Innovation plus: Wissenschaftsministerium fördert fünf Projekte der Universität Hildesheim

Thursday, 11. March 2021 um 08:05 Uhr

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert im Programm „Innovation plus“ fünf Projekte zur Entwicklung innovativer Lehr-Lern-Konzepte an der Universität Hildesheim. Die Übersetzungswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Nathalie Mälzer, Prof. Dr. Christiane Maaß und Dr. Isabel Rink, der Mathematiker Prof. Dr. Boris Girnat, die Sozial- und Organisationspädagoginnen Prof. Dr. Inga Truschkat und Dr. Sophie Domann sowie die Historikerin Dr. Sanne Ziethen entwickeln die innovativen Lehrprojekte.

„Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur stellt für die kommenden zwei Jahre im Rahmen der Förderlinie Ínnovation plus 3 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld wird in die Entwicklung innovativer Lehr-Lern-Konzepte fließen. Niedersachsenweit profitieren 62 Projekte von der Förderung. Eine Gutachtergruppe der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover hatte die Projekte aus insgesamt 139 Anträgen ausgewählt und zur Förderung vorgeschlagen“, sagt Prof. Dr. Jürgen Sander, Hauptberuflicher Vizepräsident für Studium, Lehre, studentische Belange und Digitalisierung der Universität Hildesheim.

Projekt von Übersetzungswissenschaftlerinnen: Studieninhalte sollen in barrierefreien Formaten verfügbar sein

Die Übersetzungswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Christiane Maaß und Dr. Isabel Rink von der Forschungsstelle Leichte Sprache am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation befassen sich in ihrem Projekt mit der Umsetzung von Studieninhalten in barrierefreiem Format. So sollen etwa barrierefreie PowerPoint-Präsentationen mit Alternativtexten für Grafiken, Vertonung und Untertitelung auf Deutsch und Englisch, flankierende Gebärdensprachvideos mit Untertiteln, barrierefreie PDF- und Word-Dokumente und ein Konzept für eine barrierefreie Sprechstunde entwickelt werden.

Denn Universität stellt noch immer eine Barriere in unterschiedlicher Weise dar, so Professorin Christiane Maaß: Mit Blick auf die baulichen Verhältnisse, aber auch hinsichtlich der Gestaltung der Inhalte. Diese sind aktuell für Studierende mit sensorischen oder motorischen Behinderungen überwiegend nicht zugänglich. Die beiden Wissenschaftlerinnen setzen sich mit ihrem Projekt für die Umsetzung von Barrierefreiheit im Zugang zu universitären Studieninhalten für Studierende mit besonderen Bedarfen ein.

Von der Schule in die Universität: Mathematikdidaktiker entwickelt Online-Testsystem für mathematische Grundkompetenzen

Der Mathematikdidaktiker Prof. Dr. Boris Girnat befasst sich mit der Frage, wie Studierenden der Übergang von der Schulmathematik zur Hochschulmathematik erleichtert werden kann. Sein vom Wissenschaftsministerium gefördertes Projekt soll das Studium von Studiengängen mit dem Fach Mathematik, insbesondere zunächst das Lehramtsstudium, verbessern, indem ein onlinebasiertes Übungs- und Testsystem für mathematische Grundkompetenzen der Studieneingangsphase aufgebaut und evaluiert wird.

So wird Professor Girnat zunächst für die Vorlesung „Lineare Algebra“ dieses Übungs- und Testsystem erarbeiten, das später auf andere Vorlesungen erweitert werden kann. Für jede mathematische Grundkompetenz, die in der Vorlesung behandelt wird,  erstellt der Mathematiker ein Lernvideo sowie eine Serie von Übungs- und Testaufgaben, die es Studienanfängerinnen und Studienanfängern erlauben, mathematische Grundkompetenzen selbstgesteuert zu üben und im Sinne einer Selbstdiagnose zu testen, so Girnat.

ePortfolios im Studium der Sozial- und Organisationspädagogik

Prof. Dr. Inga Truschkat und Dr. Sophie Domann vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik entwickeln in dem Projekt „Komp-ePort“ ein Konzept zur Nutzung von ePortfolios als Prüfungsmethode. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Begleitung und Bewertung des Kompetenzzuwachses durch Forschendes Lernen. Das Vorhaben schließt damit an das Vorgängerprojekt „E-Port DUAL“ an, in dem die Nutzung von ePortfolios als Lehrmethode im Fokus stand.

„Unser Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur aktuellen hochschuldidaktischen Diskussion um kompetenzorientierte Prüfungsmethoden und verbindet auf innovative Weise das Forschende Lernen und die Digitalisierung der Lehre", so Inga Truschkat und Sophie Domann.

Methodenwerkstatt Geschichte: Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration und Kommunikation fördern

Dr. Sanne Ziethen vom Institut für Geschichte entwickelt mit einer Mischung aus Selbstlernmodulen und (Online-)Präsenzterminen die Lehrveranstaltung „Methodenwerkstatt Geschichte“ weiter.

Mit ihrem Projekt fördert die Historikerin die „future skills“ – Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration und Kommunikation. Mithilfe unterschiedlicher eTools soll das Projekt vor allem explorative, selbstregulierte Lernsituationen und Peer-Feedback, aber auch eine Sichtbarmachung des Lernprozesses ermöglichen, erläutert Sanne Ziethen. Ein von Studierenden mitentwickeltes und durchgeführtes BarCamp in Kooperation mit der Universitätsbibliothek ergänzt das Konzept. Es soll zu einem regelmäßigen Veranstaltungsformat der Universität werden.

Für Übersetzer*innen relevante digitale Tools werden in neue Lehrkonzepte integriert

Die Übersetzungswissenschaftlerin Prof. Dr. Nathalie Mälzer entwickelt in ihrem vom Wissenschaftsministerium geförderten Projekt neue übersetzungsunterstützende Tools in Lehrveranstaltungen der Masterstudiengänge „Medientext und Medienübersetzung“, „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“, sowie „Barrierefreie Kommunikation“. Für Übersetzer*innen relevante digitale Tools sollen in neue Lehrkonzepte integriert werden.

„Durch die Schulungsoffensive und die curriculare Verankerung der Inhalte soll sichergestellt werden, dass die Studierenden zu kompetenten, verantwortungsvollen Verwender*innen entsprechender Software-Systeme in Praxis und Forschung werden und nachhaltiges Wissen auf dem Gebiet erlangen“, erläutert Professorin Mälzer.

Beispielsweise können durch den Einsatz von Smartglasses in Verbindung mit einer Software zur Einblendung von Schrift und Bild in einem virtuellen dreidimensionalen Raum multimodale Inhalte in mehrsprachigen Kontexten oder in der Barrierefreien Kommunikation zugänglich gemacht werden. In Projekten, bei denen Smartglasses für Theater-Übertitelungen im virtuellen Raum sowie eine Software mit Text-to-Speech-Technologie genutzt werden, arbeitet Professorin Mälzer mit den Softwareentwickler*innen der Tools eng zusammen. Es werden empirische Studien durchgeführt. Die Softwareentwickler*innen erhalten Feedback im Hinblick auf die Usability ihrer Software, sowohl aus Sicht der Nutzer*innen, die mit dem Tool professionell arbeiten und Content erstellen, als auch aus Sicht der Endnutzer*innen, für die der Content erstellt wird. Die Tools werden dadurch ständig angepasst.


Themenbilder innovative Lehre. Bildquellen: Sanne Ziethen, Boris Girnat, Chris Gossmann, Foto Laptop: Video To Voice - Authoring & Production Tools

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