Tagung/Workshop des Arbeitskreises Historische Familienforschung (AHFF) in der Sektion Historische Bildungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft

Monday, 09. January 2017 um 12:49 Uhr

Familienförmigkeit? – Zur Geschichte und Gegenwart pädagogischer Institutionen und Organisationen

Tagungsort: Hauptcampus Uni Hildesheim, im Forum Neubau – Raum N 009 und N 010 (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim)

Termin: Freitag, 27.01.2017 um 12.00 Uhr

Lokale Veranstalter_ innen: Arbeitskreis Historische Familienforschung (AHFF) in der Sektion Historische Bildungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, Prof. Dr. Meike Baader, PD Dr. Wolfgang Gippert, Prof. Dr. Carola Groppe, Dr. Christin Sager

Info: Gegenwärtig ist zu beobachten, dass in aktuellen bildungspolitischen Debatten wie auch in behördlichen Dokumenten und in Texten einzelner pädagogischer Institutionen und Organisationen verstärkt die Familie als Organisationsmuster und ideologische Ressource zur Legitimierung pädagogischer Ziele und Reformen herangezogen wird. Familie scheint eine hohe Attraktivität als Referenz pädagogischer Bestrebungen sowie institutioneller und organisationaler Reformen zu besitzen. Die Tagung möchte der Frage nachgehen, inwiefern mit dieser positiven Bezugnahme pädagogischer Institutionen und Organisationen auf Familie eine Neuerung vorliegt oder ob sich hier längerfristige Entwicklungen, historische Brüche oder auch historische Epochalisierungen nachweisen lassen. Damit ist die Tagung offen für historische wie aktuelle Vorträge.

Inhaltlich stellt sich insbesondere die Frage nach dem Verhältnis von Familienförmigkeit und pädagogischer Professionalität. Welchen Einfluss haben Vorstellungen von Familienbeziehungen auf das professionelle Verhalten von Fachkräften in pädagogischen Handlungsfeldern? Verbirgt sich dahinter eine wachsende Kritik und Distanz gegenüber öffentlichen pädagogischen Institutionen und Organisationen? Nähern sich die Rollenmuster in öffentlichen pädagogischen Institutionen und Organisationen und diejenigen in Familien einander an? Verändern sich Lern- und Entwicklungsumgebungen für Kinder und Jugendliche in Schulen, Universitäten, Fürsorgeeinrichtungen etc. zugunsten familienähnlicher, informeller Umwelten? Schließlich: Sind diese Entwicklungen und Diskurse Ausdruck zunehmend postmoderner und poststrukturalistischer Verhaltensmodi, Handlungsorientierungen und Sinnzuschreibungen?

Mit dem Thema verbundene Fragestellungen sind keineswegs nur zeitgeschichtlich, sondern es verbinden sich damit Forschungsperspektiven für alle historischen Epochen: Für das 18. und 19. Jahrhundert stellen sich z. B. Fragen nach den Konstitutions- und Zielvorgaben öffentlicher Bildungssysteme sowie nach impliziten familialen Konkurrenzen oder Vorbildern, die auch schultypenspezifisch sein konnten. Der deutschen Volksschule des Kaiserreichs bspw. waren familienähnliche Beziehungen von väterlichen Lehrern zu seinen ‚Kindern‘ näher als dem deutschen Gymnasium. Dies galt aber nicht in gleichem Maße für die Bildungssysteme anderer Staaten. Ebenso lehnten sich insbesondere höhere Internatsschulen des Auslands in ihren Organisationsmustern oftmals an die Familie an. In Deutschland machten sich im 19. und 20. Jahrhundert pädagogische Reformbewegungen die Familie zunutze, um gegen eine vermeintlich fabrik- und kasernenartig organisierte ‚Massenschule‘ zu protestieren und sich selbst als pädagogische Gegenwelt strukturell und ideologisch zu positionieren. Weiterhin stellt sich die Frage, mit welchen Familienleitbildern in pädagogischen Zusammenhängen historisch und aktuell operiert wurde bzw. wird. Die Tagung will ein Forum bieten, das Thema „Familienförmigkeit“ in seiner ganzen inhaltlichen Breite national wie international zu erörtern.

Die Tagung ist öffentlich. Anmeldung bis zum 10. Januar 2017

Informationen und Tagungsprogramm