„Kultur ist das, was in einer Stadt unser Leben lebenswert macht“

Friday, 11. February 2011 um 07:15 Uhr

Rund sechzig Studierende, Lehrende, Vertreter der Stadt und der Medien sowie Kulturschaffende diskutierten am 10. Februar 2011 zum Thema „Krise der Kommunen! Konzepte der Kultur?” in der Stiftung Universität Hildesheim. Diskutierte mit: Oberbürgermeister Kurt Machens.

Professor Dr. Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik des Fachbereichs 2, debattierte mit Oberbürgermeister Kurt Machens, Dr. Hartmut Reichardt, Chefredakteur der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, Stefan Könneke, Geschäftsführer der Kulturfabrik, sowie Juniorprofessorin Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand, Institut für Kulturpolitik, über Chancen und Herausforderungen kultureller Institutionen und Kulturschaffender in Hildesheim.                                                                                                               

„Wie übersteht die Kultur die Krise? Wo schlägt das Herz?“, fragte Professor Dr. Wolfgang Schneider zu Beginn. Oberbürgermeister Kurt Machens hob den desolaten Haushalt der Stadt Hildesheim und die immense Aufgabe, diesen auszugleichen, hervor, und betonte: „Kultur ist das, was in einer Stadt unser Leben lebenswert macht. Durchaus gibt es unter den Kulturschaffenden einen Wettstreit um Finanzierungsmöglichkeiten, der sich zwischen der sogenannten etablierten Kultur – Theater und Museen – und der freien, in Hildesheim sehr lebendigen, Kulturszene bewegt. Wir sollten allerdings nicht die Höhe der Fördersummen gegeneinander aufwiegen.“ „Die Finanzierbarkeit des Gemeinwohls wird immer schwieriger“, erwiderte Stefan Könneke. Der Geschäftsführer der Kulturfabrik und Vorstand der Interessengemeinschaft Kultur e.V. sieht strukturelle Probleme in der bisherigen Finanzierung der Kulturszene, betonte jedoch das Potential der Stadt Hildesheim mit einer starken freien Kulturszene, zwei Weltkulturerbestätten, der Universität mit den bundesweit renommierten kulturwissenschaftlichen Studiengängen, dem Roemer- und Pelizaeus-Museum und der zentralen Lage in einer Metropolregion. Chefredakteur Dr. Hartmut Reichardt fragte hingegen nach dem Stellenwert von Kultur im alltäglichen Leben der Bürgerinnen und Bürger. „Wir sollten nicht immerzu über schrumpfende Finanzmittel klagen, sondern – gerade hier in den Räumen der Stiftungsuniversität – fragen, welche Bedeutung Kultur für die Breite der Gesellschaft hat. Worum geht es an diesem Lernort für Kultur?“, fragte Reichardt und wandte sich direkt an die Studierenden: „Aus welchen Beweggründen studieren Sie Kulturwissenschaften in Hildesheim, welche Impulse möchten Sie geben?“

Juniorprofessorin Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand, deren Interesse der Erforschung von Wirkungen kulturell-ästhetischer Bildung und damit der wissenschaftlich-theoretischen Fundierung des Praxisfeldes sowie dem Bereich der frühkindlichen ästhetischen Bildung gilt, brachte den Aspekt der kulturellen Bildung in die lebhafte Diskussion ein. „Kulturelle Bildung ist Teil von Allgemeinbildung und in den letzten Jahren verstärkt zu einem Thema der Bildungsdebatte geworden.“ Kulturelle Bildung sei grundlegender und nachhaltiger Bestandteil von Bildung, es würden grundlegende Fähigkeiten für die Persönlichkeitsentwicklung erworben. Kulturelle Bildung habe auch etwas zu tun mit Teilhabe und Vernetzung. „Die Stiftungsuniversität ist eine ideale Brutstätte, die Stadt Hildesheim bietet aber kaum Perspektiven für Absolventen der Kulturwissenschaften. Ich werde diesen Sommer nach zehn Jahren aus ökonomischen Gründen aus Hildesheim wegziehen. Ich sehe keine Perspektive und gehe nach Dresden“, so Martin Zepter vom Theaterhaus Hildesheim.

Die gemeinsame Diskussion zwischen Stadt Hildesheim, Studierenden und Lehrenden der Stiftung Universität Hildesheim, der Medien und Kulturschaffenden soll fortgesetzt werden. Oberbürgermeister Kurt Machens versprach, den Wunsch nach mehr Diskussion mit allen Beteiligten durch Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen an Kulturdezernent Dirk Schröder weiter zu geben.