Was ein Zaun bedeutet: Grenzen – mitten in Hildesheim

Wednesday, 06. April 2016 um 10:10 Uhr

„Grenzen sind ständig da in unserem Alltag“, sagt Rolf Elberfeld. Das Gespräch, so der Professor für Philosophie, sei das „notwendige Grundelement, um aktuelle Probleme zu besprechen“. Deshalb lädt er zum Philosophischen Kolloquium ein, jeden Donnerstag. Thema der Vortragsreihe an der Universität Hildesheim: „(sich) Grenzen aussetzen“. „Grenzen betreffen uns alle. Wir bearbeiten gerade gesellschaftlich ein Grundphänomen“, so Elberfeld.

Die Universität lädt in diesem Sommersemester zur öffentlichen Vortragsreihe „(sich) Grenzen aussetzen“ ein. Professor Rolf Elberfeld hat den größten Hörsaal der Universität gebucht: Die Vorträge finden im Audimax statt.

Von der Militärkaserne zum Gelände für Kunst und Wissenschaft bis zum Flüchtlingsheim: An der Nutzung der Mackensen-Kaserne in Hildesheim lässt sich Zeitgeschichte ablesen, sagt Rolf Elberfeld: 2007 rücken die letzten Soldaten der Bundeswehr aus Hildesheim ab. Eine Musikschule und ein Klinikum siedeln sich auf dem Gelände an. 2010 entwickeln Studierende Kunst-Installationen, Lesungen und Theaterinszenierungen auf dem Mackensen-Gelände. Ein großes, wochenlanges Happening. Dann – ein Zaun wird neu genutzt: Seit 2015 ist die Mackensen-Kaserne eine Notunterkunft für Männer, Frauen, Familien, die geflohen sind.

Wenn Rolf Elberfeld mit seiner Familie an der Kaserne vorbeifährt, dann fragt sein kleiner Sohn: Was machen die Menschen hinter dem Zaun? „Da hatten wir unser Uni-Projektsemester und jetzt sind dort Kontrollen und Grenzzäune. Grenzen sind mitten in Hildesheim, in der Stadt.  Sie tauchen nicht nur im griechischen Grenzort Idomeni auf“, sagt Rolf Elberfeld, Professor für Philosophie an der Universität Hildesheim.

Die Universität lädt in diesem Sommersemester zur öffentlichen Vortragsreihe „(sich) Grenzen aussetzen“ ein [Kurzinfo unten]. Rolf Elberfeld hat den größten Hörsaal der Universität gebucht: Die Vorträge finden im Audimax statt. 350 Studierende der Kulturwissenschaften nehmen teil, sie befassen sich im diesjährigen Projektsemester mit dem Thema „aussetzen“.

„Grenzen sind ständig da in unserem Alltag“, sagt Elberfeld. „Sie betreffen uns alle. Wir bearbeiten gerade gesellschaftlich ein Grundphänomen.“ Der Philosophieprofessor setzt auf Vortrag und Gespräch, Fragen sind erwünscht. Ein Gespräch, was kann das leisten? „Wir setzen uns mit politischen Grenzen und Fluchtbewegungen auseinander, nehmen aber auch zu technischen und ökonomischen Grenzen Stellung. Wir sollten uns Gedanken machen, wie wir damit umgehen“, sagt Rolf Elberfeld. Das Gespräch, sagt Elberfeld, sei das „notwendige Grundelement, um aktuelle Probleme zu besprechen“.

„Wir sind Geisteswissenschaftler, wir können von der Universität aus keine Gesetzesinitiativen planen. Aber wir können als Universität gesellschaftliches Bewusstsein und Zusammenleben mit begleiten und so öffentliche Impulse setzen.“ Elberfeld möchte mit der Vortragsreihe auch die zukünftige Generation erreichen. „Ich hoffe, dass Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer und weitere Interessierte aus der Stadt die Vorträge besuchen und mitdiskutieren. Sie alle sind herzlich eingeladen.“

Grenzen, so der Philosoph, „tauchen auch in uns selbst auf, gerade dann wenn wir die Fremden ablehnen“.

Philosophisches Kolloquium im Sommersemester

Die Universität Hildesheim lädt ein zum Philosophischen Kolloquium unter dem Thema „(sich) Grenzen aussetzen". Die Vortragsreihe findet jeden Donnerstag im Semester von 18:00 bis 20:00 Uhr am Uni-Hauptcampus statt (Audimax, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). Grenzen sind in aller Munde, sagt Rolf Elberfeld. Die Situation der Flüchtlinge in Europa lässt dieses Thema mit aller Wucht ins Zentrum gesellschaftlicher Aufmerksamkeit rücken. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass es aber nicht nur um „Obergrenzen" für Flüchtlinge geht, sondern, dass die Weltgesellschaft in verschiedener Hinsicht an Grenzen stößt. Die Grenzen betreffen das Problem der Welternährung, des wirtschaftlichen Wachstums, der technischen Entwicklung und der Demokratie.

Das Philosophische Kolloquium widmet sich diesen Themen im Sommersemester 2016 im Rahmen des Projektsemesters im kulturwissenschaftlichen Fachbereich, das unter dem Thema „aussetzen" steht. Wie immer ist auch die interessierte Öffentlichkeit herzlich zu den Vorträgen und Diskussionen eingeladen.

Der Innsbrucker Philosoph und Soziologe Prof. Dr. Andreas Oberprantacher eröffnet die Vortragsreihe am Donnerstag, 7. April 2016, mit dem Vortrag „Fabrikation und Konfusion von Grenzen in einer globalisierten Welt. Momente einer Kritik“. Am 14. April spricht Dr. Martin Wille, ehemaliger Staatssekretär im Bundesministerium für Landwirtschaft über „Welternährung zwischen Hunger und Überfluss. Grenzen politischer Handlungsmöglichkeiten“. Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Gronemeyer, eine kritische Zeitbeobachterin, spricht am 21. April über das Thema „Heute bin ich über die Grenze gefahren… Wenn die Fremden kommen“. Von Fremderfahrung und Grenzerfahrung handelt der Vortrag der Philosophin und Ethnologin Dr. Barbara Schellhammer (28. April). Der Hildesheimer Kriminologe und Historiker Dr. Andreas Pudlat, der seit vielen Jahren über Schengen forscht, spricht am 12. Mai über die Grenzen „Europas“. Am 26. Mai gibt Prof. Dr. Niko Paech einen Einblick in die „Postwachstumsökonomie“, er spricht über den „Wandel zum Weniger“. Über die Grenzen des Bestands referiert am 2. Juni die Braunschweiger Technikphilosophin Prof. Dr. Nicole Karafyllis. Sie spricht über „Samenbanken und nachhaltige Ernährung aus technikphilosophischer Sicht“.

Am 9. Juni diskutieren der Filmregisseur Ascan Breuer, Franz Zimmermann und die Hildesheimer Kulturpolitikforscherin Nina Stoffers über Filme zwischen Kunst und (Asyl-)Politik. Sie zeigen den Dokumentarfilm „Forst“. Die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Viola B. Georgi moderiert am 23. Juni die Podiumsdiskussion „Grenzen der Integration?! Wessen Grenzen? Wessen Integration?“, an der unter anderem die bekannte Soziologin Prof. Dr. Anette Treibel-Illian teilnimmt. Die Reihe endet mit einem Vortrag der Berliner Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Isabell Lorey über „Entgrenzte Demokratie ohne Zukunft“. Am 5. Mai, 19. Mai und 16. Juni findet kein Vortrag statt.
Kontakt bei Fragen zu Vortragsreihe: Prof. Dr. Rolf Elberfeld vom Institut für Philosophie (E-Mail elberfeld[at]uni-hildesheim.de).

Created by Pressestelle, Isa Lange [erstveröffentlicht am 4.4.2016]

Die Universität lädt in diesem Sommersemester zur öffentlichen Vortragsreihe „(sich) Grenzen aussetzen“ ein. Professor Rolf Elberfeld hat den größten Hörsaal der Universität gebucht: Die Vorträge finden im Audimax statt.