Werden Texte in Leichter Sprache tatsächlich besser verstanden und woher beziehen Sie Ihre Erkenntnisse?

Diese Seite in Leichter Sprache

Es kann als wissenschaftlich gesichert angesehen werden, dass Texte, die den Leichte-Sprache-Regeln entsprechen, besser verstanden werden, denn Verständlichkeit von Sprache und Texten ist eine gut untersuchte und erforschte Größe.

Die Merkmale, die Texte leicht verständlich machen, sind sprachübergreifend immer dieselben. Dabei ist es beim Lesen so, dass der Text zunächst einmal über die Augen aufgenommen werden muss, bevor er überhaupt sprachlich verarbeitet werden kann. Hier kommt der Punkt Layout ins Spiel. Die Schrift muss groß genug, darf aber nicht zu groß sein, das Layout muss insgesamt bestimmten Anforderungen an Kontrast und Seitenstruktur entsprechen.

Insbesondere Teile der schwachen Leser_innen oder Personen mit einer zusätzlichen Sehbehinderung können die Texte nur dann verarbeiten, wenn sie in dieser Form aufbereitet sind. Stützend für den Leseprozess sind sie aber auch für alle anderen Leser_innen.

Nur wenn die Aufnahme des Texts über die Augen glückt, können die sprachlichen Informationen überhaupt verarbeitet werden. Hier sind es wieder bestimmte, benennbare Faktoren, die Texte leichter verständlich machen, u. a.:

  • Wie lang sind die Sätze?
  • Sind Nebensätze vorhanden?
  • Wie deutlich sind die Bezüge zwischen den Informationen im Text?
  • Wie lang und wie abstrakt sind die Nomen?
  • Wie fest sind die verwendeten Wortschatzelemente im Sprachgebrauch der Leser_innen verankert? Wie viele Informationen werden im Text belassen?
  • Wie dicht ist die Erklärungsstruktur?

Zu allen diesen Faktoren liegen umfangreiche Forschungsergebnisse aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen vor, u. a. aus den Bereichen:

  • Verständlichkeitsforschung
  • Fachsprachenforschung, insbesondere der Experten-Laien-Kommunikation
  • Forschung zum Erst- und Zweitsprachenerwerb
  • Leseerwerbsforschung (primäre Alphabetisierung im Unterricht und sekundäre Alphabetisierung in der Erwachsenenbildung)
  • Forschung zur Art der Kommunikationsbeeinträchtigung bei einschlägigen Behinderungsbildern (geistige Behinderung, Hörschädigung, Aphasie, Demenz)
  • Xenolektforschung (Forschung über die Art und Weise, wie Muttersprachler_innen mit Nichtmuttersprachler_innen kommunizieren, wenn sie bei diesen ein unvollständig ausgebildetes Sprachverstehen vermuten)
  • angewandte Sprachwissenschaft, insbesondere Forschung zur Standardgrammatik und zum Varietätensystem des Deutschen

Die Forschungsergebnisse in allen diesen Gebieten führen mit Blick auf diejenigen Eigenschaften, die Texte leicht oder schwer machen, zu übereinstimmenden Ergebnissen, und zwar bis hin zu einzelnen Phänomenen, die als schwer verarbeitbar gelten, wie etwa:

  • Nebensätze, insbesondere Relativsätze
  • synthetische Verbformen wie Präteritum oder Konjunktiv
  • Negation und Metaphern
  • Wiederaufnahmebeziehungen im Text über Personalpronomen der dritten Person.