„Ohne Natur können wir nicht existieren“ – erstes FÖJ an der Universität Hildesheim bietet Einblicke in die praktische wissenschaftliche Arbeit

Wednesday, 13. April 2022 um 08:00 Uhr

Im September 2021 startete das erste Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) an der Universität Hildesheim. Was sich nach einer ungewöhnlichen Einrichtung für ein FÖJ anhört, bietet die Grundlage für eine Kombination aus Theorie und Praxis im universitären Umfeld. Die FÖJlerin Lea Maßmann stellte sich der Herausforderung.

Prof. Martin Sauerwein ist Leiter des Instituts für Geographie und FÖJ-Koordinator an der Universität Hildesheim. Foto: Daniel Kunzfeld

„Ich habe nach Möglichkeiten gesucht, meine allgemeine Fachhochschulreife zu erreichen und bin dabei auf das FÖJ gestoßen. Dabei hat sich herausgestellt, dass es gut zu mir passt, da ich mich für die Natur interessiere und unsere Umwelt unterstützen möchte“, schildert die 18-jährige Lea Maßmann ihre Entscheidung für das FÖJ. „Ohne Natur könnten wir nicht existieren und so wie es jetzt aussieht, zeigt der Klimawandel, dass er unser größtes und dringendstes Problem ist.“ Die Universität Hildesheim ist damit seit 2021 erstmals Einsatzstelle für das Freiwillige Ökologische Jahr. „An der Universität Hildesheim gibt es den Bachelor-Studiengang ‚Umweltsicherung‘ und den Masterstudiengang ‚Umwelt, Naturschutz und Nachhaltigkeit‘. Viele der Studierenden haben vorher bereits ein FÖJ absolviert – warum dieses nicht auch direkt an der Hochschule anbieten?“, sagt Prof. Martin Sauerwein, Leiter des Instituts für Geographie und FÖJ-Koordinator an der Universität Hildesheim. Zusammen mit seiner Kollegin Sarah Matheis-Kist betreut er Lea Maßmann und ist ihr Ansprechpartner, wenn es um die Ausgestaltung der Aufgaben im Rahmen des FÖJ geht. „Wir treffen uns wöchentlich und besprechen, welche Aktivitäten anstehen, was sie für Wünsche hat etc. Das ist auch die Hauptfunktion des Mentors, diese Kontinuität und eine persönliche und direkte Betreuung zu wahren“, so Sauerwein.

Zu Maßmanns Aufgaben zählt vor allem die Laborarbeit. Neben dem klassischen Mikroskopieren erhält sie u. a. Einblicke in die Bestimmung des ph-Werts, der Leitfähigkeit von Stoffen, in die Analyse von Korngrößen sowie in die Ermittlung von Glühverlust. In Exkursionen sammelt sie das Material, welches sie anschließend im Labor untersucht. „Einmal war ich in Südbrandenburg und habe im Moor Messungen durchgeführt, ein anderes Mal durfte ich bei einer Bodenprobeentnahme assistieren“, so Maßmann. Ein wichtiger, weiterer Bestandteil des FÖJ ist die Entwicklung eines eigenen Projekts. „Ich habe mich dafür entschieden, Nistkästen zu bauen und Singvögeln damit Schutz und Brutplätze zur Verfügung zu stellen, da sie durch starke Bebauung und intensive Landwirtschaft immer weniger Plätze finden können. Insgesamt 12 Nistkästen werden demnächst am Unigelände angebracht. Die Infotafeln dazu habe ich selber entworfen und gestaltet.“

Neben seiner Funktion als Mentor ist Prof. Sauerwein formaler Ansprechpartner für die FÖJ-Einsatzstelle der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz und fungiert als Schnittstelle zwischen der Universität und der Akademie. Die Alfred Töpfer Akademie begleitet alle FÖJ-Teilnehmer*innen mit Pflicht-Seminaren und Workshops zu Themen wie Nachhaltigkeit, Ernährung und Ökologie. Daneben umfasst das Freiwillige Ökologische Jahr eine Kooperationsvereinbarung mit der NABU Ortsgruppe Hildesheim. Maßmann wird mit der Kooperation eine Teilnahme an lokalen Veranstaltungen ermöglicht. „Durch die Kooperation mit dem NABU kommen die FÖJler*innen in Kontakt mit dem praktischen Naturschutz sowie der Bildungsarbeit des NABU, in dem sie beispielsweise bei Aktivitäten für die NABU-Jugendgruppe unterstützen“, so Sauerwein. „Wir möchten mit dem FÖJ jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich in einem ökologischen Umfeld zu orientieren. Der Winter bedeutet nach unserer Erfahrung hauptsächlich Labortätigkeit und der Sommer mehr Geländearbeit. Welches Projekt ein*e FÖJler*in übernimmt, entscheiden wir gemeinsam. So kann es sein, dass Jemand stärker handwerklich oder auch künstlerisch arbeiten möchte – da sind wir vollkommen offen.“

Lea Maßmann zieht nach der ersten Hälfte des FÖJ eine positive Bilanz: „Schon nach einem halben Jahr kann ich sagen, dass es sehr viel Spaß macht. Ich habe viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln können und auch einen guten Einblick in das Unileben erhalten. Am meisten Spaß haben mir die Seminare und Exkursionen gemacht und ich freue mich schon auf die nächsten.“

Weitere Informationen und Kontakt

Der Bewerbungsphase für ein FÖJ 2022/2023 an der Universität Hildesheim mit Start im September dieses Jahres ist bereits abgeschlossen. Für künftige FÖJ-Plätze sind hier weitere Informationen zusammengestellt. Bei Fragen zum FÖJ an der Universität Hildesheim steht Ihnen Prof. Martin Sauerwein unter martin.sauerwein@uni-hildesheim.de zur Verfügung.


Neben der Arbeit im Labor konnte die FÖJlerin Lea Maßmann auch an der Feldforschung draußen vor Ort teilnehmen. Foto: privat

Im Winter steht hauptsächlich Laborarbeit im Rahmen des FÖJ auf dem Programm. Foto: privat

Ein wichtiger Bestandteil des FÖJ: die Entwicklung eines eigenen Projekts. Lea Maßmann entschied sich dazu, Nistkästen für Singvögel zu bauen. Foto: privat