Im Nordosten Nigerias leben über zwei Millionen Binnenflüchtlinge. Studierende und Doktorand*innen der Universitäten Maiduguri/Nigeria, Cape Coast/Ghana und Hildesheim/Deutschland erarbeiten mit der Graduate School "Performing Sustainability - Cultures and Development in West Africa" lokale Strategien, um Konflikte und traumatische  Erlebnisse zu bewältigen. „Aufgabe der Zukunft wird es sein, Gemeinschaften wieder entstehen zu lassen. Eine der Identifikationslinien kann Musik sein“, sagt Professor Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music. In der vom Deutschen Akademischen Austauschdienst von 2016 bis 2020 geförderten Graduate School forschen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Sicherheit und wirken beim Wiederaufbau der Gesellschaft mit, etwa durch lokale, gemeinschaftsbildende Kultur- und Bildungsprojekte. Teil des Programms sind mehrmonatige Forschungs- und Lehraufenthalte am Center for World Music der Universität Hildesheim.

Informationen auf Deutsch und Englisch/ information in English and German:

"Performing Sustainability - Cultures and Development in West Africa"

Die SDG-Graduate School „Performing Sustainability. Cultures and Development in West Africa“ ist ein interdisziplinäres Wissenschaftsnetzwerk für Doktorand*innen und Masterstudierende der University of Maiduguri (Nigeria), der University of Cape Coast (Ghana) und der  Stiftung Universität Hildesheim (Deutschland). Ihren Schwerpunkt legt sie auf innovative Forschung, die Ansätze der Performance, der Künste und der Kultur vereint, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Diese basiert dabei auf den im Jahre 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung – die Sustainable Development Goals (SDG). Im Sinne einer globalen Partnerschaft sollen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer ihren Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leisten.

Bereits seit 2007 kooperiert die nigerianische Universität mit der University of Cape Coast in Ghana und dem Center for World Music der Universität Hildesheim. Im Dezember 2016 wurde dann das Graduiertenkolleg eröffnet, um wissenschaftliche Arbeiten zur Rolle von Kunst in der Völkerverständigung und bei der Konfliktbewältigung zu fördern. Die Forschungsergebnisse sollen Wege zu mehr sozialem Zusammenhalt und Frieden in den westafrikanischen Gesellschaften aufzeigen.

Unterstützt und gefördert wird die SDG-Graduate School durch das DAAD-Programm Bilaterale SDG-Graduiertenkollegs mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Zeitraum 2016 - 2020.

Der persönliche Austausch ist ein fester Bestandteil des Programms. So reisen die Doktorand*innen der Universitäten aus Ghana und Nigeria für mehrere Monate nach Hildesheim oder deutsche Studierende nach Cape Coast und Maiduguri, um gemeinsam zu forschen. Außerdem finden halbjährlich zweiwöchige Workshops statt: im Herbst in Nigeria und im Frühjahr in Ghana.

7. Workshop der SDG-Graduate School „Performing Sustainability“ an der University of Cape Coast

Der Workshop 2020

Vom 01. bis 14. März 2020 fand an der University of Cape Coast in Ghana der 7. Workshop der SDG-Graduate School „Performing Sustainability“ statt. Doktorand*innen und Masterstudierende der University of Cape Coast (Ghana), University of Maiduguri (Nigeria) sowie der Universität Hildesheim präsentierten und diskutierten ihre Forschungsthemen und bildeten sich in musikethnologischen Diskursen weiter. Eingeladen waren zudem Dozierende aus Ghana, Nigeria und Deutschland, mit denen ein intensiver Austausch in den Bereichen Kulturpolitik, Kulturelle Nachhaltigkeit, Friedens- und Konfliktforschung sowie zu Wissenschaftlichem Arbeiten stattfand.

Einblicke in das Workshopprogramm 2020

In der ersten Woche hatten die Stipendiat*innen die Gelegenheit, ihre Forschungsthesen vorzustellen und zu diskutieren. Daneben stand inhaltlicher Input auf der Tagesordnung. Die zweite Woche beinhaltete vornehmlich methodische Trainings zu wissenschaftlichem Arbeiten.

In dem Workshop „Introduction to Cultural Sustainability“ von Prof. Dr. Raimund Vogels (Direktor des Center for World Music) setzten sich die Studierenden mit dem Thema auseinander, welche Rolle die Kultur in nachhaltigen Entwicklungen einnimmt und in welchem Verhältnis diese zu den Dimensionen der Ökologie, der Ökonomie sowie des Sozialen steht. Thematisch knüpfte der Workshop „Culture and Cultural Policy“ von Prof. Dr. Julius Heinicke (Institut für Kulturpolitik; Stiftung Universität Hildesheim) daran an. So erarbeiteten die Studierenden, welchen Stellenwert die Kultur in ihrer Gesellschaft hat und welche Aufgaben sich daraus für die lokale Kulturpolitik ergeben. Interessante Diskussionen kamen auf, da die Studierenden aufgrund individueller Erfahrungen sowie Sozialisationen den Kulturbegriff unterschiedlich auffassten und definierten.

Dr. Joseph Wilson (Department for Mass Communication; University of Maiduguri) hielt einen Workshop zu „Media and Conflict Reporting“ und Prof. Susanne Buckley-Zistel (Center for Conflict Studies; Universität Marburg) drei Sitzungen zu „Conflict Studies“. Letztere fokussierte sich insbesondere auf die Analyse von Konfliktsituation unter Berücksichtigung der verschiedenen Perspektiven. Angewendet wurde dieses neuerlangte Wissen schließlich zur Analyse von Konflikten in den vertretenen Heimatländern.

Die zweite Woche füllte sich hauptsächlich mit den beiden Workshops „Qualitative/ Ethnographic Methods and Cultural Analysis“ von Prof. Florian Carl (Department of Music and Dance, Faculty of Arts; University of Cape Coast) und „Academic Writing and Time Management“ von Dr. Sabine Brendel (Unabhängige Dozentin; Deutschland). Praktische Anwendungen des Methodentrainings von Florian Carl fanden die Studierenden in der Analyse verschiedener Musikvideos von bekannteren Afro-Pop Musikern aus Ghana und Nigeria. Die Songtexte sowie Videos thematisierten u.a. die Bedeutung als auch die Gefahren von Social Media, den Stellenwert von Glaube und Religion in der heutigen Zeit sowie die Migration aus ruralen in urbane Gebiete als Folge von Arbeitslosigkeit. Dr. Sabine Brendel gestaltete ihren Workshop mit zahlreichen und kreativen Schreibübungen, um die Hemmungen vor dem Anfang des Schreibens einer wissenschaftlichen Arbeit abzubauen.

Am letzten Tag des Workshops gab Litey James Gumah einen Einblick in seine Tätigkeiten als Xylophon-Bauer. Um die Spielweise sowie den Aufbau dieses traditionell ghanaischen Instrumentes zu veranschaulichen, demontierte er ein eigens von ihm gebautes Xylophon.

Weitere Informationen zur DAAD Graduate School „Performing Sustainability“ werden auf der Webseite stetig aktualisiert.

Bericht von Laura Wenzlaff

Auftakt der internationalen DAAD-Graduiertenschule

Koordinatoren der DAAD-Graduiertenschule:

  • Dr. Nepomuk Riva
    (Center for World Music der Universität Hildesheim)

  • Meike Lettau
    (UNESCO-Chair „Cultural Policy for the Arts in Development“ der Universität Hildesheim)

  • Dr. Christopher Mtaku
    (University of Maiduguri)

  • Eyram Fiagbedzi
    (University of Cape Coast)