Biblische Theologie

Unter „Biblische Theologie“ ist – nach etymologischer Herleitung - das „schriftliche Wort (des) Gottes / über (den) Gott“ zu verstehen. Dieser inhaltlich-sachlichen Bestimmung entspricht auf formaler Ebene das methodische Anliegen von Exegese: Geschichtlich bedingte Glaubens-Texte werden mit Hilfe bibelwissenschaftlicher Methoden analysiert – und zwar mit dem Ziel, diese adäquat verstehbar zu machen in einer analog geschichtlich-bedingten Gegenwart. Die Hermeneutik, die diesem Übersetzungsanliegen zugrunde liegt, tritt mit einem „parakletischen“ Anspruch auf: Bibeltheologie ist Anwalt des Textes!

 

Im Rahmen eines geschichtswissenschaftlich orientierten Weltverstehens und im Kontext eines literaturwissenschaftlichen Textverstehens verortet sich Bibelwissenschaft in einem historisch-kritischen Verstehensprozess. Sogenannte neuere exegetische Methoden ergänzen dabei das klassische Analyseensemble. Prägender Fokus ist eine konstruktivistisch orientierte Hermeneutik. Diese nimmt die erkenntnistheoretische Maxime ernst, dass menschliche Wirklichkeit Faktizität gewinnt als Geschehen von Wahrnehmung und Deutung. Gerade darin und dadurch kann der biblische Anspruch, „Offenbarung“ zu sein, als vernünftig ausgewiesen werden und seine aktuelle Relevanz Plausibilität gewinnen.

 

Auf der Basis einer „konstruktionsgeschichtlichen“ Hermeneutik zeigt sich der Text wie das Text-Verstehen als ein Geschehen, das bedingt ist durch Auslegungs- und Wirkungsgeschichte(n). Dieses Verständnis ermöglicht in der Lehr-Lern-Gestaltung analytische und applikative Konkretisierungen, die gerade für Lehramtsstudierende einen nachhaltigen Gewinn versprechen.

Spezifische Vertiefungsmöglichkeiten der Bibel-“Praxis“ bieten sich

innerhalb des universitären Settings

- im Bereich der Bibel-Didaktik: Unter besonderer Berücksichtigung des selbst-entdeckenden Lernens werden „szenische Inszenierungen“ gestaltet und "Lernzirkel" entwickelt.

- im Bereich der Bibel-Exkursion: Als „Lernen vor Ort“ kann der Text zum „fünften Evangelium“ (B. Pixner) werden.

außerhalb des universitären Settings

- im Bereich der Bibel-Spiritualität: In Gestalt des "Herzensgebets" eröffnen sich Zugänge zum  biblisch-interreligiösen Phänomen hesychastischer Gottes-Offenbarung.

- im Bereich der Bibel-Katechese: Die genuin ekklesiologisch verortete Text-Realität findet ihr adäquates Pendant im Kontext der „Gemeinde vor Ort“, zumal im alterspezifischen Erstkommunion-Kurs.

- im Bereich der Biblio-Therapie: Auf der Basis gestalttherapeutischer Analytik und Methodik eröffnet sich ein authentisches Wahrnehmen und Deuten.