Individuelle Forschungsprojekte


Aktuelle

Promotionen

Habilitationen

Guido Beholz | Partizipative Schulentwicklung. Widerstand in Schulentwicklungsprozessen.

Dr. Guido Beholz

Affiliation:
Universität Hildesheim, Institut für Sozialwissenschaften

(Arbeits-) Titel des Projekts:
Partizipative Schulentwicklung. Widerstand in Schulentwicklungsprozessen.

Abstract:
Im Verlauf des Schulentwicklungsprozesses an einer Schule kann es zu widerständigem Verhalten einzelner schulischer Akteure oder Gruppen von schulischen Akteuren kommen. Denkbar sind in diesem Zusammenhang eine fehlende Passung zwischen gegebenen strukturellen Rahmenbedingungen und personellen Anforderungen (mehrere Schulstandorte, Folgen des Fachkräftemangels) oder auch widerständiges Verhalten als Ausdruck der Überforderung, die in Folge von Schulentwicklungsmaßnahmen auftreten kann. Der schulische Widerstand kann sich gegen einzelne Schulentwicklungsmaßnahmen, gegen den Schulentwicklungsprozess insgesamt und/oder gegen Initiatoren des Schulentwicklungsprozesses richten. 
Das Vorhandensein und die Wahrnehmung von Widerstand in Schulentwicklungsprozessen werden nicht kommuniziert. Möglicherweise ist das Eingeständnis von schulischem Widerstand durch die Schulleitenden schambehaftet und fehlinterpretiert. Eine Annahme des Forschungsprojektes ist, dass Widerstand in Schulentwicklungsprozessen kein singuläres Ereignis ist. Widerstand unterscheidet sich zwar in der Quantität und Qualität der Ausprägung an den unterschiedlichen Schulen voneinander, stellt aber in der Breite ein vorhandenes Phänomen dar. Die Bildungsadministration in Niedersachsen bietet durch die Markierung des Beratungsbedarfs der Einzelschule nur eine indirekte Unterstützung an und hält auch keine eindeutigen Fort- und Weiterbildungsangebote vor.
Die Schulleitung hat eine Scharnierstellung zwischen der Bildungsadministration und den schulischen Akteuren bzw. der Schulgemeinschaft inne. Das Auftreten von Widerstand hat neben Auswirkungen auf die Scharnierfunktion der Schulleitung möglicherweise auch Auswirkungen auf das Agieren und u.U. auch die Haltung der Schulleitenden.
Neben der Schulleitung sind auch Lehrer*innen erhebliche Einflussfaktoren bei der Gestaltung des Schulentwicklungsprozesses, weshalb sie zum einen als Einfluss- und Belastungsfaktor und zum anderen als Gelingensfaktoren thematisiert werden.
Eine weitere Annahme des hier vorgestellten Projektes ist, dass Schulentwicklung, initiiert durch die Bildungsadministration, nicht als Top-Down-Verfahren von den schulischen Akteuren durchgeführt wird bzw. durchgeführt werden kann. Gerade die inhaltlich-methodische Passung und Umsetzung der Schulentwicklungsprojekte kann nur durch die Einbeziehung der schulischen Akteure erfolgen. In diesem Kontext gelangt die Prozesshaftigkeit der Schulentwicklung in den Fokus.

Betreuer:

  • Prof. Dr. Marc Partetzke

Abgeschlossene

Promotionen

Anja Schade | „The more natural place to be“? - Das Exil von ANC-Mitgliedern in der DDR. Eine transnationale Verflechtungsgeschichte um Solidarität im Kalten Krieg

Anja Schade

Affiliation:
Universität Hildesheim, Institut für Sozialwissenschaften

Titel des Projekts:
„The more natural place to be“? - Das Exil von ANC-Mitgliedern in der DDR. Eine transnationale Verflechtungsgeschichte um Solidarität im Kalten Krieg

Datum der Verteidigung:
16. Juli 2021

Abstract:
Anliegen des Dissertationsvorhabens war, die Wahrnehmung der Diktatur der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) aus dem Blickwinkel von Mitgliedern der ehemaligen südafrikanischen Befreiungsbewegung und heutigen Regierungspartei African National Congress (ANC) nachzuvollziehen. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) als sozialistischer Staat galt vielen ANC-Mitgliedern als Alternative zum kapitalistischen Westblock, zumal westliche Staaten mehrheitlich den südafrikanischen Apartheidstaat unterstützten. Von der DDR erhielt der ANC hingegen moralische, diplomatische und materielle Unterstützung; viele ins Ausland geflüchtete Mitglieder verbrachten hier ihr politisches Exil: sie lebten, arbeiteten und studierten mit ihren deutschen Mitmenschen und erhielten eine Vielzahl an Einsichten in viele Bereiche der ostdeutschen Gesellschaft. Hieraus leitete sich die Frage ab, wie sich die DDR aus Perspektive der ANC-Exilant*innen darstellte und wie sie diese heute erinnern.
Durch die Auswertung von Interview- und Archivdaten von 45 Exilant*innen konnte aufgezeigt werden, dass vielen Exilierten der Sozialismus einerseits zwar als mögliches Modell für eine Post-Apartheid-Gesellschaft galt, ihnen andererseits jedoch Fehlentwicklungen wie Mangelwirtschaft oder das Versagen der Meinungs- und Reisefreiheit nicht entgingen. Die Parameter Kalter Krieg, politische Verfolgung und Exil haben indes auf ihre Einschätzung nicht unerheblichen Einfluss: ANC-Exilant*innen waren sogar in Europa nicht vor dem südafrikanischen Geheimdienst sicher. Sozialistische Staaten wie die DDR waren deshalb nicht nur Unterstützer in ideologischer, diplomatischer und materieller Hinsicht, sondern sie galten auch als sicherer Hafen gegen den langen Arm des Apartheid-Regimes. In dieser Hinsicht fordern die Erinnerungen exilierter Südafrikaner*innen sogar die heutige deutsche Erinnerungspolitik heraus, wenn sie beispielsweise die Mauer unter den damaligen Bedingungen eher als Schutz wahrnahmen denn als repressive Grenze. ANC-Exilant*innen sind daher „Träger von Wissen“ (Lässig/Steinberg 2017) einer Zeit, in der die globalkapitalistische Entwicklung noch nicht als zwangsläufig erschien.
Die Dissertation liefert Beiträge zu drei umfassenden Forschungsgebieten:
erstens bieten sie einen vertieften Einblick in den DDR-Alltag südafrikanischer Exilant*innen aus der ihnen eigenen Perspektive heraus und decken somit neue Themenkomplexe und Fragestellungen für die Darstellung der DDR in der Forschung auf,
zweitens beschreiben die Ergebnisse eine Geschichte (DDR-)deutsch-südafrikanischer Beziehungen und 
drittens verknüpfen sie die individuellen Laufbahnen ehemaliger Exilant*innen mit kollektiven Exilerfahrungen und sind somit ebenfalls Teil des südafrikanischen (Exil)-Geschichtsnarrativs. 

Betreuer*innen: 

    
Projektbezogene Publikationen:

  • Anja Schade: Das Exil von ANC-Mitgliedern in der DDR. Eine transnationale Verflechtungsgeschichte um Solidarität in der DDR, Berlin 2022 
  • Andreas Bohne/Bernd Hüttner/Anja Schade (Hrsg.): Apartheid No! Facetten von Solidarität in der DDR und BRD, Berlin 2019
  • Ulrich van der Heyden/Anja Schade: GDR Solidarity with the ANC in South Africa, in: Lena Dallywater/Chris Saunders/Helder Adegar Fonseca (Eds.): Southern African Liberation Movements and the Global Cold War >East<. Transnational Activism 1960-1990, Berlin 2019, S. 77-101
  • Anja Schade: Solidarität und Alltag der DDR aus der Sicht exilierter Mitglieder des African National Congress, in: Frank Bösch/Caroline Moine/Stefanie Senger (Hrsg.): Internationale Solidarität. Globales Engagement in der Bundesrepublik und der DDR, Göttingen 2018, S. 186-208. DOI: doi.org/10.14765/zzf.dok-2701
  • Anja Schade: Auswanderer - Geflüchtete – Migrant*innen? - Eine problemzentrierte Auseinandersetzung mit der Terminologie zum Thema „Exil“ und der Frage ihrer wissenschaftlichen Verortung, in: Sanna Schulte/Christian Zech (Hrsg.): Exil interdisziplinär II, Würzburg 2017, S. 21-40
     

 

Hannah Schmidt | Weaving the Camp. Refugees’ Practices of Spatialization in a Refugee Camp in Uganda

Hannah Schmidt

Affiliation:
Universität Hildesheim

Titel des Projekts:
Weaving the Camp. Refugees’ Practices of Spatialization in a Refugee Camp in Uganda

Datum der Verteidigung:
26.01.2023

Abstract:
The book provides a spatial analysis of how refugees’ socio-material practices contribute to the camps’ becoming. By exploring peoples’ social interactions, their material practices and the socio-spatial entanglements, the author shows how—despite the national and humanitarian structures—the refugees are the ones who facilitate and realize the local camp arrangements through socio-spatial practices as well as incrementally rearrange the camp by acts of adaptation. This book puts forward theoretical implications for the rethinking and reassessment of agency in the context of restricted conditions. It challenges the notion of refugees as helpless victims and passive beneficiaries as well as the notion of a camp as a static container. Instead, opening up the perspective on camps as a product of the interplay between agency and structure, allows to approach, explore and display the inhabitants as active beings with specific sociospatial expertise of these conditions. However they still have to navigate within highly contradictive demands imposed by encampment.

Betreuer*innen: 

  • Prof. Dr. Ulrike Krause, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS),  Universität Osnabrück
  • Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel, Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg

Projektbezogene Publikationen:

Habilitationen