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Schulbuchverlage unter der Lupe

Wednesday, 24. October 2012 um 10:33 Uhr

Wie gehen Schulbuchverlage mit den sprachlichen Chancen und Herausforderungen um, die mehrsprachige Schülerinnen und Schüler für die Schule mitbringen? Mit Lehramtsstudierenden aus Hildesheim und den Niederlanden untersucht Prof. Dr. Elke Montanari Unterrichtsmaterialien, die sich an Kinder und Jugendliche mit deutscher Zweitsprache oder deutscher Fremdsprache wenden.

„Lehrwerke sind eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich damit auseinandersetzen, wie neue Forderungen aus der Forschung an die Schüler heran gebracht werden können“, erläutert die Professorin für Deutsch als Zweitsprache. Das Institut für deutsche Sprache und Literatur hat dazu einen Handapparat, in dem Lehrwerke gesammelt werden und angesehen werden können.

Die Möglichkeit, die Studierenden praxisnah an neueen Lehrmaterialien arbeiten zu lassen, haben in diesem Fall die Verlage Klett und Finken durch Spenden geschaffen. „Die Diskussion und Auseinandersetzung mit den Lehrwerken soll in beide Richtungen gehen“, berichtet Montanari, „die Studierenden werden ermutigt, ihre eigene Position auf einem überfüllten Materialmarkt einzunehmen. Den Verlagen werden im weiteren Verlauf Rückmeldungen gegeben, was angehende Lehrkräfte kritisch und was sie positiv sehen. Wir hoffen, dass auch andere Verlage dem Beispiel folgen und uns mit Neuerscheinungen für die Ausbildung versorgen.“

Die Lehramtsstudenten Jarik Dunnewind und Rene Schuldink von der niederländischen Hochschule Windesheim haben in ihrem Erasmus-Auslandssemester in Hildesheim das neue Lehrmaterial unter die Lupe genommen. „Ich wollte mehr über die deutsche Sprache und Kultur erfahren, sie erleben. Schließlich will ich später als Deutschlehrer wissen, über welches Land ich spreche", begründet der 19-jährige Jarik sein Auslandsstudium. Er hat Seminare zur Wortschatzarbeit, Lese- und Schreibförderung und über das Schreibenlernen in der Erst- und Zweisprache besucht. Ihm fällt auf, dass in Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache manche Schwierigkeiten viel genauer beschrieben sind: „In der deutschen Sprache sind Worte wie ‚auf' und ‚unter' sehr schwierig. Wann sage ich ‚auf dem‘, wann ‚auf den‘ Tisch zum Beispiel. Das ist in Lehrwerken für den Bereich Deutsch als Fremdsprache ausführlich erklärt, aber im Material zum Zweitspracherwerb ist das nicht selbstverständlich. Das wundert mich.“

Die Hildesheimer Masterstudentin Anna Rahe wünscht sich mehr DaZ-Anteile im Studium, die vor allem Theorie und Praxis näher zusammenbringen. Wichtig sind für sie die Erfahrungen in der individuellen Lernförderung. „Ich begleite seit mehreren Monaten eine türkische Schülerin. Zwei Mal wöchentlich treffen wir uns zur Sprachförderung. Wir arbeiten vor allem am Wortschatz", sagt die 25-Jährige. Die Herausforderung sei hierbei, die Theorie aus dem Seminar in der Praxis anzuwenden und einen individuellen Förderplan selbst zu erstellen: „Ein gutes Lehrwerk, das eine Struktur anbietet, oder sie vorschreibt, ist für Neueinsteiger eine gute Hilfe“, findet sie.