Südtirol stellt Landeswebportal in Leichter Sprache vor

Tuesday, 06. October 2020 um 17:21 Uhr

Am 13.08.2020 fand in Bozen, Südtirol, eine Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Landeswebportals in Leichter Sprache statt. Das Besondere: Es ist der erste Webauftritt einer öffentlichen Verwaltung in Italien, der in Leichter Sprache sowohl in Deutsch als auch in Italienisch zur Verfügung steht. Mit dem Portal setzt die Südtiroler Landesregierung ein deutliches Zeichen in Richtung Chancengleichheit und Integration.

V.l. Hans Widmann (Lebenhilfe), Robert Mumelter (People First), Lebenshilfe-Direktor Wolfgang Obwexer, Helga Mock (Büro OK), Stefano Bonzi (Siag) und Projektkoordinatorin Judith Donà (Lebenshilfe). Quelle: Landespresseagentur Südtirol

Renate Mayr, die Koordinatorin der Zentralredaktion des Portals, führte durch die Pressekonferenz und gab das erste Rednerwort an Dr. Isabel Rink, die sie mit eigenen Worten als „international herausragende Expertin für Leichte Sprache und barrierefreie Kommunikation“ vorstellte. Rink wurde per Videoübertragung zugeschaltet. Sie begann ihr Impulsreferat mit den Worten: „Wenn wir nicht verstehen, können wir nicht handeln. Sprache ist das Mittel der Wahl, um Teilhabe zu ermöglichen, vor allem, wenn sie möglichst leicht ist für viele Menschen.“ In ihrem Vortrag ging sie dann auf die verschiedenen Aspekte der Leichten Sprache ein. Sie gab einen geschichtlichen Abriss, stellte kurz die rechtlichen Grundlagen dar und nannte die verschiedenen Funktionen der Leichten Sprache. Außerdem sprach sie über die Zielgruppe von Leichter Sprache und betonte, dass diese häufig größer sei, als man vermutet. Mit Hilfe des Tools „TextLab“ verdeutlichte sie anschließend beispielhaft, worin sich Texte in Leichter Sprache und Texte in Standardsprache unterscheiden.

Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol, hatte 2014 sein Einverständnis für das Portal gegeben und damit den Weg freigegeben für dessen Finanzierung. Kompatscher selbst betonte, wie wichtig es ist, dass alle gut leben, mitmachen und dabei sein können. Deshalb müsse alles barrierefrei sein. Er nannte das Webportal „einen Meilenstein für Südtirol“ und sprach den Auftrag aus, künftig mehr Inhalte in Leichte Sprache zu übertragen und damit Chancengleichheit für alle zu gewähren.

Hans Widmann, Präsident der Lebenshilfe Südtirol, erklärte, dass die Lebenshilfe zusammen mit der Initiative People First schon seit vielen Jahren Leichte Sprache in Südtirol einführen wollte. 2018 richtete die Lebenshilfe das Büro für Leichte Sprache ein und brachte diese schrittweise in Gang. Schließlich führte dies auch zur Übersetzung der Landeswebseite. Widmann lobte die gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Personen und bezeichnete die Übersetzung des Landeswebportals als „einen weiteren Schritt zur Inklusion“. Auch er betonte, dass viele MitbürgerInnen sich mit der Amtssprache und Sprache der Politik schwertun und die Seite somit eine umfangreiche Dienstleistung für viele Menschen sei.

Der Projektverantwortliche und User eXperience Architect bei SIAG (Südtiroler Informormatik AG), Stefano Bonzi, betonte, dass barrierefreie Zugänge im Internet ein wichtiges Qualitätskriterium seien. Helga Mock, die Leiterin von „okay - Büro für Leichte Sprache“ der Lebenshilfe Südtirol, führte aus, dass alle Texte PrüfleserInnen vorgelegt werden, bevor sie veröffentlicht würden. Diese entscheiden dann über die Verständlichkeit. 39 Themen wurden vorausgewählt, analysiert und das Wesentliche herausgefiltert; es entstanden so 78 Texte. Auch Mock lobte den guten Austausch und Prozess mit allen Beteiligten, trotz Pandemie, und verkündete sehr froh, dass das Projekt sogar vier Monate früher als gedacht vorgestellt werden konnte.

Robert Murmelter, Prüfleser bei „People First“, der Selbstvertretungsgruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten, erklärte, dass die Mitarbeiter von People First Texte prüfen und PrüfleserInnen ausbilden. Er freute sich, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten sich auf der Webseite von Südtirol nun selbst informieren können. Er stellte vor, wie das Prüflesen abläuft: Murmelter trifft sich zuerst mit einem weiteren Prüfleser und Frau Mock. Sie lesen laut vor, fassen zusammen, was sie verstanden haben, klären schwierige Wörter und überlegen gemeinsam, wie man die Stellen besser verständlich machen könnte, die noch zu komplex sind. Robert Murmelter findet das Prüflesen wichtig; er sagt: „Die Texte sind für uns geschrieben“ und „Wir sind die Experten in eigener Sache“.

Den Abschluss machte Renate Mayr mit der Vorstellung der Webadresse. Sie sagt, sie seien offen für Anregungen und, dass das Portal auch erweitert und verbessert werden soll, falls notwendig.

Sie freut sich über eine positive Berichterstattung und hofft, dass möglichst viele ihrem Beispiel folgen werden.

Das Webportal finden Sie hier.

Eine Aufzeichnung der Pressekonferenz finden Sie hier.


Dr. Isabel Rink, die per Video zugeschaltet wurde. Quelle: Landespresseagentur Südtirol