Diese Seite in Leichter Sprache

Texte in Leichter Sprache ersetzen standardsprachliche Texte ebenso wenig, wie der Rollstuhl gutes Schuhwerk ersetzt. Es handelt sich nicht um Ersatz-, sondern um Zusatzangebote.

Das Argument des Sprachverfalls findet sich häufig bei den Gegnern der Leichten Sprache, die von ihrem eigenen bildungsbürgerlichen Hintergrund ausgehend einen Sprach- und Kulturverfall konstatieren und Leichte Sprache als Beleg anführen. Häufig findet sich dann auch das Argument, dass jetzt wohl bald auch die Werke Goethe respektive Hegel oder Thomas Mann in Leichte Sprache übersetzt und damit zerstört würden. Davon ist aber bei den gegenwärtigen Bemühungen um Leichte Sprache keine Rede: Schwerpunktmäßig geht es darum, Teilhabe zu ermöglichen – adäquates Reagieren auf Briefe vom Amt, informierte und eigenständige Entscheidungen beim Arzt, Zugriff auf Informationstexte von Schulordnung bis Nachrichtentext. Viele der Ausgangstexte, man muss es einmal konstatieren, sind gerade keine Ruhmesstücke deutscher Ausdruckskunst, sondern in missverständlichem Amtsdeutsch oder Fachchinesisch geschrieben. Wer solche Texte mit verständlichen Entsprechungen flankiert, ist keineswegs ein Agent eines gesamtgesellschaftlichen Sprachverfalls. Vielmehr reagiert er oder sie darauf, dass Texte häufig Teilen ihrer Adressatenschaft vorbeikommunizieren.