Pädagogik im Nachwuchsleistungssport

Sunday, 20. June 2010 um 00:00 Uhr

Wie meistern Olympia-Talente Schule, Beruf und Leistungssport?

 

Pädagogische Forschung der Uni Hildesheim am OSP Hannover / Kooperation mit dem Landessportbund

Hildesheim/Hannover (sis) Eine Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen – 64 Talente am Sportinternat des Olympiastützpunktes Niedersachsen in Hannover arbeiten derzeit auf dieses große Ziel hin.<ins> </ins>

Sportler aus den Sportarten Schwimmen, Wasserball, Leichtathletik, Judo, Tischtennis, Turnen und Rudern streben nach höchsten sportlichen Weihen. Von Klasse 7 an im Vollzeitinternat, von Klasse 5 an im Teilzeitinternat. Die Hälfte der Bewohner nutzt die Form des Vollzeitinternats. Die Athleten leben die ganze Woche über in der Einrichtung des OSP neben der AWD-Arena im Hannoverschen Sportpark und besuchen mit der Humboldtschule Hannover und der Kooperativen Gesamtschule Hemmingen zwei öffentliche Partnerschulen des Leistungssports.

Nun steht der Aus- bzw. Neubau des Sportinternats am Olympiastützpunkt Niedersachsen in Hannover kurz vor seinem Abschluss – und damit auch eines der bedeutendsten Entwicklungsziele zum Spitzensportstandort Niedersachsen. Und das Sportinstitut der Universität Hildesheim ist mit von der Partie. Denn ab dem neuen Schuljahr werden statt den bisherigen 64 Voll- und Teilzeitinternatsplätzen, insgesamt 135 Plätze, 75 Vollzeit- und 60 Teilzeitplätze, für NachwuchsleistungssportlerInnen zur Verfügung stehen.

Ein Novum: Die Förderung von Leistungssportlern mit körperlicher Behinderung. Eine derartige Integration dürfte für die Verbundsysteme des Leistungssports in Deutschland zukunftsweisend sein. Zudem wird es für neun Bundeskaderathleten über 18 Jahre die Möglichkeit geben, in einer Wohngemeinschaft zu leben und am OSP zu trainieren, um so z.B. parallel studieren zu können. Das Sportinstitut wird nun genau diese neuen Rahmenbedingungen für die nächsten Jahre in den forschenden Blick nehmen. Uni-Präsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und Institutsleiter Prof. Peter Frei bekräftigen daher bei einem Treffen mit dem Direktor des LandesSportBundes (LSB) Niedersachsen, Reinhard Rawe, diese Kooperation. Die Forscher um Prof. Peter Frei und Prof. Dr. Swen Körner interessieren besonders pädagogischen Prozesse, so z.B. die Kommunikation zwischen jungen Sportlern, Trainern, Lehrern, Sozialarbeitern und Eltern.

Praktische Beispiele: Klappt die Absprache zwischen Schule und Sportinternat? Können die Athleten ihre Schulthemen im Internat anbringen und umgekehrt? Wie ist die Hausaufgabenbetreuung geregelt? Bleibt noch Zeit für Freunde und Familie?

Dazu Professor Peter Frei: „Die unterschiedlichen Anforderungen von Schule und Leistungssport stellen gerade für junge Menschen eine große Herausforderung dar. Sportlich, psychisch und sozial. Dieser Spagat kann nur gemeistert werden, wenn es Unterstützungssysteme gibt, die professionell organisiert sind. Faktoren wie kurze Wege (Zeitersparnis), strukturierte Absprachen, z.B. zwischen Schule und Internat, und vor allem: das wechselseitige Verständnis für die je spezifischen Belange entscheiden maßgeblich über Gelingen und Misslingen in diesem besonderen Feld.“

Der LSB übernimmt in der ersten, einjährigen Phase den Großteil der Finanzierung des Forschungsvorhabens. Für die anschließende zweijährige Projektphase werden weitere Forschungsgelder, so genannte Drittmittel eingeworben.


Die Initiatoren des Forschungsprojekts am Olympiastützpunkt Hannover (v.l.): LSB-Direktor Reinhard Rawe, Sportinstitutsleiter Prof. Dr. Peter Frei, Uni-Präsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und Internatsleiter Andreas Bohne.