Ist Einfache Sprache dasselbe oder etwas anderes als Leichte Sprache?

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Einfache Sprache ist, ebenso wie die Leichte Sprache, eine verständlichere Variante des Deutschen. Anders als für Leichte Sprache gibt es für Einfache Sprache kein festes Regelset. Das hat gute Gründe. Schwierigkeiten sind hierarchisch strukturiert, d. h. manche stellen größere, manche geringere Anforderungen an die kognitive Verarbeitung. So wird die Wiederaufnahme von Textgegenständen über Pronomen der dritten Person („der Nachbar“ > „er“) von Menschen mit einer weniger gravierenden Leseeinschränkung normalerweise gut verstanden, wenn der Bezug eindeutig ist; Nebensätze werden leichter verarbeitet, wenn sie nicht zu tief eingebettet sind; der Genitiv macht mehr Probleme als andere Fälle, das Präteritum ist schwerer zu verarbeiten als das Perfekt, der Konjunktiv schwerer als der Indikativ etc.Für Leichte Sprache sind alle Eigenschaften von Texten, die überhaupt Schwierigkeiten bereiten, abgewählt:

  • keine Wiederaufnahme mit Personalpronomen der dritten Person,
  • kein Genitiv,
  • keine Nebensätze,
  • kein Präteritum,
  • kein Konjunktiv etc.

Orientiert an diesen Schwierigkeitshierarchien und ausgehend von der maximalen Reduktionsstufe (Leichte Sprache) kann man dann die Texte gezielt um solche Strategien anreichern, die zwar für Leichte-Sprache Leser_innenzu schwer sind, die man bei etwas geübteren Leser_innen aber voraussetzen kann:

  • einfache Nebensätze,
  • Wiederaufnahme mit Personalpronomen der dritten Person,
  • (sparsame) Verwendung des Genitivs,
  • Präteritum, Konjunktiv etc.

Was Texte insgesamt schwierig macht, würde man dennoch vermeiden (z. B. mehrfach eingebettete Nebensätze, doppelte Verneinung, Häufung von Fachbegriffen, Häufung von Abstrakta).

Leichte Sprache ist streng regelgeleitet. Einfache Sprache eröffnet dagegen einen Handlungsraum, innerhalb dessen die Texte mit Blick auf die anvisierten Adressat_innen und deren vermutete Wissensvoraussetzungen angepasst werden können. Texte in Einfacher Sprache sind für durchschnittliche Leser_innen weniger befremdlich als Texte in Leichter Sprache, weisen aber trotzdem sehr hohe Verständlichkeitswerte auf. Sind die Ausgangstexte nicht fachsprachlich, sondern allgemeinsprachlich, dann können sie in der Regel weitgehend informationskonstant in Einfache Sprache umgesetzt werden, ohne dass sich das Textvolumen massiv erhöht.

Alle diese Vertextungsformen,die sich am Regelsystem der Leichten Sprache orientieren, es aber in strategischer Weise nicht voll ausschöpfen, nennt man Texte in „einfacher Sprache“, manchmal auch bereits „Einfache Sprache“ mit großem „E“ –wie im Handbuch Leichte Sprache, das im März 2016 beim Duden erschienen ist.