ICTM Deutschland zu Gast im Center for World Music

Wednesday, 02. March 2011 um 14:23 Uhr

„Musikinstrumente – Seele und Vermächtnis“ war das Thema der Jahrestagung des deutschen Nationalkomitees des International Council for Traditional Music (ICTM), zu der Musikethnologen aus ganz Deutschland im Februar 2011 im Center for World Music (CWM) zusammenkamen.

Der ICTM ist eine mit der UNESCO in beratender Beziehung stehende Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich der Erforschung, Ausübung, Dokumentation, Bewahrung und Verbreitung von Musik aus aller Welt verpflichtet hat. Auf Einladung von Prof. Dr. Wolfgang Bender tagte das deutsche Bundeskomitee des ICTM dieses Jahr an einem Ort, der „musikethnologische Forschung, Lehre und musikalische Praxis gezielt verbindet", so der Geschäftsführer des Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim. Gemeinsam mit  Prof. Dr. Raimund Vogels, Vorstandsvorsitzender des CWM, gab Prof. Bender zu Beginn der Tagung einen Einblick in die Vorgeschichte, Entwicklung und Zukunft des CWM.

Im Zentrum der Tagung, die von Dorit Klebe, der Präsidentin des deutschen Nationalkomitees des ICTM, organisiert wurde, standen Beiträge zum Tagungsthema „Musikinstrumente – Seele und Vermächtnis“. Schon zu Beginn zeigte sich die Veränderung der musikalischen Praxis in Abhängigkeit von den politischen und sozio-kulturellen Transformationsprozessen als ein Schwerpunkt der Vorträge. Nevzat Çiftçi, Frankfurt, untersuchte die „Emanzipation der türkischen Langhalslaute Bağlama“. Im Osmanischen Reich bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Instrument der Nomaden verpönt, nimmt sie in der heutigen Türkei die Rolle eines Nationalinstrumentes ein und ist ein beliebtes Instrument in der interkulturellen Weltmusikszene. Sven Kirschlager, Berlin, trug seine Feldforschungsergebnisse über die Musikergruppe der Corridistas, einst wandernde Musiker in Südmexiko, vor. Ihre musikalische Praxis und soziale Funktion wandelte sich im Zuge der Einführung von Überlandbussen und modernen Kommunikationsmedien radikal. Prof. Bender unterstrich, dass der UNESCO-Auftrag zum Erhalt der kulturellen Vielfalt und des Weltkulturerbes ein Auftrag für jeden sei.

Die umfassende Schallplatten-, Literatur- und Instrumentensammlung „Music of Man Archive“ von Prof. Dr. Wolfgang Laade ist heute neben der Instrumentensammlung von Rolf Irle der Grundstock des Archivs des CWM. Ihre Bedeutung für Forschung und Lehre stellte Dr. Michael Öhler, Hannover/ Hildesheim, bei der Darstellung des „Music of Man Archive“ heraus. Ziel ist es, über 25 000 Schallplatten mit Aufnahmen von Musiken aus aller Welt zu digitalisieren.

Janne Groth und Lutz Dollereder, Hannover/Hildesheim, stellten gemeinsam mit Prof. Vogels das am CWM angesiedelte und der kulturellen Vielfalt verpflichtete Projekt musik.welt@niedersachsen vor. Das Ziel des Projekts, das von der Stiftung Niedersachsen gefördert wird, sei vor allem die Einrichtung des Weiterbildungsstudiengangs „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“. Mit dem Studiengang soll die Lücke in der interkulturellen Musikpädagogik und -vermittlung in Niedersachsen geschlossen und Diversität und musikalische Bildung verbunden werden.

Prof. Vogels betonte abschließend, dass die Bedeutung der Musikethnologie in der wissenschaftlichen Kulturlandschaft stark gestiegen sei. Mit dem CWM, seinen Sammlungen, Konzertveranstaltungen und Projekten wie dem internationalen Doktoranden-Workshop sowie zahlreichen Drittmittelprojekten, erlange die Musikethnologie in Niedersachsen eine in der deutschen Hochschullandschaft verstärkte Bedeutung und internationale Ausstrahlung. Die Vielzahl von Nachwuchswissenschaftlern neben den etablierten Musikethnologen bei der diesjährigen Jahrestagung des ICTM weist auf eine zukunftsfähige und relevante Wissenschaft hin.

Das Center for World Music erwies sich erneut als hervorragender Standort für musikethnologische Tagungen, nicht zuletzt weil die ausgestellte Instrumentensammlung es ermöglicht, zur besseren Anschauung der Vorträge direkt auf Exponate zu verweisen.