Auftakttreffen des Doktorandenkollegs

Wednesday, 28. May 2003 um 00:00 Uhr

30 Doktoranden des Promotionskollegs trafen erstmals zusammen

Es war ihr erstes Zusammentreffen im institutionellen Rahmen des Promotionskollegs. 30 Doktorandinnen und Doktoranden des Fachbereichs Erziehungs- und Sozialwissenschaften steht erstmals seit dem Sommersemester ein Forum zum Erfahrungsaustausch über ihre Forschungsarbeiten zur Verfügung. Dieses neu gegründete Doktorandenkolleg wird von der Stifterin Margot Möller-Meyer finanziert.

Es dient den Nachwuchswissenschaftlern zur Kommunikation und wechselseitigen kritischen Diskussion von Projekten aus unterschiedlichen Disziplinen. Nicht zuletzt soll aber auch der Erwerb und die Vertiefung fächerübergreifender wissenschaftsrelevanter Schlüsselqualifikationen gefördert werden. Mit dem Kolleg hat die Universität erstmals einen institutionellen Rahmen geschaffen, der geeignet ist, die Chancen eines zügigen und erfolgreichen Abschlusses von Promotionen zu verbessern. Die promovierenden Nachwuchswissenschaftler von heute übernehmen morgen die Verantwortung in führenden Positionen. Es liegt deshalb im Interesse der Universität, sie auf ihre künftigen Aufgaben in der Gesellschaft professionell vorzubereiten.

Im Rahmen des Auftakttreffens stellte der Doktorand Stefan Oyen vom Institut für Geschichte seine "Studien zum Nachkriegsabitur 1947 und 1950 an Gymnasien in Hildesheim, Erfurt und Weimar" vor. Leitthema der zweitägigen Veranstaltung war: "Wissenschaft und Gesellschaft". Als Gastdozent konnte der Leiter des Kollegs, Prof. Dr. Werner Brändle, den international renommierten Sozialphilosophen Prof. Dr. Hermann Lübbe von der Universität Zürich gewinnen. Er referierte unter dem Titel "Wissenschaft im Kontext politischer und ethischer Interessen". Rhetorisch glänzend, mit vielen aktuellen Beispielen gespickt, entwickelte Lübbe in seinem Vortrag die Chancen und Risiken für die gegenwärtigen Wissenschaftler. Anknüpfend an die Tradition der Humboldtschen Universitätsidee des 19. Jahrhunderts machte er deutlich, dass die Wissenschaft dann gesellschaftlichen Nutzen erbringt, wenn man den Wissenschaftlern Raum und Zeit für ihre wissenschaftliche Neugierde und ihre Forschungsinteressen lässt. Nur so könne der Rechtfertigungsdruck, der derzeit auf den Universitäten laste, eingelöst werden. "Wissenschaft dient dem Frieden, weil sie das Prinzip der Macht durch das des Wissens ablösen will."

Erstaunlich und erfreulich für die Doktoranden auch seine These, dass die gegenwärtige Leitfunktion der Naturwissenschaften gerade nicht die sogenannten Geisteswissenschaften bedrohe, sondern ihnen langfristig sogar nützlich sei. Und zwar deshalb, weil die Schnelligkeit des technischen Fortschritts immer stärker die Fragen nach Herkunft und Orientierung bei den Menschen wachrufe. Und gerade diese Dimensionen des Lebens seien es, die nur von den Geisteswissenschaftlern und ihrer wissenschaftlichen Kompetenz beantwortet werden könne. Uni-Präsident Prof. Dr. Friedrich bedankte sich bei dem Referenten für dessen anregenden, hochaktuellen Vortrag und er beglückwünschte die Kollegiaten zum glänzenden Auftakt ihres Forums.