Dagmara Kraus ist neue Juniorprofessorin für Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim

Thursday, 12. May 2022 um 17:44 Uhr

Das Erlernen des Deutschen als Fremdsprache und die Begeisterung für polnische Lyrik führten Dr. Dagmara Kraus zur Poesie. Mit dem Erscheinen des Gedichtbands kummerang im Jahr 2012 feierte sie ihr Debüt und veröffentlichte seither zahlreiche Poesiebände, Essays und Übersetzungen. Im Rahmen ihrer Juniorprofessur an der Universität Hildesheim dichtet und schreibt sie weiterhin, übersetzt Werke aus dem Polnischen und Französischen ins Deutsche, produziert Hörstücke und untersucht literarische Prozesse der Gegenwart. Am 25. Mai wird sie ihre Antrittsvorlesung halten.

Als neue Juniorprofessorin an der Universität Hildesheim schreibt und forscht Dagmara Kraus hauptsächlich an Poesie. Foto: Ben Koechlin

gott will immer alles panieren

 

er wühlt in mehl                                                                                                                                                                                         

und eischleim                                                                                                                                                                                             

und panade

 

er pfeift                                                                                                                                                                                                       

und singt dabei                                                                                                                                                                                           

und was hier fehlt

 

das wälzt und würzt er gerade 

Das Gedicht ohne Titel aus dem Werk liedvoll, deutschzyno, das 2020 im kookbooks-Verlag in Berlin veröffentlicht wurde, ist ausnahmsweise nicht collagenartig aus Fragmenten anderer Texte zusammengesetzt. „Meine Poesie ist oft eine aus Sprachmaterial schöpfende Poesie, und sie unterscheidet sich dadurch beispielsweise von inspirierter Naturpoesie, auf die ich leider keinen Zugriff habe. Wegweisend für mich war in dieser Hinsicht immer ein bei Klaus Ramm erschienener Titel des gerade verstorbenen, viel bewunderten Dichters Franz Mon, der von „Wörtern voller Worte“ spricht. Eine solch sprachorientierte Poesie entspricht auch meinen Ansätzen.“ Weitere Gedichte von Dagmara Kraus sind auch unter www.lyrikline.org zu finden.

Sie hat Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin und Paris studiert sowie im Anschluss Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Vor ihrer Tätigkeit in Hildesheim arbeitete sie als freischaffende Autorin. Außerdem sammelte sie erste Lehrerfahrungen als Gastdozentin für Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, an der Universität für Angewandte Kunst Wien und am Schweizerischen Literaturinstitut Biel. Das Interesse für Sprache entstand u.a. im Prozess des Deutsch-Lernens, nachdem sie von Polen nach Deutschland emigrierte. „Ich glaube und merke es auch in meinem Umfeld, dass man einen analytischeren Blick auf die Sprachstrukturen hat, wenn man eine Sprache neu lernt“, sagt sie. Ihre Faszination für Poesie entsprang der polnischen Lyrik, welche sie in ihrer Kindheit begleitet und bewegt hat.

Zurzeit arbeitet sie mit der deutschen Schriftstellerin Sonja vom Brocke an verschiedenen Projekten zu dem Nachlass der österreichischen Autorin Marianne Fritz. Texte des umfangreichen, noch recht unbekannten und zur Zeit seiner Entstehung teils verpönten Werks sollen zugänglich gemacht werden. Es wird dabei untersucht, wie und in welchen Prozessen die Autorin an ihrem Text gearbeitet hat. „Sie hat ihr Werk vielfach überarbeitet – man sieht viele Schichten in ihm sich übereinander lagern und sogenannte „Stimmzüge“ (Fred Büchel/fritzpunkt), die man im Rahmen einer editionswissenschaftlichen Untersuchung kontextualisieren könnte“, berichtet Kraus. Die Texte des Werkes sollen kommentiert und herausgegeben werden. Des Weiteren sollen u.a. eine Veranstaltung im Literarischen Colloquium Berlin am 13. Oktober 2022 und ein Dossier für das Schreibheft auf Basis dieser Textgrundlage entstehen. 

Mit Wirkung vom 15. Juni 2021 wurde Kraus zur Juniorprofessorin an der Universität Hildesheim ernannt. „Ich habe den Eindruck, dass sich manchmal Kreise schließen. Hildesheim war darum vielleicht keine Entscheidung, sondern wurde mir zugespielt.“ Denn der erste Bezugspunkt zu Hildesheim ergab sich 2002 während ihrer kunsthistorischen Zwischenprüfung in der Auseinandersetzung mit der „Bernwardinischen Plastik“, den Skulpturen Bernwards von Hildesheim. 2008 trat sie auf dem Hildesheimer PROSANOVA-Festival erstmals im Rahmen des Lyrikwettbewerbes in der Öffentlichkeit auf und erhielt den Publikumspreis. Den Kreis geschlossen – oder einen neuen begonnen? – hat schließlich die Rufannahme an der Universität Hildesheim.

Antrittsvorlesung am 25. Mai

Die Antrittsvorlesung der Juniorprofessorin unter dem Titel "Icamispaschla“: Wie (und mit wem) Urs Allemann kurzen Prozess macht, der dauert, nebst Lesung aus den Carruthers-Variationen durch deren Autor wird am 25. Mai um 18 Uhr in dem Raum Hs 50/302 auf dem Kulturcampus stattfinden.