Ist es nicht problematisch, einer leseschwachen Adressatenschaft besonders lange Texte vorzulegen? Und greifen Übersetzer_innen bei Kürzungen nicht in das Informationsrecht der Adressatenschaft ein?

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Was auf Wort-und Satzebene Inhalte leichter verständlich macht (z. B. das Einfügen von Erläuterungen), führt auf der Textebene dazu, dass die Texte zwangsläufig länger werden, wenn alle Informationen aus dem Ausgangstext übertragen werden.

Hier gilt es sorgsam abzuwägen und die Funktion des jeweiligen Zieltexts im Blick zu behalten:

  • Für wen ist der Text?
  • In welchem Kontext soll er eingesetzt werden?
  • Müssen die Leser_innen ihn in einem Stück lesen oder ist er teilbar? Das heißt, sind vielleicht Informationsteile ausgliederbar?
  • Welche Informationen sind besonders wichtig? Es gilt jeweils, auf dieser Grundlage eine Strategie auf Textebene zu entwickeln.

Je nach Textfunktion kann es dann tatsächlich vorkommen, dass dieser Text länger ist als der Ausgangstext. Das ist zum Beispiel häufig in juristisch-administrativen Kontexten der Fall, wo schwierige und abstrakte Gegenstände verständlich gemacht werden müssen (z. B. „Was ist ein Nachteilsausgleich?“).

Die Texte in Leichter Sprache sind aber häufig auch kürzer, wobei dann zentrale Aussagen, die für die Zielsituation von Belang sind, ausgewählt, in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht und nach den Regeln auf Wort- und Satzebene aufbereitet werden.

Die Übersetzer_innen greifen also tatsächlich in die Informationsstruktur des Texts ein. Sie müssen abwägen zwischen dem Informationsbedürfnis der Leichte-Sprache-Leserschaft einerseits und dem Möglichkeitsraum, den ihre (eingeschränkte) Lesefähigkeit andererseits eröffnet. Dieses Eingreifen erfordert erhebliche Expertise und ein verantwortungsbewusstes Vorgehen.