Mehrsprachigkeit in der Unterrichtsforschung: Kooperation mit der Ain Shams Universität Kairo

Friday, 12. October 2018  / Age: 9 Tage

Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Frage, die die Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler verbindet ist die Mehrsprachigkeit in Schulen und in der Gesellschaft.

Am Bühler-Campus planen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ain Shams Universität Kairo und der Universität Hildesheim die nächsten Schritte der Kooperation in Forschung und Lehre: Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim, Basem Schoaib, Burkhard Moennighoff, Beatrix Kreß, Abdelrahman Nagi, El Sayed Madbouly und Elke Montanari, sowie im Gespräch mit dem Universitätspräsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Mehrsprachigkeit im Unterricht als ein Thema, das über die Kontinente hinausreicht – das ist die Grundidee der Forschungskooperation zwischen dem Zentrum für Bildungsintegration, dem Institut für deutsche Sprache und Literatur und dem Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität Hildesheim mit der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität in Kairo, Ägypten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert über zwei Jahre den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und dem wissenschaftlichen Nachwuchs, der von der Universität Hildesheim aus von den Professorinnen Elke Montanari und Beatrix Kreß betreut wird.

Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Woche lang (vom 8. bis 12. Oktober 2018) tauschen sich die Wissenschaftlerinnen Dr. Heba Ahmed Mahmoud Emam und Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim sowie die Wissenschaftler Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Dr. Basem Schoaib, Dr. Abdelrahman Nagi und von der Ain Shams Universität mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Hildesheim aus.

Ziel der Gespräche ist es, Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Lehre zu diskutieren und den wissenschaftlichen internationalen Austausch in der Lehrerbildung zu befördern. Wie lässt sich zum Beispiel das Studium institutionell verknüpfen? Vorbilder können die gemeinsamen Studienprogramme der Universität Hildesheim mit der Pai Chai University in Daejeon und der Chungbuk National University in Chungbuk in Südkorea in den Informationswissenschaften, mit der Staatlichen Universität Nowgorod in Russland in den Sprachwissenschaften und mit der Université de Provence in Marseille in Frankreich in den Kulturwissenschaften sein. Ein Teil des Studiums absolvieren die Studierenden in Hildesheim und einen Teil an der jeweiligen Partneruniversität.

Eine Frage, die an den Universitäten in Kairo und Hildesheim diskutiert wird, betrifft die Rolle der Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht. Sollte Mehrsprachigkeit einbezogen werden, weil es das Sprachenlernen befördert, wenn Erst- und neue Sprachen verknüpft werden? Oder sollte möglichst viel Zeit mit der neu zu lernenden, deutschen Sprache zur Verfügung stehen? Welche Rolle darf und soll Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht einnehmen?

In diesem Jahr war als erster Gaststudent bereits Hassan Reyad aus Kairo für ein Semester in Hildesheim, um seine Masterarbeit zu beenden, er kehrte mit einem fertigen Dokument und vielen neuen Kontakten zurück nach Kairo, so Elke Montanari. „Wir arbeiten auch im Bereich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zusammen und betreuen gemeinsam eine Doktorandin. Wir haben in Kairo und Hildesheim gemeinsame wissenschaftliche Biografien – die Funktionale Pragmatik verbindet uns.“

Die beiden Universitäten in Kairo und Hildesheim unterzeichnen im Oktober 2018 ein „Memorandum of Understanding“, darin heißt es:

„Ain Shams University and the University of Hildesheim believe that mutual benefit can be derived from scholarly interaction, cultural interchange, co-operative research, and other forms of academic collaboration. Therefore, both parties agreed on the following: The Parties see advantages in the development of strong academic links and relationships and agree in principle to enter into discussions to establish ties of friendship and cooperation for the purpose of promoting mutual understanding and academic, cultural and personal exchange in various sectors and disciplines. […]”

Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Kairo

El Sayed Selmy Madbouly ist Professor an der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Zuvor hat der Sprachwissenschaftler in Hamburg und Siegen promoviert. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Grammatik als kontrastive Linguistik. Zwei Jahre hat er am Landesspracheninstitut Bochum und acht Jahre an einer Sprachen- und Übersetzungsfakultät in Saudi-Arabien gearbeitet. Er sagt:

„Mit Professorin Montanari habe ich das Kooperationsprojekt zwischen Hildesheim und Kairo beantragt. Gemeinsam möchten wir die Lehrerausbildung im mehrsprachigen Kontext ausbauen. Der Zwecke der Reisen ist, sich eng abzusprechen, was wir in der Zukunft gemeinsam in Forschung und Lehre machen können.

Mehrsprachigkeit ist ganz klar da – schauen Sie in die Klassenzimmer in deutschen Schulen, es ist wichtig, dass man den sprachlichen und kulturellen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler kennt, bevor man unterrichtet. Bei uns in Ägypten ist der deutsche Arbeitsmarkt auch eine Berufschance für Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer, viele Ägypter sind jetzt in Deutschland und unterrichten geflohene Syrer. In Ägypten ist die deutsche Sprache sehr verbreitet, es gibt siebzehn deutsche Abteilungen an den staatlichen Universitäten, die privaten nicht eingerechnet. Wir versuchen, unsere Studentinnen und Studenten durch die Literatur zum Sprechen zu bringen. Unser Ziel ist, dass auch die deutschsprachige Literatur zur Förderung der Sprachfähigkeit führt.

Kairo ist eine riesige Stadt – wir freuen uns auf Hildesheim als kleine Stadt. Man kann die Stadt zu Fuß einfach besichtigen und Natur erleben – das ist wirklich anders als in Kairo. Ich genieße die Ruhe hier in Hildesheim.“

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim, Kairo

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim arbeitet als Oberassistentin der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Ihre Doktorarbeit möchte sie an den Universitäten Hildesheim und Kairo schreiben. Sie sagt:

„Ich habe meine Abschlussarbeit über das alltägliche Erzählen in arabischer und deutscher Sprache geschrieben. Jetzt arbeite ich an meiner Doktorarbeit. Das Thema meiner Arbeit ist ‚Präsuppositionmarker im Deutschen und Arabischen‘. Der kontrastive Vergleich zweier Sprachen ist immer interessant. Das finde ich toll, in der Forschung gelangt man zu Perspektiven und Erkenntnissen in beiden Sprachen. Die Forschungserkenntnisse sollen beim Deutschunterricht helfen. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die Sprachen verstehen, ist es einfacher zu unterrichten.

Die Kooperation zwischen der Ain Shams Universität in Kairo und der Universität in Hildesheim ist eine Chance. Unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst können wir unsere gemeinsame Arbeit im Bereich der Mehrsprachigkeit stärken – auf verschiedenen Ebenenen, es entstehen gemeinsame Publikationen. Wir sprechen über die Zusammenarbeit in Studiengängen oder in der Forschung. Heutzutage sind die Begegnungen wichtig.

Meine Hoffnung ist, dass diese Kooperation fortbesteht und dass wir gegenseitig profitieren – auf der kulturellen und wissenschaftlichen Seite. Wir möchten auch ein Vorbild für andere Universitäten sein, internationale Kooperationen zu pflegen. Ich bin das erste Mal in Hildesheim und freue mich sehr, dass ich in Hildesheim sein kann. Es ist eine große Chance, ich lerne von den Kollegen vieles und hoffe, im Laufe der Zeit kann ich etwas zurückgeben.“

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

By: Pressestelle, Isa Lange [erstveröffentlicht 10.10.2018, aktualisiert 13.10.2018]

Am Bühler-Campus planen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ain Shams Universität Kairo und der Universität Hildesheim die nächsten Schritte der Kooperation in Forschung und Lehre: Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim, Basem Schoaib, Burkhard Moennighoff, Beatrix Kreß, Abdelrahman Nagi, El Sayed Madbouly und Elke Montanari, sowie im Gespräch mit dem Universitätspräsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim