Das Internet: Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie?

Monday, 12. November 2012 um 17:20 Uhr

Etwa 50 Politikwissenschaftler diskutieren am 16. und 17. November auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) an der Universität Hildesheim über die Rolle des Internets in der Politik.

Ob das Internet eine Bereicherung oder ein Stressfaktor für die Politikvermittlung ist, darüber debattieren Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Caja Thimm, Universität Bonn, Philip Brechler, Fraktion Piratenpartei, Berlin, und Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident a.D. zum Auftakt der Jahrestagung. Dr. Heinrich Wefing, DIE ZEIT, moderiert die Podiumsdiskussion. Zuvor eröffnen um 14:00 Uhr Prof. Dr. Marianne Kneuer, Vorsitzende der DGfP, und Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich die Tagung.

Die Tagung widmet sich in mehreren Fachvorträgen der Frage, welche Wirkungen das Internet auf verschiedene Politikbereiche hat. Es werden die positiven und negativen Wirkungen analysiert und bewertet. Inwieweit kann Internet die repräsentative Demokratie bereichern oder gar stressen? Welchen Einfluss hat das Internet auf die Kommunikation, die Partizipation und Entscheidungsprozesse in der repräsentativen Demokratie? Hierzu wird Ulrich Sarcinelli, Koblenz-Landau, sprechen. Wie verändert sich Öffentlichkeit durch das Internet? Wird sie transparenter oder eher unübersichtlicher? (Barbara Zehnpfennig, Passau) Und welche Konsequenzen lassen sich in der internationalen Politik feststellen? (James Davies, St. Gallen) 

Des Weiteren werden rechtliche Fragen beleuchtet (Michael Hassemer, Kaiserlautern) und der zunehmend wichtige und brisante Aspekt der Cybersecurity diskutiert. Dr. Sandro Gayken, FU Berlin und IT-Stratege für die IT-Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, wird über Strategien und potenzielle Lösungsansätze sprechen.

Im letzten Themenblock befassen sich Experten mit dem Internet als Stressfaktor für Autokratien. Hier werden der Nahe Osten (Thomas Demmelhuber) und China (Nele Noesselt) fokussiert.

„Die maßgeblichen Kräfte für die Entstehung von Demokratien sind die Bürgerinnen und Bürger. Über das Internet können sie Proteste schneller und breiter organisieren, wie die politischen Umbrüche in Tunesien und Ägypten zeigen“, sagt Prof. Dr. Marianne Kneuer. An der Universität Hildesheim untersucht sie in der Forschergruppe „Politik und Internet“, welchen Einfluss neue Medien auf politische Prozesse haben. Kneuer warnt aber davor, das Internet als „Befreiungstechnologie“ zu bezeichnen, wie es im Zuge der jüngsten arabischen Umbrüche geschah. Soziale Medien können keine Revolutionen auslösen und auch keine Demokratisierung erzeugen. Das Internet ist ein neutrales Medium und kann „von den Guten und den Bösen genutzt werden“, betont Kneuer.

Die DGfP ist eine der beiden Fachvereinigungen von Politikwissenschaftlern in Deutschland. Tagungsort ist der 2012 nach umfangreichen Um- und Neubauten wiedereröffnete Kulturcampus Domäne Marienburg. Am Freitag findet vorab die Nachwuchstagung statt.

Die Tagung ist nicht öffentlich und richtet sich an Fachvertreter (Programm als PDF). Tagungsort ist der Kulturcampus Domäne Marienburg der Stiftung Universität Hildesheim.

„Der Einfluss der sozialen Netzwerke: Politik geht online", N-TV.de, dpa, 16.11.2012


Unter Strom: Welchen Einfluss neue Medien auf politische Prozesse haben untersucht die Forschergruppe „Politik und Internet" an der Uni Hildesheim. Das Internet ist ein neutrales Medium und kann „von den Guten und den Bösen genutzt werden“, sagt Prof. Dr. Marianne Kneuer. Foto: Lars P. flickr, creative commons

Unter Strom: Welchen Einfluss neue Medien auf politische Prozesse haben untersucht die Forschergruppe „Politik und Internet" an der Uni Hildesheim. Das Internet ist ein neutrales Medium und kann „von den Guten und den Bösen genutzt werden“, sagt Prof. Dr. Unter Strom: Welchen Einfluss neue Medien auf politische Prozesse haben untersucht die Forschergruppe „Politik und Internet" an der Uni Hildesheim. Das Internet ist ein neutrales Medium und kann „von den Guten und den Bösen genutzt werden“, sagt Prof. Dr. Marianne Kneuer. Foto: Lars P. flickr, creative commons