Kassetten war gestern – Studentinnen produzieren begehbares Hörspiel

Wednesday, 17. April 2013 um 08:19 Uhr

Kassettenkinder sind sie. Aufgewachsen mit den drei Fragezeichen, Alfred Jodocus Kwak und Bibi Blocksberg. Nun modernisieren Insa Schwartz und Lotte Schwarz diese Hörspielformate. Die beiden Kulturwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim laden Kinder und Erwachsene im April und Mai zum begehbaren Hörspiel ein. Das ist bundesweit einmalig.

Audiowalk am Flussufer: Kulturwissenschaftlerinnen der Uni Hildesheim produzieren ein begehbares Hörspiel für Kinder ab 9 Jahren. Das kommt gut an. Fotos: Lotte Schwarz/Uni Hildesheim

Kulturwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim produzieren ein begehbares Hörspiel für Kinder ab 9 Jahren. „Die Besucher gehen wie bei einem Audiowalk mit Kopfhörern ausgerüstet entlang einer Route und werden selbst Teil des Hörspiels“, erklären Insa Schwartz und Lotte Schwarz. Beide studieren an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften. Unter dem Projektnamen „Kassettenkind“ entwickeln sie seit 2011 dieses bundesweit einmalige Hörspiel-Format, das sich zwischen Literatur, Performance, Musik und Erlebnispädagogik bewegt. „Wir sind aufgewachsen mit Kassetten und modernisieren diese Hörform“, sagt die 26-jährige Schwartz. „Bei all dem Visuellen wollen wir den Hörsinn schärfen. Dabei müssen Kinder nicht wie wir früher Benjamin Blümchen hören, sondern können auf moderne Formen zurückgreifen.“

Kriminalfall für Kinder: An vier Tagen vom 23. April bis 6. Mai können etwa 100 Kinder die neueste Produktion „Wo ist Mo?“ mitten in der Stadt erleben. Im Abstand von 8 Minuten begeben sie sich alleine – ausgestattet mit Kopfhörern und MP3-Player – mit dem Tauchexperten Fred Fischer (die Erzählfigur im Audiotrack) auf die Spur der verschwundenen Hildesheimer Meerjungfrau Mo, „von der keiner weiß, dass sie eine Meerjungfrau ist, denn außer dass sie etwas grün um die Nase ist und Schwimmhäute hat, scheint sie ziemlich normal“.

Produktionsort ist das Ufer entlang der Innerste und der angrenzende Wald, das Hörspiel dauert 45 Minuten. Die Teilnehmer hören Unterwasser-Soundscapes oder die Stimme des Vaters der kleinen Meerjungfrau, der besorgt nach ihr sucht. An verschiedenen Stationen hat man die Gelegenheit die Geschichte interaktiv mitzubestimmen und wird zum Beispiel an einer „Funkstation“ aufgefordert, Freds Freund von der Wasserschutzpolizei Morse-Zeichen per Taschenlampe zu senden oder hat an anderer Stelle die Gelegenheit dem Vater der Meerjungfrau eine Nachricht zu übermitteln, die zur Rettung der Meerjungfrau beitragen kann.

„Die Teilnehmer folgen vor allem ihrem Ohr, sie werden genau Hinhören“, sagt Insa Schwartz. Kopfhörer-Sounds und Geräusche aus der realen Umgebung überlagern sich teils. Ist das Geplätscher, die Polizeisirene, das Rascheln im Gebüsch „real“ oder im Audiotrack inszeniert? Dabei haben die Studentinnen mit professioneller Technik Stereo-Aufnahmen erstellt – so hört man räumlich einen Jogger vorbeirauschen oder ein Vogel fliegt dicht über dem Kopf des Hörers. Die Studentinnen kombinieren ihr Wissen, dass sie in Seminaren von Matthias Rebstock, Professor für Szenische Musik, und Geesche Wartemann, Professorin für Kinder- und Jugendtheater an der Uni Hildesheim gesammelt haben.

Die beiden Kulturwissenschaftlerinen wollen mit „Kassettenkind“ in das Berufsleben einsteigen. Auf dem Weg zur Professionalisierung erhalten sie Unterstützung von der Sparkasse Hildesheim, der TUI Stiftung, der Friedrich-Weinhagen-Stiftung, der Klosterkammer Hannover, dem Studierendenparlament der Uni Hildesheim und dem Studentenwerk OstNiedersachsen. „Dank dieser enormen Unterstützung konnten wir professionelles Equipment erwerben und aufwendigere Requisiten und Installationen herstellen“, sagt Insa Schwartz.

Die Produktion „Wo ist Mo?“ ist Teil der internationalen Konferenz „Art meets Research“ am 22. April an der Universität Hildesheim. Theaterwissenschaftler aus USA, UK, Türkei, Kroatien, Norwegen, Belgien, Kanada und Deutschland stellen neue Forschungsergebnisse im Bereich des Theaters für Kinder und Jugendliche vor.

„Die Studierenden zeigen in ihren Projekten, wie aus der theaterwissenschaftlichen Beschäftigung in Seminaren neue experimentelle Theaterformen entstehen“, sagt Prof. Dr. Geesche Wartemann. Theaterwissenschaftler sollten in der Ausbildung mit „Kinder- und Jugendtheater“ in Berührung kommen, fordert Wartemann. In Hildesheim gehören Theaterformen für Kinder und Jugendliche zum theaterwissenschaftlichen Lehrangebot.

Anmeldung

Insgesamt etwa 100 Kinder können am Hörspiel „Wo ist Mo?" am 23. April, 24. April, 03. Mai und 06. Mai 2013 teilnehmen. An allen Tagen gibt es drei Blöcke, die jeweils um 10:00 Uhr, 11:30 Uhr und 13:00 Uhr beginnen. Der 23. April ist exklusiv im Rahmen des internationalen Symposiums „Arts meets research" nur für Tagungsteilnehmer reserviert. Für alle anderen Termine können sich Kinder gerne per E-Mail anmelden: reservierung@kassettenkind.org. Treffpunkt am Veranstaltungstag ist der Waldrand Ecke Wiesenstraße/ Beuke in Hildesheim. Die Teilnehmer erhalten eine Bestätigungs-E-Mail und am Tag der Produktion eine Einführung sowie die technische Ausrüstung (Kopfhörer, MP3-Player). Eltern können sich mit Fragen per E-Mail oder unter der Rufnummer 0176.63118171 an Insa Schwartz wenden. Eine Mitarbeiterin achtet im Wald und am Fluss darauf, dass niemand verloren geht.

Kontakt zu den Studentinnen über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-102, presse@uni-hildesheim.de).


Audiowalk am Flussufer: Kulturwissenschaftlerinnen der Uni Hildesheim produzieren ein begehbares Hörspiel für Kinder ab 9 Jahren. Das kommt gut an. Fotos: Lotte Schwarz/Uni Hildesheim

„Wir sind aufgewachsen mit Kassetten und modernisieren diese Hörform.“