Werden Texte in Leichter Sprache tatsächlich genutzt? Lohnt der Aufwand?

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Stellen Sie sich vor, es ist eine neue Krankheit entdeckt worden, die eine Gruppe von „nur“ 1000 Personen betrifft. Lohnt sich die Entwicklung von Medikamenten? Moralisch gesehen würde es sich auch für eine kleine Gruppe von Adressat_innen lohnen, Textangebote in Leichter Sprache vorzuhalten. Die Leichte-Sprache-Adressatenschaft ist allerdings eine sehr große Gruppe.

Darüber hinaus stellen wir fest, dass gerade bei schwierigen, fachlichen Texten aus dem juristisch-administrativen, dem medizinischen und dem technischen Bereich eine noch viel größere Gruppe von der hohen Verständlichkeit dieser Texte profitiert: nämlich all diejenigen Leser_innen, für die der fachliche Ausgangstext zu schwer ist. Zwar ist für diese Leser_innen die Leichte-Sprache-Fassung in der Regel zu leicht, aber die Inhalte sind überhaupt zugänglich. Hierzu ein Beispiel: Die erste Auflage der Erbrechtsbroschüre des Niedersächsischen Justizministeriums ("erben-vererben") in Leichter Sprache war innerhalb weniger Monate vergriffen, obwohl mehrere zehntausend Stück gedruckt worden waren. Sicherlich waren nicht alle, die diese Broschüre angefordert haben, Personen mit einer Leseeinschränkung: Auch viele „durchschnittliche“ Leser_innen mögen sich gefreut haben, dass das Erbrecht endlich in verständlicher Form zugänglich ist.

Den Effekt, dass bei einem Abbau von Barrieren ein größerer Kreis von Personen profitiert als ursprünglich geplant, kennen wir auch aus anderen Bereichen: Wer mit Kinderwagen, Fahrrad oder Skateboard in der Stadt unterwegs ist, nutzt sicher gern die Rampen, die eigentlich primär für die Rollstuhlfahrer_innen angelegt wurden.

Darum: Ja, es lohnt sich ganz sicher, es lohnt sich häufig mehrfach und in unerwarteter Hinsicht, in den Abbau von Barrieren – im Falle der Leichten Sprache: in den Abbau von Kommunikationsbarrieren – zu investieren.