"Historiker ohne erhobenen Zeigefinger"

Monday, 17. July 2006 um 13:47 Uhr

Prof. Dr. Michael Gehler wird neuer Direktor des Instituts für Geschichte

Eigenschaften: "Historiker weder mit erhobenem Zeigefinger noch mit bösem Blick; parteilos, familien- und kinderorientiert" – so steht es in der Einleitung auf der Homepage von Prof. Dr. Michael Gehler (Jg. 1962), der als Nachfolger von Prof. Dr. Manfred Overesch im Juli 2006 an die Stiftung Universität Hildesheim berufen wurde. "Offenheit, Teamfähigkeit, Unabhängigkeit" – heißt es zur Biographie weiter - sind die Grundsätze des österreichers, die zweifelsohne eine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches Forschen und Lehren an der Universität Hildesheim sind.

Michael Gehler studierte Geschichte und Germanistik mit Abschluss Magister Artium und Promotion als Doktor der Philosophie. Er war 1992 bis 1996 Research Fellow des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) in Wien. Seit 1999 war er außerordentlicher Professor für Neuere Ge-schichte und Zeitgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Als Alexander von Humboldt-Stipendiat (2001-2002) und Permanent Senior Fellow am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) forschte er in Deutschland an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Im gleichen Zeitraum arbeitete er als assoziiertes Mitglied bei der Forschungsgruppe Europa am Kulturwissenschaftli-chen Institut in Essen unter Wilfried Loth. Gastprofessuren führten ihn an die Universitäten Rostock (2004), Salzburg (2004/05) und an die KU Leuven (2005). Aktuell ist Michael Gehler Mitglied der Historischen Kommission der österreichischen Akademie der Wissenschaften (öAW) in Wien. Zahlreiche Publika-tionen zur österreichischen, deutschen und europäischen Zeitgeschichte run-den seine Expertise ab und werden für die Hildesheimer Studierenden interessante Impulse darstellen.

In der Lehre will Professor Gehler sich schwerpunktmäßig mit der Deutschen und Europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und dem europäische Staaten- und Wirtschaftssystem befassen. In der Forschung ist ein Schwerpunkt zu vergleichender europäischer Zeitgeschichte nach 1945, insbesondere der europäischen Integration, geplant. Als Institutsaufgaben sieht der österreicher u. a. die Untersuchung der Nachbarschaftsbeziehungen Deutschlands zu österreich und anderen Kleinstaaten, aber er denkt auch an Italien. Es gibt Verbindungen zur Katholischen Universität Leuven, eine Stadt, die ein ähnliches Zerstörungsschicksal erlebt hat wie Hildesheim. Nächstes Jahr steht das 50jährige Jubiläum der Römischen Verträge an, was aus seiner Sicht die Integrationsforschung intensivieren wird. Sofern es finanziell mach-bar ist, plant er dazu Aktivitäten auch in Hildesheim.

Die vielseitige Bildungslandschaft in Hildesheim hat für Gehler einen besonderen Reiz. Als Lehramtsabsolvent hat er an einem Gymnasium in Innsbruck unterricht. Das Unterrichtsgeschehen habe er sowohl an der Schule als auch an der Universität als spannend empfunden, berichtet er. Insbesondere, weil sich nicht alles planen lässt, Unvorhergesehenes passieren kann sowie Emotionalität, Spontaneität und Improvisationsgabe notwendig sind. Einer Kooperation mit den Schulen vor Ort sieht er interessiert entgegen.

Mit seiner Frau und den Kindern war der zukünftige Institutsleiter bereits einige Mal in Hildesheim und betont, dass die Domstadt ein geschichtlicher Ort ist, wo sich ein Historiker zu Hause fühlen kann. Beeindruckt war er vom Domhof und den vielen Kirchen. Sein ältester Sohn Maximilian wird das Josephinum besuchen. Für ihn ist die Stadt überschaubar, hat kurze Wege und der restaurierte Stadtkern mit dem historischen Marktplatz im Zentrum fasziniert ihn. Obwohl seine Frau aus Südtirol stammt und die Familie mit der Tiroler Bergwelt verbunden ist, freuen sich alle auf den bevorstehenden Wechsel und neue Begegnungen. Der Umzug der Familie wird im August sein, und das wird mit vier Kindern und einer großen Bibliothek keine kleine Sache.


Bild: Prof. Dr. Michael Gehler

Prof. Dr. Michael Gehler

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