Die Sounds der Nacht

Monday, 22. June 2015 um 11:07 Uhr

Zwischen alltäglichen Klängen, Gitarrensounds, Soul, Jazz und A-Capella: Mehr als 3200 Besucher flanieren während der Uni-Mittsommernacht über den Domänenhof. Markus Langer dankt allen Mitwirkenden, darunter über 300 Künstlerinnen und Künstler sowie Helfer, und den Förderern und kündigt ein Wiedersehen im nächsten Jahr an: Zur kürzesten Nacht des Jahres lädt die Stiftung Universität Hildesheim am 18. Juni 2016 erneut ein.

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Sie wollten einmal schauen, „was junge Künstlerinnen und Künstler in Deutschland machen“. Miguel Nunez aus dem spanischen Salamanca und Sofia Borovskaia aus Vladivostok in Russland studieren beide Design in Madrid. Die 21-jährige Sofia will im Auslandssemester in Hildesheim Einblicke erhalten, was derzeit im künstlerischen Bereich in Deutschland geschieht und besucht daher auch die Mittsommernacht. „Alle sind hier heute, ich schaue mir an, was die Theater- und Musikstudierenden auf die Beine stellen.“

Auch Laura Berkel aus dem amerikanischen Reading hat von der „tollen Atmosphäre“ gehört und wollte nun selber prüfen, was auf der Mittsommernacht passiert. Seit einem halben Jahr studiert sie „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ an der Universität Hildesheim, da sie die deutsche Sprache „täglich hören und sprechen“ möchte. Im Süd-Osten der USA studiert sie Germanistik und Philosophie.

Wie Miguel, Sofia und Laura flanierten an diesem Wochenende insgesamt etwa 3250 Besucherinnen und Besucher während der Uni-Mittsommernacht über den Kulturcampus Domäne Marienburg. „Ein großartiges Fest von Universität und Stadt Hildesheim. Danke an alle, die das möglich gemacht haben, an die Förderer, Künstler und alle Helfer auf der Domäne. Wir sehen uns zur nächsten Mittsommernacht am 18. Juni 2016“, sagt Markus Langer, der für die Universitätsförderung und für die Organisation der Mittsommernacht zuständig ist. Musik, Tanz und Theater brachten Jüngere und Ältere, Studierende und Berufstätige, Uni-Mitglieder und Bürger zusammen. Etwa 300 Helfer sowie Künstler, viele Studierende und Absolventinnen und Absolventen aus dem Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“, haben das Programm gestaltet. Dabei hat die Uni auch mit dem Theater für Niedersachsen und mit dem Musikland Niedersachsen zusammengearbeitet.

Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich wendete sich während der Eröffnung an Oberbürgermeister Ingo Meyer: „Danke, wie sehr Sie die Universität in ihrer Entwicklung begleiten. Danke auch an die Universitätsgesellschaft mit ihrem Vorsitzenden Rainer Hermeling, die seit vielen Jahren ehrenamtlich die Verbindung zwischen Bürgergesellschaft und Universität stärken.“ Während der Eröffnung auf dem Innenhof kamen die Bürgermeister der Hildesheimer Partner- und Patenstädte – unter anderem aus Ägypten und Frankreich, aus Russland und England – erstmals alle zusammen, stellten sich vor und setzten gemeinsam ein Zeichen für Verständigung. Unter ihnen auch Victor Galeana aus der mexikanischen Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMéx) in Toluca. Seit fünf Jahren kooperiert die Uni in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen mit der mexikanischen Universität.

„Mexikaner und Deutsche haben eine ähnliche Mentalität, wir passen zusammen“, meint Galeano während er mit dem Dekan des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften Professor Friedrich Lenz, und María Elena Camacho-Mohr, die Fachkoordinatorin des Austauschprogramms Mexiko, über den Domänenhof wandert, hinüber zur „Hörbar“.

Dort tauchen sie in Sounds ein, sitzen an einem Tisch und experimentieren mit Gläsern, wie Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen klingt – als Crushed Ice, flüssig, auftauend. Dahinter stecken die Studenten der Kulturwissenschaften Robin Nagler und Lukas Kleinert. Sie nehmen dem Wasser die Töne ab und haben Kontaktmikrofone in Eiswürfel eingefroren und an Bierdeckeln befestigt, an Gitarrenverstärker gekoppelt und verstärken somit die Sounds, die entstehen, wenn man einen Eiswürfel lutscht oder kräftig durch ein Wassserglas rührt. „Sie schenken dem Beachtung, was wir für selbstverständlich halten, unseren eigenen Schritten, der Flüssigkeit“, sagt Professor Johannes Ismaiel-Wendt vom Musikinstitut. Die Studierenden erinnern mit der in blaues Licht eingetauchten „Hörbar“ an die ehemalige Eisfabrik (Muku-Eis), die auf der Domäne war. Sie haben sich in einem Seminar mit Klängen im Alltag beschäftigt, gemeinsam mit dem Musikland Niedersachsen Hörstationen entwickelt, die in den nächsten Wochen in Niedersachsen zu hören sind, beispielsweise in Hannover. „Es gibt kein richtig Hören oder falsch Hören“, sagt Ismaiel-Wendt.

Vor der „Hörbar" steht Lisa-Marie Trottfeld. Sie studiert Kulturwissenschaften mit den Fächern Medien und Musik an der Uni und hat mit Malte Andritter, Student der Szenischen Künste, und weiteren Studierenden Sound-Installationen entwickelt. „Wir haben uns mit dem Thema Ohrentausch beschäftigt, entstanden ist zum Beispiel eine Tanzfläche, auf der man die eigenen Schritte hört. Ich habe diese Hörhelme entwickelt“, sagt Malte Andritter über das Seminar „Sound Studies“ und zeigt auf blau-schwarze Trichter, Kopfhörer und Röhrensysteme, die an Besenstielen befestigt sind. „Das sind verlängerte Ohren. Wie ein Sucher kann man sie in verschiedene Richtungen halten. Das irritiert.“ Mit einem Helm hört man „auf dem linken Ohr, was man normalerweise mit dem rechten Ohr hört und umgekehrt“, erklärt der Student, während sich vor seinen Hörhelmen eine Schlange Neugieriger aufbaut. „Das Interessante ist, dass man dadurch geschult wird, was das Ohr eigentlich alles aufnimmt und dass man erstmals das Hören fokussiert und was man tagtäglich an Geräuschen wahrnimmt.“ Die mobilen Sound-Installationen haben die Studierenden im Seminar von Professor Ismaiel-Wendt und in Kooperation zwischen der Universität und dem Musikland Niedersachen entwickelt, berichtet die 20-jährige Lisa-Marie Trottfeld, bevor sie schon wieder den nächsten Testern, jung und alt, die Kopfhörer aufsetzt.

Einmal quer über den Innenhof, vorbei an Licht-Installationen und farbigen Reagenzgläsern ist die Parkbühne in bester Laune. Die Band Phrasenmäher spielt, bevor das Feuerwerk von Arwed Löseke den Park erleuchtet und Tausende gen Himmel blicken.

Während es im Vorjahr „very british" zuging, steht die Nacht im Jubiläumsjahr der Stadt Hildesheim unter dem Motto „Science and the City“ – ohne die Stadt und engagierte Bürgerinnen und Bürger würde manches wegfallen, darauf wies Universitätspräsident Friedrich auf einem Empfang am frühen Abend hin. Er dankt besonders dem Hildesheimer Ehepaar Beate und Uwe Schiedeck. Sie stiften der Universität eine Sportprofessur: Der Sportwissenschaftler Nico Kurpiers baut nun gemeinsam mit seinen Studierenden Lehrprojekte aus, in denen er Kinder, Jugendliche und deren Familien nach einer Krebserkrankung unterstützt. Das Training kann nun auch wissenschaftlich erforscht werden. Kurpiers untersucht etwa, wie sich Bewegung auf das Immunsystem auswirkt und bindet dabei Studierende aus dem Studienschwerpunkt „Sport, Gesundheit, Leistung“ ein. Auf der Mittsommernacht gab er einen Einblick in seine Arbeit, die ohne die Stiftungsprofessur nicht hätte fortgesetzt und ausgebaut werden können.

Vizepräsident Professor Martin Schreiner wies auf dem Sommerfest darauf hin, dass Bürger Studierende mit Deutschlandstipendien unterstützen können. Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die ein Deutschlandstipendium stiften möchten, können Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121 88390130) kontaktieren. Das Prinzip ist einfach: 1800 Euro Privatspende werden durch den Bund auf den doppelten Betrag aufgestockt. So entsteht ein Stipendium von 300 Euro monatlich über ein Jahr. „Sie können Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen unterstützen, die an der Universität im Rahmen der offenen Hochschule in einem Schnupperstudium studieren und wieder die Bindung zum universitären Alltag suchen“, so Martin Schreiner.

Gefördert und begleitet wird die Veranstaltung unter anderem durch die Friedrich Weinhagen Stiftung, den Landschaftsverband, von der Sparkasse Hildesheim, der gbg, der Techniker Krankenkasse, H.U.T. (Hildesheimer Unternehmer Treffen), welche den Auftritt von Phrasenmäher ermöglichen, Autohaus Kühl, Arwed Löseke, dem Vapiano, zudem durch Public und Radio Tonkuhle als offizielle Medienpartner. Kehrwieder am Sonntag präsentierte die Uni-Mittsommernacht.

Einen Artikel über die Mittsommernacht finden Sie auch in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 22.06.2015


Studierende aus Spanien, Russland und USA auf der Mittsommernacht. Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich und Bürgermeister Salah Zeyada aus dem ägyptischen El-Minia. Sprachwissenschaftler der Uni mit Victor Galeana von der Universität im mexikanischen Toluca. Musikstudierende machen Alltagsklänge hörbar. Im Park: Das Feuerwerk zur Mittsommernacht ermöglicht traditionell Arwed Löseke. Am Lagerfeuer Pause zwischen den Musikkonzerten und Theater-Inszenierungen: Studierende aus den Erziehungswissenschaften und Soziale Arbeit von der Uni und HAWK. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Studierende aus Spanien, Russland und USA auf der Mittsommernacht. Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich und Bürgermeister Salah Zeyada aus dem ägyptischen El-Minia. Sprachwissenschaftler der Uni mit Victor Galeana von der Universität im mexikanischen Toluca. Musikstudierende machen Alltagsklänge hörbar. Im Park: Das Feuerwerk zur Mittsommernacht ermöglicht traditionell Arwed Löseke. Am Lagerfeuer Pause zwischen den Musikkonzerten und Theater-Inszenierungen: Studierende aus den Erziehungswissenschaften und Soziale Arbeit von der Uni und HAWK. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim