FilmBar "borderlines"

Thursday, 10. November 2005 um 00:00 Uhr

Filmische Positionen zu Grenzen und Grenzräumen

Ab 17. November heißt es wieder: Herzlich willkommen zur FilmBar! Im Wintersemester alle 14 Tage, Donnerstag, ab 18 Uhr in der Domäne Marienburg. Die Auftaktveranstaltung gestaltet Roz Mortimer aus London. Das Screening beginnt um 18:00 Uhr im Veranstaltungsraum von Haus 48 der Domäne Marienburg.

Prof. Christine Biehler, Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft, initiierte zusammen mit Prof. Dr. Jan Berg, Institut für Medien und Theater, eine Veranstaltungsreihe, die bereits im Sommersemester zweiwöchentlich viel Publikum anzog. In diesem Winter geht es unter dem Leittitel "borderlines" um weitere Positionen aus der Film- und Videokunst, die zusammen- und vorgestellt werden von unterschiedlichen Videokünstlern und Filmemachern, die man vor Ort kennen lernen kann. In den 90 Jahren hatte der Gebrauch der Präposition "inter" und "trans" im Diskurs inflationär zugenommen, "Crossover" wurde zum Schlagwort. Ansätze wurden erneut aktuell, die vorrangig auf übertritt oder Auflösung von Grenzen zielten. Die FilmBar stellt diese Ein- und Ausgrenzungsphänomene zur Debatte. Drei Themenfelder werden behandelt: Die binäre gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht, die Grenzen von Staaten und Ländern und die Trennung zwischen Traum und Wirklichkeit.

Mortimers Arbeit "gender trouble" zeigt die Verschiebung von tradierten Bildern von Geschlechtergrenzen, indem vier intersexuelle Frauen über ihre unterschiedlichen – mehr oder weniger durch medizinische Eingriffe geprägten – Lebenserfahrungen und ihre geschlechtlichen Identitäten sprechen. Ergänzend zu diesem Film werden ebenfalls zur Auftaktveranstaltung jüngere Arbeiten der Künstlerin, die sich zum Teil auf sehr abgründige und humorvolle Weise mit Repräsentationen von Sexualität und Kindheit auseinandersetzen, gezeigt. In ihren märchenhaft anmutenden Erzählungen mit Hunden im Bett, Würmern in der Tasche, Kinderreimen und Werbesprüchen thematisiert die Künstlerin zwanghafte und repressive Strukturen, die unter der Oberfläche unserer Gesellschaft schlummern.

In den Filmen der bekannten Züricher Filmemacherin Ursula Biemann, die am 1. Dezember gezeigt werden, sind Migrationsbewegungen und transnationale Zonen in den Focus gerückt, rechtsfreie Grenz- und Zwischenräume, in der dies- und jenseitige Gesetze außer Kraft gesetzt sind.

Beim dritten Termin am 15. Dezember hat Florian Wüst, Filmemacher und Kurator aus Berlin, ein Programm unter dem Obertitel "Traum und Wirklichkeit" zusammengestellt mit Filmen von Luis Buñuel, Maya Deren, Peter Weiss, Warren Sonbert, Uli Versum und Matthias Müller, die mal betörend, mal verstörend die Auflösung von raumzeitlichen Zusammenhängen zum Inhalt haben.

Besonders erlebnisreich und interessant sind die Präsentationen zum einen durch die Möglichkeit mit den Produzenten selbst nach der Veranstaltung im reizvollen Ambiente ins Gespräch zu kommen. Zum anderen darf man sich nach dem Screening auf die Bar freuen, die jeweils unterschiedlich und fantasievoll von den Hildesheimer Studentinnen der Kulturwissenschaft Barbara Schmidt & Nadia Heinsohn in Szene gesetzt wird.