Künstlergespräch mit Andreas Bunte im Kunstverein Hildesheim

Tuesday, 10. November 2015 um 23:54 Uhr

Di., 24.11. um 19 Uhr

Seit dem 25. Oktober ist die Doppelausstellung von "Andreas Bunte: Welt vor der Schwelle" und dem Künstlerkollektiv "Societät Hildesheim: Profane Pilgertour" im Kunstverein Hildesheim zu sehen. 

Die Doppelausstellung von Andreas Bunte (*1970 in Mettmann, lebt in Berlin) und der Künstlergruppe Societät Hildesheim (Simon Frisch, Bernd Krauß, und Michael Thomas) bildet den Abschluss des Programms zum diesjährigen Stadtjubiläum im Kunstverein Hildesheim. Der Kunstverein beschäftigt sich unter dem Titel „Die unsichtbare Stadt“ mit dem, was eine Stadt über die Ansammlung von Häusern und Straßen hinaus ausmacht.

Auch der Berliner Künstler Andreas Bunte hinterfragt das Verhältnis zwischen städtischer und kultureller Entwicklung unserer Zivilisation sowie zwischen Baugeschichte und sozialen Verhaltensweisen.

In der im Kunstverein Hildesheim gezeigten Filminstallation „Welt vor der Schwelle“ bestehend aus zwei Videoarbeiten steht die religiöse Architektur Deutschlands in der Nachkriegszeit im Fokus.

Das 16mm Video „O.T. (Kirchen)“ wurde als visuelle Entdeckungsreise durch drei bekannte zeitgenössische Kirchen Deutschlands gedreht, die Kirche Johannes XXIII. in Köln (Josef Rikus, 1968), der Nevigeser Wallfahrtsdom (Gottfried Böhm, 1966-68) und die Annakirche in Düren (Rudolf Schwarz, 1951-56). Dabei hinterfragt Bunte die ideologische Beschaffenheit der religiösen Architektur in Deutschland nach dem Unheil des Zweiten Weltkriegs. Als Folge und Ausdruck des Wirtschaftswunders ab Mitte der 1950er Jahre, weisen die drei von Bunte analysierten Kirchen einen rigorosen, kompromisslosen Rationalismus auf, der sich darin begründet, die Beziehungen des Menschen zum Göttlichen neu zu definieren und eine neue Interpretation der Rolle der Kirche in einer säkularisierten Gesellschaft zu schaffen. Im Zentrum des Films steht dabei die Beziehung zwischen Individuum und Architektur, die von der Wechselwirkung zwischen dem Ort des Kultes und seiner Wahrnehmung durch Auge, Ohr und Tastsinn bestimmt wird. Die baulichen Details in Beton, die Abwesenheit von Ornamenten sowie die rohe Strenge der Räume und Ausstattungen stehen im Zentrum des Films, der die architektonischen Bauwerke in eine ästhetische Reflexion über die Beziehungen zwischen materieller Form und spirituellem Gebrauch, zwischen öffentlichem Raum und privater Devotion verwandelt. In seiner Erzählstruktur folgt der Film den kanonischen Regeln wissenschaftlicher Dokumentarfilme, die die Sprache so verwenden, dass sie höchst komplexe und vielfach unzugängliche Zusammenhänge für den Zuschauer verständlich und wahrnehmbar machen.

In der zweiten Videoarbeit „O.T. (Language, Truth & Logic)“, 2012 werden die drei Sinne thematisiert, die es dem Individuum ermöglichen, mit der Architektur in Verbindung zu treten: das Sehen, das Hören sowie der Tastsinn. Gezeigt werden die Augen, Ohren und Hände eines Menschen, der Passagen aus dem Buch „Language, Truth & Logic“ (dt. „Sprache, Wahrheit und Logik“) des britischen Philosophen A.J. Ayer vorliest. Inhaltlich geht es hier darum, dass die Frage, ob es einen Gott gibt, im philosophisch-analytischen Sinne nicht beantwortet werden kann. Analytische Philosophen, zu denen Ayer gezählt werden kann, gehen davon aus, dass eine Aussage über die Welt nur dann getroffen werden kann, wenn ihr ein sinnlich wahrnehmbarer, empirisch erfassbarer Bezugspunkt zugrunde liegt.

 

Am Dienstag, den 24.11. um 19 Uhr lädt der Kunstverein Hildesheim zum Künstlergespräch mit Andreas Bunte, geführt von Nora Brünger und Sonja Wunderlich (künstlerische Leitung Kunstverein Hildesheim) ein und freut sich auf eine gemeinsame Gesprächsrunde.

 

Kontakt

Kunstverein Hildesheim
Kehrwiederturm
Am Kehrwieder 2
D-31134 Hildesheim
Telefon: 05121 / 69 81 11 8
info@kunstverein-hildesheim.de

Öffnungszeiten während der Ausstellung

Mi 17–20 Uhr

Sa 14–18 Uhr

So 12–18 Uhr

und nach telefonischer Vereinbarung