Maren Bienert ist neue Professorin für Systematische Theologie an der Universität Hildesheim

Monday, 20. June 2022 um 11:54 Uhr

Seit dem 1. August 2021 ist Prof. Dr. Maren Bienert als Professorin für Evangelische Theologie/Systematische Theologie in Hildesheim tätig. Sie forscht zur systematischen Theologie, welche die Bereiche Ethik und Dogmatik umfasst, und zur Theologiegeschichte. Zurzeit schreibt sie an einem Werk, in dem es auch um den Umgang mit (Selbst-)Zerrüttungen und Fragen der Zukunftsgestaltung in Kriegszeiten geht.

Seit dem 1. August 2021 ist Prof. Dr. Maren Bienert Professorin für Evangelische Theologie/Systematische Theologie an der Universität Hildesheim. Foto: privat

Wie würden Sie einem Laien auf dem Gebiet erklären, woran Sie forschen?

Ich bin in der Evangelischen Theologie für die systematische Theologie zuständig. Dahinter verbergen sich zwei Fächer: Das eine ist die Ethik und das andere die Dogmatik. Zudem bin ich aus dem Grund, dass unser Institut mit nur drei Professuren besetzt ist, auch für große Bereiche der Theologiegeschichte zuständig. Ich interessiere mich vor allem für theologische Konzeptionen, die an Deutungen, Analysen und der Gestaltung der Moderne interessiert sind. Es geht um den Zeitraum vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Zurzeit schreibe ich an einem Buch, in welchem ich mich damit auseinandersetze, wie das Thema „Auferstehung“ in den Theologien der lutherischen Konfessionskultur im Kontext der beiden Weltkriege behandelt wurde. Das ist deswegen so spannend, weil sich in dieser Deutungskultur sehr viel an Gegenwarts- und Vergangenheitsdeutung verbirgt - da geht es gar nicht „nur“ um religiöse Lehre, sondern das sind Zeugnisse religiösen Weltumgangs. Das Thema Auferstehung wurde im Kontext der Kriege wieder neu und anders mit Sinn aufgeladen, aber natürlich auch mit einem Sensus für tiefe Brüche ausgedeutet. Es geht unter anderem darum, wie man mit den in den Kriegen zu Tage getretenen (Selbst-)Zerrüttungen umgehen kann, wie Zukunft gestaltet werden kann oder wo das eben auch verunmöglicht ist. Ich untersuche dafür theologische Monographien und Aufsätze, also die klassischen wissenschaftlichen Textgattungen, aber auch wie das Thema Auferstehung gepredigt und wie sich in Briefwechseln darüber ausgetauscht wurde.

Wie sind Sie zu ihren Forschungsinteressen gekommen?

Das, was mich von Beginn an für die Theologie begeistert hat, ist die Vielfältigkeit des Faches. Man hat vom Alten Orient bis zur Gegenwart eine riesengroße historische Zeitspanne, die man studiert. Zudem hat es mir viel Spaß gemacht, Hebräisch und Griechisch zu lernen neben dem Lateinischen, das ich schon in der Schule gelernt hatte. Beim Übersetzen kann man tief in anderes Denken, andere Kulturen, andere Zeiten eintauchen und dann ausloten, was für die Gegenwart brauchbar, nicht mehr brauchbar, was erhellend, was abständig geworden ist.

In der Systematischen Theologie bin ich dann gelandet, weil mich einerseits auch hier wiederum die Breite des Faches gereizt hat, also dass man sich sowohl mit Ethik als auch mit Dogmatik als auch mit der Frage ihrer jeweiligen Gewordenheit beschäftigt. Ethik hat vor allem da ihren Ort, wo hergebrachte Lösungen nicht mehr funktionieren. Da interessieren mich in meiner Forschung besonders die Themenfelder Familie und Sexualität - dazu ist momentan ein größeres Projekt in Planung.

Die Dogmatik fragt hingegen danach, was mit den christlichen Lehrbeständen in der Gegenwart noch anzufangen sein könnte, was da ausgedrückt wird, welche Umbrüche in diesen Lehrstücken in den vergangenen Jahrhunderten durchschritten wurden und welche gleichbleibenden Anliegen artikuliert werden – das finde ich sehr spannend. Und das Ganze – sowohl ethisches wie dogmatisches Fragen und Denken – historisch zu perspektivieren sowieso.

Und last but not least, dass es sehr viele Berührungspunkte mit den nicht-theologischen Wissenschaften gibt: Zu philosophischen und zu soziologischen Diskussionen beispielsweise. Schon bei der Frage „Was ist eigentlich Religion?“ gibt es einen reichhaltigen, spannungsreichen Theoriefundus und eine transdisziplinäre Debatte, die u.a. für das Nachdenken über Säkularisierung, aber auch für die Rolle von Religion in Bildungskontexten und viele andere Felder sehr produktiv sind.

Warum haben Sie sich für Hildesheim entschieden?

Besonders reizvoll finde ich hier zum einen, dass die Uni einen starken Lehramtsschwerpunkt hat. Ich finde spannend, dass in den Veranstaltungen durch das Studienprofil der Studierenden immer mehrere Fächer vertreten sind, wodurch breite Horizonte erschlossen werden können. Zum anderen finde ich auch gewinnend, dass die Uni selbst so interdisziplinär aufgestellt ist. Es gibt Schwerpunkte auf dem psychosozialen, gesellschaftswissenschaftlichen und kulturwissenschaftlichen Gebiet und da passt das, was ich erforsche und was mich interessiert, bestens hinein.

Werdegang

Maren Bienert studierte Evangelische Theologie, Erziehungswissenschaft und Soziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Während ihrer gesamten Studienzeit wurde sie durch das Evangelische Studienwerk e.V. mit einem Stipendium gefördert. Von 2008 bis 2014 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Martin Laube. Nach ihrer Promotion an der Georg-August-Universität Göttingen war sie bis 2021 Juniorprofessorin für Systematische Theologie an der Stiftung Universität Hildesheim. Seit dem 01.08.2021 setzt sie ihre akademische Karriere als Professorin für Evangelische Theologie/ Systematische Theologie in Hildesheim fort. Sie ist außerdem Mitglied im Fachbereichsrat, Vorstandsmitglied der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft und steht als Vertrauensdozentin der Studienstiftung des deutschen Volkes als Ansprechpartnerin für Stipendiat*innen zur Verfügung.

Interview: Elisabeth Schimpf