Regeln und Prinzipien

Grundprinzipien Leichter Sprache

Grundprinzipien mit Bezug auf das Sprachsystem

  • Grammatische Funktionen mit eigenem Träger ausstatten (Negation, Vergangenheitsformen, Genitiv: eigene Funktionsmarker); nicht: „er aß“ sondern: „er hat gegessen“.
  • Zentral statt peripher (Wortschatz, Information sverteilung, Genitiv, Konjunktiv).
  • Handlungsorientierung (verbal statt nominal, Handlungsträger benennen, Informationsverteilung).
  • Wichtiges und Zentrales mehrfach hervorheben („Redundanzprinzip“, „Multicodalität“).

Ethische Grundprinzipien Leichter Sprache

  • Partizipationsfunktion und Brückenfunktion der Leichten Sprache beachten.
  • Falsches Deutsch vermeiden.
  • Erwachsene Adressaten als solche ansprechen.
  • Verständlichkeit schlägt im Zweifelsfall andere Kriterien (wie z. B. eine geschlechtergerechte Sprache).

Regeln auf sprachlicher Ebene

Zeichenebene

Zeichenebene

1) Sonderzeichen: Zur Verfügung stehen Punkt, Frage-, Ausrufezeichen, Doppelpunkt, Anführungszeichen, Mediopunkt.

2) Zeichen unterschiedlicher Art und Qualität helfen die Aussage eines Texts verständlich zu machen. Dazu gehören auch Hervorhebungen, Bilder, Grafiken, Fotos.

3) Der Umgang mit Zahlen und Ziffern ergibt sich aus dem Textthema.

4) Zahlen werden als Ziffern geschrieben. Achtung: „ein“ als indefiniter Artikel ist kein Zahlwort.

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Wortebene

Wortebene

  • Grundwortschatz verwenden (statt „Gartengrasmücke“ → „Vogel“).
  • Möglichst kurze Wörter verwenden.
  • Fach- und Fremdwörter vermeiden oder (sofern für den Text zentral) erklären.
  • Schriftbasierte Abkürzungen („usw.“, „s.u.“) vermeiden. Bekannte Siglenwörter („LKW“) dürfen eingesetzt werden.
  • Wortbestandteile durch Mediopunkt kenntlich machen.

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Satzebene

Satzebene

1) Verbal statt nominal: Nominalstil vermeiden.

2) Passiv vermeiden. Handlungsträger ermitteln und hinzufügen.

3) Genitiv vermeiden.

4) Satzgliedstellung gemäß den Erfordernissen der Grammatik.

5) Nur eine Aussage pro Satz.

6) Keine Nebensätze, kein Komma. Auflösung von Satzgefügen gemäß den Vorgaben:

  • Konditionalsatz: „Wenn…, dann…“ → Frage + „dann“
  • Kausalsatz: „Weil…, …“  → Ursache vor Wirkung: „Deshalb“; → Wirkung vor Ursache: „nämlich“
  • Modalsatz: „…, indem …“ → „So …: …“
  • Temporalsatz: „während...“, „als“; „bevor...“; „nachdem...“ → Einhaltung der natürlichen Chronologie der Ereignisse, evtl. „dann“, „jetzt“, „und“
  • Konsekutivsatz: „… sodass …“ → „… . Deshalb…“  
  • Konzessivsatz: „Obwohl …“ → „… trotzdem…“.
  • Finalsatz: „Damit ...“ → „wollen“ + „deshalb“ (Intention + Kausalität) 
  • Relativsatz: nicht restriktiv → Aufteilung in mehrere Aussagen;
    restriktiv → notwendige Informationen einführen und erläutern  

7) Konjunktiv sofern möglich vermeiden. Aussagen reformulieren.  

8) Präteritum vermeiden → stattdessen Perfekt oder Präsens mit Rahmensetzung. Ausnahme: Modalverben (können, sollen, wollen, müssen, mögen, dürfen) dürfen ins Präteritum gesetzt werden.

9) Transparente Metaphern, die dem Lebensbereich der Adressatenschaft entstammen, dürfen verwendet werden. Wenig transparente Metaphern ersetzen oder erläutern.  

10) Negation möglichst vermeiden.

  •  N-Negation vor k-Negation; oder: nach Möglichkeit mit „nicht“ negieren.
  • Nicht“ im Text fett setzen.

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Textebene

Textebene

1) Textuelle Entfaltung beachten.

2) Die Auswahl der Informationen ergibt sich aus dem Textthema.

3) Für alle Wortarten: Verwendung gleicher Wörter für gleiche Sachverhalte, keine Synonyme.

4) Umgang mit Personalpronomen:

  • Personalpronomen der 1. und 2. Person können verwendet werden.
  • Personalpronomen der 3. Person müssen ersetzt werden.
  • Das so genannte expletive „es“, das kein Bezugs­wort aufweist, darf verwendet werden („Es regnet.“).
  • Jedes „Sie“, das in einem Text in Leichter Sprache auftritt, ist eine höfliche Anrede.
  • Erwachsene Leserinnen und Leser werden i.d.R. gesiezt.
  • Personalpronomen der 3. Person werden durch das Nomen ersetzt, für das sie stehen.
  • Bei Verben des Sagens und Denkens
    → Wechsel in direkte Rede („ich/wir“ = Repronominalisierung).
  • Vor das Nomen können Possessivartikel gesetzt werden (=Präpronominalisierung).

5) Schlagwörter am Seitenrand bzw. Zwischen­überschriften einsetzen.

6) Verweise im Text sind unverzichtbar. Erläuterungen in Leserichtung einfügen.

7) Bei Übersetzungen in Leichte Sprache darf der Text verändert werden (Abschnitte, Überschriften, etc.). Achtung: Brückenfunktion ermöglichen!

8) Bebilderung an Altersgruppe ausrichten. Fotos, Diagramme, Piktogramme etc. dürfen je nach Bedarf eingesetzt werden (Bildrechte klären!).

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