alt ist wie das Buch der Bücher selbst. Sinnsuche und Ver­trauenskrise, die in der heutigen Zeit mit ihren religiös motivierten Kriegen so aktuell sind wie nie, rühren vor allem aus der Gegenüberstellung unterschiedlicher Gottesbilder, so Sänger. Dem unterstützenden "Erlösergott" im NT stehe ein dominanter "Schöpfergott" des AT gegenüber. Letzterer sei bis heute dafür verantwortlich, dass Kritiker, allen voran Philosophen, immer wieder ein Bild des intoleranten Monotheismus zeichneten. Hingegen habe der "liebe Gott" des NT auch immer wieder außerhalb der Theologie Impulse gegeben, vor allem in der Kunst. Bertolt Brecht gab beispielsweise die Bibel stets als sein Lieblingsbuch an. Damit lieferte Sänger natürlich reichlich Diskussionsstoff und so störten sich weder Dozenten noch Studierende groß am Ablauf der normalen Seminarzeit und diskutierten lebhaft weiter.

All diejenigen, die ihrer Begegnung mit Gottes Wort dann auch selbst kreative Ausgestaltung verleihen wollten, waren am dritten Tag rund um das Zelt auf dem Campus gut aufgehoben, das Evangelische Studenten- und Katholische Hochschulgemeinde gemeinsam errichtet hatten. Hier konnte man nicht nur jeden Tag zur Mittagszeit seine Dozenten eine Bibelstelle interpretieren hören, sondern auch selbst nachschlagen. Unter dem Motto "Die Nacht. Hören. Sehen. Schmecken. Mitmachen. Die Bibel mit allen Sinnen erleben" konnte man bei einem Bier und der Musik der Gruppe "Jordu" erst langsam in den Abend chillen, dann beim TaizÉ-Gottesdienst in sich gehen und sich in der "Stunde Null" um Mitternacht für alles Kommende stärken. Von den anfangs über 100 Leuten blieben dann ein paar Hartgesottene, die nicht genug "Nachschlag" kriegen konnten und sich dafür die Nacht um die Ohren schlugen: bei gestalterischen Workshops, beim Kurzfilm "Obsession" des Kulturwissenschaftlers Oliver Krämer, der sich mit der Opferung Isaaks auseinandersetzte, bei der biblischen Nachtwanderung oder bei der gemeinsamen Andacht zum Sonnenaufgang mit anschließendem Frühstück.

Am vierten Tag zeigten Studierende der Kulturwissenschaften zusammen mit Lehramts-Studierenden, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit auch in Sachen Theater äußerst gut funktionierte: Unter der Leitung von Prof. Dr. Hajo Kurzenberger brachten sie zusammen eine theatralische Vergegenwärtigung der biblischen Frauengestalten Judit, Maria und Ruth auf die Bühne, Verzeihung, in den Altarraum der Liebfrauenkirche. Kurzenberger kündigte an, diese Zusammenarbeit auch in Zukunft fortführen zu wollen. Studierende unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Löffler sorgten für eine gelungene musikalische Gestaltung des Abends. Wie man Theater spielen kann, wenn man beispielsweise kein Gotteshaus zur Verfügung hat, darüber berichtete Prof. Dr. Shimon Levi aus Tel Aviv, der in inspirierender Weise über Bibeltheater in der israelischen Wüste berichtete.

"Verzaubert hast du mich", so steht es im Hohelied 4, 9 - dieser Losung wurde nicht nur der letzte Tag, sondern eigentlich die ganze Woche gerecht. Und wenn man diese Verzauberung auch als bereichernden Austausch verstehen will, dann ist Gottes Wort also doch wahr. Vielleicht wird ja auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Uni-Institute weiterhin auf so fruchtbaren Boden fallen wie diesen Sommer, und nicht nur, weil es das Jahr der Bibel war.

 


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