Lehramtsstudierende fördern Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund

Wednesday, 16. November 2005 um 00:00 Uhr

Stiftung Mercator fördert Projekt in Niedersachsen ausschließlich an der Universität Hildesheim/ Insgesamt gibt es bundesweit 28 Standorte

PISA II hat es wieder bestätigt: Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund werden in deutschen Schulen nicht hinreichend gefördert und integriert. Die dramatischen Ereignisse in Frankreich zeigen, was geschehen kann, wenn die Integration misslingt und junge Leute wegen schlechter Schulbildung keine Chancen auf dem Arbeits- oder Ausbildungsmarkt haben. Integration steht in unmittelbarer Abhängigkeit von Sprachkompetenz – und diese wird in unseren Schulen nicht in ausreichendem Maße erworben.

In Hildesheim wird das Problem nun zusätzlich mit Hilfe von Wissenschaftlern und Studierenden angegangen. Ab Januar 2006 realisiert die Universität Hildesheim das Projekt der Stiftung Mercator "Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund", in dem Schülerinnen und Schüler intensiv durch Studierende gefördert werden. Die Stiftung Mercator unterstützt Projekte an 28 Standorten im Bundesgebiet. Hildesheim ist derzeit der einzige Standort in Niedersachsen.

Die Universität Hildesheim erhält für den gesamten Förderzeitraum von drei Jahren insgesamt 172 800 Euro. Mit diesem Geld können jährlich 5 820 Förderstunden finanziert und über das ganze Jahr durchschnittlich 150 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 – 10 aus Hildesheimer Schulen gefördert werden. Kooperationsschulen sind in diesem Projekt die "Hauptschule Alter Markt" und die "Geschwister-Scholl Schule", die einen besonders hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund haben. Weitere Schulen sind als Kooperationspartner willkommen.

"Die Studierenden werden in Seminaren für diese Arbeit ausgebildet", so Prof. Dr. Olga Graumann, die zusammen mit Dr. Hella Barlage und Dr. Anatoli Rachkochkine das Projekt in Hildesheim leitet.

"Wir können damit langfristig etwas zur Integrierung und nachhaltigen Entwicklung der Sprachkompetenz von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund beitragen und zugleich unsere Studierenden sehr viel besser auf ihre spätere Aufgabe der Förderung von Risikokindern vorbereiten. Das Hildesheimer Modell der Theorie-Praxis-Verzahnung, in das zahlreiche Hildesheimer Schulen eingebunden sind, wird damit um einen wesentlichen Aspekt erweitert. Die Studierenden lernen, nicht nur einer Klasse zu führen, sondern den Blick auch auf den individuellen Förderbedarf einzelner Schüler zu richten. Sie erwerben intensive Praxiserfahrung und qualifizieren sich für ihre spätere Tätigkeit im Umgang mit bikulturellen Kindern und Jugendlichen. Interkulturelle Kompetenz gehört heute angesichts der geopolitischen Entwicklung zu den Schlüsselkompetenzen und wir Lehrerbildner müssen dafür Sorge tragen, dass die zukünftigen Lehrer für die unterschiedlichen Anforderungen in heterogenen Klassen adäquat ausgebildet werden", betont Graumann.

Schon seit Jahren fördern Lehramtstudierende der Universität Hildesheim vorwiegend an der "Anne-Frank-Schule" einzelne Schüler. "Durch die Gelder der Stiftung Mercator können wir das bereits laufende Projekt auf sichere Füße stellen" freut sich Professorin Graumann.

Die Bürgerstiftung Hildesheim hat zur Finanzierung spezifischer Wochenendschulungen der Studierenden, für Supervisionssitzungen sowie die Anschaffung von Fördermaterialien weitere 1500 Euro zugesagt. Weitere Sponsorengelder sollen eingeworben werden, um den nachhaltigen Erfolg des Projektes sicher zu stellen und die Forschungsarbeiten, die in das Projekt eingebunden werden, zu ermöglichen.

 


Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Asyl e.V. Hildesheim realisiert. In den Räumen des Vereins wird auch eine Anlaufstelle für Information und Beratung eingerichtet. Interessierte Schüler und Eltern können sich dort persönlich (Lessingstr. 1) oder per E-Mail (deutschlernen(at)uni-hildesheim.de) melden.

Kontakt:
Prof. Dr. Olga Graumann
jaugrau(at)uni-hildesheim.de