On air: Von seriös bis gewagt

Friday, 14. December 2012 um 13:23 Uhr

Was macht die Eisenbahn in der Musik? Isa Lange sprach mit Dr. Andreas Hoppe vom Musikinstitut über ungewöhnliche Geräusche und die Geschichten dahinter. Über 50 Radiofeatures hat er mit Studierenden produziert. Endlich Klänge, die man noch nicht kennt.

Herr Dr. Hoppe, am Samstag geht bei Radio Tonkuhle die 50. Ausgabe von Intonarumore" on air. Der Anspruch: Ungewöhnliche Musik im Radio". Was läuft denn die restliche Zeit im Radio, so dass Sie Ihr Format als nicht gewöhnlich ankündigen? 

...„ungewöhnlich" ist unsere Sendung zunächst schon wegen des Titels: „Intonarumori" waren in den 1910er und 1920er Jahren von Luigi Russolo ersonnene, futuristische Geräuscherzeuger. Sie sollten die Musikpraxis des modernen Menschen auf den Kopf stellen. Das ist zwar erst rund 50 Jahre später mit der massenhaften Verbreitung des Synthesizers geschehen, wurde aber von Russolo zumindest gedanklich und in Experimenten vorweggenommen. Insofern steht der Name auch für das Experiment in der studentischen Praxis. Ungewöhnlich ist die Sendung auch wegen des Inhalts: musikwissenschaftliche Inhalte, populär aufbereitet, sind ja nicht gerade „mainstream". Jede Sendung ist unter Umständen vollkommen anders – also kein Formatradio.

Vier Jahre  das Format hat sich etabliert. Sie haben das Projekt 2008 gegründet. Wer steckt dahinter und wie beziehen Sie Studierende mit ein? 

Ich möchte jungen Kulturwissenschaftlern und angehenden Lehrkräften eine attraktive Plattform anbieten, um Medienkompetenz zu erwerben, künstlerisch zu gestalten und gleichzeitig musikwissenschaftlich und vermittelnd arbeiten zu können. Lohn der Mühe von Recherche, Verfassen von Texten und Produktion ist dann die Publikation über unseren Kooperationspartner, Radio Tonkuhle, auf UKW 105,3 (und natürlich als Online-Sendung auf www.tonkuhle.de).

Und was lernen die Studierenden beim Produzieren der Sendung? Wie läuft so ein Produktionstag ab?

Die Studierenden suchen sich Themen, für die sie sich interessieren. Dann sammeln sie vor Ort mit digitalen Recordern Material, sie suchen Musik auf Tonträgern, recherchieren Fakten, führen Interviews. Dann schreiben sie, sprechen die Texte ein, um anschließend an einem PC eigentlich recht unspektakulär eine Sendung zu montieren, wobei auch die Ästhetik der Vermittlung an sich eine Rolle spielt. Spannend sind die Lokaltermine vor Ort, wenn mit dem Recorder gearbeitet wird. Da kann auch schon mal etwas gewaltig schief laufen.

Klangkunst Datenstrom", Die Eisenbahn in der Musik", Was klingt Platt", Ein Feature über Loslabern", Musik und Depressionen" - was steckt hinter diesen Titeln, wie entstanden diese Features?

Hinter den ganzen Titeln stecken ernsthafte Auseinandersetzungen von den Studierenden und mir, bzw. Matthias Meyer, meinem langjährigen, radioerfahrenen Assistenten, mit den genannten Themen. Die Themen werden dann im Format des Radiofeatures - mal mit mehr, mal mit weniger künstlerischer Ausrichtung und Freiheit - in einer 60-minütigen Sendung referiert.

Überraschen die Studierenden Sie mit Klängen? 50 Sendungen - was ist eines Ihrer klanglichen Highlights"?

Die Studierenden sind sehr erfindungsreich, wenn es um kleine „Hörsensationen" geht. Manche Sendungen präsentieren sich als „seriöses Feature", manche als gewagtes Experiment. Aber dafür ist Intonarumore die geeignete Plattform! Eine Sendung, die mir noch besonders in Erinnerung ist, war „Die Eisenbahn als Thema in der Musik" (Teil 1, Teil 2). Zunächst glaubt man, da kommt ja nicht viel zustande, aber dann entwickelte sich ein kurioser klanglicher Bilderbogen musikalischer Werke, die sich alle in unterschiedlicher Weise mit der Eisenbahn auseinandersetzen. Das reichte unter Anderem von Arthur Honneger (Pacific 231) über Harry Partch (Barstow) bis zu Steve Reich (Different trains), Das Material füllte zwei Sendungen aus.

Vielen Dank für das Gespräch.

Reinhören:

Die 50. Ausgabe „Intonarumore" läuft am Samstag, 15. Dezember, von 16:00 bis 17:00 Uhr auf Radio Tonkuhle. An jedem 3. Samstag im Monat gehen die Studierenden beim Lokalradio „auf Sendung".

Bisherige Radiofeatures zum Nachhören: Archiv der Radiosendung


Musikwissenschaftliche Inhalte, populär aufbereitet, sind nicht gerade „mainstream". Jede Sendung der Studierenden der Universität Hildesheim ist unter Umständen vollkommen anders – also kein Formatradio, sagt Dr. Andreas Hoppe. Fotos: Matthias Meyer, Andreas Hoppe

Musikwissenschaftliche Inhalte, populär aufbereitet, sind nicht gerade „mainstream". Jede Sendung der Studierenden der Universität Hildesheim ist unter Umständen vollkommen anders – also kein Formatradio, sagt Dr. Andreas Hoppe. Fotos: Matthias Meyer, And Musikwissenschaftliche Inhalte, populär aufbereitet, sind nicht gerade „mainstream". Jede Sendung der Studierenden der Universität Hildesheim ist unter Umständen vollkommen anders – also kein Formatradio, sagt Dr. Andreas Hoppe. Fotos: Matthias Meyer, Andreas Hoppe