Die Forschungsstelle Leichte Sprache im NDR Kulturjournal

Wednesday, 28. March 2018 um 17:01 Uhr

Nachdem das Kamerateam des NDR der Forschungsstelle Leichte Sprache im vergangenen Jahr einen Besuch in Hildesheim abgestattet hatte, wurde der hieraus hervorgegangene Bericht am 05. Februar 2018 um 22.45 Uhr im NDR Kulturjournal ausgestrahlt. Im Beitrag wird vor allem auf die Notwendigkeit einer verständlicheren Form von Sprache im kulturellen Bereich aufmerksam gemacht, die in Zukunft mehr Menschen den Zugriff auf Literatur ermöglichen soll.

Allein in Deutschland gibt es über 20 Millionen Menschen, die aufgrund verschiedenster Einschränkungen nur auf Literatur zugreifen können, wenn diese in Leichter oder Einfacher Sprache geschrieben ist. Ein solches Angebot muss nach und nach geschaffen werden. Einen Anfang hat der Schriftsteller Kristof Magnusson gemacht, indem er einen Kriminalroman in Einfacher Sprache geschrieben hat und so erwachsenen LeserInnen eine Lektüre an die Hand gibt, die ihren Interessen entspricht. Daneben bietet auch der Verlag „Spaß am Lesen“ verständlichere Übersetzungen von Literaturklassikern in Einfacher Sprache an. Die Werke in Einfacher Sprache sind hierbei komplexer als Texte in Leichter Sprache, da in dieser Varietät beispielsweise auch Nebensätze zugelassen sind. Neben Romanen erstreckt sich das Literaturangebot inzwischen bis hin zu Märchen, die in Leichter Sprache rezipiert werden können.

In Hildesheim hat das Kamerateam des NDR die bisher einzige Forschungsstelle für Leichte Sprache im deutschsprachigen Raum besucht und Interviews mit Direktorin Prof. Dr. Christiane Maaß und Mitarbeiterin Alisha Rogotzki geführt. Die Mitarbeiterinnen der Forschungsstelle sehen sich in ihrem täglichen Arbeitsleben mit der Herausforderung konfrontiert, komplexe Gegenstände mit einfachen sprachlichen Mitteln darzustellen, was sich vor allem bei Behördentexten als besonders schwierig darstellt. Dabei handelt es sich aber seit Anfang des Jahres um eine neue Notwendigkeit, da Bundesbehörden ihre Texte durch die 2016 verabschiedete Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) nun auch in Leichter Sprache anbieten müssen. Von dieser Gesetzesänderung kann ein großer Personenkreis profitieren, der über die eigentlich anvisierten Menschen mit geistiger Behinderung hinausgeht. Prof. Dr. Christiane Maaß weist darauf hin, dass für die Erstellung solcher Texte ausgebildete ÜbersetzerInnen dringend gebraucht werden. Interessierten wird ab dem Wintersemester 2018 die Möglichkeit geboten, den Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim zu studieren.

Dass es sich bei den neuen Angeboten in Einfacher und Leichter Sprache um einen kulturellen Verfall handle, weist Magnusson entschieden zurück. Vielmehr stellten diese eine Erweiterung des kulturellen Spektrums dar, die Literatur für einen neuen Personenkreis überhaupt erst zugänglich mache. Der Beitrag schließt mit einiger wichtigen Aussage: Die Teilhabe am kulturellen Leben muss als Menschenrecht angesehen werden.

Hier finden Sie den ganzen Beitrag zum Nachlesen oder Nachschauen.


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