Freiheit der Künste: Künstlerinnen und Künstler sind Seismografen von Gesellschaften und Krisen

Monday, 03. September 2018  / Age: 17 Tage

Das Institut für Kulturpolitik setzt sein Fortbildungsprogramm für verfolgte Künstlerinnen und Künstler, Kulturmanager und Juristen fort. Das Auswärtige Amt unterstützt die Arbeit der Hildesheimer Forscher. Im September tagen Experten in Hildesheim und Berlin.

Sie organisieren die Fortbildung „Arts Rights Justice“ (Künste, Rechte, Gerechtigkeit) und halten Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern weltweit: Masterstudentin Charlotte Rauth, Daniel Gad, Michèle Brand und Nele Tast vom Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

„A vision on the protection of Freedom of Artistic Expression within International Cultural Policy”, Grußwort der Staatsministerin Michelle Müntefering (Auswärtiges Amt) anlässlich des Hildesheimer Forschungsprogramms, 07.09.2018 (englisch)

Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim setzt das Forschungsprogramm „Arts Rights Justice“ (Künste, Rechte, Gerechtigkeit) fort. Damit rücken die Forscherinnen und Forscher um Wolfgang Schneider, Universitätsprofessor für Kulturpolitik, das Schicksal verfolgter Künstlerinnen und Künstler und das Recht auf künstlerische Freiheit in den Fokus. Das Auswärtige Amt und weitere Partner unterstützen die Arbeit.

Im September 2018 tagen an der Universität Hildesheim 30 Künstler, Juristen und Kulturmanager unter anderem aus Tadschikistan, Nigeria, Argentinien, Simbabwe, Iran, Türkei, Ägypten, Indien, Japan, Schweden, Syrien, Deutschland, Brasilien, Afghanistan, Kanada, Norwegen, Jemen, Bangladesch, Irak, Belgien und Libyen.

Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Musiker, Dichter, Theaterregisseure, Menschenrechtsanwälte, Schriftsteller, Kulturmanager, Übersetzer und Journalisten, die Verfolgung und Repressionen erlebt haben und sich für künstlerische Freiheit einsetzen; etwa eine Malerin aus Tripoli, eine Menschenrechtsaktivistin aus Bangladesh, ein Journalist aus Äthiopien, eine Anwältin aus Indien, ein Soziologe aus São Paulo, ein Anwalt aus Iran, ein Musiker aus Pakistan und im Exil lebende Künstler und Juristen aus Mosul und Damaskus.

Acht Gastdozenten begleiten die „young professionals“ während der Fortbildung. Die mehrtägige englischsprachige Akademie ist nicht öffentlich und bietet Raum für Austausch und Wissenstransfer. Die Fortbildungsreihe soll 2019 fortgesetzt werden.

Künstlerinnen und Künstler begleiten politische Krisen mit künstlerischen Mitteln, oftmals unter Bedrohung

Die Fortbildung endet mit einer Tagung im Auswärtigen Amt in Berlin. Eine Teilnahme am öffentlichen Teil des „Arts Rights Justice Forum“ ist am Freitag, 7. September 2018 ab 14:00 Uhr nach vorheriger Anmeldung möglich (Details und Programm). Unter anderem spricht Staatsministerin Michelle Müntefering, zuständig für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt.

Künstlerinnen und Künstler sind „Seismografen von Gesellschaften“, sagt Professor Wolfgang Schneider. Sie begleiten politische Krisen und Transformationsprozesse mit künstlerischen Mitteln, oftmals unter Bedrohung und Repression. Wissenschaftler haben eine Verantwortung, die Gefährdung der Freiheitsrechte zu beforschen und ihre Außerkraftsetzung anzuprangern, begründet Schneider die Notwendigkeit des Hildesheimer Forschungsprogramms.

„Bedrohung kann unterschiedlich ausfallen und reicht von Selbstzensur bis zu Verfolgung, Inhaftierung und Ermordung“, sagt der Hildesheimer Kulturwissenschaftler Daniel Gad. „Wie es um die Akzeptanz von Freiheit und Vielfalt steht, ist regional sehr unterschiedlich“, so Gad.

Hildesheimer Online-Archiv soll künftig Einschränkungen künstlerischer Freiheit weltweit dokumentieren

Die Hildesheimer Forscher und Forscherinnen bauen aktuell eine Online-Bibliothek auf, in der die vielfältigen Einschränkungen künstlerischer Freiheit weltweit dokumentiert werden sollen („Arts Rights Justice Library“). Zudem entstehen derzeit Fallstudien in einzelnen Regionen, etwa zu der Frage, wie Vorfälle der Einschränkung künstlerischer Freiheit konkret gemanaged werden und welche Schutzmechanismen in den einzelnen Ländern erfolgen. In einem Atlas soll anhand juristischer Rahmenbedingungen dargestellt werden, wie die jeweiligen Verfassungen unserer Welt die Freiheit schützen oder einschränken. Die Forschung ist auf mehrere Jahre ausgelegt.

Themen der Fortbildung sind unter anderem:

  • Fundamentals of freedom of expression within human rights
  • Legal frameworks – freedom and threat
  • Advocacy and campaigning
  • Networking & funding
  • Working with artists: needs, protection, visas, relocation, dealing with psychological impacts

Das Team hinter dem Projekt „Arts Rights Justice“

Zunächst von 2017 bis 2018 wird das Pilotprojekt „Arts Rights Justice“ vom Auswärtigen Amt und der in Norwegen ansässigen Organisation „International Cities of Refuge Network“ unterstützt. Die Förderung ermöglicht es dem Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl rund um Professor Dr. Wolfgang Schneider, Dr. Daniel Gad und Michèle Brand, Forschung und Lehre in diesem Gebiet auszuweiten.

Kurz erklärt:

UNESCO-Lehrstuhl am Institut für Kulturpolitik

In Hildesheim ist ein Zentrum für kulturpolitische Forschung in Deutschland entstanden: Hier lehrt und forscht der erste und bisher einzige Universitätsprofessor für Kulturpolitik. Die UNESCO hat 2012 die Arbeit von Professor Wolfgang Schneider mit einem UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ (Kulturpolitik für die Künste innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse) ausgezeichnet.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim untersuchen mit Partnern aus dem Mittelmeerraum, afrikanischen und arabischen Ländern die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in politischen Umbrüchen. Sie befassen sich in Forschung und Lehre mit der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, mit dem Schutz und der Förderung von künstlerischen Ausdrucksformen, mit künstlerischen Freiheitsrechten und Menschenrechten sowie kulturpolitischen Rahmenstrukturen für kulturelle Bildung. Die Zielsetzungen der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt stellen hier einen wesentlichen Bezugspunkt dar.

Das Institut für Kulturpolitik bildet den Nachwuchs in den Studiengängen „Kulturvermittlung“ und „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ aus. Studentinnen und Studenten können den Schwerpunkt „Kulturpolitik im internationalen Vergleich“ wählen und innerhalb des vierjährigen Bachelor Plus-Studiums für ein Jahr an Partnerhochschulen in Marseille/Frankreich, Istanbul/Türkei, Vilnius/Litauen, Pretoria/Südafrika oder Casablanca/Marokko gehen. Die Forschungsprojekte der Studentinnen und Studenten im Masterstudium „Kulturvermittlung“ führen die Studierenden regelmäßig in alle Weltregionen.

Kontakt bei Fragen zur Tagung: Nele Tast, Pressestelle des Arts Rights Justice Programms (E-Mail: assistance.arj@gmail.com, Telefon: 0174 1943639).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, E-Mail:presse@uni-hildesheim.de, Telefon: 05121 883 90100)

By: Pressestelle, Isa Lange

Sie organisieren die Fortbildung „Arts Rights Justice“ (Künste, Rechte, Gerechtigkeit) und halten Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern weltweit: Masterstudentin Charlotte Rauth, Daniel Gad, Michèle Brand und Nele Tast vom Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim