Europäische Kultur verankert Schönheit und Liebe als christliche Motive

Friday, 20. October 2006 um 00:00 Uhr

Hildesheimer Literaturprofessor organisiert Tagung zum Thema "ästhetik und Säkularisation" am Comer See/ Fortsetzung folgt im Herbst 2007

Die Universität Hildesheim steht in einem freundschaftlichen Kooperationsverhältnis mit dem deutsch-italienischen Kulturzentrum Villa Vigoni am Comer See. Vom 16. bis 20. Oktober fand eine Tagung zum Thema "ästhetik und Säkularisation" statt. Organisatoren waren der Hildesheimer Kulturwissenschaftler und Literaturforscher Prof. Dr. Silvio Vietta und der Generalsekretär des Deutsch-Italienischen Zentrums, Prof. Dr. Aldo Venturelli.

Die besondere Aktualität dieser interdisziplinären und internationalen Tagung ergibt sich aus der Auseinandersetzung der europäisch-christlichen Kultur mit anderen Weltreligionen, insbesondere dem Islam.

Zu den Ergebnissen der Tagung gehört, dass die europäische Kultur vor allem seit der Renaissance eine eigene Form der Säkularisierung entwickelt hat, die aber nicht nur als "Verweltlichung" zu deuten ist. Vielmehr werden gerade zentrale Gedanken und Motive des Christentums zur Geltung gebracht, insbesondere das Motiv der Schönheit und der Liebe – und dies zum Teil in kritischer Opposition zum politischen Missbrauch der Religion und der Religionskriege. Für die ästhetische Darstellung ist der Gedanke der Verdiesseitigung wichtig. Die im Christentum verankerten Künste können das Göttliche darstellen, weil es im Motiv der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes, angelegt ist.

Die Romantik knüpft an die religiöse Kunst der Renaissance an, welche die aufklärerische Toleranz voraussetzt. Die Kunst lädt sich in dieser Zeit religiös auf, übernimmt religiöse Motive und Funktionen, ist aber auch gezeichnet durch die Erfahrung des Schmerzes und der nihilistischen Gebrochenheit.

Grundsätzlich ist für die religiöse Kunst der Gedanke der Mittlerschaft zentral, der aber in der Kunst von dogmatischen Vorgaben freier besetzt wird. Die romantische ästhetische Religionsphilosophie ist selbst ein Dokument der Toleranz der Weltreligionen und -kulturen.

 


Die Forschungstagung wird aus Mitteln der DFG gefördert und im Herbst 2007 mit einer Tagung zur "ästhetik und Säkularisation in der klassischen Moderne" fortgesetzt.

Kontakt:
Prof. Dr. Silvio Vietta, E-Mail:
Vietta(at)uni-hildesheim.de


Bild: Professor Silvio Vietta (3. v. re.) im Kreis einiger Tagungsteilnehmer.

Professor Silvio Vietta (3. v. re.) im Kreis einiger Tagungsteilnehmer.