Mitten drin im literarischen Betrieb

Tuesday, 05. April 2011 um 20:10 Uhr

Junge Hildesheimer Literaten sind mitten drin im literarischen Betrieb. Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse – bekannt als internationales Treffen der Autoren, Verlage, Fachbesucher und des lesefreudigen Publikums – waren erneut die Edition Pächterhaus und BELLA triste, die Zeitschrift für deutschsprachige Gegenwartliteratur, vertreten.

„Wir haben uns mit vier anderen Zeitschriften aus Leipzig, Aachen/Zürich und Berlin am Gemeinschaftsstand der Jungen Magazine, einem Verbund von elf deutschsprachigen Literaturzeitschriften, präsentiert“, erzählt Clara Ehrenwerth, die an der Stiftung Universität Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert. „Ohne den Verbund könnte sich keine junge Zeitschrift einen Buchmessenauftritt leisten. Wenn wir uns einen Stand teilen, wird nicht nur die Miete erschwinglich: Die Aufmerksamkeit der Besucher wird auch gebündelt“, erläutert Ehrenwerth, die bei BELLA triste für die Pressearbeit und Anzeigenakquise zuständig ist. Ein Highlight war die Beteiligung an der Langen Leipziger Lesenacht. Dort lasen etwa 50 junge Autorinnen und Autoren auf vier verschiedenen Bühnen. Für BELLA triste las der Lyriker Peter Neumann.

„Die Leipziger Buchmesse ist auch eine Messe der jungen Literatur. Hier treffen sich Autorinnen und Autoren aus ganz Deutschland und den Nachbarländern, um sich ihre neuen Werke vorzustellen und ins Gespräch zu kommen. Seit vielen Jahren sind unsere Studenten dort intensiv an Lesungen und Diskussionsforen beteiligt. Sie stellen jeweils ihre neue Studiengangsanthologie vor, sie präsentieren den Verlag und die sehr erfolgreiche Literaturzeitschrift BELLA triste, sie sind also mitten drin im literarischen Betrieb“, erzählt Prof. Dr. Hanns-Josef Ortheil, Direktor des Instituts für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft und Vorstand des Zentrums für Kreatives Schreiben e.V. Ortheil ergänzt: „Die Erfahrungen, die man dabei macht, sind unbezahlbar, und sie qualifizieren zugleich für einen späteren Beruf in Verlagen und Medien-Redaktionen aller Art.“

Auch die Edition Pächterhaus war in Leipzig dabei. „Der institutseigene Verlag Edition Pächterhaus ist für uns das, was für das Theater-Institut die Bühne, für das Musikinstitut der Konzertsaal und für das Kunstinstitut die Ausstellung ist. Vom Konzipieren eines Textes über sein Lektorat bis hin zu Layout und Satz, ja bis zum Druck, zum Verkauf und zur Buch-Präsentation beinhaltet Verlagsarbeit alle Aspekte der schriftstellerischen Praxis. Die Studenten, die im Verlag mitarbeiten, arbeiten also direkt an der Basis und qualifizieren sich gleichzeitig für die Arbeit in großen Verlagen“, erläutert Prof. Ortheil.

Lara Sielmann und Juliana Kálnay sind seit Oktober 2010 Redakteurinnen im Verlag, beide studieren Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Dort bringen sie unterschiedliche literarische und kulturjournalistische Arbeiten der Studierenden heraus, die sie nun auf der Leipziger Buchmesse präsentiert haben. „Wir hatten dieses Jahr einen litomaten an unserem Stand – ein Kaugummiautomat, aus dem man Literaturzitate ziehen konnte“, berichten sie. „Die Arbeit im Verlag bietet für uns die Möglichkeit, sich in einem kleinen Rahmen in Verlags- und Kulturarbeit zu erproben. Wir organisieren den Messestand, arbeiten mit den einzelnen Projektgruppen zusammen, schreiben Förderanträge, redigieren, stellen Kontakt zu Gestaltern und Druckereien her, organisieren Lesungen und regeln den Vertrieb“, erzählt Kálnay und ergänzt: „Learning by Doing sozusagen.“
Ziel ist es, den kreativen und nicht-kommerziellen Umgang mit Texten zu pflegen. Die Edition Pächterhaus soll dabei eine Publikationsplattform für Buchprojekte bieten, die am Fachbereich II entstehen. „Außerdem möchten wir den Nachwuchsschriftstellern und Kulturjournalisten, die am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft studieren, eine Möglichkeit bieten ihre Texte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, betont Kálnay.

Kai Splittgerber, der in Hildesheim 2010 sein Studium als Diplom-Kulturwissenschaftler abgeschlossen hat, stellte in Leipzig sein erstes Buch vor: „Brehms Tierland. Aus dem Expeditionsbuch des Tierforschers E. Alfred Brehm" – ein Kinder-Abenteuerroman, der kürzlich in der Edition Büchergilde erschienen ist. „Studiert habe ich Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, hauptsächlich bei Professor Hanns-Josef Ortheil und Professor Stephan Porombka. Am Anfang habe ich journalistisch geschrieben, dann habe ich den kleinen studentischen Verlag Glück & Schiller an der Uni Hildesheim gegründet“, erzählt der junge Autor. Neben dem Studium hat er eigene Projekte verfolgt,„darüber das ‚professionelle’ literarische Arbeiten gelernt“ und „immer auch Bücher geschrieben und herausgegeben, zusammen mit Professoren oder Kommilitonen“. Splittgerber ergänzt: „Das wird heute erfreulicherweise in einem noch sehr viel umfangreicheren Maße am Institut für literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft betrieben. So gesehen kann man es schon als Konzept des Studienganges sehen, dass von Anfang an professionell geschrieben wird, mal im größeren, mal im kleineren Format.“ Dass Studium habe ihn neben dem Schreibhandwerk auch mit „rudimentärer Universalahnung“ ausgestattet. „Was man an systematischen Zugriffen lernen kann, lernt man am Institut, der Rest ist der individuelle Weg.“