Geigenvirtuosin: Von der Millionenstadt Chennai nach Hildesheim

Wednesday, 01. February 2017 um 14:24 Uhr

Musikerinnen aus Chennai arbeiten sechs Monate am Center for World Music in Hildesheim. Kinder und Jugendliche erhalten Einblicke in die südindische Klassik. Wenn Lalitha und Nandini Muthuswamy ihre Violinen in Schulen mitbringen, sind die Kinder zunächst erstaunt über die Haltung. Sie fragen: „Warum hältst du die Geige nach unten?“ Dann erklärt Lalitha Muthuswamy ihre Spieltechnik: „Wenn ich die Geige zwischen Schulter und Füßen spanne, kann ich präziser und kraftvoller spielen und gebe der Geige Sicherheit.“

Das Center for World Music ermöglicht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland Gastaufenthalte in Hildesheim. Für sechs Monate ist die indische Geigenvirtuosin Lalitha Muthuswamy derzeit in Niedersachsen. Während ihres Aufenthalts am Center for World Music arbeitet die promovierte Musikwissenschaftlerin mit Schulen und Studierenden in der Lehre zusammen.

Schulklassen erhalten Einblicke in die südindische Klassik, darunter Kompositionen, die in Indien entstanden, als in Deutschland Bach seine Kantaten, Choräle und Sonaten schrieb. „Einige sind erst 5 Jahre, andere schon 18. Es ist sehr schön mit den Kindern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten, ich unterrichte sie darin, kleine Melodien zu singen.“

Wenn Lalitha Muthuswamy ihre Violine in die Schule mitbringt, sind die Kinder zunächst erstaunt über die Haltung. Sie fragen: „Warum hältst du die Geige nach unten und stützt sie im Sitzen auf den Füßen ab?“ „Diese Haltung gibt Halt – wenn ich die Geige zwischen Schulter und Füßen spanne, kann ich präziser und kraftvoller spielen und gebe der Geige Sicherheit“, sagt Muthuswamy. Die Dozentin der Musikakademie Chennai spielt südindische Geige. Sie wurde mehrfach von der indischen Regierung für ihre herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet. Ihre jüngere Schwester Nandini Muthuswamy promoviert derzeit an der Universität Hildesheim.

In Hildesheim geben Lalitha und Nandini Muthuswamy während eines Konzertes und einer Lehrveranstaltung Einblick in die klassische indische Musik. Als „Violin Sisters“ haben die beiden Profi-Musikerinnen sich einen renommierten Namen erarbeitet, seit 30 Jahren stehen die Schwestern gemeinsam auf der Bühne. „Wir geben einen Einblick in die melodische Grundstruktur in der karnatischen Musik in Südindien und sprechen über Musik und Emotion“, sagt Lalitha Muthuswamy. „Wir improvisieren viel und verwenden ‚Raga‘, die Musikformen sind mit unterschiedlichen Emotionen verbunden. Wir spielen Kompositionen aus dem 6. und 7. Jahrhundert, aus dem 18. Jahrhundert – als in Europa Bach komponierte – sowie moderne Musik aus dem 20. Jahrhundert.“

„Emotion ist ein sehr wichtiger Teil unserer Musik. Jede Note, jede Komposition, jeder ‚Rag‘ ist Emotion und als Performerin versuche ich, diese Emotion zu teilen – ob Freude oder Trauer. Jede Emotion ist wundervoll“, sagt ihre Schwester Nandini Muthuswamy.

Konzertabend im Center for World Music

Das Center for World Music der Universität Hildesheim lädt am Freitag, 3. Februar 2017, zu einem Konzert mit Gespräch ein. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Das Konzert beginnt um 19:00 Uhr im Center for World Music. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Zuschauer auch Fragen stellen und wir in der Universität ins Gespräch kommen“, sagt Lalitha Muthuswamy.

Kurz erklärt: Das Center for World Music

Wie leben wir mit Musik? Das Center for World Music der Universität Hildesheim bewahrt seit 2006 bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens: über 4.500 Musikinstrumente, 45.000 Schallplatten, eine der größten Sammlungen Europas. Das Center widmet sich der Vielfalt musikalischer Traditionen und ist ein Archiv und Labor, ein Ort der Forschung und des Studiums, ein Treffpunkt für Musikerinnen und Musiker und eine Basis für internationale Begegnungen und Verständigung.

Das Center for World Music sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, derzeit in Iran und Nigeria. In Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. Das Center for World Music der Universität Hildesheim bildet seit 2011 Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist bundesweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft. Musik kann vermitteln und als internationale Sprache Menschen verbinden.

Medienkontakt: Kontakt zu den Musikerinnen und Forschern über die Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de).

Konzert: Das Konzert findet im Center for World Music der Universität Hildesheim statt (Timotheusplatz/Ecke Schillstraße). Eine Reservierung von Sitzplätzen (kostenfrei) ist möglich, Ansprechpartnerin ist Isa Lange (Telefon: 05121.883-90100, Email: presse@uni-hildesheim.de).

Created by Pressestelle, Isa Lange [aktualisiert am 05.02.2017]

Die Musikerinnen Lalitha und Nandini Muthuswamy aus Chennai arbeiten sechs Monate am Center for World Music in Hildesheim. Schulklassen und Studierende erhalten Einblicke in die südindische Klassik. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim