Keynote

Keynote-Sprecherin: Prof. Dr. Katajun Lindenberg

Prof. Dr. Katajun Lindenberg ist Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und leitet dort die Hochschulambulanz für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Zuvor war sie als Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt tätig und leitete dort die Ausbildungs- und Hochschulambulanzen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie das dazugehörige Ausbildungsinstitut. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit psychotherapeutischen Interventionen im Kindes- und Jugendalter, sowohl im Rahmen von Prävention (z.B. in der Schule) und Frühintervention (z.B. in Beratungsstellen) als auch in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Um die Dissemination evidenzbasierter, psychologischer Prävention in Schulen zu stärken, gründete sie 2020 die Akademie für Präventionswissenschaften (www.apw-heidelberg.de). Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit der Computerspiel- und Internetabhängigkeit und wurde dafür 2019 mit dem Hermann-Emminghaus-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ausgezeichnet.

Schulische Interventionsmöglichkeiten bei Computerspiel- und Internetsucht

Computerspiel- und Internetsucht sind psychische Störungen aus dem Bereich der Verhaltenssüchte, die vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene betreffen. Bereits mehrere Jahre vor Ausbruch der Suchterkrankung, also ab dem Kindesalter, zeigen sich häufig schon überdauernde, schädliche Verhaltensmuster. Dieses äußern sich in exzessiven Online- und Computerspielzeiten, Vernachlässigung anderer Aktivitäten, riskantem Verhalten (z.B. übermäßigen Ausgaben, Schlafmangel, unausgewogene Ernährung, Gefährdungen im Straßenverkehr) oder negativen Konsequenzen (wie Schulversagen, Konflikte und soziale Isolation).

Umweltfaktoren, insbesondere in den Lebenswelten Schule, Familie und Freunde, spielen eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Computerspiel- und Internetsucht. Die Störung ist mit erhöhter Schulangst, erhöhtem Prokrastinationsverhalten, verringerten Schulleistungen und geringerer sozialer Eingebundenheit assoziiert. Kinder, die in der Schule ausgegrenzt oder schikaniert werden, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung dieser Sucht.

Gleichzeitig stellt die Schule ein wichtiges Setting für die Früherkennung und Prävention dar. Studien konnten bereits Effekte für die universelle und indizierte Prävention nachweisen. Darüber hinaus scheinen verhältnispräventive Maßnahmen vielversprechend zu sein. Dieser Vortrag bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung sowie schulische Interventionsmöglichkeiten.