Universität Hildesheim - Meldungen - Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Center for World Music de-de Stiftung Universität Hildesheim Thu, 05 Dec 2019 20:42:42 +0100 Thu, 05 Dec 2019 20:42:42 +0100 TYPO3 EXT:news news-17777 Tue, 16 Jun 2020 10:00:00 +0200 Call for Proposals - international doctoral workshop https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/call-for-pro-1/ The 12th international doctoral workshop for PhD candidates of ethnomusicology takes place 16th to 20th June 2020 in Hildesheim. The Center for World Music and Hanover University of Music, Drama and Media invite applications consisting of an abstract (250 words) and a CV (2 pages) by 15th December. The Center for World Music at the University of Hildesheim and Hanover University of Music, Drama and Media are pleased to announce the twelfth annual workshop for PhDcandidates in ethnomusicology.

16th - 20th June 2020
Hildesheim
Application Deadline: 15th December 2019

Through paper presentations, discussion and working groups, the workshop offers a unique environment for 16 doctoral students at the writing stage for their PhD dissertations to engage in international dialogue and exchange, and expand critical debate on recent research within the discipline. The workshop will be directed by Prof. Dr. Philip V. Bohlman (Chicago/Hanover), Dr. Michael Fuhr (Hildesheim), Dr. Cornelia Gruber (Vienna/Hanover) and Prof. Dr. Raimund Vogels (Hildesheim/Hanover).

The organizers inivite applications from PhD candidates researching in the field of ethnomusicology or a related discipline. There are no restrictions concerning the region of study or the thematic focus. We especially encourage applications from PhD students who have completed field or archival work and are in the process of turning their research into a dissertation.

Room and board will be covered by the Center for World Music and Hanover University of Music, Drama and Media, but participants are expected to secure funding to cover travel costs themselves. The workshop will take place in Hildesheim, with arrival on Tuesday, 16th June and departure on Saturday, 20th June. The workshop language – presentations and discussion – will be English.

PhD candidates interested in participating should send an abstract of 250 words and a short CV (two pages maximum) by 15th December 2019. Notification of the success of your application will be sent in early January. Auditors are also welcome and must register by 15th May 2020, but room and board will be at their own expense. Please send all applications and inquiries to: Dr. Michael Fuhr (cwm_fuhr(at)uni-hildesheim.de) Please forward this call to anyone interested.

]]>
Center for World Music
news-17844 Fri, 29 Nov 2019 10:00:00 +0100 Sprung in der Schüssel https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/sprung-in-de/ Eine performative Wertschätzung von Bruchstellen für Streichquartett, Publikum & Gefäße. 29. und 30.11. im Roemer- und Pelizaeusmuseum. Das Center for World Music und das Roemer- und Pelizaeusmuseum Hildesheim präsentieren das performative Konzert „Sprung in der Schüssel“ vom Streichensemble Quartett PLUS 1 unter der Regie von Verena Ries im Rahmen des kooperativen Forschungsprojekts „Wissensspeicher Musik“. Am 29.11. um 15h (die Vorstellungen um 10h und um 18h sind ausverkauft), am 30.11. um 11h, 15h und 18h können Interessierte am Raum-Licht-Klang-Gesamtkunstwerk im Roemer- und Pelizaeusmuseum teilnehmen. Eintritt inklusive Ausstellungsbesuch: 10€ / 8€ / 5€.

„Sprung in der Schüssel“ ist ein interaktives, musikalisches Ritual, das zeitgenössische Kompositionen aus unterschiedlichen Weltregionen in ein Verhältnis zu den kulturhistorischen Keramikobjekten der Ausstellung „Begegnungen“ setzt. Die musikalische Intervention bewegt sich durch die Ausstellungsräume, ergänzt und kontrastiert die Keramikgefäße mit szenischen Mitteln und schafft so ein Erlebnis von Gemeinschaft und neuartiger Musikerfahrung. Die Streichquartett-Kompositionen von Karin Rehnqvist, Wu Man und Rune Tonsgaard Sørensen verbinden die Handelnden mit den Gefäßen: Es treten versteckte Risse und Sprünge ans Licht, werden hervorgehoben und vergoldet.

Für „Sprung in der Schüssel“ wurde Quartett PLUS 1 mit dem Förderpreis Musikvermittlung (Niedersächsische Sparkassenstiftung/ Musikland Niedersachsen) ausgezeichnet; die Verleihung findet am 29.11. um ca. 18:45 Uhr statt. Reservierungen bitte an: mail@quartettplus1.de 

]]>
Center for World Music
news-17791 Wed, 06 Nov 2019 15:31:00 +0100 Publikation: Forschungsdatenmanagement in der Musikethnologie https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/publikation-7/ Der dritte Band der Studie „Forschungsdatenmanagement in der Musikethnologie“ von Prof. Dr. Barbara Alge ist erschienen! "Forschungsdatenmanagement in der Musikethnologie" (Hgg.: Dr. Michael Fuhr und Prof. Dr. Raimund Vogels) gibt Einblick in die gegenwärtige Praxis von in Deutschland wirkenden Musikethnolog*innen im Umgang mit Forschungsdaten. Exkurse führen dabei auch nach Großbritannien und in die USA, vor allem zum Repositorium Ethnographic Video for Instruction and Analysis Digital Archive in Bloomington. Aktuelle und potentielle Infrastrukturpartner für musikethnologisches Forschungsdatenmanagement in Deutschland, von Archiven über Medienrepositorien von Verlagen bis hin zu Forschungsdatenservices an Hochschulen, werden vorgestellt. Ferner werden Möglichkeiten des Forschungsdatenmanagements in Zusammenarbeit mit Datenzentren und Datenarchiven und nationalen Lösungen wie dem DARIAH-DE Repositorium aufgezeigt. Zu den wichtigsten Erkenntnissen der Studie gehören spezifische fachliche Probleme der Musikethnologie durch ihren Umgang mit ethnographischem Material und außereuropäischen Musikkulturen, die wiederum spezifische Fragen hinsichtlich Urheberrecht und intellektuellem Eigentum mit sich bringen. Das Buch liefert wertvolle Empfehlungen zur Bereitstellung von Forschungsdaten für musikethnologisch Arbeitende aus der Perspektive der Musikethnologie und Informationswissenschaft.

Prof. Dr. Barbara Alge ist Professorin für Musikethnologie an der Goethe Universität Frankfurt/Main. Sie habilitierte sich an der Hochschule für Musik und Theater Rostock und hat einen Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaften (MA LIS) an der Humboldt Universität zu Berlin abgeschlossen.

Weitere Informationen: https://www.uni-hildesheim.de/bibliothek/forschen-publizieren/universitaetsverlag/verlagsprogramm/publikation-im-universitaetsverlag/?lsfid=41649&cHash=ced3bb990d4104abf3c34d7780978024

]]>
Center for World Music
news-17665 Sat, 02 Nov 2019 14:00:00 +0100 ENCOUNTER - BEGEGNUNG https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/encounter/ Die Konzert- und Thementage ENCOUNTER – BEGEGNUNG vereinen am ersten Novemberwochenende Musiktraditionen der kanadischen Arktis und Australiens in neuen Kompositionen. ENCOUNTER - BEGEGNUNG ist ein musikalischer Dialog zwischen den Kulturen der kanadischen Arktis, australischen Aboriginekulturen und neuer Musik.

Die dreiteilige Veranstaltungsreihe beginnt am 02.11. um 14 Uhr mit einer Einführung am Center for World Music. Prof. Dr. Raimund Vogels und der kanadische Komponist Gordon Williamson gewähren Einblicke in die musikalischen Kulturen der Inuit und Aborigines, illustriert mit live aufgeführten musikalischen Beispielen von den Inuit-Sängerinnen Lisa-Louise und Winnie Ittukallak aus Kanada sowie William Barton aus Australien am Didgeridoo.


Die Veranstaltungsreihe ENCOUNTER - BEGEGNUNG setzt sich am selben Abend im Sprengel Museum Hannover fort: Raimund Vogels moderiert um 19 Uhr eine weitere Präsentation der traditionellen Musik kanadischer Inuit und australischer Aborigine-Kulturen. Eintritt: 20€ / erm. 10€.

Am 03.11. um 19 Uhr findet schließlich die Uraufführung neuer Kompositionen Gordon Williamsons und Ashley Hribars/ William Bartons (Australien) im Sprengel Museum Hannover statt - eine Begegnung von Klangwelten der beiden Inuit-Sängerinnen mit dem avantgardistischen Gesang der Neuen Vocalsolisten aus Stuttgart. Eintritt: 20€ / erm. 10.

]]>
Center for World Music
news-17547 Wed, 09 Oct 2019 11:35:05 +0200 Musikalische Begegnungen zwischen Europa und Korea https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musikalische-7/ Am 22.10. um 19:30 Uhr begrüßt das Center for World Music mit dem Kammerorchester Hannover und der Solistin Jin Choi preisgekrönte Musiker*innen und Komponist*innen, die in einem gemeinsamen Konzert am 22.10. um 19:30 Uhr im Center for World Music Hildesheim musikalische Traditionen sowie zeitgenössische Werke aus Europa und Südkorea zusammenbringen. Am 22.10. und 19:30 Uhr findet im Center for World Music ein Konzert des Kammerorchesters Hannover mit der preisgekrönten Solistin Jin Choi am Gayageum statt, einem traditionellen koreanischen Saiteninstrument. Das Konzertprogramm umfasst traditionelle und Neue Musik aus Korea sowie Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Dvořák und Elgar.

Mit der Serenade in e-Moll, op. 20 von Edward Elgar, der vierten Sinfonie in Es-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy und zwei für Streichorchester arrangierten Walzern von Antonín Dvořák präsentiert das Kammerorchester Hannover unter der Leitung von Hans-Christian Euler bedeutende Vertreter europäischer Musik des 19. und 20. Jahrhunderts.

Den stilistischen Kontrast des Abends bietet die mehrfach ausgezeichnete Komponistin und Instrumentalistin Jin Choi am Gayageum. Sie spielt verschiedene Solowerke und erhält und vermittelt so ein musikalisches Erbe Koreas. Das Stück „A Letter for Kareisky II“ für Gayageum und Streicher vom international bekannten Komponisten Jinsoo Kim zieht interkulturelle musikalische Verbindungen, die das Konzertprogramm im Center for World Music komplettieren.

Im Anschluss wird zum Verweilen und zum Austausch bei einem Getränk eingeladen!

Das Radio Tonkuhle hat am 21.10. einen Beitrag zu diesem Konzert gesendet: https://soundcloud.com/radio-tonkuhle-1053/musikalische-begegnungen-zwischen-europa-und-korea

]]>
Center for World Music
news-17426 Mon, 23 Sep 2019 15:05:00 +0200 Universität Hildesheim im Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-im-bund-laender-programm-zur-foerderung-des-wissenschaftlichen-nachwuchses-erfo/ Die Universität Hildesheim hat sich erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Fünf dieser Professuren können an der Universität Hildesheim etabliert werden, und zwar in den Bereichen Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter sowie Informatikdidaktik. Die Tenure-Track-Professuren sind Teil des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Universität Hildesheim hat sich im Rahmen des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz am 12. September 2019 bekannt gab, können nun fünf dieser Professuren an der Universität Hildesheim etabliert werden. Insgesamt wurden in der zweiten Bewilligungsrunde 532 Tenure-Track-Professuren an 57 Hochschulen zur Förderung ausgewählt. Nach der Vergabe von 468 Professuren in der ersten Bewilligungsrunde 2017 erhalten damit insgesamt 75 Hochschulen eine Förderung. 

Die Tenure-Track-Professur sieht nach einer erfolgreichen Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor, sodass die beruflichen Chancen des herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchses erhöht und die Planbarkeit einer Karriere in der Wissenschaft verbessert werden. An der Universität Hildesheim bestehen damit künftig neben der Habilitation als „klassischem“ Weg, der Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe und der Tenure-Track-Professur im Wesentlichen drei Wege zur Professur. Die auf diese Stellen berufenen Professorinnen und Professoren nehmen ihre Aufgaben in Forschung und Lehre selbständig wahr.

Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter, Informatikdidaktik

Thematisch sollen die Professuren im Bereich der Digitalisierung angesiedelt werden. Wie in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim „MINERVA 2025“ festgehalten, stellt Digitalisierung neben Bildung, Kultur und Diversität ein fachbereichsübergreifendes Leitthema dar. In innovativer Weise werden zwei Bereiche miteinander verknüpft: zum einen technische Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Data Analytics, Computerlinguistik) und zum anderen gesellschaftliche Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Verwaltung und Demokratieentwicklung, soziale Dienste). Der Bereich Digitalisierung dient damit zur weiteren Profilschärfung der Universität Hildesheim. Gleichzeitig werden Forschung, Lehre und Transfer in einem für die Zukunft äußerst relevanten Themenfeld strategisch gestärkt. 

Im Einzelnen beantragte die Universität Hildesheim die folgenden Tenure-Track-Professuren in dem Bund-Länder-Programm: 

  • Professur für Digitales Lehren und Lernen im Unterricht

  • Professur für Ethnomusicology

  • Professur für Digitale Geisteswissenschaften

  • Professur für Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter

  • Professur für Informatikdidaktik

Die Professuren sollen noch in diesem Jahr ausgeschrieben und im Sommersemester 2020 besetzt werden. Die Universität Hildesheim erhält für die Einrichtung der fünf Tenure-Track-Professuren rund 3,5 Millionen Euro. 

Das Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses läuft von 2017 bis 2032. Dafür stellt der Bund bis zu eine Milliarde Euro bereit. Zugleich sagten die Länder zu, die Zahl der unbefristet beschäftigten Professorinnen und Professoren an den antragsberechtigten Hochschulen dauerhaft um 1.000 zu erhöhen. Mit der Etablierung der Tenure-Track-Professur als international bekanntem und akzeptiertem Karriereweg soll nicht zuletzt die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems insgesamt erhöht werden.

]]>
Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Fachbereich 4 Informatik Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Center for World Music Personalportal Forschung Startseite
news-17332 Mon, 19 Aug 2019 18:31:40 +0200 Taiwanesisches Schattentheater von und für Kinder https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/taiwanesisch/ Am 23.08. um 17 Uhr führen taiwanesische Grundschüler*innen das Schattentheaterstück "Der gehörnte Prinz" im Roemer- und Pelizaeusmuseum auf. Das mehrtägige Austauschprojekt mit der Grundschule Moritzberg, dem Center for World Music und dem Roemer- und Pelizaeusmuseum ermöglicht den Kindern, Lehrkräften und Eltern beider Länder interkulturelle Begegnungen und das experimentelle Arbeiten mit Musik, Licht und Schatten. Der Eintritt zum Stück ist frei! Zwischen dem 19. und 28. August 2019 ist die Grundschule der Gemeinde An-Jin in Taiwan mit 12 Schüler*innen sowie Lehrer*innen und Eltern in Hildesheim zu Gast. Die Profilschule für taiwanesisches Schattentheater und Pak-Kóan-Musik nimmt an einem kulturellen Austauschprojekt mit dem Center for World Music, dem Roemer- und Pelizaeus-Museum und der Grundschule Moritzberg teil. Die Kinder beider Schulen experimentieren gemeinsam mit Licht, Schatten und Musik, lernen sich und Hildesheim kennen und spielen gemeinsam.

Das taiwanesische Schattentheater ist ein Medium der traditionellen und sehr rhythmischen Musikgattung Pak-Kóan. In Taiwan, einem Land mit vielen verschiedenen ethnischen Gruppen und mit einer sehr bewegter politischer Geschichte, gehört die Vermittlung von Schattentheater und Pak-Kóan-Musik zum kultur- und bildungspolitischen Auftrag des Landes.

Die Grundschule An-Jin hat bereits zahlreiche erste Preise in staatlichen Wettbewerben (z. B. National Student Competition of creative Drama Art-Traditional Pupet Theater in Taiwan) gewonnen. Die Kinder präsentieren mit der Geschichte „Der gehörnte Prinz“ ihr aktuellstes Stück und laden alle zum Ausprobieren und Mitmachen ein.


]]>
Center for World Music
news-17244 Thu, 25 Jul 2019 18:31:11 +0200 Call for Papers: "Kulturelle Institutionen angesichts der Migrationskrise in Europa" https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/call-for-pap-12/ Die Sommerschule "Kulturelle Institutionen angesichts der Migrationskrise in Europa" lädt zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Migration und dem Umgang kultureller Institutionen mit ihr ein. Expert*innen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur treten in Austausch. Es werden weiterhin Beiträge angenommen! Veranstalter*innen: Université Franco-Allemande, École des hautes études en sciences sociales, Basque Anthropological Research Institute on Music, Emotion and Human Societies, Center for World Music. Beiträge an: raimund.vogels@hmt-hannover.de Center for World Music news-17097 Tue, 02 Jul 2019 17:41:48 +0200 Der Ataya-Kinderchor aus Taiwan singt in Hildesheim - Ein Wandelkonzert mit 80 Kindern https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/der-ataya-ki/ Der Ataya-Kinderchor wird mit etwa 80 Kindern am Freitag, 5. Juli 2019, in einem Wandelkonzert an unterschiedlichen Orten in Hildesheim Volkslieder singen. Ataya sind Ureinwohner aus dem Norden Taiwans. 80 Kinder zwischen 8 und 12 Jahren aus den beiden Grundschulen Jiaxing und Taoshan sind in Deutschland zu Gast und nehmen an dem internationalen Brahms-Chorfestival in Wernigerode teil.

Singen ist für die Ataya bei Zeremonien sowie auch im Alltagsleben eine wichtige Tradition. Die Ataya möchten ihre Kultur durch Musik weitergeben und ihre eigene Identität vermitteln. Zur Weitergabe ihrer Tradition singen sie ihre Volkslieder in Chor-Arrangements. Der Kinderchor in Taoshan hat eine über 30jährige Tradition. Aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer kulturellen Identität singen die Ataya häufig bei wichtigen Veranstaltungen und repräsentieren hierbei Taiwan. So wurde dem Chor die Ehre zuteil, in den Jahren 2012 und 2014 am Nationalfeiertag die Nationalhymne bei den offiziellen Feierlichkeiten zu singen. Der Kinderchor hat fünf Alben aufgenommen und einige davon gewannen den Golden Melody Award Taiwans.

 

Der Ataya-Kinderchor wird mit etwa 80 Kindern am Freitag, 5. Juli 2019, in einem Wandelkonzert an unterschiedlichen Orten in Hildesheim Volkslieder singen.

Arrangiert wird das Konzert von Yayut Isaw, die sich mit der Ataya-Kultur und indigenen Mythen auseinandersetzt. Außerdem präsentieren die Kinder zwei moderne Neukompositionen der taiwanesischen Komponisten Zeyi Li und Chunrong Zhuang. Zum Abschluss ertönt dann Johannes Brahms’ berühmtes Adoramus Te.


Der Ataya-Kinderchor tritt an folgenden Orten in Hildesheim auf:

14:00-14:15 Stiftung Universität Hildesheim (in der Nähe des Haupteingangs)

16:00-16:15 Vor dem Literaturhaus St. Jakobi

17:00-17:15 Im Domhof

18:00-18:15 Vor dem Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

Auftritt bei den Hildesheimer Wallungen:

19:40            Keßlerstraße, vor dem Kehrwiederturm

20:00            Auf der Bühne

]]>
Center for World Music
news-17052 Sun, 23 Jun 2019 19:59:00 +0200 Zehn Jahre Center for World Music: „Wir bewahren musikalisches Kulturerbe” https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/zehn-jahre-center-for-world-music-wir-bewahren-musikalisches-kulturerbe/ Als einziges musikethnologisches Forschungszentrum Deutschlands, das an eine Universität angegliedert ist, leistet das Center for World Music seit 2009 einen wichtigen Beitrag für Integration und Bildung und fördert die kulturelle und musikalische Vielfalt in der Region. Rede des Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich
anlässlich des Festaktes zum
zehnjährigen Bestehen des Center for World Music (PDF)

Als einziges musikethnologisches Forschungszentrum Deutschlands, das an eine Universität angegliedert ist, leistet das Center for World Music seit 2009 einen wichtigen Beitrag für Integration und Bildung und fördert die kulturelle und musikalische Vielfalt in der Region. Das Forschungszentrum bewahrt mit seinen über 4.500 Musikinstrumenten, 45.000 Schallplatten, Tondokumenten und Schriften bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens. Es gibt in Europa keine weitere Institution, die in dieser globalen Breite sammelt.

„In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Center for World Music einen festen Platz in der Kulturregion Hildesheim und weit darüber hinaus erarbeitet. Es ist ein international anerkanntes Lehr- und Forschungszentrum und gleichzeitig ein inspirierender kultureller Akteur. Wissenschaft und Kultur werden hier auf ganz besondere Weise miteinander verknüpft und so gemeinsam erfahrbar. Hierzu gratuliere ich ganz herzlich und blicke gespannt auf die zukünftigen Entwicklungen“, so der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler anlässlich eines Festaktes. Die Arbeit, die in Hildesheim geleistet werde sei „grandios“, so der Minister. Das Forschungszentrum gebe eine Antwort auf Ausgrenzung und arbeite mit der verbindenden Kraft der Musik.

„We believe in unity through cooperation“

„Das Center ist ein großer Schatz für Forschung und Lehre und ein wichtiger Ort der internationalen Zusammenarbeit. Hildesheim besitzt ein weiteres Juwel“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. „A very warm welcome to all of our foreign partners and guests. You make us proud and together we tell everybody and especially to the new generation of students: we believe in unity through cooperation. Our message is: come and work together, come together and listen to music, we are united in our passion for Music.“ 

Friedrich dankt insbesondere Rolf Irle, dem Stifter der Instrumentensammlung und Ehrenbürger der Universität Rolf Irle. „Musik spaltet nicht, sie vereint, das haben sie Generationen von Schülerinnen und Schülern vorgelebt.“ 

„Das Forschungszentrum gibt Raum für Musiken der ganzen Welt und öffnet diese in die Gesellschaft, um einen offenen Umgang miteinander zu pflegen“, so Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen. Die Transferleistungen in die Gesellschaft hinein seien einzigartig. Die Stiftung Niedersachsen unterstützt die Arbeit seit der Gründung des Forschungszentrums.

Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim, unterstreicht die Bedeutung des Forschungszentrums für die Region Hildesheim. Die Stadt sei durch die kulturwissenschaftlichen Studiengänge von jungen, progressiven und internationalen Kulturformen beeinflusst. „Das Center for World Music ist ein Botschafter für Toleranz in einer pluralen Gesellschaft.“ Die vielfältige Musikkultur werde nicht nur bewahrt und erforscht, sondern auch vermittelt. Meyer äußerte seinen Dank für die Lebensfreude, die von diesem Zentrum ausgehe.

„Music unites, but music can also divide. Music can tackle social difference. Lower Saxony is blessed by these two Institutions, the Center for World Music in Hildesheim and the European Centre for Jewish Music in Hanover“, so Professor Edwin Seroussi von der Hebräischen Universität Jerusalem, der den Festvortrag hielt.

„Das Center for World Music ist ein großer Schatz für Forschung und Lehre und ein wichtiger Ort der internationalen Zusammenarbeit. Musik verfügt über eine einzigartige Kraft, Menschen jeden Alters und jeder Nationalität zu verbinden. Musik schafft Gemeinschaft. Musik bietet besondere Chancen, international und interkulturell zusammenzuarbeiten. Musik schafft grenzüberschreitend Partnerschaften“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Kooperation mit Universität Maiduguri in Nigeria: „Dieses Miteinander zeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert“

Die internationale Zusammenarbeit wird ausgebaut. Am (heutigen) Freitag haben die Universität Maiduguri in Nigeria und die Universität Hildesheim eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die Universitäten arbeiten seit mehreren Jahren in einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderten Graduiertenschule zusammen und befassen sich mit Friedens- und Konfliktforschung.

„Wir pflegen viele Kooperationen auf der ganzen Welt, aber diese scheint die beste zu sein, die wir jemals hatten. Wir sind stolz auf diesen Austausch mit Hildesheim“, sagt Professor Aliyu Shugaba, Präsident der Universität Maiduguri anlässlich der Unterzeichnung in Hildesheim. Seit 1975 bildet die Universität Maiduguri unter anderem den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Fakultäten Landwirtschaft, Kulturwissenschaften, Bildung, Ingenieurwesen, Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften und Medizin aus. Die Universität Maiduguri befindet sich im Zentrum des Konflikts in Nordostnigeria, wo die Terrororganisation „Boko Haram“ in den letzten Jahren schreckliche Verwüstungen angerichtet hat. Die sechs nigerianischen Doktorandinnen und Doktoranden und sechs Masterstudierenden arbeiten in der Graduiertenschule an Fragen des gesellschaftlichen Wiederaufbaus. Die Masterstudierenden haben ihre Master Thesis gerade erfolgreich verteidigt.

„Wir sind dankbar und stolz auf die Zusammenarbeit mit der Universität Maiduguri. Dieses Miteinander zeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert“, so Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Musik kann Verständigung fördern, aber auch trennend wirken. Musik ist zutiefst gesellschaftlich und politisch.

In Hildesheim lagert in Beispielen das musikalische kollektive Gedächtnis der Menschheit, zum Beispiel das „Music of Man Archiv“, eine Dauerleihgabe der Stiftung Niedersachsen. Die Schallplatten sind oft die einzigen akustischen Zeugnisse. In den Regalen liegen algerischer Rai und Streitlieder der Inuit neben Bach-Partiten, hinduistische Tempelgesänge und syrisch-chaldäische Gesänge neben Roland Kaiser, Jazz aus Bangladesch neben Gesängen aus Albanien und Afghanistan.

„Für uns zählt diese Sammlung zum Weltkulturerbe. Die Bestände haben viel mit uns zu tun und das Wissen um die Vielfalt musikalischer Geschichte ist eine wichtige Quelle künstlerischer Inspritation. In unserem Archiv lagern Highlights wie die erste Tonaufnahme aus dem Iran von 1906. Wir haben Ton-aufnahmen, bei denen wir wissen, dass die Sammlung ein Kulturerbe dokumentiert, das verloren ist. Etwa die Tonträger aus Maiduguri in Nigeria“, sagt der Musikethnologe Professor Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music.

Welche Rolle spielen Musik und Klänge in der Gesellschaft? Das Hildesheimer Musikarchiv zeigt: Musik ist nicht nur bloße Unterhaltung oder hohe Kunst. Musikalische Ausdrucksformen sind eine emotionale Kraft. Musik kann Verständigung fördern, aber auch trennend wirken. Musik ist zutiefst gesellschaftlich und politisch. „Im Zentrum bei uns stehen die musizierenden Menschen und nicht das Klangdokument alleine“, sagt Vogels.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim arbeitet eng mit dem Europäischen Zentrum für Jüdische Musik der Hochschule für Musik, Theater und Medien zusammen. Ein internationaler Fachbeirat berät die Einrichtungen.

Digitalisierung von Weltkulturerbe in Kairo, Teheran und Maiduguri

Das Center for World Music sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, derzeit in Iran und Nigeria. In Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden, etwa liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo.

Das Forschungszentrum macht das musikalische Wissen zugänglich. „Wichtiger als das Bewahren ist uns die Rückgabe. Unsere Hauptpflicht ist es, die Dokumente den Musikern vor Ort zur Verfügung zu stellen. Am koptisch-orthodoxen Patriarchat in Kairo und Alexandria werden die Tonaufnahmen in der Ausbildung von Kantoren eingesetzt, da hört man sich das jetzt an, was wir digitalisiert haben. In Teheran nutzen Musiker die Aufnahmen. In Maiduguri hat unser Archivprojekt zur Gründung des Universitätsinstituts zur ‚Promotion of Cultural Sustainability‘ geführt. Wir sammeln wenig, um es einfach im Archiv zu lagern – sondern unsere Überlegung ist immer: Was kann man damit machen?“, so Raimund Vogels.

Friedens- und Konfliktforschung über Musik und Kultur

Musik und Künste können beim Wiederaufbau von Gesellschaft helfen, etwa in Nigeria. In Nordostnigeria wurden im letzten Jahrzehnt Musikerinnen und Musiker durch „Boko Haram“ ermordet, verfolgt und vertrieben und jene, die am Leben sind, haben Angst, Musik zu machen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Maiduguri/Nigeria und Cape Coast/Ghana befassen sich in einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Graduiertenschule mit der Frage, wie in und nach Konflikten Gemeinschaften wieder aufgebaut werden können. Was wurde zerstört, welche Rolle spielen Kultur, Instrumente und musikalische Ausdrucksformen beim Wiederaufbau? Doktorandinnen und Doktoranden nutzen seltene Tonaufnahmen aus dem Musikarchiv für ihre Forschungsarbeiten. Über den Forschungsprozess fließen die Materialien, die die Vielfalt musikalischer Kultur in den Dörfern Nordostnigerias dokumentieren und seit den 1980er Jahren aufgenommen wurden, hinein in die Dörfer, Camps für Binnenflüchtlinge oder Familien. Die Tonaufnahmen sind Impulsgeber für Fragen der Reflexion: Wo wollen wir hin, wie wollen wir künftig leben?

Seit Anfang Mai bis Ende Juli 2019 sind Forscherinnen und Forscher aus Nigeria und Ghana zum Forschungsaufenthalt am Center for World Music in Hildesheim.

Integration durch Musik und Klang

Neben den internationalen Forschungsprojekten wirkt das Center for World Music in der Region, arbeitet mit Kitas, Schulen und dem Roemer- und Pelizeaus-Museum zusammen und bildet seit 2011 Berufstätige fort.

Am Center for World Music haben bisher 100 Personen aus 26 Herkunftsländern im Alter von 20 bis 60 Jahren studiert. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist europaweit einzigartig. Hier treffen zum Beispiel Komponisten, Konzertpädagogen, Musikschullehrerinnen, geflüchtete Musiker, Erzieherinnen und Musikervermittler aufeinander. Viele Studentinnen und Studenten haben Abschlüsse im Ausland erworben. Sie haben vielfältige musikalische und berufliche Biografien kommen aus allen Regionen Deutschlands – von Frankfurt am Main über Bremen und Berlin bis Nürnberg – und aus dem Ausland, etwa aus Syrien, Türkei, Irak, China und Sudan. Der 5. Studienjahrgang beginnt im Oktober 2019 (mehr Informationen über die Bewerbung).

Programm des Festakts am 21. Juni 2019

Begrüßung und Grußworte

  • Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim
  • Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann, Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
  • Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen
  • Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur
  • Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim 

Festvortrag

Prof. Dr. Edwin Seroussi, Hebräische Universität Jerusalem

„10 Jahre in 10 Bildern – Das Center for World Music“

Prof. Dr. Raimund Vogels (Direktor des Center for World Music) und Dr. Michael Fuhr (Geschäftsführer des Center for World Music)

Der Festakt wird gestaltet mit musikalischen Beiträgen von Freunden und Studierenden des Center for World Music. Die Universität erwartet zum Festakt etwa 100 Gäste aus dem In- und Ausland, unter anderem aus Teheran, Paris, Chicago, Jerusalem, Maiduguri, Lissabon, Cape Coast und London.

]]>
Pressemeldungen Center for World Music Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Präsident
news-17041 Wed, 19 Jun 2019 18:17:40 +0200 Kulturaustausch - Besuch der taiwanesischen Grundschule in Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/kulturaustau/ Seit geraumer Zeit arbeiten Kulturvermittler*innen, Pädagog*innen und Musikethnolog*innen auf internationaler Ebene eng mit Grundschulkindern in Hildesheim und An-Jin (Taiwan) zusammen. Dieses sehr besondere Kooperationsprojekt möchte eine frühzeitige kulturelle Offenheit durch praktische Erfahrungen, persönliche Begegnungen und die Auseinandersetzung mit kultureller Identität in der heutigen globalen Gesellschaft ermöglichen. Schattentheater und Musik sind Anlass, Inhalt und Mittel des interkulturellen Bildungsprozesses, der in zwei wesentlichen Etappen stattfindet: Seit Januar 2019 setzen sich die Kinder in ihren Schulen ganzheitlich mit Themen wie Globales Lernen, Landeskunde und Kulturgeschichte auseinander. Fächerübergreifend erproben sie sich im Erzählen von Geschichten, Figurenbau, Schattenspiel und Musizieren. Mit den Schüler*innen der jeweils anderen Schule stehen sie über Briefe und digitale Kommunikationswege im Austausch. Im nächsten Schritt soll nach den Sommerferien im August 2019 eine persönliche Begegnung der beiden Grundschulklassen stattfinden.

Sie lernen sich kennen, spielen und essen gemeinsam. Im Umgang miteinander lernen sie Schule, Stadtteil, Stadt, Kulturinstitutionen und Familienleben in Hildesheim neu und aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Sie arbeiten an einem gemeinsamen Theaterprojekt, tauschen sich aus, lernen voneinander, gestalten gemeinsam und führen auf. Begleitet werden diese vielfältigen Prozesse von Mitarbeiter*innen der kooperierenden Institutionen sowie externen Expert*Innen wie Dolmetscher*innen und Theaterpädagog*innen. Dokumentarfilmer*innen sollen diese in Bild und Ton festhalten. Wichtig ist es uns, die Erfahrungen und Ergebnisse nachhaltig zum Beispiel in den Schul- und Familienalltag, die kulturelle Öffentlichkeit sowie in eine begleitende Dissertation einzubringen und eine Grundlage für folgende Vermittlungskonzepte bzw. -projekte zu bieten.

Für die Zeit 19.-28. August 2019 werden noch interessierte Gastfamilien in dem Hildesheimer Stadtteil Moritzberg gesucht. Ein Infoabend dazu findet am 26.6.2019 um 20 Uhr im Römer- und Pelizaeusmuseum statt.

Bei Fragen und Interesse kontaktieren Sie uns bitte unter:

 

Christine Kundolf-Köhler

Kulturvermittlerin, Museumspädagogin

Center for World Music

Timotheusplatz 1

31141 Hildesheim

kundolfk(at)uni-hildesheim.de

]]>
Center for World Music
news-16952 Sat, 08 Jun 2019 11:28:00 +0200 Friedens- und Konfliktforschung über Musik und Kultur https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/friedens-und-konfliktforschung-ueber-musik-und-kultur/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Maiduguri, Nigeria, und Cape Coast, Ghana, sind derzeit zum Forschungsaufenthalt an der Universität Hildesheim. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Maiduguri in Nigeria und Cape Coast in Ghana befassen sich im Rahmen einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Graduiertenschule mit der Frage, wie mit Kunst und Kultur in und nach Konflikten Gemeinschaften aufgebaut werden können.

Seit Anfang Mai bis Ende Juli 2019 sind 10 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nigeria und Ghana zum Forschungsaufenthalt am Center for World Music in Hildesheim.

Welche Rolle spielen Kultur und Künste bei der Konfliktlösung und in Friedensprozessen?

In Hildesheim arbeiten Zainab Musa Shallangwa, Alasambom Nyingchuo, Umar Lawal Yusuf, Lydia Amoah, Sabina Appiah-Boateng und Amos Asare Darkwa an ihren Doktorarbeiten im Center for World Music und am Institut für Kulturpolitik, recherchieren in der Universitätsbibliothek und treffen Hildesheimer Professorinnen und Professoren. Begleitet werden sie von den Koordinatoren der Graduiertenschule Dr. Christopher Mtaku, Eyram E. K. Fiagbedzi, Dr. Nepomuk Riva und Meike Lettau.

Außerdem finden interdisziplinäre Austauschformate statt, unter anderem mit der Erziehungswissenschaftlerin Professorin Viola Georgi, die in Hildesheim das Zentrum für Bildungsintegration leitet, und im Seminar „Time and History: What ‚history‘ do we want to talk about in the future“ mit dem Philosophen Professor Rolf Elberfeld, der zu Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive forscht, oder auch mit Professor Tiago de Oliveira Pinto vom UNESCO-Lehrstuhl „Transcultural Music Studies” an der Universität Weimar.

Insgesamt 21 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Nigeria, Ghana, Kamerun, Niger und Deutschland, darunter 12 Doktorandinnen und Doktoranden, erforschen in der Graduiertenschule „Performing Sustainability – Cultures and Development in West-Africa“ von 2016 bis 2020 die Rolle von Kultur und Kunst bei der Konfliktlösung, in Friedensprozessen und in der nachhaltigen Entwicklung in Westafrika. Zum Beispiel untersuchen sie die Rolle von Theater und Film in Flüchtlingsgemeinschaften, die Auswirkungen von Migration und Vertreibung auf das materielle und immaterielle kulturelle Erbe und entwickeln lokale, gemeinschaftsbildende Kultur- und Bildungsprojekte. Teil des Programms sind mehrmonatige Forschungs- und Lehraufenthalte am Center for World Music der Universität Hildesheim.

„Dieser Austausch zwischen Maiduguri, Cape Coast und Hildesheim ist eine Bereicherung“

„Wir sind eine offene und internationale Universität, zu unserem Leitbild gehört Diversität. Dieser Austausch zwischen Maiduguri, Cape Coast und Hildesheim ist eine Bereicherung“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler werden Anfang Juli 2019 an einer Kooperationstagung zum Thema „The Role of the Artist in Processes of Transformation. Conference on Cultural Policy and Sustainable Development“ in der Bundesakademie Wolfenbüttel teilnehmen [Informationen zur Konferenz]. Forschungsfragen sind unter anderem: Was bedeutet eine auf Kunst und Kultur basierende nachhaltige Entwicklung? Auf welche Weise können Künstlerinnen und Künstler Lösungen für Gesellschaften in Umbrüchen und fragilen Kontexten anbieten? Welche neuen Mechanismen der internationalen Kulturbeziehungen und Kulturpolitik sind für eine Veränderung der europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit erforderlich?

Digitalisierte Musikarchive sollen in Nigeria helfen, um vor Ort Lösungsansätze für gesellschaftlichen Konfliktezu entwickeln

„Die Forschungen der Studierenden stehen im engen Zusammenhang mit den Sammlungen, über die wir am Center for World Music verfügen, wie etwa das Borno Music Documentation Project. Die Doktoranden und Doktorandinnen nutzen damit unsere Archive, die sie erschließen und digitalisiert wieder mit nach Nigeria nehmen, um vor Ort Lösungsansätze für gesellschaftlichen Konflikte suchen“, sagt Professor Raimund Vogels.

Die Hildesheimer Graduiertenschule „Performing Sustainability – Cultures and Development in West-Africa“ ist die einzige kulturwissenschaftliche Graduiertenschule und die einzige aus Niedersachsen, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen einer Fördermaßnahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Förderung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN bewilligt wurde.

Das Graduiertenkolleg ist an der Universität Hildesheim am Center for World Music angesiedelt. Das Team um Professor Raimund Vogels, Direktor des Forschungsinstituts, arbeitet mit Professor Wolfgang Schneider zusammen, dessen Team am UNESCO-Lehrstuhl des Instituts für Kulturpolitik die Rolle der Künste in Konflikten und Transformationsprozessen untersucht.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Kulturpolitik Center for World Music Forschung Startseite Präsident
news-16971 Fri, 07 Jun 2019 08:52:00 +0200 Internationaler Doktorandenworkshop der Musikethnologie https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/internationaler-doktorandenworkshop-der-musikethnologie-1/ Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Haifa, Cape Coast, Lissabon, Helsinki und Maiduguri nach Hildesheim: Während des elften Internationalen Doktorandenworkshops am Center for World Music der Universität Hildesheim tauschen sie sich über Forschungsmethoden und Forschungsfragen aus. Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel, Portugal, Ghana, den USA, Finnland und Nigeria nicht nach Berlin oder Köln, sondern nach Hildesheim in Norddeutschland.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim unterstützt den Forschungsnachwuchs. Etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tagen vom 18. Juni bis 22. Juni 2019 an der Universität. Das fünftägige Programm bietet Raum für Vorträge und Diskussionen. In Arbeitsgruppen können sich die Doktorandinnen und Doktoranden über Forschungsmethoden und musikethnologische Forschungsfragen austauschen.

Seit elf Jahren bauen die Hildesheimer Wissenschaftler ein Doktorandennetzwerk in der Musikethnologie aus. Die Universität Hildesheim arbeitet dabei eng mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sowie Professor Philip Bohlman von der University of Chicago/USA zusammen. Bisher nahmen über 200 junge Fachleute an den Workshops teil. Einmal im Jahr tagen sie eine Woche am Center for World Music in Hildesheim. Das Forschungszentrum hat sich im Ausland als wichtige Institution der Nachwuchsförderung etablieren können.

Programm des elften internationalen Doktorandenworkshops

Die Doktorandinnen und Doktoranden befassen sich zum Beispiel mit diesen Themen:

  • Amos Darkwa Asare (University of Cape Coast, Ghana): "The Evaluation of Cultural Policy towards the Performing Arts in Ghana: A case of the ‘Appietus’ project"

  • Dikshant Uprety (Indiana University Bloomington, USA): "Practices of Social Entrepreneurship and Development in Rap and Rock Music Scenes in Kathmandu Valley"

  • Xinjie Chen (University of Helsinki, Finland): "Rooted Cosmopolitanism in Sámi CD productions"

  • Pablo Infante-Amate (University of Oxford, England): "Playing with the State: Popular Music, Oil, and Political Economy in Equatorial Guinea"

  • Olga Zaitseva-Herz (University of Alberta, Canada): "Singing Between Continents: images of homeland and pluralism in the hybrid songs of Habsburg Empire emigrants to Canada"

  • Loab Hammoud (University of Haifa, Israel): "Between Mandate and Diaspora: Palestinian Composers of Arab Art Music Between 1917-1998"

Short information in English

Eleventh International Doctoral Workshop in Ethnomusicology

From 18th of June until 22nd of June 2019 the Center for World Music of University of Hildesheim will once more be the venue for the international doctoral workshop in ethnomusicology. In collaboration with Hanover University of Music, Drama and Media, the program of paper presentations, discussion and working groups will support doctoral students at their writing stage and engage them in international dialogue and exchange. In a keynote lecture Ronald Radano from the University of Wisconsin–Madison, USA, and the American Academy Berlin, will talk about the "African Sound Object and the Colonial Past".

]]>
Pressemeldungen Center for World Music Forschung Startseite
news-16330 Thu, 23 May 2019 18:43:00 +0200 Integration durch Musik: Europaweit einzigartiger Studiengang „musik.welt“ https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/integration-durch-musik-europaweit-einzigartiger-studiengang-musikwelt/ Der Studiengang „musik.welt“ öffnet seit 2011 Hochschultüren. Bisher haben etwa 100 Personen aus 15 Herkunftsländern im Alter von 20 bis 60 Jahren im Masterstudium am Center for World Music der Universität Hildesheim studiert. Der syrische Musikpädagoge Renas Ibrahim ist einer der Studierenden und arbeitet derzeit an seiner Masterarbeit. „Dank der Musik kann ich hier studieren“, sagt der 33-Jährige. Ab sofort ist eine Bewerbung um einen Studienplatz möglich. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist europaweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft.

Hier treffen zum Beispiel Komponisten, Konzertpädagogen, Musikschullehrerinnen und Musikschullehrer, geflüchtete Musikerinnen und Musiker, Erzieherinnen und Erzieher und Musikervermittler aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern aufeinander. Viele Studentinnen und Studenten haben Abschlüsse im Ausland erworben. Sie haben vielfältige musikalische und berufliche Biografien kommen aus allen Regionen Deutschlands – von Frankfurt am Main über Bremen und Berlin bis Nürnberg – und aus dem Ausland, etwa aus Syrien, Türkei, Irak, China und Sudan.

„Es ist uns wichtig eine möglichst heterogene Gruppe zusammen zu stellen“, sagt Morena Piro, Mitarbeiterin am Center for World Music, „denn der Austausch, der Perspektivwechsel und das von und miteinander lernen ist wichtiger Bestandteil des Studiengangs.“

Jeder Student erlernt während der zwei Jahre ein weiteres Instrument – eine „musikalische Fremdsprache“ – und erhält Einzelinstrumentalunterricht. Die Studieninhalte reichen von Musikethnologie und Musikpädagogik über Musik und soziale Arbeit bis zu Projektmanagement und Selbstreflexion.

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige fort, die die Vielfalt der Musikkulturen in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist europaweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft.

Jetzt bewerben und berufsbegleitend den Masterabschluss erwerben

Der berufsbegleitende Masterstudiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist Teil des Schwerpunkts Bildungsintegration an der Universität Hildesheim und wird seit 2011 von der Stiftung Niedersachsen gefördert. Das Studium umfasst vier Semester bis zum Master-Abschluss. Die Lehrveranstaltungen finden jeweils an einem Wochenende pro Monat statt. Es besteht die Möglichkeit, auf Zertifikat zu studieren; ein Bachelor-Abschluss ist dann nicht erforderlich. Der Studiengang wendet sich an alle, die Kompetenzen erlangen möchten, um die integrative Kraft der Musik in der täglichen Arbeit zu nutzen.

Der Hörsaal im Center for World Music ist ungewöhnlich – ein ehemaliger Kirchenraum mit mehreren Hundert Musikinstrumenten aus allen Erdteilen.

Die Bewerbung um einen Studienplatz ist ab sofort bis zum 15. Juni 2019 möglich. Die Auswahlgespräche finden vom 5. bis zum 7. Juli 2019 am Center for World Music in Hildesheim statt. Das Studium beginnt im Oktober 2019.

Die Familienbildungsstätte der Katholischen Erwachsenenbildung in Hildesheim unterstützt Interessenten am Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“, um sprachlich gut vorbereitet in die Aufnahmeprüfung zu gehen. Gefördert von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung werden speziell für Musiker Sprachkurse durchgeführt. In Kürze werden mehr Informationen zu dem Sprach- und Vorbereitungskurs bekannt gegeben.

Weitere Informationen zu den Studieninhalten,
Stipendien und zum Bewerbungsverfahren

Kurz erklärt: Zehnjähriges Jubiläum

Was macht das Center for World Music

Seit zehn Jahren arbeitet das Center for World Music (CWM) der Stiftung Universität Hildesheim daran, das musikethnologische Wissen für die Gesellschaft nutzbar zu machen. In unterschiedlichen Formaten verzahnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die theoretischen Erkenntnisse mit der Praxis. Das CWM bewahrt mit seinen etwa 4500 Instrumenten, circa 45.000 Tonträgern und seiner Bibliothek bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens.

Das musikethnologische Institut, welches in den vier Abteilung Archiv, Forschung, Studium und Lehre und Community Service arbeitet, ist weltweit einzigartig. Der Musikethnologe Professor Raimund Vogels leitet das Hildesheimer Forschungszentrum.

Mehr Informationen zum
Center for World Music

Nachgefragt bei zwei musik.welt-Studierenden:

Autorin der Kurzporträts ist Morena Piro.

„Über die Musik kommen Menschen in Kontakt“

Renas Ibrahim

Seit 2017 studiert Renas Ibrahim am Center for World Music in Hildesheim. Sein Weg bis in den Hörsaal in Deutschland war lang – als der Krieg in Syrien wütete, entschied er sich, zu fliehen.

Bis 2015 arbeitete er in einem der größten Flüchtlingslager der Welt, im Camp „Domiz“. Wie viele aus dem Krieg Geflohene suchte er zunächst Zuflucht im Nachbarland Irak. Zu der Zeit als Renas Ibrahim nach Domiz kam lebten dort über 140.000 Menschen. Für viele wurde das Camp zu einem Ort der Hoffnungslosigkeit. Für Renas Ibrahim nicht. Er hatte seinen Traum und seine Klarinette und er wusste, dass er mit seiner Musik Trost und Freude spenden kann. Regelmäßig musizierte er mit den Kindern im Camp. Diese Arbeit mit den Kindern gibt dem gelernten Musikpädagogen Kraft.

Manchmal reicht eine Person, ein Mensch, der einem helfen kann

Die lange Flucht führte den 33-Jährigen bis nach Papenburg in Deutschland. Er „bemerkte, dass einige Menschen in Deutschland anscheinend Angst vor ihm hatten, Angst vor dem Fremden, erzählt er. Er suchte aktiv Kontakt, ging in die Kirchengemeinde und zum Blasorchester in der Nachbarschaft. Über die Musik konnte er mit Menschen in Kontakt kommen, denn deutsch sprechen konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. In Papenbrug traf er eine ältere Dame, die sich seiner annahm und die ihm half, zum Beispiel als seine Klarinette kaputt ging. „Manchmal reicht eine Person, ein Mensch, der einem helfen kann“, sagt Renas Ibrahim.

Er lernte weiter die deutsche Sprache und gelangte über eine Initiative des Musiklandes Niedersachsen und des Center for World Music bis nach Hildesheim. Im Rahmen des DAAD-Projektes „INTEGRA“ nahm Renas Ibrahim gemeinsam mit 12 weiteren geflüchteten Musikerinnen und Musikern an Kursen teil, um die Zugangsberechtigung zum Studium an der Universität Hildesheim zu erhalten. Von den 12 Personen schafften es nur wenige in den Masterstudiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“– Renas Ibrahim schaffte es.

Seit Herbst 2017 ist er nun immatrikulierter Masterstudent an der Universität Hildesheim und „sehr stolz darauf“. „Ich konzentriere mich voll auf das Studium und bin hierfür direkt in die Nachbarschaft des Center for World Music gezogen.“ Heute ist Renas Ibrahim in vielen Musikvermittlungsprojekten in Hildesheim aktiv. Auch für das Musikland arbeitete er zum Beispiel in dem Projekt „Welcome Board im Klassenzimmer“. „Hier zeige ich den Kindern, welche Instrumente und welche Musik in Syrien gespielt werden“, sagt Renas Ibrahim.

Aktuell ist Renas Ibrahim im letzten Semester des Weiterbildungsmasters. „Ich habe viel gelernt über die Musik der anderen und wie man Projekte entwickelt, kämpfe mich fleißig durch die deutsche Literatur der Musikpädagogik und durch die deutsche akademische Art des Lernens, die sich von dem Hochschulalltag in Syrien unterscheidet.“ Er recherchiert und schreibt an seinem Masterthema. Sein Traum ist es nun seine Masterarbeit über „Kurdische Musik“ zu schreiben.

„Es können noch so viele musikalische Schätze gehoben werden“

Hannah Marie Heuking

Hannah Marie Heuking studierte Elementare Musikpädagogik und klassische Klarinette in Deutschland. Ihre Arbeitsfelder sind vielfältig: Sie gibt Klarinettenunterricht, arbeitet für die Musikschule in Hannover in Kitas, Grundschulen und Einrichtungen der Stadtteilkultur und tritt regelmäßig mit Bands auf, spielt Klezmer und Musik aus dem Balkan – gerade diese Mischung der Tätigkeit ist für sie interessant.

Sie bemerkt die Veränderungen in der Gesellschaft – in den Bildungseinrichtungen, in denen sie arbeitet, haben über 60% der Kinder Eltern, die aus einem anderen Land kommen. Die Musik, die vermittelt wird ist jedoch nicht so divers. „Das Repertoire, mit dem an der Hochschule und an der Musikschule gearbeitet wird ist meistens beschränkt auf westliche Klassik, Jazz und Pop“, sagt die 30-Jährige. „Ich habe das Gefühl, dass es viele musikalische Schätze gibt, die noch gehoben werden können.“

Hannah Marie Heuking ist neugierig und fragt sich: „Was gibt es noch für musikalische Sprachen?“ Als sie von dem Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ hört, bewirbt sie sich und wird aufgenommen. Seit 2017 studiert sie am Center for World Music in Hildesheim.

„Die musikethnologischen Methoden, Inhalte und Workshops und der Austausch mit den Kommilitonen sind eine Bereicherung“, sagt sie. Die Musik verbindet sie alle und nach den Kursen bleiben die Musikerinnen und Musiker oft noch bis spät in den Abend zusammen, um gemeinsam zu musizieren.

Im Ausland erworbene Abschlüsse werden manchmal in Deutschland nicht anerkannt

Jeder der Studierenden erlernt ein Instrument, welches ihm bislang fremd ist. Hannah entscheidet sich, das arabische Saiteninstrument „Kanun“ von einem ihrer arabischen Kommilitonen zu erlernen. Ihr Lehrer ist studierter Musiker und Meister an seinem Instrument. Sein syrisches Diplom ist in Deutschland jedoch nicht anerkannt deshalb studiert er am Center for World Music.

Die wertschätzende Atmosphäre in der Gruppe ist bei Diskussionen in den Kursen und Workshops hilfreich. Gerade, wenn die Musik politisch wird. Zum Beispiel, wenn im Workshop zur „Jüdischen Musik“, die syrischen Musikerinnen und Musiker erzählen, mit welcher Haltung sie in ihrem Umfeld groß geworden sind. Die Gespräche mit den anderen unterstützen den Perspektivwechsel. Und oftmals folgt darauf das Anerkennen. „Aus solchen Kursen entstehen künstlerische Ensemble“, erzählt Hannah Marie Heuking, etwa ihr Bandprojekt „Trio Picon“, indem ihr Kommilitone Hesam aus dem Iran mit der persischen Kniegeige Kamanche und der persischen Rahmentrommel Daf jüdische Lieder spielt und auch persisches Repertoire teilt.

Aus dem Studiengang nimmt die Musikerin „neue Freunde, neues Wissen über Musik, neue künstlerische Projekte“ mit, ihr Horizont habe sich geweitet und sie habe nun „noch viel offenere Ohren“. Diese Erfahrungen aus dem Masterstudium nimmt sie bereits jetzt mit in die KiTas, Schulen und Kultureinrichtungen in den Stadtteilen, in denen sie arbeitet.

In Kürze steht eine musikalische Reise nach Tansania bevor: Im Herbst wird Hannah Marie Heuking nach Sansibar in Tansania reisen, um dort eine Musikakademie zu besuchen und um ein Austauschprojekt mit der Musikschule der Landeshauptstadt Hannover mitzugestalten. Vor Ort wird sie musikethnologischen Fragen nachgehen, denn „die Musikwelt in Sansibar und Tansania ist durch diverse koloniale Einflüsse über Jahrhunderte äußerst vielseitig geprägt und fusioniert sowohl arabische, persische, als auch europäische Musikstile und typische Instrumente“, erläutert sie. „Das ist doch großartig, dass ich nun so ein internationales Projekt mit aufbauen darf.“

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music Bildungsintegration Lehrerbildung
news-16689 Mon, 29 Apr 2019 06:20:00 +0200 Musikerinnen und Musiker bei den Kunstfestspielen in Hannover https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musikwelt-bei-den-kunstfestspielen-in-hannover/ Am 12. Mai 2019 feiern die Kunstfestspiele Herrenhausen und das Center for World Music gemeinsam ihren 10. Geburtstag: Das renommierte Kunstfestival hat die Musikerinnen und Musiker des Center for World Music der Universität Hildesheim nach Hannover eingeladen, um Einblicke in die Vielfalt der Klänge zu geben. Die Musikerinnen und Musiker des musik.welt-Studiums werden an unterschiedlichen Plätzen auf dem Festivalgelände auftreten. Vor dem Schloss Herrenhausen und in den Herrenhäuser Gärten bespielen die Musikerinnen und Musiker unter anderem eine begehbare Skulptur klanglich. Die Live-Musik findet alle halbe Stunde zwischen 14:00 und 20:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. 

Außerdem laden die Hildesheimer Musikerinnen und Musiker Kinder und Familien zum Workshop ein. Der Workshop läuft am Sonntag, 12. Mai 2019 von 14:00 bis 16:30 Uhr auf der Probebühne der Herrenhäuser Gärten. Kinder und Familien können jederzeit hinzukommen und die Welt der Musik entdecken, über die Vielfalt der Klänge sprechen und Instrumente kennen lernen und ausprobieren.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim leistet seit zehn Jahren einen wichtigen Beitrag sowohl für die Integration als auch für eine breite musikalische Bildung ohne Scheuklappen. Das Forschungszentrum ist als Labor und Archiv, als Ort des Studiums und der Forschung eine Stätte der Begegnung und des Austauschs für Menschen und Musikerinnen und Musiker aus Deutschland und aller Welt, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Morena Piro.

Studium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“

Bewerbung um einen Masterstudienplatz

Am Center for World Music haben bisher 100 Personen aus 26 Herkunftsländern im Alter von 20 bis 60 Jahren studiert. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist europaweit einzigartig. Hier treffen zum Beispiel Komponisten, Konzertpädagogen, Musikschullehrerinnen, geflüchtete Musiker, Erzieherinnen und Musikervermittler aufeinander. Viele Studentinnen und Studenten haben Abschlüsse im Ausland erworben. Sie haben vielfältige musikalische und berufliche Biografien kommen aus allen Regionen Deutschlands – von Frankfurt am Main über Bremen und Berlin bis Nürnberg – und aus dem Ausland, etwa aus Syrien, Türkei, Irak, China und Sudan.

Für den 5. Studienjahrgang können sich Studieninteressierte aus ganz Deutschland und dem Ausland ab sofort bis zum 15. Juni 2019 bewerben. Das Masterstudium beginnt im Oktober 2019.

Mehr Informationen online

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music
news-16373 Tue, 26 Mar 2019 08:47:00 +0100 Center for World Music unterstützt geflüchtete Musikerinnen und Musiker https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/center-for-world-music-unterstuetzt-gefluechtete-musikerinnen-und-musiker-1/ Studium nach der Flucht: Das Center for World Music der Universität Hildesheim sucht bundesweit ab sofort Musikerinnen und Musiker, die nach der Flucht ihre musikalische Ausbildung in Deutschland fortsetzen und studieren möchten. Sie können sich in Hildesheim in Sprach- und Vorbereitungskursen kostenfrei auf das Studium vorbereiten. Insgesamt sind 15 Plätze vorhanden. Eine Bewerbung für den INTEGRA-Kurs ist bis zum 23. April 2019 möglich. Das Hildesheimer Forschungsinstitut hilft geflüchteten Musikerinnen und Musikern, ihre Chance auf einen Studienplatz in Deutschland zu erhöhen. Am Center for World Music der Universität Hildesheim besteht die bundesweit einmalige Möglichkeit an einem kostenfreien Sprachkurs und Vorbereitungskurs auf ein Musikstudium in Deutschland teilzunehmen.

Der INTEGRA-Kurs bereitet auf das wissenschaftliche Arbeiten vor, die Teilnehmer lernen die Universitätsbibliothek kennen, nehmen an Einführungen über Musiktheorie teil, nehmen an einem Sprachkurs teil und musizieren gemeinsam. Die Teilnahme an diesen Vorbereitungskursen ist kostenfrei.

Die Musikerinnen und Musiker werden in den kommenden Monaten von Mai bis September 2019 an dem Sprachkurs und Vorbereitungskurs an der Universität teilnehmen können.

An dem Kurs können 15 Personen teilnehmen. Die Aufnahmeprüfung findet am 25. April 2019 im Center for World Music in Hildesheim statt. Eine Anmeldung zur Prüfung ist Pflicht. Wer sich für das Unterstützungsprogramm interessiert, kann ab sofort Morena Piro, Mitarbeiterin am Center for World Music, unter piromo@uni-hildesheim.de erreichen und sich bis spätestens zum 23. April 2019 für die Aufnahmeprüfung anmelden.

Die Musikerinnen und Musiker werden in den kommenden Monaten von Mai bis September 2019 an dem Sprachkurs und Vorbereitungskurs an der Universität teilnehmen können.

Dieser INTEGRA-Kurs ist Dank der Katholischen Erwachsenenbildung und der Förderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur möglich. Das Projekt wird in Kooperation mit der Musikschule Hildesheim und dem Global Board des Musikland Niedersachsen durchgeführt.

Die Kursteilnehmer können sich in dem Vorbereitungskurs auch auf das Masterstudium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ vorbereiten, das Masterstudium startet im Herbst 2019.

Mehr Informationen online unter:

Studium nach der Flucht:
Informationen des Center for World Music

Kurz erklärt

Studium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“

Bewerbung um einen Masterstudienplatz

Am Center for World Music haben bisher 100 Personen aus 15 Herkunftsländern im Alter von 20 bis 60 Jahren studiert. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist europaweit einzigartig. Hier treffen zum Beispiel Komponisten, Konzertpädagogen, Musikschullehrerinnen, geflüchtete Musiker, Erzieherinnen und Musikervermittler aufeinander. Viele Studentinnen und Studenten haben Abschlüsse im Ausland erworben. Sie haben vielfältige musikalische und berufliche Biografien kommen aus allen Regionen Deutschlands – von Frankfurt am Main über Bremen und Berlin bis Nürnberg – und aus dem Ausland, etwa aus Syrien, Türkei, Irak, China und Sudan.

Für den 5. Studienjahrgang können sich Studieninteressierte aus ganz Deutschland und dem Ausland ab sofort bis zum 15. Juni 2019 bewerben. Das Masterstudium beginnt im Oktober 2019.

Mehr Informationen online unter:

Studium musik.welt

]]>
Pressemeldungen Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 Center for World Music Studierendenportal Bildungsintegration Flüchtlinge
news-15943 Mon, 07 Jan 2019 18:32:13 +0100 Vier Jahrhunderte jüdischer klassischer Musik - eine kommentierte Performance https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/vier-jahrhun/ Am 20.1.2019 um 15 Uhr präsentiert das Kammerenemble von fünf Studierenden jüdische klassische Musik seit dem 18. Jahrhundert bis heute. Das Quintett wird von Dr. Jean Goldenbaum geleitet, der als Komponist, Musikwissenschaftler und Lehrbeauftragter am Europäischen Zentrum für jüdische Musik (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) tätig ist. Es erzählt über die Entstehung und Bedeutung der Lieder im Judaismus und gibt Einblicke in deren muskalische Praxis.

Auf der Agenda stehen musikalische Werke von S. Rossi, J. Halévy, L. Bernstein, A. Schoenberg, J. Goldenbaum.

Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Der Eintritt und die Teilnahme sind kostenlos. Um Spenden wird gebeten.

Adresse: Center for World Music, Schillstraße/ Timotheusplatz 2, 31141 Hildesheim

 


]]>
Center for World Music
news-15809 Mon, 19 Nov 2018 18:19:45 +0100 ELEVENTH INTERNATIONAL DOCTORAL WORKSHOP IN ETHNOMUSICOLOGY 18th– 22nd June 2019 https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/eleventh-int/ Call for Proposals: The Center for World Music at the University of Hildesheim and Hanover University of Music, Drama and Media are pleased to announce the tenth annual workshop for PhD candidates in ethnomusicology.

The Center for World Music at the University of Hildesheim and Hanover University of Music, Drama and Media are pleased to announce the eleventh annual workshop for PhD candidates in ethnomusicology. Through paper presentations, discussion and working groups, the workshop offers a unique environment for 16 doctoral students at the writing stage for their PhD dissertations to engage in international dialogue and exchange, and expand critical debate on recent research within the discipline. The workshop will be directed by Prof. Dr. Philip V. Bohlman (Chicago/Hanover), Dr. Michael Fuhr (Hildesheim), Dr. Cornelia Gruber (Hanover) and Prof. Dr. Raimund Vogels (Hildesheim/Hanover).

 

The organizers inivite applications from PhD candidates researching in the field of ethnomusicology or a related discipline. There are no restrictions concerning the region of study or the thematic focus. We especially encourage applications from PhD students who have completed field or archival work and are in the process of turning their research into a dissertation.Room and board will be covered by the Center for World Music and Hanover University of Music, Drama and Media, but participants are expected to secure funding to cover travel costs themselves. The workshop will take place in Hildesheim, with arrival on Tuesday, 18thJune and departure on Sunday, 23rdJune. The workshop language – presentations and discussion – will be English.

 

PhD candidates interested in participating should send an abstract of 250 words and a short CV (two pages maximum) by 15thDecember 2018. Notification of the success of your application will be sent in early January. Auditors are also welcome and must register by 15thMay 2019, but room and board will be at their own expense.

 

Please send all applications and inquiries to:

Dr. Michael Fuhr (cwm_fuhr@uni-hildesheim.de)

 

Please forward this call to anyone interested.

]]>
Center for World Music
news-15479 Mon, 01 Oct 2018 17:51:00 +0200 Wissenschaftsminister: Hildesheimer Lehrerausbildung ist bedeutsam für Schulentwicklung in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/wissenschaftsminister-hildesheimer-lehrerausbildung-ist-bedeutsam-fuer-schulentwicklung-in-niedersac/ Minister Björn Thümler sprach mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Studierenden über die Entwicklung der Stiftungsuniversität und das Studium im Lehramt sowie im Bereich „Data Analytics“. Zudem besuchte er das Center for World Music. Der Niedersächsische Wissenschaftsminister unterstrich während seines Antrittsbesuchs an der Universität Hildesheim die Bedeutung der Hildesheimer Lehrerausbildung für Niedersachsen. Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler informierte sich während seines Antrittsbesuchs in dieser Woche (20. September 2018) an der Universität Hildesheim über die Entwicklung der Hochschule.

Der Minister sprach mit Präsidiumsmitgliedern, mit  Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, auch aus dem akademischen Mittelbau, mit studentischen Vertreterinnen und Vertretern des AStA und des Studierendenparlaments und mit Studierenden über die Entwicklung der Universität Hildesheim, das Studium und die Mitwirkung in hochschulinternen Gremien.

„Minister Thümler erkannte die Notwendigkeit einer Erhöhung unserer Grundfinanzierung an, um unsere Leistungsfähigkeit auch für die Zukunft zu sichern“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Herausforderungen in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung

Als Mitglieder des Senats für die Gruppe der Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Hildesheim berichteten Dr. Torsten Richter und Jonas Ringler dem Minister von den anspruchsvollen Aufgaben ihrer Kolleginnen und Kollegen in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung.

Eine besondere Herausforderung sei es, den eigenen hohen Ansprüchen an eine qualitative Lehre gerecht zu werden und gleichzeitig exzellente Forschung zu betreiben. Auch die zunehmende Heterogenität der Studierenden unter anderem hinsichtlich ihres Alters, ihrer Herkunft, ihrer Vorerfahrungen und ihrer familiären Situation gehe mit zusätzlichen Anforderungen an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität einher. Die Mittelbauvertreter stellen zum Beispiel einen zunehmenden Beratungsbedarf der Studierenden fest.

Gleichzeitig arbeite die Konferenz der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen mit der Hochschulleitung und den zuständigen Stellen in der Hochschulverwaltung daran, diese Herausforderungen zu meistern. Beispielhaft verwiesen die Mittelbauvertreter auf gemeinsam mit der Hochschulleitung initiierte und wiederholt durchgeführte Erhebungen zur Beschäftigungssituation des akademischen Mittelbaus. Senat, Präsidium und Stiftungsrat haben zudem die Leitlinien „Wissenschaft als Beruf attraktiv machen – Gute und faire Beschäftigungsbedingungen für den akademischen Mittelbau“ beschlossen.

Vom Minister danach gefragt zeigten die Vertreter auf, auf welche Weise die Politik die Arbeit von Lehrenden und Forschenden unterstützen könne: Durch eine dauerhafte Erhöhung der Grundfinanzierung könnte das Lehrdeputat vieler wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von in der Regel zehn Semesterwochenstunden gesenkt werden. Dies trage dazu bei, die wissenschaftliche Forschung zu intensivieren – bei gleichbleibender Qualität der Lehre sowie von Beratung und Service.

Die vom akademischen Mittelbau angesprochenen Herausforderungen decken sich auch mit den Schilderungen der Studierenden. Der Präsident wird das Gespräch mit den Studierenden fortsetzen und dabei die von den Studierenden eingebrachten Themen im Studienalltag besonders in den Blick nehmen. Das Präsidium hat die beim Antrittsbesuch des Ministers anwesenden Studierenden zu einem Gespräch eingeladen.

Hildesheimer Lehrerausbildung bedeutsam für Schulentwicklung in Niedersachsen

Der Minister informierte sich über die Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim. „Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Schulen im Land ausreichend mit hervorragend qualifizierten Lehrkräften zu versorgen und möglichst viele junge Menschen für ein Lehramtsstudium zu begeistern“, betonte Thümler. „Die Universität Hildesheim hat zum Wintersemester 2014/15 als eine von insgesamt sieben niedersächsischen Hochschulen das innovative Konzept zur Lehrerausbildung an Grundschulen sowie an Haupt- und Realschulen (GHR 300) eingeführt. Mit dem neuen Konzept können die Studierenden erheblich besser auf die Anforderungen des Vorbereitungsdienstes und des Berufslebens vorbereitet werden. Umso mehr freue ich mich, dass wir die bisherigen Programmittel für GHR 300 ab diesem Jahr verstetigen konnten und die Universitäten die Studiegänge dauerhaft qualitätsgesichert anbieten können.“

Die Universität Hildesheim bildet Lehrerinnen und Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen aus. Etwa 2500 Studierende sind derzeit im Lehramt eingeschrieben. Die frühe Unterrichtspraxis ist ein Kernelement der Hildesheimer Lehrerausbildung.

Zentrum für Digitalen Wandel entsteht in Hildesheim

Der Minister informierte sich über die Schwerpunkte in Forschung und Lehre. Die Universität Hildesheim hat sich darauf verständigt, die Digitalisierung als eines von vier Leitthemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in ihre Entwicklungsplanung aufzunehmen, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Zu den ersten Maßnahmen zählt die Gründung des „Zentrums für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“. Der Gründungsvorstand besteht aus dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt, dem Computerlinguisten Professor Ulrich Heid und der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit der Grundstruktur, der Komplexität sowie den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Im Zentrum versammeln sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachdisziplinen – von Computerlinguistik über Politikwissenschaft und Unterrichtsforschung bis Softwareentwicklung und maschinellem Lernen.

Studium im Bereich „Data Analytics“: 1900 Bewerbungen aus der ganzen Welt

Gemeinsam mit den Studierenden Eya Boumaiza (Tunesien), Mofassir Ul Islam Arif (Pakistan) und Torben Windler (Deutschland) stellte Informatikprofessor Lars Schmidt-Thieme das englischsprachige Masterprogramm „Data Analytics“ vor. Die Universität Hildesheim verzeichnet eine überwältigende Nachfrage mit etwa 1900 Bewerbungen aus der ganzen Welt für dieses Programm. In dem Masterprogramm sind etwa 120 Studentinnen und Studenten aus mehr als 25 Ländern eingeschrieben: Die erste Generation der Studentinnen und Studenten kommt unter anderem aus Afghanistan, Ägypten, Brasilien, China, Deutschland, Indien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Simbabwe und den USA.

„Wir haben ein weltweites Einzugsgebiet, die Nachfrage ist gigantisch, sowohl seitens der Unternehmen als auch der internationalen Studierenden“, so Professor Schmidt-Thieme. Die ersten Absolventinnen und Absolventen beenden im Herbst erfolgreich ihr Studium und arbeiten mit regionalen Unternehmen zusammen.

Professor Lars Schmidt-Thieme und die Studierenden zeigten eindrucksvoll die Leistungen im Bereich Data Analytics in Forschung und Lehre. Dennoch wird „Data Analytics“ im Wissenschaftsministerium formal als eine Studienvariante des Masterstudiengangs „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ geführt und nicht als eigenständiger Masterstudiengang. Ein Umstand, der sich gerade mit Blick auf die hohe internationale Reputation der Hildesheimer Data Science schnellstmöglich ändern sollte, so Schmidt-Thieme.

Denn das Interesse der internationalen wissenschaftlichen Community sowie der Wirtschaft an der Hildesheimer Data Science ist hoch und wächst beständig an: Professor Schmidt-Thieme und die Studierenden berichteten von zahlreichen Kooperationen und Projekten mit Hochschulen und Unternehmen, regional sowie weltweit. Entsprechend soll der Bereich „Data Science“ in Hildesheim weiter ausgebaut werden. Professor Schmidt-Thieme zeigte dem Wissenschaftsminister auf, wie mit einer weiteren Professur in diesem Bereich auch ein englischsprachiges Bachelorprogramm angeboten werden könnte.

„Die Digitalisierung ist das Thema unserer Zeit – hierfür relevante Studienangebote sind vor diesem Hintergrund von großer Bedeutung. Mit ihrem englischsprachigen Angebot leistet die Universität Hildesheim zudem einen wichtigen Beitrag zur Interntionalisierung“, sagt Minister Thümler über die Arbeit der Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Erhalt von Kulturerbe: „Musiktraditionen bewahren und zugänglich machen"

Der Wissenschaftsminister informierte sich in Hildesheim über die Arbeit des Center for World Music. „Als einziges musikethnologisches Forschungszentrum Deutschlands, das an eine Universität angegliedert ist, leistet das Center for World Music einen wichtigen Beitrag für Integration und Bildung. Gleichzeitig fördert es die kulturelle und musikalische Vielfalt in der Region. Durch die Sammlung einzigartiger Tondokumente, Musikinstrumente und Schriften werden Musiktraditionen bewahrt und zugänglich gemacht. Mit diesem Aufgabenspektrum verfügt das Center über ein einzigartiges Profil in Europa", sagte Wissenschaftsminister Björn Thümler.

Das Hildesheimer Forschungsinstitut bewahrt bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens, setzt sich in der Forschung für den Erhalt der Vielfalt musikalischer Äußerungen ein und macht seine Sammlungen zugänglich.

„Die Sammlungen gehören der Allgemeinheit. Es ist nicht richtig, wenn Universitätssammlungen im Keller liegen. Wir begreifen den Transfer in die Gesellschaft als Kernaufgabe des Center for World Music. Wir wollen mit unserer Arbeit in die Gesellschaft hineinwirken und Begegnungen, Respekt und Anerkennung durch Musik fördern“, sagt der Musikethnologe Professor Raimund Vogels.

Die Hildesheimer Sammlung mit über 6.000 Musikinstrumenten und etwa 50.000 Tonträgern gehört zu einer der größten Sammlungen dieser Art in Europa. In einem lokalen Verbund führen das Center for World Music und das Roemer- und Pelizaeus-Museum derzeit ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände zusammen. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt „Wissensspeicher Musik“ leistet einen Beitrag zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes. Das Center for World Music sichert und digitalisiert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, etwa in Iran, Ägypten und Nigeria – auch diese Tonaufnahmen machen die Wissenschaftler zugänglich.

Seit 2011 bildet die Universität Hildesheim in einem Masterstudiengang Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen und mit den Sammlungen arbeiten. Sijia Li, eine der Masterstudentinnen, holte eines der Instrumente aus den Vitrinen und spielte auf der Guzheng. Sie ist auch als Dozentin tätig und unterrichtet Studierende im Spiel auf dem traditionellen chinesischen Instrument.

Professor Raimund Vogels und Dr. Michael Fuhr erläuterten dem Minister die internationale Bedeutung des Center for World Music. Sie stellten zum Beispiel die Arbeit der Graduiertenschule vor, die bis 2020 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen einer Fördermaßnahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird. 18 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nigeria und Ghana befassen sich seit einem Jahr mit der Frage, welche Rolle Musik, Theater oder Literatur beim Wiederaufbau von Gemeinschaften nach Konflikten spielen.

Sabour Moradi überreichte dem Minister abschließend das Saiteninstrument Setar, das der 51-jährige Instrumentenbauer in der Werkstatt im Forschungsinstitut der Universität Hildesheim gebaut hat. Moradi wird im Sonderprogramm „Artist in Residence“ vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert, er arbeitet mit dem Roemer- und Pelizaeus Museum und dem Center for World Music zusammen.

Bauprojekte: Mensa-Neubau der Universität Hildesheim im Stadtteil Marienburger Höhe

Der Minister informierte sich außerdem über die Bauprojekte der Universität Hildesheim. Am Hauptcampus entsteht in drei Jahren Bauzeit bis 2021 eine neue Mensa. Der 2000 Quadratmeter große Neubau ist das größte Bauprojekt der Universität.

Seit Mai 2018 laufen die Tiefbauarbeiten. Dann kommt der Rohbau, der Baubeginn ist für Oktober 2018 geplant. Das erste Essen soll 2021 über die Theke gehen und serviert werden.

]]>
Pressemeldungen Personalportal Studierendenportal Bildungsintegration Lehrerbildung Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Center for World Music Maschinelles Lernen Informatik Zentrum für Digitalen Wandel
news-15521 Mon, 01 Oct 2018 09:45:00 +0200 Nachruf – Gedenken an den Archäologen Mohammed Reza Kamarehei https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/nachruf-gedenken-an-den-archaeologen-mohammed-reza-kamarehei/ Die Universität Hildesheim trauert um Mohammed Reza Kamarehei. Der Wissenschaftler ist plötzlich und unerwartet verstorben. Wir bitten um eine Spende als aktuelle Nothilfe für seine Familie. Mohammed Reza Kamarehei war Doktorand an der Universität Hildesheim und untersuchte anhand von Reliefs, Grabzeichnungen und Skulpturen den Zusammenhang zwischen staatlicher Machtausübung und der musikalischen Praxis. Spendenaufruf: Bitte helfen Sie der Familie des Wissenschaftlers [PDF]

Der Verleger und Archäologe Mohammed Reza Kamarehei verstarb plötzlich und unerwartet am 24. September 2018 in Hildesheim. Sein Geburtstag ist der 3. Juli 1978. Mohammed Reza war seit Januar 2017 Doktorand bei Professor Raimund Vogels am Center for Word Music der Universität Hildesheim.

Die Zusammenarbeit mit Mohammed Reza reichte zurück bis in das Jahr 2014, als er über die Kooperation zwischen dem Musik Museum Teheran und dem Center for World Music und die Sicherung des bedeutenden iranischen Klangarchivs in seinem zweiwöchentlichen Kulturjournal „Mokaab“ in Teheran berichtete. In regelmäßigem Kontakt begleitete er die Arbeit des Center for World Music in der Folgezeit. Aufgrund seiner profunden Kenntnisse der Archäologie des Irans entstand in Gesprächen die Idee, ihm an der Universität Hildesheim die Gelegenheit zur Promotion zu geben. Damit verband sich zugleich die Hoffnung, wichtige Teile der Instrumentensammlung aus archäologischer Perspektive in ihrer Entstehungsgeschichte neu bewerten zu können.

Sein eigenes Forschungsinteresse galt der vor-islamischen Archäologie. Im Rahmen seines Forschungsvorhabens beschäftigte er sich intensiv mit der Dynastie der Sassaniden. Anhand von Reliefs, Grabzeichnungen, Skulpturen und musealen Abbildungen untersucht er den Zusammenhang zwischen staatlicher Machtausübung und der musikalischen Praxis, die diese, wie auf vielen Abbildungen sichtbar, meist begleitete.

Aufgrund hervorragender Kontakte zum iranischen National Museum war er in der Lage bislang nicht publizierte Abbildungen in seiner Arbeit einzuarbeiten. Neben seinem unbestrittenen wissenschaftlichem Profil hat Mohammed Reza alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Center for World Music darin beeindruckt, wie er mit jedem Tag besseren Zugang zur deutschen Sprache gewann und bereits nach einem Jahr wissenschaftliche Diskussionen führen konnte, die sein umfangreiches Wissen und seinen großartigen Humor haben deutlich werden lassen.

Mohammed Reza lebte mit seiner Frau Bahareh Khosravan in der Region Hildesheim. Die Familie hat drei Töchter (13 Jahre, 8 Jahre, 6 Jahre), die älteste Tochter besucht ein Gymnasium in Hildesheim. Die Eltern kommen aus Teheran und unterstützen mit großem Engagement ihre Kinder auf deren Bildungswegen. Nachdem die Eltern selbst die Erfahrungen gemacht haben, sich in einem neuen Land und einer fremden Sprache zurechtfinden zu müssen, unterstützten sie als Sprachlehrer Flüchtlinge in der Region Hildesheim beim Sprachenlernen.

Die Universität Hildesheim trauert um Mohammed Reza Kamarehei. Das Center for World Music verliert einen warmherzigen, neugierigen und humorvollen Kollegen und Freund. Die wissenschaftlichen Diskussionen mit dem begabten und geistreichen Archäologen haben wir als große Bereicherung empfunden. Unser Mitgefühl gehört in diesen Stunden vor allem der Familie.

Nothilfe: Spenden für die Familie

Der plötzliche Tod des Mannes und Vaters ist für die Familie ein schwerer, unfassbarer Verlust. Die Familie war sehr eigenständig, die Eltern wollten immer unabhängig sein und mit ihrer Arbeit auf eigenen Beinen stehen. Durch den plötzlichen Tod des Ehemannes entsteht eine Notsituation. Die Frau des Wissenschaftlers, Frau Bahareh Khosravan, studiert an der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Kulturvermittlung“, sie hat in Teheran erfolgreich Kulturmanagement studiert.

Wir bitten um eine Spende als aktuelle Nothilfe für die drei Töchter und ihre Mama. Hierbei ist jede noch so kleine Spende hilfreich. Wir bitten um Unterstützung aus der Wissenschaft und Bürgergesellschaft, um die Familie in dieser Lebenslage unterstützen können. Wenn Sie sich an der Nothilfe beteiligen möchten, wenden Sie sich bitte an Isa Lange (Pressesprecherin der Universität Hildesheim, 05121 883 90100, langei@uni-hildesheim.de).

Ein Spendenkonto wurde eingerichtet:

Spendenflyer mit allen Informationen [PDF]

Ein Kondolenzschreiben liegt an der Information/Telefonzentrale aus (Hauptcampus, F-Gebäude EG, 08:00 bis 13:00 Uhr) bis zum 5.10.2018 aus. Gerne können Sie mit Ihrer Unterschrift stille Anteilnahme ausdrücken.

]]>
Pressemeldungen Center for World Music Startseite Fachbereich 2 Kulturpolitik Forschung
news-15595 Mon, 01 Oct 2018 08:56:00 +0200 Verbotene Musik: Tagung im Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/verbotene-musik-tagung-im-center-for-world-music/ In jeder Gesellschaft, unabhängig davon, ob sie sich pluralistisch, freiheitlich und liberal gibt, oder ob sie auf gesellschaftliche Entwicklungen restriktiv Einfluss nimmt, existieren Musiken, die gewisse Normen überschreiten. Diejenigen, die das Geächtete dennoch singen, spielen oder tanzen, werden von Machthabern marginalisiert oder verfolgt. Eine Konferenz am Center for World Music der Universität Hildesheim beschäftigt sich mit der verbotenen Musik. Erstmals zeigt der Wissenschaftler Nepomuk Riva den Dokumentarfilm „Bedrohte Musik". Programm der Konferenz (PDF)

In dieser Woche (4. Oktober bis 6. Oktober 2018) tagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland im Rahmen der 26. Arbeitstagung der Kommission zur Erforschung musikalischer Volkskulturen in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde am Center for World Music der Universität Hildesheim.

In jeder Gesellschaft, unabhängig davon, ob sie sich pluralistisch, freiheitlich und liberal gibt, oder ob sie auf gesellschaftliche Entwicklungen – notfalls oder auch ohne Not– restriktiv Einfluss nimmt, existieren Musiken, die aus wie auch immer gearteten Gründen gewisse Normen und somit ein bestimmtes Maß an Toleranz überschreiten, sagt der Wissenschaftler Nepomuk Riva. Diejenigen, die das Geächtete dennoch singen, spielen oder tanzen, werden von den jeweiligen Mehrheiten oder Machthabern marginalisiert oder gar verfolgt, während sie bei ihren Anhängern besondere Anerkennung genießen. Musikverbote beschränken sich keineswegs auf Diktaturen oder Staaten mit totalitären Zügen. Denn auch in freiheitlichen westlichen Demokratien werden Grenzen dort überschritten, wo Melodie oder Texte bestimmte Wertegefüge verlassen, so Nepomuk Riva.

Auf der Hildesheimer Konferenz „Verbotene Musik“ diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland unter anderem über die Verhinderung von Musikpraktiken, über Untergrundmusik,  Straßenmusik und tolerierte verbotene Lieder im Fußballstadion in Iran und über Liedermacher im Visier des Staatssicherheitsdienstes in der DDR. Die Konferenz ist nicht öffentlich.

Öffentlicher Teil der Konferenz „Verbotene Musik“: Vorstellung eines Dokumentarfilms

Am Freitag, 5. Oktober 2018, findet um 19:00 Uhr die öffentliche und kostenfreie Dokumentarfilmpräsentation „Bedrohte Musik" über das „Borno Music Documentation Projekt" zwischen der Universität Hildesheim und der University of Maiduguri (Nigeria) statt.

Der Wissenschaftler Nepomuk Riva gibt Einblicke in die Lebenslagen von Musikerinnen und Musikern in Nordostnigeria. Der Dokumentarfilm wird im Center for World Music der Universität Hildesheim (Schillstraße, Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim) gezeigt

]]>
Pressemeldungen Startseite Fachbereich 2 Center for World Music Forschung
news-15104 Tue, 24 Jul 2018 10:48:00 +0200 Land unterstützt Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/land-unterstuetzt-forschung-in-den-geistes-und-sozialwissenschaften/ Das Land Niedersachsen unterstützt im Programm „PRO*Niedersachsen“ mehrere Forschungsprojekte von Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Projekte in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zu den Themen „Rückfallprophylaxe bei Alkoholismus“, „Sexualisierte Gewalt“ und „Die tibetischen Musikinstrumente des Center for World Music“ werden mit insgesamt rund 750.000 Euro gefördert. Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sind für die Gesellschaft von großer Bedeutung. Die Analyse kultureller, sozialer und historischer Zusammenhänge fördert das Verständnis für die Vergangenheit, schärft den Blick auf die Gegenwart und gibt Impulse für die Gestaltung moderner Gesellschaften.

Das Land Niedersachsen unterstützt mehrere Forschungsprojekte von Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Mit dem Programm „PRO*Niedersachsen“ fördert das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit insgesamt rund 750.000 Euro Projekte in den Hildesheimer Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Mit dem Programm soll die „wissenschaftliche Vielfalt“ gefördert und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützt werden, „innovative Ansätze in Forschung und Praxis zu entwickeln“, sagt der Niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler. „Niedersachsen ist in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften breit aufgestellt. Das zeigen die geförderten Projekte eindrucksvoll“, so der Wissenschaftsminister.

Wissenschaftsministerium fördert Hildesheimer Forschung

In Hildesheim wurden drei Projekte bewilligt, darunter das Projekt mit dem Titel „Die Bedeutung einer geteilten sozialen Identität in Selbsthilfegruppen für die Rückfallprophylaxe bei Alkoholismus“. Ein Team um Prof. Dr. Andreas Mojzisch vom Institut für Psychologie untersucht empirisch die Wirksamkeit von Selbsthilfegruppen bei der Therapie von Alkoholismus. Alkoholkonsum gilt als der drittgrößte Risikofaktor für Krankheiten und gesundheitliche Beeinträchtigungen. Bei der Behandlung von Alkoholismus, insbesondere bei der Rückfallprophylaxe, spielen Selbsthilfegruppen eine zentrale Rolle, so Mojzisch. „Während die grundsätzliche Wirksamkeit von Selbsthilfegruppen zur Therapie des Alkoholismus als gesichert gelten kann, ist noch relativ ungeklärt, was die psychologischen Mechanismen hinter der positiven Wirkung sind.“ In zwei Studien mit insgesamt 400 Versuchsteilnehmerinnen und Versuchsteilnehmern überprüft Andreas Mojzisch empirisch die Hypothese, dass eine geteilte soziale Identität in Selbsthilfegruppen der entscheidende Prädiktor für die Aufrechterhaltung der Abstinenz ist.

Das Land fördert zudem die Forschung von Prof. Dr. Meike Baader vom Institut für Erziehungswissenschaft. Die Wissenschaftlerin leitet das Forschungsprojekt „Thematisierung von sexualisierter Gewalt an Hochschulen in der Lehre und der Organisation“. „Seit der Aufdeckung der Fälle sexualisierter Gewalt in pädagogischen Institutionen im Jahr 2010 wird von Expertinnen und Experten, aber auch von der Bundesregierung eine Verankerung der Thematisierung von sexualisierter Gewalt und deren Prävention in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte gefordert. Damit ist auch die Hochschule angefragt – und zwar sowohl auf der Ebene der Wissensvermittlung für zukünftig pädagogisch Handelnde als auch auf der Ebene der Organisation, da die Hochschule selbst ihre Mitglieder vor Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen schützen muss“, sagt Professorin Meike Baader. Inwiefern diese Themen in der Lehre an niedersächsischen Hochschulen verankert sind und über welche Präventions-, Hilfe- und Beratungsstrukturen die Hochschulen verfügen, untersucht die Erziehungswissenschaftlerin in dem dreijährigen Forschungsprojekt. In der Abschlußphase kooperiert die Professorin mit regionalen Fachberatungsstellen. Seit vielen Jahren forscht Baader in diesem Bereich und befasst sich mit der Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften, zudem betreut die Professorin erziehungswissenschaftliche Abschlussarbeiten und Promotionen.

Im Rahmen der Förderlinie „Kulturelles Erbe – Sammlungen und Objekte“ fördert das Wissenschaftsministerium das Forschungsprojekt „Die tibetischen Musikinstrumente des Center for World Music Hildesheim“. Ziel des Teams um den Musikethnologen Prof. Dr. Raimund Vogels ist die wissenschaftliche Erschließung der Musikinstrumente der tibetisch-buddhistischen Klöster und Wandermönche aus der Sammlung Rolf Irle. Die Wissenschaftler arbeiten an der Digitalisierung, Erschließung und Sicherung von Kulturerbe und setzen sich dafür ein, Instrumenten- und Tonträgersammlungen zugänglich zu machen.

Die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerinnen Dr. Svea Korff und Prof. Dr. Meike Baader vom Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ sind zudem Kooperationspartner in dem Forschungsprojekt „Bewertungspraktiken in Lehr- und Lernsettings der Promotionsbetreuung“ der Universität Osnabrück.

„Hochrangige Forschungsvorhaben, die neue Impulse für ihre jeweilige Fachrichtung setzen“

Die drei Projekte der Universität Hildesheim werden mit jeweils rund 250.000 Euro gefördert. Gefördert werden die Projekte, da sie für hochrangige Forschungsvorhaben stehen, die neue Impulse für ihre jeweilige Fachrichtung setzen. Weitere Forschungsprojekte fördert das Land etwa an den Univesitäten in Göttingen, Osnabrück und Oldenburg.

Die Auswahl erfolgte durch Fachgutachterinnen und Fachgutachter in Zusammenarbeit mit der „Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen“ (WKN). Die Mittel für das Förderprogramm stammen aus dem „Niedersächsischen Vorab“ der VolkswagenStiftung.

]]>
Pressemeldungen Center for World Music Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik
news-14375 Sun, 21 Jan 2018 16:51:00 +0100 Nachruf – Gedenken an Professor Mitchel Strumpf https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/nachruf-ge/ Der Musikethnologe Prof. Mitchel Strumpf ist im Alter von 74 Jahren verstorben. Das Center for World Music und das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim haben mit dem Forscher der „Dhow Countries Music Academy“ in Stone Town, Sansibar, Tansania, in den vergangenen Jahren eng zusammengearbeitet. Prof. Mitchel Strumpf widmete sich über 50 Jahre seines Lebens der musikalischen Bildung und der Musikforschung in Afrika. Als Sohn deutscher Auswanderer wurde Mitchel Strumpf in New York geboren, er entschied sich jedoch im Alter von 20 Jahren, sein Leben in Afrika zu verbringen. Als Klarinettist, Musiklehrer und Musikethnologe half er dabei, Studiengänge und Musikprogramme an Universitäten in Ghana, Nigeria, Malawi, Zimbabwe und Tansania zu errichten. Zuletzt war er als akademischer Direktor der „Dhow Countries Music Academy“ auf Sansibar in Tansania tätig, wo er maßgebliche Impulse für die afrikanische Musikvermittlung setzte. Neben den vielfachen Aktivitäten um die Musikausbildung, entwickelte er Unterrichtskonzepte und Lehrmaterialien zu traditionellen afrikanischen Musikformen und zur afrikanischen Musikgeschichte und brachte regelmäßig internationale Musiker, Lehrer und Wissenschaftler zusammen, um seine Liebe zur afrikanischen Musik und Kulturmit ihnen zu teilen.

Prof. Dr. Wolfgang Schneider und Dr. Daniel Gad wurden von Prof. Mitchel Strumpf im März 2012 in Dar es Salaam empfangen, als sie für den Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl in mehreren afrikanischen Ländern Kooperationen mit Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen anbahnten. Prof. Strumpf führte die Hildesheimer Delegation dabei nicht allein in das Geschehen auf dem Campus der University of Dar es Salaam ein, sondern machte diese auch mit der Dhow Countries Music Academy auf Sansibar vertraut. Im Januar 2013 besuchte er Hildesheim anlässlich der Inauguration des Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhls. Als professioneller Musiker und Musikethnologe war er sehr erfreut, das Center for World Music in Hildesheim kennen zu lernen. Sein damaliger Doktorand Damas Mpepo begleitete ihn und reiste schließlich mit einer spontan von Rolf Irle gespendeten Trompete zurück nach Tansania. Im März 2015 tagte der UNESCO-Lehrstuhl auf Einladung von Mitchel Strumpf in der Dhow Countries Music Academy in Sansibar Stone Town zu dem Forschungsatelier “Cultural Policy and Music Arts Education” mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Tansania, Kenia, Uganda und Südafrika. 

Im Sommer 2015 musste die in Ghana geplante Abschlusskonferenz des vom Center for World Music durchgeführten Forschungsprojekts “The Formation and Transformation of Musical Archives in West African Societies” aufgrund einer Ebola-Epidemie in einigen westafrikanischen Ländern kurzfristig abgesagt werden. Es ist Prof. Strumpfs Gastfreundschaft, seiner akademischen Offenheit und seinem unermüdlichen Eifer zu verdanken, dass diese Konferenz dennoch stattfinden und nach Tansania verlegt werden konnte. Es gelang ihm in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Raimund Vogels und Dr. Michael Fuhr vom Center for World Music, die Konferenz “Memory, Power and Knowledge in African Music and Beyond” an der Dhow Countries Music Academy auf Sansibar zu veranstalten. Mit über sechzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern war sie die bisher größte internationale Konferenz zur afrikanischen Musikforschung in Tansania.

Das Institut für Kulturpolitik und das Center for World Music der Universität Hildesheim behalten Prof. Mitchel Strumpf (1943 – 2018) in dankbarer Erinnerung.

Dhow Countries Music Academy

]]>
Center for World Music
news-8763 Wed, 22 Nov 2017 15:39:00 +0100 Internationale Gäste am Center for World Music: Delegation aus Shanghai und Percussionistin aus Seoul https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/internationale-gaeste-am-center-for-world-music-delegation-aus-shanghai-und-percussionistin-aus-seou/ Kinder sollten nicht nur Popmusik kennen – der Musikunterricht in der Schule bietet die Chance, Freude an der Musikgeschichte zu entwickeln. Wie die Begeisterung für Musik in der Kindheit gefördert werden kann, damit beschäftigen sich derzeit 15 Lehrerinnen und Lehrer aus Shanghai am Center for World Music. Wie man für vermeintlich alte Klänge begeistern kann, zeigt die Percussionistin Sori Choi. Die Profimusikerin aus Seoul ist ebenfalls zu Gast am Hildesheimer Forschungsinstitut. Musiklehrerinnen und Musiklehrer aus Shanghai sind derzeit an der Universität Hildesheim zu Gast. Sie befassen sich mit der Frage, wie man Kinder – auch jene, die kein Interesse an Musik haben – für Musik interessieren kann. Im Auftrag der Stadt Shanghai und in Kooperation mit dem Konfuzius-Institut hat das Center for World Music der Universität Hildesheim eine zweiwöchige Fortbildungsreise für 15 chinesische Lehrerinnen und Lehrer entwickelt.

„Wir sind Musiklehrerinnen, wir spielen jeden Tag Instrumente und begleiten Schülerinnen und Schüler auf dem Weg, ein Instrument zu erlernen – die Kinder haben zwei Stunden die Woche Musikunterricht“, sagt die Musiklehrerin Wang Yu. Sie unterrichtet in Shanghai Sieben- bis Zwölfjährige. „Musik hat eine besondere Kraft, wir unterrichten unsere Schüler in traditioneller Musik – es ist wichtig, dass sie nicht nur die Popmusik kennen sondern auch die Tradition und Musikgeschichte“, sagt Zhuang Wen. Sie unterrichtet Zwölf- bis Sechszehnjährige in einer Schule in Shanghai. „Wir sind in Hildesheim, um zu erfahren, wie die Lehrerinnen und Lehrer hier in Deutschland Kinder individuell unterrichten. Wir möchten den Hildesheimern außerdem zeigen, wie wir Musik unterrichten.“

Die Gäste sind bis Ende November in Niedersachsen. Ziel der Fortbildung ist es, den Pädagoginnen und Pädagogen Einblicke in die Musik- und Kunstvermittlung an niedersächsischen Schulen in der Theorie und in der Praxis zu geben, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Morena Piro.

Neben Fachvorträgen von Experten gibt es unterschiedliche praktische Workshops. „Es geht in der Musikvermittlung darum, dem, was Kinder empfinden, wenn sie Musik wahrnehmen, einen Raum zu geben. Der Zugang zu Musik erfolgt nicht zuerst kognitiv – wie viele Saiten hat das Instrument, wie nennt man das Instrument? – sondern emotional: Was fühle ich, wenn ich Musik höre und mache?“, erläutert Professor Raimund Vogels. Um die emotionale Bindung zur Musik zu verdeutlichen, hat der Musikstudent Rawad Bohsas mit den Musiklehrern über seine musikalische Biografie gesprochen. Der Oud-Spieler studiert heute am Center for World Music und hat vor 20 Jahren das Instrument Oud entdeckt und sich das Musikspiel selbst beigebracht. „Ich habe die Oud alleine gelernt, ohne jemals das Instrument studiert zu haben. Ich erzähle meine Geschichte – auch über meine Flucht aus Syrien – über mein Musikspiel“, so Rawad Bohsas.

Der Musikunterricht an Schulen kann in Kindern Neugierde und Freude wecken: Was erzählt mir das Instrument, das ich noch nicht kenne? „Es geht nicht immer darum, dass die Kinder Recht haben, sondern dass sie ein positives Gefühl zu den Objekten und Klängen aufbauen“, sagt Vogels.

Damit die Lehrerinnen und Lehrer aus Shanghai möglichst umfassende Einblicke in Theorie und Praxis erhalten, arbeitet das Center for World Music mit mehreren Kooperationspartnern zusammen, darunter die Waldorfschule am Maschsee, die Integrierte Gesamtschule Mühlenberg, die Bundesakademie Wolfenbüttel, das Projekt „Schule:Kultur!“, das Sprengel Museum Hannover, das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover, das Roemer- und Pelizaeus-Museum, dem Musikzentrum Hannover, dem AppMusic Studio Hannover, der Hochschule für Musik, Theater und Medien, dem Bundesverband Musikunterricht und der Staatsoper Hannover.

Musikerin aus Seoul in Hildesheim
„I am a rhythm expert“, Sori Choi says

Im November war außerdem die Percussionistin Sori Choi aus Seoul zu Gast im „musik.welt“-Studium. Die Musikerin hat gezeigt, was man aus Schlaginstrumenten herausholen kann und beeindruckte mit ihrer unglaublich rasanten Spieltechnik auf einer zweifelligen Trommel. Choi hat mit den Musikstudentinnen und Musikstudenten gearbeitet und ihnen Einblicke in die traditionelle koreanische Musik gegeben – von höfischer Musik bis zur Pansori-Musik, einem erzählerischen Gesang mit Trommel, der zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe der Menschheit gehört.

„Musik ist wie Medizin“, sagt Sori Choi. Mit sechs Jahren begann Sori Choi das Instrument „Janggu“ zu erlernen und studiert am größten Musikinstitut des Landes an der Seoul National University.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music
news-13693 Sat, 12 Aug 2017 12:05:00 +0200 „Das Archiv ist lebendig“ – Instrumente treffen auf Musikerinnen https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/das-archiv-ist-lebendig-instrumente-treffen-auf-musikerinnen/ Üblicherweise darf man Vitrinen in Museen nicht öffnen, anfassen verboten. Das Ensemble „Quartett PLUS 1“ holt Instrumente aus den Vitrinen des Center for World Music. Die Musikerinnen erwecken eine Universitätssammlung zum Leben. „Das Archiv ist nicht tot – es ist lebendig“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Lisa Stepf. Das Instrument „kalimba“, ein Lamellophon, erklingt, die Rahmentrommel meldet sich zu Wort und die Stabzither „Dan Bau“ produziert Töne.

Eigentlich lagern die Instrumente hinter Glas, in Vitrinen im Center for World Music, etwa 4500 Instrumente beherbergt das Forschungszentrum der Universität Hildesheim in einem ehemaligen Kirchenraum. Mittlerweile erklingen die Instrumente wieder: Wissenschaftler und Studentinnen und Studenten arbeiten mit Schulen und Kindergärten zusammen und geben Einblicke in die Vielfalt der musikalischen Ausdrucksformen.

Und es gibt Musikerinnen, die auf die Sammlung aufmerksam werden und mit den Objekten künstlerisch arbeiten. Zum Beispiel das Ensemble „Quartett PLUS 1“. Die Musikerinnen Lisa Stepf, Katharina Pfänder und Kathrina Hülsmann holen diese Instrumente aus den Glasvitrinen hervor und erwecken eine Universitätssammlung zum Leben. „Es ist wahnsinnig ungewöhnlich, dass Leute die Objekte aus den Vitrinen holen dürfen. Das Archiv ist nicht tot – es ist lebendig“, sagt Lisa Stepf. Im August kamen insgesamt 268 Besucher von 6 Monaten bis 90 Jahren in das Hildesheimer Forschungsinstitut, um Einblicke in das Archiv zu erhalten.

Seit 2006 arbeiten Lisa Stepf, Katharina Pfänder und Kathrina Hülsmann im Ensemble zusammen. Die Musikerinnen haben sich im kulturwissenschaftlichen Studium an der Universität in Hildesheim kennengelernt und das „Quartett PLUS 1“ gegründet. „Wir kommen alle aus dem Hildesheimer Uni-Stall und zogen zum Studium aus Augsburg, Mönchen-Gladbach und Kassel nach Hildesheim“, so Stepf.

Eine Frage, die die Musikerinnen umtreibt: Muss ein Streichquartett heute noch aus vier Streicherinnen bestehen? Kann in einer globalisierten Welt nicht auch ein anderes Instrument den gleichberechtigen, vierten Platz einnehmen, so Stepf.

Weiterhin beschäftigt sich das Team mit der Frage: Wie kann man den Zuschauer so mit in eine Aufführung einbeziehen, dass er zum Akteur wird? „Wir fordern die Besucher, ob acht Jahre oder 80 Jahre, dazu auf, die Instrumente, etwa eine Fussschelle, an sich zu nehmen und den einen freien Platz in unserem Quartett einzunehmen. Wir nehmen die Distanz und heben die Hierarchie von Bühne und Zuschauer auf“, beschreibt Stepf. Der Besucher hat die Chance, im Ensemble einen Part zu übernehmen und mitzuspielen.

Eine Universitätssammlung zum Klingen zu bringen ist Teamarbeit: Für die Gesamtregie ist Verena Ries verantwortlich. So kann man mit dem Quartett zusammenspielen und mit den Instrumenten aus aller Welt auf Tuchfühlung gehen. An acht Hörstationen können sich die Besucher auf ein Instrument und dessen Klänge und Geschichte konzentrieren. „Man ist erschlagen von der Masse“, kommentiert Verena Ries die Instrumentensammlung. Sie hat ebenfalls in Hildesheim Kulturwissenschaften studiert und sich auf das Theater spezialisiert. Die Instrumente „sprechen“ mit den Besuchern, sobald man sich zur Hörstation begibt und die Kopfhörer aufsetzt, erhält der Besucher Handlungsaufforderungen. Für diese interaktive Animation haben der Erfinder und Soundkünstler Georg Werner und der Video- und Lichtkünstler Jörg Finger in den letzten Tagen viele Kabel verlegt und Leuchten installiert. Zum Beispiel für die Station „On the way to Gelassenheit“ – die Aufforderung an den Besucher: „Such dir jemanden und mache einen Spaziergang. Nimm die Shruti-Box mit.“ Die Studentin Anne-Sophie Malessa und der wissenschaftliche Mitarbeiter Samuel Mund haben die Sounds aus dem Musikarchiv herausgesucht, allein die Laade-Sammlung umfasst etwa 45.000 Schallplatten.

Mit ihrer künstlerischen Arbeit zeigt dieses Team einen Weg auf, um in der Masse der Sammlungsbestände den Wert der einzelnen Objekte und Klänge zu erfahren. Denn eine Sammlung besteht aus einer Vielzahl individueller Objekte. Kein Instrument gleicht dem anderen, kein Ton ist der gleiche. Um dies Vielfalt zu erfahren, lohnt sich der Besuch im Center for World Music.

Kurz erklärt: Interaktive Ausstellung „Hinter Glas“ von „Quartett PLUS 1“

Das „Quartett PLUS 1“ ist zu Gast im Center for World Music der Universität Hildesheim. Die Instrumente der Sammlung Rolf Irle treffen auf die Musikerinnen von „Quartett PLUS 1“. An einem Wochenende, für insgesamt 16 Stunden, laden die Musikerinnen zur interaktiven Ausstellung ein. Besucher können ausgewählten Instrumenten „hinter Glas“ wieder eine Stimme geben, sie aus den Vitrinen befreien und gleichzeitig die Grenzen des Streichquartett-Klangs erkunden.

An acht Stationen werden ausgewählte Instrumente, ausgehend von ihrem ursprünglichen Kontext und ihrer kulturellen Praxis, mit zeitgenössischen Sounds und performativen Anweisungen versehen. Über Kopfhörer werden die Besucher zu Handelnden – sie können die Instrumente ausprobieren und einen freien Platz im Streichquartett einnehmen. Denn dort fehlt die zweite Geige. Außerdem erleben die Besucher die Neukomposition „Scherben“ von Stefan Wurz für Streichtrio, Rahmentrommel und Feldaufnahmen aus der Sammlung Wolfgang Laade. Der Eintritt ist frei.

Wann? 12. und 13. August 2017, geöffnet von 11:00 bis 19:00 Uhr

Wo? Center for World Music der Universität Hildesheim, Timotheusplatz/Schillstrasse, 31141 Hildesheim

Kurz erklärt: Wer steckt hinter „Quartett PLUS 1“?

In ihrer Studienzeit in Hildesheim haben Musikerinnen das „Quartett PLUS 1“ gegründet. Seit 2006 arbeiten Lisa Stepf, Katharina Pfänder, Kathrina Hülsmann und Kristina van de Sand im Ensemble zusammen. Die Musikerinnen entwickeln seitdem interdisziplinäre Projekte und holen dabei weitere Künstlerinnen und Künstler ins Team, unter anderem aus den Bereichen Tanz, Theater, Video und Elektronik.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music
news-10898 Tue, 01 Aug 2017 12:48:00 +0200 Voneinander lernen: Musik kann Menschen verbinden https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/voneinander-lernen-musik-kann-menschen-verbinden/ Musik kann Menschen trennen – oder verbinden. Ein Team vom Center for World Music der Universität Hildesheim setzt auf die verbindende Kraft der Klänge und bildet Fachleute aus, um die musikalische Vielfalt zu erhalten. Der Studiengang „musik.welt" startet im Wintersemester 2017/18 zum vierten Mal. Bewerbungen werden ab sofort bis Mitte August 2017 angenommen. Jetzt bewerben bis Mitte August: musik.welt studieren

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige fort, die die Vielfalt der Musikkulturen in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist bundesweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft. Musik kann vermitteln und als internationale Sprache Menschen verbinden.

Bisher haben 80 Personen aus 13 Herkunftsländern im Alter von 20 bis 60 Jahren „musik.welt“ studiert. Unter ihnen sind Musikerinnen, Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Komponisten. Sie lernen von- und miteinander in der Gruppe. Gemeinsam entwickeln sie neue Konzepte und Projekte in der Musikvermittlung. Viele Studentinnen und Studenten haben Abschlüsse im Ausland erworben. Sie haben vielfältige musikalische und berufliche Biografien.

Jeder Student erlernt während der zwei Jahre ein weiteres Instrument – eine „musikalische Fremdsprache“ – und erhält Einzelinstrumentalunterricht. Die Studieninhalte reichen von Musikethnologie und Musikpädagogik über Musik und soziale Arbeit bis zu Projektmanagement und Selbstreflexion.

Am Center for World Music in Hildesheim studieren

Der berufsbegleitende Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist Teil des Förderprogramms der Stiftung Niedersachsen und führt in vier Semestern zu einem Master-Abschluss. Es besteht die Möglichkeit, auf Zertifikat zu studieren. Ein Bachelor-Abschluss oder Ähnliches ist dann nicht erforderlich. Der Studiengang wendet sich an alle, die Kompetenzen erlangen möchten, um die integrative Kraft der Musik in der täglichen Arbeit zu nutzen.

Der Studiengang kann berufsbegleitend studiert werden, einmal im Monat kommen die Studierenden im Hörsaal in Hildesheim zusammen.

Der Hörsaal im Center for World Music ist ungewöhnlich – ein ehemaliger Kirchenraum mit etwa 4500 Musikinstrumenten aus allen Erdteilen. Die Studierenden holen diese Instrumente – ob Sitar, Oud, Mbira oder Bağlama – aus den Vitrinen und lassen sie erklingen, setzen sie in Projekten etwa in Kindergärten, Schulen, Altenheimen und Stadtteilen ein. Die Studentinnen und Studenten entwickeln Musikprojekte vor Ort in ihrem Arbeitsfeld, etwa im Bereich Bildung, Kultur oder Soziales.

Weitere Informationen zu den Studieninhalten, Stipendien und zum Bewerbungsverfahren finden Sie online.

Nachgefragt bei Studierenden und Absolventen

Interview mit dem Santur-Virtuosen Kioomars Musayyebi

„Musik ist wie eine Sprache“

Kioomars Musayyebi, aus dem Ruhrgebiet, geboren 1977 in Teheran, spielt seit über 30 Jahren Santur, hat in Teheran Musiktheorie und Komposition studiert und lernte beim Santurmeister Faramarz Payevar und beim Filmkomponisten Farhad Fakhredini. Er arbeitet heute als Musiker und festes Mitglied im „Transorient Orchestra“ (Leitung: Andreas Heuser) in Dortmund. Für seine Arbeit wurde das Orchester mit dem WDR Jazzpreis 2017 in der Kategorie „Musikkulturen“ ausgezeichnet. Der Santur-Virtuose spielt im „Kioomars Musayyebi Quartett“ mit Gitarre-, Kontrabass- und Tombak-Spielern zusammen, komponiert Musik und Kinderlieder, unterrichtet Jugendliche und ist Beiratsmitglied im Kultursekretariat NRW. Kioomars Musayyebi ist einer der ersten Absolventen des Masterstudiengangs „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ am Center for World Music der Universität Hildesheim. Seine Masterarbeit schrieb Kioomars Musayyebi zum Thema „Fremd und eigen. Musikalische Autobiografie eines Migranten“.

Wie arbeiten Sie heute und welche Rolle spielt Musik in Ihrem Arbeitsalltag?

Ich unterrichte Musik und leite Proben mit Bands und habe Auftritte. Ich schreibe Musik und komponiere. Ich arbeite mit Musik – das heißt Musik spielt die Hauptrolle in meinem Arbeitsalltag.

Was haben Sie in dem Musikstudium am Center for World Music gelernt?

Unser Studium setzt sich aus Musikethnologie, Musikpädagogik, Musikmanagement, Musikvermittlung und Instrumentalunterricht zusammen. Durch die Gespräche zwischen Studenten und Dozenten fanden wir ganz neue Ideen. Jeder Student erlernt im Studium in Hildesheim ein neues Instrument als zweites Instrument. Es ist sehr gut, ein fremdes Instrument zu erlernen, weil ich durch das neue Instrument auch eine andere musikalische Kultur erlernen kann. Ich habe in meinen zwei Jahren an der Universität in Hildesheim das Cello erlernt. Mir hat es gut gefallen, wie das Verhältnis und der Kontakt zwischen Studenten und Dozenten in Hildesheim ist – das war eine unglaublich freundliche Atmosphäre. Die Studenten können so frei ihre Ideen bezüglich der Themen artikulieren und die Ideen werden dann von anderen Studenten und Dozenten thematisiert. Das heißt, es entsteht ein richtiger Austausch und man gelangt zu Ergebnissen.

Was ist Musik?

Musik ist wie eine Sprache, mit Musik können die Leute miteinander kommunizieren. Musik entdeckt unsere Gefühle. Wir können mit Musik unsere verborgenen Winkel der Emotionen, die inneren und tiefen Gefühle, hervorbringen und anderen Menschen zeigen. Musik ist Liebe und Leben und tatsächlich Frieden. Musik bringt einfach Frieden und Liebe und stärkt die Kommunikation miteinander. Musik ist eine gemeinsame und einheitliche Sprache. Es gibt verschiedene Bereich in der Musik, egal ob klassische Musik oder Pop oder Jazz oder sogar traditionelle Musik. Aber es gibt den Gedanken des Musikalischen, Klänge, die zusammenkommen, wenn Menschen Instrumente spielen, und Klänge, denen man zuhören und die man sammeln  kann. Dann versteht man die Gedanken, Gefühle und Ideen, egal welche Musikrichtung das gerade ist, die man hört. Oder wenn Musiker improvisieren, dann ist das auch eine Kommunikation – sie sprechen miteinander.

Kann man mit Musik etwas im Alltag, in der Gesellschaft bewirken?

Mit Musik kann ich dazu beitragen, dass Gefühle geteilt werden, Freundschaft, Frieden, Liebe, Einigkeit und Solidarität. Musik kann auch dazu beitragen, dass Menschen, die sich einander nicht kennen, sich kennen lernen und begegnen.

Wie schwer oder einfach war für Sie das Ankommen im akademischen Studienalltag in Deutschland? Wie haben Sie das Ankommen erlebt und welche Rolle spielt dabei das Center for World Music?

Erstmal möchte ich sagen: Als ich nach Deutschland gekommen bin, wollte ich gerne unbedingt weiter studieren, weil ich finde, das Studium ist eine Tür zu der Gesellschaft. Studieren hilft mir dabei, gut die Leute und die Gesellschaft zu verstehen sowie mehr wahrzunehmen. Ich kam also aus Teheran nach Deutschland und wollte gerne mein akademisches Wissen ausbauen. Obwohl ich in meiner Heimat Musik studiert hatte und ich hier in Deutschland als Profi-Musiker angekommen bin, trotzdem wollte ich weiterlernen und studieren ist eine Gelegenheit für Aufstieg. Man lernt immer neues Wissen und man lernt viel über aktuelle Gedanken der Gesellschaft.

Es war nicht einfach für mich, in Deutschland anzukommen: Ich hatte fast allen Universitäten meine Bewerbungsunterlagen zugeschickt. Ich habe mich deutschlandweit an Hochschulen beworben und Absagen erhalten – ich müsse ein europäisches Instrument spielen. Weil ich ein fremdes Instrument – die Santur – spiele, bekam ich nur eine Antwort: „Es tut uns leid, das Instrument ist nicht aktuell in Deutschland.“ Nur Absagen. Sogar für Musiktheorie und als Tontechniker wollte man mich nicht, weil nur Studenten gesucht wurden, die europäische Instrumente beherrschen.

Dann habe ich eine Möglichkeit gesehen, Komposition an der Universität Folkwang im Bachelor-Studium oder Musik und Sozialarbeit in Regensburg zu studieren. Aber dann zufällig fand ich im Internet das Fach Musikethnologie in Hildesheim und das Masterstudium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“. Der Studiengang passte total zu meiner Situation. Dank der großen Hilfe von Morena Piro und der Beratung durch Professor Raimund Vogels konnte ich in Hildesheim an der Universität im Masterstudium weiter studieren. Das Center for World Music hat mir viel geholfen, nicht nur mein Wissen erweitert, sondern ich bin einen neuen Weg im musikalischen Bereich gegangen. Ich habe im Studium viele Leute kennengelernt und hatte viele Gelegenheiten, mein Santur-Spiel zu präsentieren. Ich würde gerne immer im akademischen Bereich aktiv sein. Ich bin gerne ein Musiker mit akademischer Ausbildung. Zum Schluss möchte ich sagen, das Center for World Music hat mein Leben und meinen Arbeitsalltag zum Besseren verändert. Ich freue mich über diese Veränderung und den Aufstieg in meinem Leben.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Nachgefragt bei dem E-Bass-Spieler Claas-Henning Dörries

„Wenn viele andere Sachen an ihre Grenzen kommen, dann schlägt die Stunde der Musik“

Claas-Henning Dörries, 30, schließt derzeit das Masterstudium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ am Center for World Music der Universität Hildesheim ab. Gerade bereitet er seine Masterarbeit vor und möchte über den gemeinsamen Nenner zwischen arabischer und europäischer Musiziertradition schreiben. Neben dem Studium ist er als Musiker und Musikpädagoge tätig, arbeitet seit fünf Jahren an der Musikschule in Osnabrück, arbeitet mit Real- und Hauptschulen im Bereich Bandcoaching zusammen. In Osnabrück hat der Musiker Instrumentalpädagogik mit Hauptfach E-Bass studiert, im Musikstudium in Hildesheim lernt er Bağlama.

„Im Studium an der Universität Hildesheim habe ich das Spielen der Bağlama erlernt. Beim Bass war ich tief in der Marterie, ich habe ja E-Bass studiert. Nun habe ich von Null angefangen, erste Gehversuche auf einem neuen Instrument! Das ist eine tolle Erfahrung und ich freue mich über die ersten Erfolgserlebnisse. Jetzt kann ich auch Vierteltöne spielen, das war zunächst ungewohnt. Das Erlernen der Bağlama hat mir ein neues Feld, eine neue Welt im Kopf und in der eigenen Musikalität eröffnet.

Welche Rolle Musik in meinem Leben spielt? Musik ist alles. Ich mache nichts anderes. Im Center for World Music arbeite ich gemeinsam mit Edgar Wendt und Morena Piro im Integra-Projekt, es ist aus dem musik.welt-Studium heraus entstanden. Ein Coaching für Musikerinnen und Musiker, die nach der Flucht in Deutschland angekommen sind. Ich begleite die neun Männer und eine Frau auf ihrem Weg in das Studium und Berufsleben, unter ihnen ein Profi-Musiker, der in Syrien sehr bekannt war, ein Grundschullehrer, ein Musiker, der ein Kulturcafé in Syrien gemanagt hat. Wir versuchen, die Brücke in die Zukunft zu schlagen. Alle kommen verstreut aus Niedersachsen, nächste Woche kommen wir wieder in Hildesheim zusammen. In Seminaren geht es um Musiktheorie und Notenschrift, wir machen ein Bewerbungstraining, die Musiker nehmen an einem Deutschkurs der Uni teil. Wir haben das Integra-Projekt neu entwickelt, so ein Angebot gab es bisher nicht, die Gruppe ist so dankbar und so engagiert bei der Sache.

Was ich im musik.welt-Studium gelernt habe? Ich habe viel von der Gruppe gelernt, mein Jahrgang ist so unterschiedlich, unterschiedlicher könnten die Menschen gar nicht sein, was die Biografien, Lebensorte und Berufe betrifft. Aber wir sind alle auch Musiker, Musik ist unser gemeinsamer Nenner – Musik verbindet uns. Alle Studierenden haben eigene Expertise, davon profitiert man im Studium sehr. Wenn ich etwas über die Musiktradition des mongolischen Obertongesangs erfahren möchte, dann sitzt der Experte mit im Hörsaal und neben ihm eine Expertin für Kulturpolitik und Kulturmanagement und wie man Anträge schreibt. Unser gemeinsamer Nenner ist die Musik. Das ist ein riesen Gewinn, dieses Netzwerk an Menschen aus heutigen und ehemaligen Musikstudenten. Wer etwas mit Musik zu tun hat und offen ist für neue Arten von Musik sollte hierher nach Hildesheim kommen. Hier kann man seinen Horizont erweitern. Das musik.welt-Studium und das Center for World Music sind ein absolut einmaliger Ort, eine einzigartige Chance, die ich wahrnehmen durfte. Ich habe erst viel gezweifelt, ich hatte vorher nichts mit Weltmusik zu tun. Ich bin überglücklich, dass ich in Hildesheim Musik studiert habe, das Studium hat mein Leben und mein Berufsleben verändert.

Warum gibt es Musikerinnen und Musiker? Es ist phänomenal, Musik hat etwas Magisches, was Leute glücklich macht und zum Bewegen und Tanzen bringt. Musik ist ein verbindendes Element, wenn viele andere Sachen an ihre Grenzen kommen, dann schlägt die Stunde der Musik. Musik ist etwas sehr Menschliches.“

Interview mit der Musikpädagogin Anja Kucharski

„Manche Kinder entwickeln im Zusammenspiel mit anderen viel Freude und Selbstvertrauen“

Anja Kucharski, 48 Jahre, schließt derzeit das Masterstudium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ am Center for World Music der Universität Hildesheim ab. Arbeitet seit 15 Jahren in der Musikschule in Hildesheim. Hat an der Universität Hildesheim in den 90er Jahren Kulturpädagogik mit dem Schwerpunkt Musik studiert, ausgebildet in drums & percussion, Gitarre und Akkordeon. Ein wichtiger musikalischer Moment in ihrem Leben: In den 90er Jahren hat sie viele Auftritte mit ihrer damaligen Frauenband gespielt. Auch die Erfahrungen mit Theatermusik im Schauspielhaus Hannover erlebte sie als sehr spannende und bereichernde Momente.

Welche Rolle spielt Musik in der Gesellschaft?

Anja Kucharski: Musik zu machen wirkt sich meiner Meinung nach so gut wie immer positiv auf die Menschen aus. Es ist ein Abtauchen vom Alltag in eine andere Welt und löst Wohlbefinden, Freude, Lachen und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit aus. Dieses Wohlbefinden wird natürlich auch genutzt, um Leute zu manipulieren und zu beeinflussen, um zum Beispiel im Geschäft ganz „relaxed“ oder „angeregt“ noch mehr zu shoppen... Musik ist sehr wichtig für die Gesellschaft und das Leben der Menschen. Ich glaube ohne Musik zu leben, wäre so ähnlich wie Blüten ohne Farbe anzuschauen.

Wie sieht Ihr musikalischer Alltag aus?

Anja Kucharski: Ich unterrichte seit 20 Jahren Schlagzeug und Percussion, zunächst selbständig, dann seit 2002 als Honorarkraft an der Musikschule in Hildesheim. Meine Schülerinnen und Schüler sind  von 5 bis 80 Jahren jung. Das muss natürlich vorbereitet werden und ich muss mich fit halten und spielen und üben wie beim Sport. Dann übe ich für Bandauftritte und seit zwei Jahren spiele ich neues Instrument – die Rahmentrommel – im Studiengang am Center for World Music. Es gehört viel Zeit und Disziplin dazu, regelmäßig zu üben. Seit einem Jahr bin ich Percussionistin bei Labiba, die Salsa Big Band von Kurt Klose im Raum Hannover, wo es auch immer was zu tun gibt.

Sie arbeiten in einer Musikschule, wie verändern sich Kinder und Jugendliche, wenn sie regelmäßig musizieren oder ein neues Instrument erlernen?

Das kann sehr unterschiedlich sein. Manche Kinder erleben hier ein spannendes neues Feld, was sie begeistert erlernen und im Zusammenspiel mit anderen anwenden wollen und dabei eine Menge Freude und Selbstvertrauen entwickeln. Andere Schüler sind überfordert mit zu vielen Terminen – Schule, Sport, soziale Kontakte und dann noch jeden Tag üben. Bei manchen Kindern helfen Musik und Instrumente, um zu entspannen und Spaß zu haben. Oft ist der Unterricht vermischt mit sozialer Arbeit. Da sprechen wir im Unterricht auch mal über das eine oder andere Problem und spielen dann weniger. Wichtig ist die Erkenntnis, für seine Erfolg oder auch Misserfolg meistens selber Verantwortung zu tragen, indem man etwas dafür tut und übt oder es schleifen lässt.

Warum haben Sie sich für ein Musikstudium in Hildesheim entschieden?

Ich lebe und arbeite hier und es bot sich für mich an, diese Weiterbildung in Hildesheim zu machen. Das Thema „Diversität in der musikalischen Bildung“ ist hoch aktuell und passt genau in die Zeit! Menschen, die von allen möglichen Ländern der Erde nach Deutschland aus unterschiedlichsten Gründen geflohen sind, bekommen über Musik und Sport eine gute Möglichkeit, Kontakte zu bereits hier lebenden Menschen zu knüpfen, sich auszutauschen und gegenseitig kennenzulernen. Es bietet eine Möglichkeit, eine schöne Beschäftigung zu finden neben einem großen Part Langeweile, unter der viele zugezogene Jugendliche leiden können. Mit Musik kann man sich auch ablenken oder unschöne Erlebnisse verarbeiten.

Sie erlernen im zweijährigen „musik.welt“-Studiengang in Hildesheim ein weiteres Instrument. Wie schwierig ist das Spielen auf einem neuen Instrument, was gelingt gut?

Ich erlerne Rahmentrommel. Schwierig ist die Technik – das ist komplett neu für mich, die Haltung. Ich musste viel üben, um Erfolge zu verbuchen und weiter zu kommen – um dann auch Spaß an der Musik zu haben. Um die vielen unterschiedlichen Klänge erzeugen zu können, müssen die Finger und Hände das Fell präzise anschlagen. Das dauert.

Wie sehr lernen Sie im Studium am Center for World Music voneinander? In der Gruppe sind viele Menschen mit unterschiedlichen Expertisen in bestimmten Bereichen. Das Studium ist ziemlich anders als in den Massenstudiengängen, wenn man mit 200 Leuten im Hörsaal in einer Psychologievorlesung sitzt und dem Dozenten zuhört.

Wir lernen sehr viel voneinander und können von dem Wissen Einzelner profitieren. Da zum Beispiel drei Menschen iranischer Herkunft im Studiengang dabei sind, haben wir private Filmaufnahmen aus dem Musikleben in Iran sehen können. Dann bekommen wir auch Theorieunterricht in persischer Musik aus sozusagen erster Quelle. Das ist schon sehr wertvoll. Es gibt auch Einblicke in verschiedene bereits laufende Projekte, was andere wiederum zum Nachahmen anregen kann. Viele von uns spielen sehr unterschiedliche Instrumente. Zum Teil machen wir kleine Workshops, wo wir Einblicke in viele Instrumente bekommen – von der Harfe und dem Alphorn bis hin zu japanischen Taikotrommeln und der Bağlama. Neben Theorieblöcken gibt es ja auch viel Praxis im Studium – das ist eine sehr gute Mischung.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Nachgefragt bei dem Sozialpädagogen Ingo Prein

„Musik kann Gemeinschaft fördern“

Ingo Prein, 40 Jahre, schließt derzeit das Masterstudium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ am Center for World Music der Universität Hildesheim ab. Ingo Prein ist Diplom-Sozialpädagoge, Kirchenmusiker und leitet einen Kinder- und Jugendchor. Er arbeitet als sozialpädagogische Fachkraft in der Schuleingangsphase an einer Grundschule in Ochtrup (Kreis Steinfurt) und war zuvor Schulsozialarbeiter an einer Hauptschule in Espelkamp.

„Ich habe in dem musik.welt-Studium am Center for World Music gelernt, dass Musik eine ganz besondere Funktion in der Gesellschaft hat. Musik kann über Sprachgrenzen hinweg einen ersten Zugang schaffen, indem sie als ‚Brücke zur Verständigung‘ genutzt wird und somit Gemeinschaft fördert. Musik ist die Sprache der Leidenschaft (Richard Wagner). Mit Musik kann ich im Alltag, in der Gesellschaft etwas bewirken. Die elementare Kraft der Musik kann ich nutzen, um vielerlei Fähigkeiten in Kindern freizusetzen und zu entwickeln. Zum Beispiel die Bewegung, den Ausdruck, die Wahrnehmung und die Kommunikation. Diese Fähigkeiten können mit dem Einsatz von Musik gefördert werden, um das zukünftige Verhalten der Kinder und Jugendlichen positiv zu beeinflussen. Ein wichtiger Schwerpunkt in meiner Arbeit ist die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler sowie die Beratung und Unterstützung von Eltern und Lehrern und die enge Kooperation mit verschiedenen Institutionen wie dem Jugendamt. Neben meiner hauptamtlichen Tätigkeit arbeite ich seit meiner frühen Jugend als Kirchenmusiker in unterschiedlichen Gemeinden und leite aktuell in meiner Heimatgemeinde einen Kinder- und Jugendchor sowie den Schulchor an meiner Schule. Ich habe berufsbegleitend in Hildesheim studiert – es war für mich nicht immer einfach Beruf, Familie und Studium zu verbinden und die Zeiten miteinander zu vereinbaren. Doch nun bin ich stolz, dass ich diesen Spagat hinbekommen habe. Es hat sich gelohnt, denn die Begegnungen, der Austausch und die neu gewonnenen Erfahrungen waren auch eine große Bereicherung für meine Familie und Arbeitsstätte.“

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 Center for World Music
news-13502 Mon, 26 Jun 2017 09:06:37 +0200 Internationaler Doktorandenworkshop: Musik – mehr als Unterhaltung https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/internationaler-doktorandenworkshop-musik-mehr-als-unterhaltung/ Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Cape Coast, Athen, New York und Belgrad nach Hildesheim: Während des Internationalen Doktorandenworkshops am Center for World Music der Universität Hildesheim tauschen sie sich über Forschungsmethoden und Forschungsfragen aus. Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ghana, Griechenland, USA, Großbritannien, Neuseeland, Nigeria und Serbien nicht nach Berlin oder Köln, sondern ins kleine Hildesheim nach Norddeutschland. Das Center for World Music der Universität Hildesheim unterstützt den Forschungsnachwuchs. Etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tagen vom 27. Juni bis 30. Juni 2017 an der Uni. Das viertägige Programm bietet Raum für Vorträge und Diskussionen. In Arbeitsgruppen können sich die Doktorandinnen und Doktoranden über Forschungsmethoden und musikethnologische Forschungsfragen austauschen.

Seit neun Jahren bauen die Hildesheimer Wissenschaftler ein Doktorandennetzwerk in der Musikethnologie aus. Die Universität Hildesheim arbeitet dabei eng mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sowie Professor Philip Bohlman von der University of Chicago/USA zusammen. Bisher nahmen über 160 junge Fachleute an den Workshops teil. Einmal im Jahr tagen sie eine Woche am Center for World Music in Hildesheim. Das Center hat sich im Ausland als wichtige Institution der Nachwuchsförderung etablieren können.

Programm des 9. Internationalen Doktorandenworkshops

Die Doktorandinnen und Doktoranden befassen sich zum Beispiel mit diesen Themen:

  • Rasika Ajotikar (SOAS, UK): "'Our Song Yearns for Liberation': Examining Issues around Censorship and Citizenship of Dalit Shahirs in West India"
  • Layla Dari (University of Florence, Italy): "Multiethnic Orchestras, Immigration, Citizenship and Musical Encounters in Contemporary Italy"
  • Panagiota Papageorgiou (National and Kapodistrian University of Athens, Greece): "World Musics in Education: An Ethnomusicological Study"
  • Eyram Fiagbedzi (University of Cape Coast, Ghana): "An Integrated Study of Bɔbɔɔbɔ Performance in Ghana"
  • Georgia Vavva (Royal Holloway, UK): "'The Crisis Has Been Great for Music, but not for the Musicians': Professional Music Making in Recession Athens"
  • Ana Petrović (University of Arts in Belgrade, Serbia): "Articulation Components in Vocal Expression of Serbs from the Pešter Plateau in Southwestern Serbia"

Short information in English

Ninth International Doctoral Workshop in Ethnomusicology

From Tuesday, 27th of June 2017 until Friday, 30th of June the Center for World Music of University of Hildesheim will once more be the venue for the international doctoral workshop in ethnomusicology. In collaboration with Hanover University of Music, Drama and Media, a four day program of paper presentations, discussion and working groups will support doctoral students at their writing stage and engage them in international dialogue and exchange. In a keynote lecture Ana Hofman, senior research fellow at the Slovenian Academy of Science and Arts in Ljubljana, will talk about potentials and limits of theorizing political capacity of music and sound.

[Einen Nachbericht lesen Sie hier im Juli.]

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-13402 Mon, 08 May 2017 10:18:00 +0200 US-Generalkonsul Richard Yoneoka zu Gast an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/us-generalkonsul-richard-yoneoka-zu-gast-an-der-universitaet-hildesheim/ Der US-Generalkonsul Richard Yoneoka hat sich über die Forschung und Lehre am Zentrum für Bildungsintegration und am Center for World Music informiert. „Es gibt hier an der Universität Hildesheim eine hervorragende Sammlung von Musikinstrumenten und Wissenschaftler, die den kulturellen Reichtum und die Diversität der Welt erforschen und das Wissen teilen. Diese Arbeit ist sehr wichtig, denn sie zeigt, wie die Vielfalt unser Zusammenleben bereichert“, so der US-Generalkonsul. Der US-Generalkonsul Richard Yoneoka hat sich Anfang Mai 2017 über die Forschung und Lehre am Zentrum für Bildungsintegration und am Center for World Music der Universität Hildesheim informiert.

Richard Yoneoka, der bereits seit 18 Jahren im diplomatischen Dienst tätig ist und auf vier Kontinenten gearbeitet hat, zeigte sich beeindruckt: „Es gibt hier an der Universität Hildesheim eine hervorragende Sammlung von Musikinstrumenten und Wissenschaftler, die den kulturellen Reichtum und die Diversität der Welt erforschen und das Wissen teilen. Diese Arbeit ist sehr wichtig, denn sie zeigt, wie die Vielfalt unser Zusammenleben bereichert.“ Yoneoka spricht aus Erfahrung: „Als Diplomat erlebe ich immer wieder neu, in welchem hohem Maße Kultur Menschen über sprachliche und geographische Grenzen hinweg verbindet.“

„Wissenschaftler, die den kulturellen Reichtum und die Diversität der Welt erforschen und das Wissen teilen“

Richard Yoneoka ist seit Juli 2016 US-Generalkonsul in Hamburg. Sein Amtsbezirk umfasst fünf Bundesländer: Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Etwa drei Stunden verbrachte der US-Generalkonsul an der Universität, sprach mit Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Bei Studierenden und Wissenschaftlerinnen, darunter Professorin Viola Georgi, Professorin für Diversity Education, und Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, erkundigte sich der Generalkonsul über die Bemühungen der Universität, angehende Lehrerinnen und Lehrer für den Schulalltag im Einwanderungsland vorzubereiten.

Viola Georgi gab Einblicke in aktuelle Studien. Ihre Forschungsergebnisse zeigen etwa, wie Vielfalt und Migration in deutschen Schulbüchern dargestellt werden. In einem neuen Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung plant Georgi Erinnerungspraktiken und Geschichtskulturen in der Migrationsgesellschaft zu untersuchen.

Die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari befasst sich mit Mehrsprachigkeit aus kognitiver Perspektive und untersucht, wie Kinder und Jugendliche ein mehrsprachiges mentales Lexikon aufbauen. „Diversität ist  in der Mitte der Universität Hildesheim platziert. Der Transfer von der Forschung in das Lehramtsstudium ist ganz besonders eng und schnell“, so Professorin Montanari. Etwa 2600 Lehrerinnen und Lehrer bildet die Universität derzeit für die Tätigkeit in Grund-, Haupt- und Realschulen aus – die Fächer reichen von Deutsch und Wirtschaft über Englisch und Sport bis Informatik und Kunst. Die internationale Ausrichtung des Lehramtsstudiums spiegelt sich auch in der Veranstaltungsreihe „Multilingualism and Diversity Lectures“ wider. Anfang Juni 2017 diskutieren in Hildesheim internationale Referenten, unter anderem aus den USA, über Mehrsprachigkeit im Unterricht.

„Das ist mit der Kraft der Musik möglich“

Im Gespräch mit dem Musikethnologen Michael Fuhr vom Center for World Music erfuhr der US-Generalkonsul, wie das Hildesheimer Forschungszentrum Spuren und Vermächtnisse der Musikgeschichte digitalisiert, Kulturerbe mit Partnern in Teheran (Iran), Kairo (Ägypten) und Maiduguri (Nigeria) erhält und Wissen zugänglich macht. „Musik kann jungen Menschen eine Stimme geben“, so Yoneoka. Er berichtete, wie er als Gesandter in Gambia mit der lokalen Musikszene kooperiert hat: „Künstlerinnen und Künstler in Gambia haben zum Beispiel Musikstücke zum Gedenken an Martin Luther King, Jr. produziert und ein Stück aus Sierra Leone in zwei gambische Lokalsprachen übersetzt, um Menschen aufzuklären, wie sie sich vor dem Ebolavirus schützen können. Das ist mit der Kraft der Musik möglich.“

Beide Hildesheimer Forschungseinrichtungen bilden den wissenschaftlichen Nachwuchs in zwei Graduiertenschulen aus. Dabei kooperieren die Musikethnologen mit Partneruniversitäten in Cape Coast (Ghana) und Maiduguri (Nigeria). Sie untersuchen, welche Rolle die Künste beim Wiederaufbau von Gemeinschaften in und nach Konflikten und Kriegen spielen.‎

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration
news-11634 Fri, 05 May 2017 09:25:00 +0200 Wissensspeicher Musik: Vielfalt musikalischer Äußerungen erhalten https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/wissensspeicher-musik-vielfalt-musikalischer-aeusserungen-erhalten/ Das Center for World Music der Universität Hildesheim und das Roemer- und Pelizaeus-Museum führen ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände in einem virtuellen und realen Klangarchiv zusammen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt. In einem lokalen Verbund führen das Center for World Music der Universität Hildesheim und das Roemer- und Pelizaeus-Museum ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände in einem virtuellen und realen Klangarchiv zusammen. Das Projekt „Wissensspeicher Musik“ leistet einen Beitrag zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes sowie einen zivilgesellschaftlichen Beitrag zu kultureller Sensibilisierung. Die beiden Einrichtungen werden in den kommenden drei Jahren ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Museumspädagogik, Sammlungsmanagement und Restaurierung ausbauen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt.

Gesellschaften leben mit einer Vielfalt musikalischer Äußerungen. Musik ist Ausdruck sozialer Diskurse, religiöser Weltsichten und individueller kreativer Ansichten. Als immaterielles Kulturerbe der Menschheit bleibt sie aber bislang im wissenschaftlichen und musealen Bereich weitgehend unterrepräsentiert.

Die Sammlungsobjekte des Center for World Music werden derzeit verstreut und unsortiert an mehreren Orten aufbewahrt. Das Projekt steht deshalb vor der Mammutaufgabe, Wege zu finden, wie das Wissen über die Vielfalt musikalischer Ausdrucksformen, wie die Objekte und Klänge zugänglich gemacht werden können.

Zu den umfangreichen Sammlungen am Center for World Music an der Universität Hildesheim zählen unter anderem:

  • das „Music of Man Archive“ mit 45.000 Tonträgern und 1000 Musikinstrumenten,
  • eine 4.500 Objekte umfassende Musikinstrumentensammlung des Privatsammlers Rolf Irle und
  • die CD-Sammlung des Algeriers Hamid Ouamara mit Aufnahmen aus dem Maghreb.

Nur etwa 1000 Instrumente sind derzeit im Hörsaal des Center for World Music zugänglich. Das älteste Instrument ist etwa 2400 Jahre alt. Das längste ist eine Trompete aus hauchdünnem Kupferblech, 4 Meter 85 lang. Zu den Objekten gehören auch eine Balalaika aus Russland, ein Musikbogen (Waji) aus Afghanistan, eine Sitar aus Indien und ein Lamellophon aus Mali, das aus plattgeschlagenen Speichen von Fahrrädern und einer Konservendose gefertigt wurde. In der universitären Sammlung befinden sich außerdem seltene Instrumente der tibetisch-buddhistischen Wander- und Klostermönche..

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum hingegen besitzt eine ethnologische Sammlung mit rund 14.000 Objekten, unter denen sich auch zahlreiche Instrumente befinden. Diese ermöglichen gemeinsam mit den anderen ethnologischen Objekten des Museums die Kontextualisierung der universitätren Sammlung.

Auftaktveranstaltung des BMBF-Projekts „Wissensspeicher Musik in der Musealen Praxis“

Die Auftaktveranstaltung des BMBF-Projekts „Wissensspeicher Musik in der Musealen Praxis – Möglichkeiten und Herausforderungen von Sammlungsmanagement und Kuratierung einer musikethnologischen Universitätssammlung“ findet am Donnerstag, 1. Juni 2017, um 17:00 Uhr im Center for World Music der Universität Hildesheim (ehem. Timotheuskirche, Schillstraße/Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim) statt.

Zum Projektstart begrüßt die Universität zusammen mit dem Museum internationale und nationale Expertinnen und Experten, Gäste aus der lokalen und regionalen Kulturszene sowie der Kultur- und Bildungspolitik. Neben Redebeiträgen wird es künstlerisch-musikalische Beiträge geben. An der Auftaktveranstaltung nehmen geladene Gäste teil. Wenige Plätze sind noch vorhanden, eine Teilnahme ist auf Anfrage möglich (E-Mail wmmp@uni-hildesheim.de).

Bei Fragen erreichen Sie die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und 0177.8605905, presse@uni-hildesheim.de) und die Pressestelle des Roemer- und Pelizaeus-Museums (Kristina Freise, 05121.9369.21, kommunikation@rpmuseum.de).

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Startseite Forschung
news-13384 Thu, 04 May 2017 07:58:00 +0200 Spitzenforschung aus Hildesheim: Center for World Music gibt Einblicke in die Vielfalt der Musik https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/spitzenforschung-aus-hildesheim-center-for-world-music-gibt-einblicke-in-die-vielfalt-der-musik/ Welche Rolle spielt Musik beim Aufbau von Gemeinschaften in und nach Konflikten? Wie kann man das immaterielle Kulturerbe erhalten und zugänglich machen? Beim Niedersächsischen Forschungstag in Hannover gibt das Team des Center for World Music Einblicke in Erkenntnisse aus der Forschung und lässt Klänge erklingen. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Volkswagen Stiftung haben das Forschungsinstitut der Universität Hildesheim zum Forschungstag „flux“ eingeladen. Das Center for World Music der Universität Hildesheim gibt beim Niedersächsischen Forschungstag Einblicke in die Vielfalt der Musik. Wissenschaftler erklären, wie sie zu Erkenntnissen rund um die musikalische Vielfalt kommen und Musikerinnen und Musiker lassen Instrumente erklingen. In einer Ausstellung zeigt das Team des Center for World Music eine Auswahl aus der umfangreichen Instrumentensammlung. Besucher können sich durch Klangbeispiele klicken sowie live Musik hören und Instrumente ausprobieren.

Welche Rolle spielt Musik beim Aufbau von Gemeinschaften? Das Center for World Music gibt während des Niedersächsischen Forschungstages Einblicke in die aktuelle Forschung: In einer DAAD-Graduiertenschule arbeitet die Hildesheimer Universität mit der Universität Maiduguri in Nigeria und der Universität Cape Coast in Ghana zusammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen sich in den kommenden Jahren damit auseinander, welchen Beitrag die Künste und künstlerischer Ausdrucksformen zum Wiederaufbau von Gemeinschaften nach Konflikten und Kriegen spielen können.

Außerdem gibt das Musik-Team Einblicke in das Projekt „Wissensspeicher Musik“. Musik ist Ausdruck sozialer Diskurse, religiöser Weltsicht und individueller kreativer Ansicht. Als immaterielles Kulturerbe der Menschheit bleibt sie aber im akademischen und vor allem im musealen Bereich weitgehend unterrepräsentiert. In einem lokalen Verbund führen das Center for World Music und das Roemer- und Pelizaeus-Museum ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände in einem virtuellen und realen Klangarchiv zusammen.

Das Center for World Music wurde von der Volkswagen Stiftung und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur zum Forschungstag eingeladen. Studentinnen und Studenten aus dem Hildesheimer Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch die Vielfalt der Klänge. Der erste Niedersächsische Forschungstag „flux“ präsentiert  Spitzenforschung aus ganz Niedersachsen einer breiten Öffentlichkeit. Eingeladen sind alle wissenschaftsinteressierten Bürger, Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Familien mit Kindern. Der Eintritt ist frei. Der Forschungstag findet am Samstag, 6. Mai 2017, im Schloss Herrenhausen in Hannover von 11:00 bis 20:00 Uhr statt.

Kurz erklärt: Das Center for World Music

Wie leben wir mit Musik? Das Center for World Music der Universität Hildesheim bewahrt seit 2006 bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens: über 4.500 Musikinstrumente, 45.000 Schallplatten, eine der größten Sammlungen Europas. Das Center widmet sich der Vielfalt musikalischer Traditionen und ist ein Archiv und Labor, ein Ort der Forschung und des Studiums, ein Treffpunkt für Musikerinnen und Musiker und eine Basis für internationale Begegnungen und Verständigung.

Das Center for World Music sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, derzeit in Iran und Nigeria. In Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. Das Center for World Music der Universität Hildesheim bildet seit 2011 Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist bundesweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft. Musik kann vermitteln und als internationale Sprache Menschen verbinden.

Was macht das Center for World Music?

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Forschung Center for World Music
news-13360 Mon, 01 May 2017 17:01:25 +0200 Center for World Music unterstützt geflüchtete Musikerinnen und Musiker https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/center-for-world-music-unterstuetzt-gefluechtete-musikerinnen-und-musiker/ Das Center for World Music hat Musikerinnen und Musiker ausfindig gemacht, die in ihrem Heimatland in Orchestern als Profis gearbeitet haben. Ihr Abschluss wird in Deutschland aber nicht anerkannt. Nun begleitet ein Team die Instrumentalisten auf ihrem Weg durch den akademischen Alltag in Hildesheim. Der Deutsche Akademische Austauschdienst fördert die Initiative an der Universität Hildesheim. Ein Team vom Center for World Music der Universität Hildesheim heißt geflüchtete Musikerinnen und Musiker an der Universität Hildesheim herzlich willkommen. Am Dienstag, 2. Mai 2017, findet im Center for World Music die Auftaktveranstaltung eines vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Projekts statt. An diesem Tag läuft in einem dreistufigen Verfahren eine Aufnahmeprüfung an der Universität.

Ein Team vom Center for World Music hat das Projekt ins Leben gerufen: Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Morena Piro und die beiden Musiker Claas-Henning Dörries und Edgar Wendt wollen professionelle Musikerinnen und Musiker beim Ankommen in Deutschland unterstützen. „Edgar und Claas studieren aktuell bei uns im musik.welt-Studium. Sie sind beide sehr engagiert in unterschiedlichen Projekten für geflüchtete Musiker und gut vernetzt“, sagt Piro. Etwa zehn Musikerinnen und Musiker werden in den kommenden Monaten von Mai bis Oktober 2017 zunächst an Vorbereitungskursen an der Universität teilnehmen. Die Teilnahme an diesen Kursen ist kostenfrei. „Wir begleiten die Musiker auf ihrem Weg an die Uni und unterstützen sie bei der Bewerbung um einen Studienplatz“, so Morena Piro.

„Die Hürden sind ziemlich schwer, wir wollen die Musikerinnen und Musiker auf ihrem Weg an die Universität begleiten und Ängste abbauen. Wir haben Musikerinnen und Musiker ausfindig gemacht, die in ihrem Heimatland in Orchestern als Profis gearbeitet haben, deren Abschluss aber hier nicht anerkannt wird“, sagt Edgar Wendt und berichtet von einem studierten Oud-Spieler aus Damaskus und einem Mann, der in seinem Heimatland in der Musiktherapie gearbeitet hat.

„Viele leben vereinzelt in Dörfern in Niedersachsen, haben keinen Zugang zur Universität, wir möchten diese Barriere überwinden, unterstützen sie bei den Fahrtkosten“, sagt Wendt. „Ich bin in Somalia geboren und bin ich früh von vielfältigen Rhythmen und Sounds beeinflusst worden. Diese Erfahrungen helfen mir heute sehr in der Arbeit in Hildesheim.“ Das Instrument des Profi-Musikers ist übrigens seine Stimme, sein kleines Orchester hat er immer dabei: Mit seinem Körper erzeugt er Töne – als würden sechs Instrumente gleichzeitig spielen. Wendt arbeitet mit Kindern und Jugendlichen in Stimmworkshops, in denen die Kids viel Selbsterfahrung mitnehmen und Vertrauen in den eigenen Körper aufbauen.

Der DAAD unterstützt das Uni-Projekt mit Mitteln aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Center for World Music arbeitet mit dem „Welcome Board“ zusammen, um die Musiker in Niedersachsen ausfindig zu machen.

Geflüchtete Musikerinnen und Musiker können, mit geeigneter Qualifikation, bereits ab dem ersten Tag ihrer Ankunft in Deutschland an der Universität Hildesheim studieren. Ein Team des International Office begleitet Studieninteressierte mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg in das Studium.

Weitere Informationen zum DAAD-Integra-Projekt

Wenn Sie geflüchtete Musikerinnen und Musiker kennen, die an der Universität Hildesheim studieren möchten, kontaktieren Sie gerne das Team vom Center for World Music (E-Mail piromo@uni-hildesheim.de). Ab dem 2. Mai startet das DAAD-Integra-Programm, welches geflüchteten Musikern hilft die Chance auf einen Studienplatz zu erhöhen.

DAAD-Integra-Projekt

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-13023 Mon, 13 Feb 2017 14:12:00 +0100 Musik: „Mein Skateboard habe ich gegen eine Gitarre getauscht“ https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musik-mein/ Rhythmus, Tempo, Melodie: Musik kann mehr sein als ein schöner Hintergrundklang. Ein Gespräch mit Omid Bahadori über die Kraft der Musik. Der 44-jährige Musiker studiert berufsbegleitend am Center for World Music der Universität Hildesheim. Werkschau: Öffentliches Konzert am Samstag, 18. Februar 2017

Welche Rolle spielt Musik in deinem Leben?

Omid Bahadori: Die Musik war eigentlich schon immer in meinem Kopf. Mit 12 Jahren habe ich mit meinem älteren Bruder Iran verlassen. Ich landete nach zwei Jahren reisen und Aufenthalte in verschiedenen Ländern in Hannover in einer Wohngemeinschaft von Musikern. Ich habe mein Skateboard gegen eine Gitarre getauscht. Mit Hilfe von Büchern aus der Leihbibliothek eignete ich mir bald die ersten Akkorde an, um den Beatles oder Doors folgen zu können. Seitdem begleitet mich die Musik, ich bin jetzt 44.

Wie hast du das Musizieren erlernt – in der Schule, im Privatunterricht, via Youtube?

Damals gab es Youtube noch nicht. Ich bin Autodidakt und habe viele Lehrer, von denen ich mir immer etwas abschaue. Ich lerne beim Hören und ich lese in Büchern nach. Die Schulband ermöglichte mir, wie vielen aufstrebenden Musikerinnen und Musikern, den ersten Auftritt.

Wie sieht dein musikalischer Alltag aus?

Mein Beruf ist das Musizieren. Ich verbringe aber nicht den ganzen Tag mit Musik. Mit drei Musikern aus der Mongolei habe ich die Band Sedaa (persisch für Stimme) gegründet und bin auch für das Management verantwortlich. Das erfordert sehr viel Organisation. Wir spielen Kompositionen aus traditionellen Gesängen und vermischen Untertongesang, die fast vergessene uralte Tradition des Kehlgesangs und die Pferdekopfgeige mit Rock, Jazz und Klassik.

Welche Rolle spielt Musik in der Gesellschaft?

Musik kann Menschen verbinden und gemeinsame Erlebnisse schaffen. Es ist heute gar nicht so einfach, mal die Technik abzuschalten und das Smartphone wegzulegen. Wenn man sich gemeinsam auf ein Musikstück einlässt und mal die Technik und Kommunikationsmittel weglässt, dann kann man sich gemeinsam auf eine Sache konzentrieren – und gemeinsame schöne Erinnerungen schaffen.
Musik wird aber auch ausgenutzt, um Leute zu manipulieren, Hass zu verbreiten. Und Klänge werden auch eingesetzt, um Menschen im Supermarkt beim Einkaufen zu berieseln. Am schlimmsten finde ich die Ballermann-Mucke in den Fitness Studios – dann doch lieber Stille.

Du kommst aus Hannover, eine Großstadt. Warum hast du dich entschieden, in Hildesheim zu studieren und nicht in einer der pulsierenden Metropolen?

Hildesheim ist manchmal lebendiger als Hannover, vor allem begegne ich hier einer Vielfalt an Klängen. Durch Studiengänge wie musik.welt und die Kulturpädagogik, heute Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis, trifft man auf ein buntes Treiben junger Menschen, die viele tolle Ideen haben. In Hannover verlieren sich manchmal gerade die kleinen Konzerte, die gegen große Player weniger Chancen haben.

Im Studium am Center for World Music erlernst du ein weiteres Instrument, eine „musikalische Fremdsprache“.

Ich möchte eine andere Klangfarbe kennenlernen, die Gitarre ist mein Hauptinstrument. Ich möchte mein Spiel auf der Rahmentrommel um andere Techniken erweitern. Es ist sehr wichtig, dass ich das neue Instrument regelmäßig erklingen lassen. Das ist ein Routine-Ding, viel hängt beim Spielen der Rahmentrommel von der Fingerfertigkeit und der Kraft und Beweglichkeit der Finger ab. Im Studium geht es nicht nur um das Musizieren, wir kommen aus unterschiedlichen Berufen – Schule, Kita, Kultureinrichtungen – und wollen unsere Arbeit verfeinern und Menschen für Musik begeistern.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurzinfo zur Person:

Omid Bahadori, 44, 1972 in Isfahan in Iran geboren, Berufsmusiker. Seine Instrumente sind Gitarre, Percussion wie zum Beispiel die Rahmentrommel. Er studiert berufsbegleitend seit Herbst 2016 „musik.welt“ am Center for World Music der Universität Hildesheim. Während der Werkschau am Samstag, 18. Februar 2017, kombiniert er im Ensemble mit zwei weiteren Musikern die Rahmentrommel, den Kehlgesang und Bass. Im Solo improvisiert Omid Bahadori auf der Rahmentrommel.

 

Kurz erklärt: Der Studiengang

Voneinander lernen: Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren.

Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist bundesweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft. Musik kann vermitteln und als internationale Sprache Menschen verbinden. Bisher haben 80 Personen aus 13 Herkunftsländern im Alter von 20 bis 60 Jahren „musik.welt“ studiert. Unter ihnen sind Musikerinnen und Musiker, Lehrer, Sozialpädagogen, Erzieher und Komponisten. Viele Studentinnen und Studenten haben Abschlüsse im Ausland erworben. Sie haben vielfältige musikalische und berufliche Biografien. Sie lernen von- und miteinander in der Gruppe. Gemeinsam entwickeln sie neue Konzepte und Projekte in der Musikvermittlung. Jeder Student erlernt während der zwei Jahre ein weiteres Instrument – eine „musikalische Fremdsprache“ – und erhält Einzelinstrumentalunterricht.

Der Hörsaal im Center for World Music ist ungewöhnlich – ein ehemaliger Kirchenraum mit etwa 3000 Musikinstrumenten: Hier erklingen Oud, Sitar und Charango, Rahmentrommel, Bass und Balalaika, Bogenharfe und Tar. Studierende lernen inmitten einer der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Instrumente. Und sie gehen heraus, in die Stadtteile, in Wohnzimmer, in Schulen und entwickeln Musikprojekte vor Ort in ihrem Arbeitsfeld. „Musik ist eine emotionale Kraft – sie kann Verständigung fördern aber auch trennend wirken und wird in Konflikten eingesetzt. Musik läuft nicht nur nebenher, sie ist nicht nur Unterhaltung", sagt Professor Raimund Vogels.

Jetzt bewerben: Studium am Center for World Music

Der berufsbegleitende Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist Teil des Förderprogramms der Stiftung Niedersachsen und führt in vier Semestern zu einem Master-Abschluss. Es besteht die Möglichkeit, auf Zertifikat zu studieren. Ein Bachelor-Abschluss oder Ähnliches ist dann nicht erforderlich. Der Studiengang wendet sich an alle, die Kompetenzen erlangen möchten, um die integrative Kraft der Musik in der täglichen Arbeit zu nutzen.

Die nächste Runde startet im Wintersemester 2017/18. Interessierte können sich für den nächsten Jahrgang bewerben, die Bewerbungsphase endet am 1. Juli 2017. Der Studienbeginn ist im Herbst 2017. Bei Interesse am Studiengang, können sich Studieninteressierte mit ihren Fragen und Anliegen bei Morena Piro melden (E-Mail: piromo[at]uni-hildesheim.de).

Öffentliche Werkschau

Wer sich vor Ort einen Eindruck verschaffen möchte, kann am Samstag, 18. Februar 2017, in der Universität vorbeikommen. Im Center for World Music (Schillstraße/Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim) zeigen Studentinnen und Studenten aus dem aktuellen Jahrgang ihr Können, solo und in Ensembles. Das Konzert besteht aus vielen kleinen Konzerten, zwischendurch ist Zeit für Gespräche. Die Werkschau ist öffentlich und findet zwischen 17:00 bis etwa 20:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-13015 Wed, 01 Feb 2017 14:24:00 +0100 Geigenvirtuosin: Von der Millionenstadt Chennai nach Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/geigenvirtuosin-von-der-millionenstadt-chennai-nach-hildesheim/ Musikerinnen aus Chennai arbeiten sechs Monate am Center for World Music in Hildesheim. Kinder und Jugendliche erhalten Einblicke in die südindische Klassik. Wenn Lalitha und Nandini Muthuswamy ihre Violinen in Schulen mitbringen, sind die Kinder zunächst erstaunt über die Haltung. Sie fragen: „Warum hältst du die Geige nach unten?“ Dann erklärt Lalitha Muthuswamy ihre Spieltechnik: „Wenn ich die Geige zwischen Schulter und Füßen spanne, kann ich präziser und kraftvoller spielen und gebe der Geige Sicherheit.“ Das Center for World Music ermöglicht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland Gastaufenthalte in Hildesheim. Für sechs Monate ist die indische Geigenvirtuosin Lalitha Muthuswamy derzeit in Niedersachsen. Während ihres Aufenthalts am Center for World Music arbeitet die promovierte Musikwissenschaftlerin mit Schulen und Studierenden in der Lehre zusammen.

Schulklassen erhalten Einblicke in die südindische Klassik, darunter Kompositionen, die in Indien entstanden, als in Deutschland Bach seine Kantaten, Choräle und Sonaten schrieb. „Einige sind erst 5 Jahre, andere schon 18. Es ist sehr schön mit den Kindern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten, ich unterrichte sie darin, kleine Melodien zu singen.“

Wenn Lalitha Muthuswamy ihre Violine in die Schule mitbringt, sind die Kinder zunächst erstaunt über die Haltung. Sie fragen: „Warum hältst du die Geige nach unten und stützt sie im Sitzen auf den Füßen ab?“ „Diese Haltung gibt Halt – wenn ich die Geige zwischen Schulter und Füßen spanne, kann ich präziser und kraftvoller spielen und gebe der Geige Sicherheit“, sagt Muthuswamy. Die Dozentin der Musikakademie Chennai spielt südindische Geige. Sie wurde mehrfach von der indischen Regierung für ihre herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet. Ihre jüngere Schwester Nandini Muthuswamy promoviert derzeit an der Universität Hildesheim.

In Hildesheim geben Lalitha und Nandini Muthuswamy während eines Konzertes und einer Lehrveranstaltung Einblick in die klassische indische Musik. Als „Violin Sisters“ haben die beiden Profi-Musikerinnen sich einen renommierten Namen erarbeitet, seit 30 Jahren stehen die Schwestern gemeinsam auf der Bühne. „Wir geben einen Einblick in die melodische Grundstruktur in der karnatischen Musik in Südindien und sprechen über Musik und Emotion“, sagt Lalitha Muthuswamy. „Wir improvisieren viel und verwenden ‚Raga‘, die Musikformen sind mit unterschiedlichen Emotionen verbunden. Wir spielen Kompositionen aus dem 6. und 7. Jahrhundert, aus dem 18. Jahrhundert – als in Europa Bach komponierte – sowie moderne Musik aus dem 20. Jahrhundert.“

„Emotion ist ein sehr wichtiger Teil unserer Musik. Jede Note, jede Komposition, jeder ‚Rag‘ ist Emotion und als Performerin versuche ich, diese Emotion zu teilen – ob Freude oder Trauer. Jede Emotion ist wundervoll“, sagt ihre Schwester Nandini Muthuswamy.

Konzertabend im Center for World Music

Das Center for World Music der Universität Hildesheim lädt am Freitag, 3. Februar 2017, zu einem Konzert mit Gespräch ein. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Das Konzert beginnt um 19:00 Uhr im Center for World Music. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Zuschauer auch Fragen stellen und wir in der Universität ins Gespräch kommen“, sagt Lalitha Muthuswamy.

Kurz erklärt: Das Center for World Music

Wie leben wir mit Musik? Das Center for World Music der Universität Hildesheim bewahrt seit 2006 bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens: über 4.500 Musikinstrumente, 45.000 Schallplatten, eine der größten Sammlungen Europas. Das Center widmet sich der Vielfalt musikalischer Traditionen und ist ein Archiv und Labor, ein Ort der Forschung und des Studiums, ein Treffpunkt für Musikerinnen und Musiker und eine Basis für internationale Begegnungen und Verständigung.

Das Center for World Music sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, derzeit in Iran und Nigeria. In Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. Das Center for World Music der Universität Hildesheim bildet seit 2011 Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist bundesweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft. Musik kann vermitteln und als internationale Sprache Menschen verbinden.

Medienkontakt: Kontakt zu den Musikerinnen und Forschern über die Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de).

Konzert: Das Konzert findet im Center for World Music der Universität Hildesheim statt (Timotheusplatz/Ecke Schillstraße). Eine Reservierung von Sitzplätzen (kostenfrei) ist möglich, Ansprechpartnerin ist Isa Lange (Telefon: 05121.883-90100, Email: presse@uni-hildesheim.de).

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music
news-12702 Fri, 18 Nov 2016 16:40:00 +0100 Musikalische Vielfalt erhalten: Ein Platz für Klänge der Welt https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musikalische/ Gute Nachricht aus Berlin: Mit Geld vom Bund können die Planungen für einen Neubau für das Center for World Music in Hildesheim beginnen. Zukünftiger Standort soll der Kulturcampus Domäne Marienburg werden, wo bereits etwa 1000 Studierende der Kulturwissenschaften lernen. Das Center sichert mit internationalen Partnern und unterstützt vom Auswärtigen Amt Kulturerbe. Die internationalen wissenschaftlichen Beziehungen sollen ausgebaut werden. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat Planungsmittel für ein Neubauprojekt an der Universität Hildesheim freigegeben. Mit den 400.000 Euro, die der Bund als Anschubfinanzierung im November bewilligt hat, können nun die Planungen für einen Neubau für das Center for World Music auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg beginnen.

„Dieses versteckte Juwel hat eine große Zukunft vor sich“, sagt Ute Bertram. Auf Bitten von Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich hatte sich die Hildesheimer Bundestagsabgeordnete, die dem Bundestagsausschuss für Kultur und Medien angehört, seit Monaten für Gelder für einen Neubau eingesetzt. „Mit dem Bundestagsbeschluss ist die bundesweite Bedeutung des Vorhabens besiegelt“, freut sich Bertram. Im Center for World Music lagert eine deutschlandweit einmalige, mehrere tausend Musikinstrumente umfassende Sammlung. Doch bislang fristet dieser Schatz aus Platzmangel ein Schattendasein, sagt Ute Bertram, die in den letzten Monaten viel Überzeugungsarbeit geleistet hat.

Der Bau soll Raum für Wechselausstellungen und Lehrveranstaltungen sowie für das wissenschaftliche Personal, Doktoranden und Gastwissenschaftler bieten. Das Center arbeitet in Projekten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Westafrika, USA, Ägypten, Iran und weiteren europäischen Ländern zusammen. Die Forscher sichern Musik und tragen zum Erhalt von oftmals mündlich tradiertem Kulturerbe bei und wollen Archive zugänglich machen. In einem internationalen Doktorandennetzwerk tauschen sich Nachwuchswissenschaftler über Forschungsmethoden und Forschungsfragen aus.

Stiftungsuniversität: Bauen im Zeit- und Kostenrahmen

Mit dem Geld aus Berlin starten Uni-Baudezernent Thomas Hanold und sein Team nun die konkrete Planung. Möglicher Ort für den Neubau ist die Fläche im Eingangsbereich, auf der derzeit eine alte, etwa 700 Quadratmeter große Scheune steht, die früher als Getreidelager und Geräteschuppen diente. Wie beim Neubau des Burgtheaters soll ein Architekturwettbewerb mit klaren finanziellen Vorgaben ausgeschrieben werden.

„Wir haben in den bisherigen Bauprojekten den Nachweis erbracht, dass wir als Stiftungsuniversität erstens im Zeitrahmen und zweitens im Kostenrahmen bauen können und stimmen die Bauprozesse eng mit dem Ministerium und dem Landesrechnungshof ab. Die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages ermöglicht uns, in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege der Stadt Hildesheim ein Konzept für den zukünftigen Standort des Center for World Music auf der mittelalterlichen Burganlage zu erarbeiten. Bereits den Theaterneubau haben wir im Einvernehmen mit der Denkmalpflege gebaut“, sagt Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. „Wir sammeln, sammeln, sammeln – haben aber keine geeigneten Ausstellungsflächen und Orte für musikethnologische Forschung und Lehre“, sagt Friedrich mit Blick auf die über 4500 Instrumente und umfangreichen Tonträgersammlungen. Um Forschung zu ermöglichen, sei es wichtig, die vorhandenen Bestände besser zu konzentrieren. Derzeit liegen die Sammlungen querbeet über acht verschiedene Standorte verteilt und sind nur in Teilen zugänglich. Im Neubau könnten beispielsweise Wechselausstellungen gezeigt werden. Der aktuelle Standort des Center for World Music, die ehemalige Timotheuskirche, soll weiterhin erhalten bleiben und auch Ort für musikpädagogische Projekte sein.

Wie kann ein Neubau finanziert werden? Parallel zur Bauplanung müsse nun das Fundraising anlaufen. Friedrich hofft dabei auch auf Unterstützung aus der Bürgergesellschaft.

Musikethnologe: „Nachricht aus Berlin ist Ansporn für unsere Arbeit“

„Wir sehen die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages auch als Ansporn für unsere Arbeit“, sagt Professor Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music der Universität Hildesheim. „Es braucht einen Motor, um musikalische Vielfalt, die hier in Zeiten der Globalisierung ihre Heimat findet, auch sichtbar und hörbar zu machen“, so Vogels. Die Künstlerinnen und Künstler, die hier in Deutschland leben, „haben das Recht, wirksam sein zu können“, so Vogels.

„Der Deutsche Bundestag sieht, welche politische Aufgabe wir in Hildesheim wahrnehmen. Musik ist wie Sprache auch Menschenrecht. So wie jemand gehört wird, mit dem was er sagt, so muss das auch für die Musik gelten. Man muss das Recht haben, sich musikalisch äußern zu dürfen und kultur- und bildungspolitische Bedingungen vorfinden, die dieses Recht nicht einschränken. Wir bilden in Hildesheim Musiklehrerinnen und Musiklehrer aus und sind aufgefordert, die Vielfalt musikalischer Ausdrucksformen wirklich in den Unterricht zu holen, das macht die Wirklichkeit der Kinder und Jugendlichen aus. Wenn wir da etwas ausklammern, tabuisieren oder für minderwertig erklären, was für andere Menschen wesentlich identitätsbildend ist, dann begehen wir einen schweren kulturpolitischen und bildungspolitischen Fehler“, sagt Professor Vogels. Die Universität Hildesheim hat einen Schwerpunkt in der Lehrerbildung und bildet mit etwa 2600 Studierenden rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus, darunter Musik- und Kunstlehrer.

 

Weitere Informationen

Wissenschaftlerin und Geigenvirtuosin aus Indien derzeit in Hildesheim

Das Center for World Music ermöglicht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland Gastaufenthalte in Hildesheim. Für sechs Monate ist die indische Geigenvirtuosin Lalitha Muthuswammy derzeit in Niedersachsen. Während ihres Aufenthalts am Center for World Music arbeitet Muthuswammy mit Schulen und Studierenden in der Lehre zusammen. Schulklassen erhalten Einblicke in die südindische Klassik, darunter Kompositionen, die in Indien entstanden, als in Deutschland Bach seine Kantaten, Choräle und Sonaten schrieb. Die Dozentin der Musikakademie Chennai spielt südindische Geige. Sie wurde mehrfach von der indischen Regierung für ihre herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet.

DAAD-Graduate School startet: Welche Rolle spielt Musik beim Wiederaufbau von Gemeinschaften?

Im Nordosten Nigerias leben über zwei Millionen Binnenflüchtlinge. Studierende und Doktoranden der Universitäten Maiduguri/Nigeria, Cape Coast/Ghana und Hildesheim/Deutschland erarbeiten derzeit lokale Strategien, um Konflikte und traumatische Erlebnisse zu bewältigen. „Aufgabe der Zukunft wird es sein, Gemeinschaften wieder entstehen zu lassen. Eine der Identifikationslinien kann Musik sein“, sagt Professor Raimund Vogels. In der vom Deutschen Akademischen Austauschdienst von 2016 bis 2020 geförderten „Graduate School“ forschen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Sicherheit und wirken beim Wiederaufbau der Gesellschaft mit, etwa durch lokale, gemeinschaftsbildende Kultur- und Bildungsprojekte. Teil des Programms sind mehrmonatige Forschungs- und Lehraufenthalte am Center for World Music der Universität Hildesheim.

Zum Start der Graduiertenschule reisen Mitte Dezember Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nigeria und Ghana nach Hildesheim an. Die Hildesheimer Graduiertenschule ist die einzige kulturwissenschaftliche Graduiertenschule und die einzige aus Niedersachsen, die vom DAAD im Rahmen einer Fördermaßnahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Förderung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN bewilligt wurde.

Kurz erklärt: Das Center for World Music

Wie leben wir mit Musik? Das Center for World Music der Universität Hildesheim bewahrt seit 2006 bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musik-schaffens: über 4.500 Musikinstrumente, 45.000 Schallplatten, eine der größten Sammlungen Europas. Das Center widmet sich der Vielfalt musikalischer Traditionen und ist ein Archiv und Labor, ein Ort der Forschung und des Studiums, ein Treffpunkt für Musikerinnen und Musiker und eine Basis für internationale Begegnungen und Verständigung.

Das Center for World Music sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, derzeit in Iran und Nigeria. In Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fort-bestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. Das Center for World Music der Universität Hildesheim bildet seit 2011 Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen. Der Studiengang „musik.welt“ ist bundesweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft. Musik kann vermitteln und als internationale Sprache Menschen verbinden.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

Center for World Music: Aktuelle Informationen

Broschüre über Forschung, Lehre und internationale Kooperationen

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-10971 Mon, 24 Oct 2016 15:36:00 +0200 Ensemble aus Aserbaidschan: Konzert im Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/ensemble-aus-aserbaidschan-konzert-im-center-for-world-music/ Das Center for World Music lädt ein zum Konzert: Musikerinnen und Musiker des Nationalensembles interpretieren das Werk eines Dichters, der im 12. Jahrhundert in seinen lyrischen Versen den Klang und Spielweisen von Instrumenten beschrieben hat. Die Hildesheimer Forscher um Professor Raimund Vogels sind Experten auf dem Gebiet der Digitalisierung von Musikarchiven. In Kooperation mit dem Aserbaidschanischen Staatlichen Museum für Musikkultur lädt das Center for World Music der Universität Hildesheim am Freitag, 28. Oktober 2016, zu einem Konzert mit Lesungen ein.  Zu Gast ist das „National Ensemble of Old Musical Instruments”.

Die Musikerinnen und Musiker aus Baku, der Hauptstadt des Landes Aserbaidschan, spielen klassische Musik aus dem 12. Jahrhundert. Zum Nationalensemble gehören die Musikerinnen Nuriyya Huseynova (Gesang), Tarana Aliyeva (Kastenzither „Kanun“), Fazila Rahimova (Harfeninstrument „Chang“) sowie die Musiker Munis Sharifov (viersaitiges Streichinstrument „Chegane“), Natiq Aliyev (gezupfte Langhalslaute „Tanbur“), Ilkin Hasanov (Lauteninstrument „Rud“), Davud Abdullayev (Saiteninstrument „Rubab“) und Akbar Mammadov (Bechertrommel „Tombak“).

Das Ensemble interpretiert das Werk des Dichters Nezāmi. Der Dichter erwähnte in seinen lyrischen Versen vor 845 Jahren auch Musikinstrumente, die zu jener Zeit gespielt wurden. Dabei nannte er nicht nur Namen, sondern beschrieb ihre Form, die Anzahl der Saiten, ihren Klang und ihre Spielweise. Er erwähnte musikalische Begriffe wie Harmonie, Rhythmus und Melodie. Klassische Musik und Poesie sind eng miteinander verbunden, sagt die promovierte Musikwissenschaftlerin Alla Bayramova, Direktorin des Museums für Musikkultur.

Die Künstler aus Baku werden sich drei Tage in Hildesheim aufhalten und mit den Hildesheimer Musikethnologen um Professor Raimund Vogels über zukünftige Kooperationsprojekte sprechen. „Das Klangarchiv des Staatlichen Museums in Baku ergänzt in vielen Bereichen unsere Tonsammlungen zur klassischen iranischen Musik, gerade eine Kooperation im Bereich der Archive wird von beiden Seiten als sehr vielversprechend bewertet“, sagt Vogels.

Das Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Aserbaidschan, das „State Committee on Affairs with the Diaspora of Azerbaijan Republic“ und die Deutsch-Aserbaidschanische Gesellschaft fördern diese Veranstaltung. An dem Abend interpretiert die Übersetzerin Rosemarie Kuper die Dichtung Nisamis, außerdem spielt der Solist und Komponist Arif Mirsojew. Das Konzert beginnt am 28. Oktober 2016 um 20:00 Uhr im Center for World Music der Universität Hildesheim (Timotheusplatz/Schillstraße). Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Interessierte sind herzlich zum Konzertabend eingeladen und können mit den Musikerinnen und Musikern sowie dem Team des Center for World Music ins Gespräch kommen. Eine Reservierung von Sitzplätzen (kostenfrei) ist möglich, Ansprechpartnerin ist Morena Piro (Telefon: 05121.883-92360, Email: piromo(at)uni-hildesheim.de).

Kurz erklärt: Center for World Music digitalisiert Musikarchive

Forscher am Center for World Music der Universität Hildesheim haben langjährige Erfahrungen in der Digitalisierung von Musikarchiven. Die Musikethnologen um Professor Raimund Vogels digitalisieren und katalogisieren Musikarchive weltweit. In Projekten in Sierra Leone, Malawi, Ghana und Ägypten konnten in Kooperation mit Partnern vor Ort physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. In Zusammenarbeit mit dem Musikmuseum Iran werden aktuell Ton- und Musikaufnahmen aus 100 Jahren iranischer Musiktradition digitalisiert. So wurden bereits über 4500 Platten aus den Jahren 1906 bis 1960 digital erfasst. Weitere Musikarchive aus umliegenden Ländern haben sich inzwischen an die Hildesheimer Musikexperten gewandt. Die Hildesheimer Forscher arbeiten derzeit auch mit Wissenschaftlern aus Maiduguri/Nigeria zusammen, um Musik zu sichern und via Smartphone zugänglich zu machen.

Zum Bestand des Center for World Music gehört eine der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Musikinstrumente sowie das „Music of Man Archive“, eine Sammlung von mehr als 45.000 Tonträgern seit 1950. Das Archiv umfasst Regalmeter voller Schallplatten, äußerst vielfältig: Jazz aus Bangladesch neben Gesängen aus Albanien, Afghanistan und Indien.

Medienkontakt: Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de).

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-12447 Mon, 26 Sep 2016 14:00:00 +0200 Universitätsgesellschaft ehrt Forscher und Musik-Dozenten https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaetsgesellschaft-ehrt-forscher-und-musik-dozenten/ Die Universitätsgesellschaft Hildesheim verleiht ihre Preise für besonderes Engagement und herausragende Leistung: Kristian Folta-Schoofs, Professor für Psychologie, und die Musik-Dozenten Jan Hellwig und Willfried Beck tragen zu einer „offenen Bildungslandschaft“ bei. „Mit den Preisen möchten wir Aufmerksamkeit schaffen für Personen aus der Universität, die mit ihren kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen unsere Stadt bereichern“, sagt Dr. Rainer Hermeling, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft. Professor Kristian Folta-Schoofs und die Dozenten Jan Hellwig und Willfried Beck „bauen täglich Brücken zwischen Universität und Stadt Hildesheim“. Der Preis ist mit jeweils 1000 Euro dotiert. Die Stadt Hildesheim könne „stolz sein auf ihre Uni und auf die Menschen, die hier arbeiten, lehren, forschen“, so Hermeling. „Wir möchten mit dem Preis wertschätzen und sichtbar machen, was Lehrende und Studierende für die Stadt Hildesheim leisten.“

Die Universitätsgesellschaft trägt dazu bei, dass Bürgerinnen und Bürger mit Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch kommen. Der Verein fördert Projekte und Leistungen von Studierenden und unterstützt Forschung und Lehre. So wurde in diesem Jahr zum Beispiel ein Konzert von Studierenden am Center for World Music unterstützt. Außerdem lädt die Universitätsgesellschaft zu öffentlichen Vorträgen ein – Physikprofessorin Ute Kraus hat etwa neulich über die Relativitätstheorie und ihre Arbeit in der „Raumzeitwerkstatt" gesprochen. In diesem Uni-Labor erklärt eine Arbeitsgruppe Kindern und Jugendlichen die Relativitätstheorie und visualisiert physikalische Erkenntnisse in Computersimulationen und Experimenten. „An der Universität findet faszinierende Forschung statt, wir möchten dazu beitragen, dass die Hildesheimer Öffentlichkeit mit Wissenschaftlern ins Gespräch kommt“, so Hermeling. Wer Fragen zur Universitätsgesellschaft Hildesheim hat, kann sich an Dr. Rainer Hermeling wenden.

Wer sind die diesjährigen Preisträger?

Hier erhalten Sie einen Einblick in die Arbeit von:

  • Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs
  • Jan Hellwig und Willfried Beck

Forschungserkenntnisse aus dem Neurolabor landen in der Stadt

Die Universitätsgesellschaft Hildesheim zeichnet Professor Kristian Folta-Schoofs für sein „besonderes Engagement und seine herausragende Leistung zur Gestaltung einer offenen Bildungsgesellschaft zwischen Universität und Öffentlichkeit“ aus.

Kristian Folta-Schoofs forscht und lehrt seit 2008 an der Universität Hildesheim, zunächst als Juniorprofessor, seit 2013 als Universitätsprofessor für Neurodidaktik. Am Institut für Psychologie hat der Wissenschaftler die Arbeitsgruppe „Neurodidaktik“ aufgebaut und beschäftigt sich in der Forschung und Lehre mit der Informationsverarbeitung des menschlichen Gehirns und mit Lernumgebungen. Mit seinem Team trägt Folta-Schoofs Forschungserkenntnisse in die Stadt und in die Öffentlichkeit. So arbeitet er seit 2015 mit dem Medizinischen Dienst der Diakonie Himmelsthür im Projekt „Training von EEG-basiertem Neurofeedback zur Verbesserung der Teilhabe von schwerstbehinderten Kindern und Jugendlichen“ zusammen.

„Wir schulen Studentinnen und Studenten in EEG-Neurofeedback-Techniken, bevor sie mit dauerbeatmeten und schwerstbehinderten Kindern im Haus Arche der Diakonie Himmelsthür diese Techniken in geeigneter Weise trainieren. Auf diese Weise können wir eine gedankenbasierte einfache Kommunikation, zum Beispiel zur Schmerzmitteilung, herstellen“, erläutert Kristian Folta-Schoofs. „Die Erfahrungen im Projekt dienen der kontinuierlichen technischen Weiterentwicklung eines EEG-basierten Neurofeedbacksystems, das an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit schwersten Behinderungen angepasst ist.“

Bei Neurofeedback handelt es sich um eine Methode, „bei der wir neurale Ableitungen, meist Elektroenzephalografie, kurz EEG, nutzen, um etwas zu steuern“, sagt Dr. Jasmin Kizilirmak, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe „Neurodidaktik“. So könne man auf diesem Wege Personen beibringen, einen Cursor auf einem Bildschirm zu steuern oder einen Heißluftballon auf und ab fliegen zu lassen. „Wir messen Hirnströme, über die wir dem Probanden in Echtzeit Feedback geben. Wir zeigen ihnen in der Regel eine Animation auf einem Bildschirm, die mit einem bestimmten EEG-Maß gekoppelt ist und sich entsprechend bewegt. Alle Probanden entdecken in der Regel für sich selbst Methoden, wie sie dies bewerkstelligen. Viele können es nicht einmal in Worte fassen. Es handelt sich meist um einen unbewussten Lernvorgang. Mit anderen Worten: Die Probanden können dann zwar mit der Zeit bewusst den Heißluftballon steuern, aber nicht immer genau sagen, wie sie das bewerkstelligen“, sagt Jasmin Kizilirmak.

Die technische Weiterentwicklung erfolgt in Kooperation mit dem Unternehmen Meditech Electronic, das das Projekt finanziell und technisch unterstützt. Zudem arbeiten die Wissenschaftler mit einem Team des „MedAppLab“ der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen. „Das Team aus Hannover entwickelt eine technische Lösung für das Einlesen und Auswerten unserer EEG-Daten in und durch ein Smartphone, über das dann später die Rückmeldung der Gedanken erfolgen soll“, sagt Folta-Schoofs.

„Gute Erinnerungen schaffen“ – Uraufführungen am laufenden Band, seit 20 Jahren

Sie musizieren mit Intensität, statt an der Oberfläche zu kratzen: Junge Musikerinnen und Musiker aus der Universität begeistern Hildesheimer Bürger seit 20 Jahren mit Konzerten, mitten in der Stadt. Die beiden Musikdozenten Jan Hellwig und Willfried Beck schaffen den Rahmen für dieses immerwährende Experiment. Für ihre Arbeit werden die beiden Dozenten mit dem Preis der Universitätsgesellschaft Hildesheim ausgezeichnet.

Mit dem Preis zeichnet die Universitätsgesellschaft „das besondere Engagement" der beiden Dozenten und ihre „herausragende Leistung zur Gestaltung einer offenen Bildungslandschaft zwischen Universität und Öffentlichkeit" aus.

Seit 20 Jahren organisieren Jan Hellwig und Willfried Beck vom Musik-Institut der Universität Hildesheim Konzertreihen, jeweils unterstützt von Studententeams, zum Beispiel die Reihe „Bühne frei!“ und das „Wandelkonzert“. „Wir gehen raus in die Stadt, um unser Repertoire an den verschiedenen Weltkultorten den Bürgern und Gästen der Stadt Hildesheim zu präsentieren. Es kann ja nicht sein, dass die jungen Musikerinnen und Musiker nur für die Prüfung an unserem Institut üben“, sagt Jan Hellwig.

„Wir wollen jeweils etwas Einzigartiges schaffen, jede Veranstaltung ist daher quasi eine Premiere. Es entstehen Unikate für die Stadt. Die Konzerte sind ein Weg, um Verbindungen in die Stadt zu schaffen“, ergänzt Willfried Beck. Die Spielorte sind besonders, zum Beispiel die Konzerte im Weltkulturerbe Dom und Michaelis sowie im Roemer- und Pelizaeus-Museum – die Institutionen unterstützen das Uni-Langzeitprojekt mit Offenheit und Vertrauen in die Ideen der jungen Musiker. „Man kann Ort und Zeit vergessen, wenn man den Klängen der Vortragenden lauscht. Im Museum haben wir unter Absprache einen großen Freiraum, und Support vom Wachmann bis zur Direktorin, das ist genial. Wir dürfen den Flügel vor Ort nutzen, uns mit Aktionen in den verschiedenen Museumsbereichen bewegen“, berichtet Hellwig. Die Musikerinnen und Musiker reisen auch zu Konzerten nach Alfeld, nach Gronau, nach Sarstedt. Musik kann auch dort sein, „wo man sie nicht vermutet, wir haben auch in Filialen der Sparkassen gespielt, dann kommt jemand herein und möchte eigentlich nur Geld abheben und stolpert über unsere Klänge“, erinnert sich Beck.

Hellwig ist seit 1989, Beck seit 1984 an der Universität, „jetzt im 64. Semester“, lacht Willfried Beck. „Musik bedeutet, etwas zusammen zu schaffen. Sowohl mit Studierenden als auch mit den Kollegen erlebe ich eine sehr haltbare Zusammenarbeit. Von den Studierenden kommt das Frische, von uns Dozenten kommt das Konstante“, sagt der Instrumentallehrer für Saxophon.

Warum die Musikdozenten seit Jahrzehnten solche Konzertreihen mit Studierenden organisieren? Willfried Beck beschreibt das Anliegen so: „Die Konzerte sind eine Form, um die Leistung der Studierenden sichtbar zu machen und das Glück der Musik zu teilen. Und für die Studierenden selbst ist ein Konzert ein Weg, um sich zu prüfen. Das setzt voraus, dass man sich auch wirklich einbringt.“

Die Studentinnen und Studenten zeigen, welches Spektrum mit einzelnen Instrumenten möglich sei. Wer Konzerte organisiert, der könne „immer wieder Pionier sein, muss aber auch die Baustellen erkennen“, sagt Jan Hellwig. „Ich finde es cool, wenn man sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt. Die Studentinnen und Studenten begeistern mich einfach.“ Und so entstehen in jedem Semester Uraufführungen. Mit ihren Seminaren möchten die beiden Dozenten „gute Erinnerungen schaffen“, sowohl für die Zuhörer, als auch für die beteiligten Musiker. Hellwig erinnert sich an ein Experiment in einer alten Scheune in Bodenburg (bekannt als „Bullenstall“, heute als Kunstgebäude im Schlosshof Bodenburg), drei Tage habe man dort gewohnt, geprobt, Stücke von Pink Floyd aufgeführt. Musik, sagt Hellwig, könne Aufbruchstimmung erzeugen. „Man kann Emotion zeigen, dabei kann man auch mal Scheitern, aber man kann auch besondere Momente zu schaffen. In dem Moment, wo etwas entsteht, wird es verletzbar. Manchmal entstehen Momente, die verzaubern. Und dann wieder muss man die Entzauberung, das Scheitern aushalten; hinterfragen, was man mit Leidenschaft tut. Jede Musik, auch Unterhaltung, braucht einen ernsthaften Künstler, eine ernsthafte Auseinandersetzung.“

Jedes Semester sei vollkommen neu, sagt Jan Hellwig. „Die Konstellation der Studentinnen und Studenten ist entscheidend. Wir machen kein Malen-nach-Zahlen. Die Ideen, die man hat sind der Motor. Das Ausprobierenkönnen ist wichtig. Und trotzdem wissen wir mit jedem Semesterbeginn: Das, was wir tun, bringen wir in die Realität, in die Gesellschaft. Wir wollen die Leidenschaft, die in der Musik entsteht, transportieren. Wir möchten auch Grenzen verschieben, im positiven Sinne: Ich werde zum Beispiel keine Obertöne wahrnehmen und damit spielen, wenn ich nicht mit Ihnen experimentiert habe.  Ich brauche jemanden, der mich auf verrückte Art verzaubern kann, neugierig machen kann. Computer sind dazu nicht geeignet, sie machen alles richtig. Das Exakte ist Musik ja gerade nicht. Musiker ziehen und verlängern auch mal Tonhöhen und Tonlängen. – Ein Verbiegen der Zeit für zum Beispiel Harmonien und Melodieverlauf.“

Hellwig unterstreicht die Bedeutung von Musiklehrerinnen und Musiklehrern, er selbst hatte einen tollen Klavierlehrer, „er hat die Autonomie in Gang gebracht, die man als Musiker und auch als Mensch haben sollte“. Nach Stationen in Hannover, Triest, Stuttgart und Jerusalem unterrichtet Hellwig seit 1989 an der Uni in Hildesheim. Die Stärke der Ausbildung in Hildesheim sei die Kombination aus Theorie und praktischem Tun. „Man kann dem Charakter der jungen Menschen folgen und sie bestärken. Es gibt auch Institutionen, die Talente kaputt machen.“ Studierende aus den Musikwissenschaften haben extra Ensembles gegründet, entdecken in solchen Konzertprojekten neue Konstellationen und die Stärken der anderen Kommilitonen. Eine Absolventin arbeitet im Jugendsymphonie-Orchester, eine leitet ein Künstlerbüro, ein anderer hat ein professionelles Jazz-Quintett gegründet.

Musik, sagt Hellwig, sei „das Momentane, das entsteht und dann wieder vergeht“, ein Beziehungsgeflecht zwischen Zeit, Raum und Klang. Mitten in Hildesheim. Seit über 20 Jahren. Man muss die Klänge nur hören, aufsuchen, wahrnehmen.

Tipp: Wer erfahren möchte, wann die nächsten Konzerte stattfinden, kann eine E-Mail schreiben an: info@buehnefrei.net.

Preisverleihung im Center for World Music

Die öffentliche Preisverleihung findet am Mittwoch, 28. September 2016, im Center for World Music der Universität Hildesheim statt. Die Musikerin und Hildesheimer Musikstudentin Min Chen begleitet die Feierstunde musikalisch. Interessierte Lehrende und Studierende sowie Bürger aus der Stadt sind herzlich eingeladen.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Psychologie Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Personal Bürgergesellschaft Center for World Music Personalportal
news-12366 Thu, 15 Sep 2016 14:30:00 +0200 Delwin-Ensemble aus Teheran spielt im Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/delwin-ensemble-aus-teheran-spielt-im-center-for-world-music/ Das Center for World Music lädt zu Konzerten ein. Fünf Musikerinnen aus Teheran interpretieren Kompositionen von berühmten iranischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Ein Forscherteam um Professor Raimund Vogels digitalisiert derzeit über 100 Jahre iranischer Musikgeschichte – Schallplatten, Tonbänder und seltene Radiomitschnitte. In aufwendigen Verfahren wird die Musik digitalisiert, erfasst, beschrieben und wieder zugänglich gemacht. Das Kulturerbe soll zugänglich sein für Musikerinnen und Musiker, die heute und morgen Musik machen. Am Samstag, 17. September 2016, ist das Delwin-Ensemble zu Gast an der Universität in Hildesheim. Die professionell ausgebildeten Musikerinnen Shilan Ardalan (Instrument: Setar), Maryam Khoda Bakhsh (Ud), Solmaz Badri (Gesang), Azadeh Shams (Gheychak) und Maryam Molla (Tombak) interpretieren ein klassisches persisches Dastgah-Repertoire sowie Kompositionen von berühmten iranischen Komponisten des 20. Jahrhundert. Gedichte aus der Sufi-Tradition und Liebeslyrik vertonen die Musikerinnen mit eigenen Kompositionen. Außerdem spielen sie einige kurdische Volkslieder. Unter dem Namen „Delwin“ („Folge Deinem Herz“) gründeten die fünf Musikerinnen aus Teheran 2015 ein Ensemble.

„Das Konzert in der Universität in Hildesheim ist eine gute Gelegenheit, iranische Musik zu präsentieren", sagt die Setar-Spielerin Shilan Ardalan. Die Zuschauer können etwas über das Musikleben der Frauen im Iran erfahren. Die Musikerinnen des Delwin-Ensembles haben an Universitäten in Teheran studiert, einige von ihnen spielen im iranischen National-Orchester oder sind als Musiklehrerinnen tätig. „Die Frauen dürfen im Iran vor öffentlichem Publikum nicht solo singen. Dies führte zu einem Umbruch im Instrumentalbereich. Die Zahl der Musikerinnen – besonders Instrumentalistinnen – hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen", sagt Azadeh Shams. Zuhörer reagieren unterschiedlich auf ihre Musik. „Wir sind gespannt auf die Reaktion während des Hildesheimer Konzerts. Die Liebeslyrik der alten persisch-sprachigen Dichter inspiriert uns."

Das Konzert beginnt am 17. September 2016 um 19:00 Uhr im Center for World Music der Universität Hildesheim (Schillstraße/Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim). Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim ist Mitveranstalter des diesjährigen dastgah-Musikfestivals, ein Festival zeitgenössischer iranischer Musik, Literatur, Kunst und Filmkunst. Zu einem weiteren Konzert des Delwin-Ensembles lädt das Center am Sonntag, 18. September 2016, im Sprengel Museum Hannover ein (Beginn ist um 19:00 Uhr, Eintritt 15 Euro, ermäßigt 8 Euro). Ein weiteres Konzert findet bereits am 16. September auf Schloss Landestrost in Neustadt am Rübenberge statt (ab 20:00 Uhr). Weitere Informationen zum Festival findet man online. Wer sich auf der Gästeliste eintragen und kostenfreie Sitzplätze für die Konzerte sichern möchte, kann sich an Morena Piro (piromo[at]uni-hildesheim.de) wenden. Außerdem musizieren die Musikerinnen mit Kindern und Erwachsenen in zwei Flüchtlingsunterkünften in Hannover und Hildesheim.

Hintergrund:

Musik erhalten und zugänglich machen

Das Center for World Music der Universität Hildesheim ist als einziger Partner aus Deutschland an der Digitalisierung von Musikarchiven in Iran beteiligt.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland. Bisher haben die Musikethnologen Sammlungen aus Sierra Leone und Malawi digitalisiert und katalogisiert; in Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. Ein Forscherteam der Universitäten Maiduguri und Hildesheim digitalisiert derzeit Musik der Dörfer in Nordostnigeria. In Vorbereitung sind Projekte in Jamaika, Peru und Tadschikistan.

Tango, Punk, Klassik, Volkslieder: Aktuell läuft eine Kooperation mit dem Musikmuseum in Teheran, Iran. Ein Team um den Musikethnologen Professor Raimund Vogels digitalisiert Radiomitschnitte, Tonbänder und Schallplatten aus 100 Jahren iranischer Musiktradition, darunter die ersten Aufnahmen iranischer Sängerinnen. 1906 wurden die ersten Schallplatten in Teheran aufgenommen – und in Hannover gepresst. Emil Berliner hatte wenige Jahre zuvor mit der Massenproduktion der Scheiben in der Grammophon-Firma begonnen.

Die Zeugnisse der Musikgeschichte sind weltweit recherchierbar. Die Forscher des Center for World Music stellen Materialien Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Musikerinnen und Musikern sowie Lehrerinnen und Lehrern in digitaler Kopie zur Verfügung. Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich an die Forscher wenden (E-Mail cwm[at]uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Pressemeldungen Center for World Music Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft
news-12235 Sat, 30 Jul 2016 19:10:00 +0200 Ministerin: „Uni Hildesheim leistet wichtigen Beitrag für Verständigung“ https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/ministerin-uni-hildesheim-leistet-wichtigen-beitrag-fuer-verstaendigung/ „Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch“, so die Niedersächsische Wissenschaftsministerin anlässlich ihres Besuches an der Hildesheimer Universität. „Sprachförderung, Bildungsangebote und kulturelle Teilhabe sind entscheidend für die Integration von Zugewanderten. Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu  Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch. Die drei Projekte, die ich mir heute angesehen habe, sind herausragende Beispiele dafür, dass Integration, Teilhabe und Diversität an der Universität Hildesheim gelebt und als gesamtuniversitäre Aufgabe definiert werden. Mein Dank gilt den engagierten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Studierenden, die in ihren Bereichen daran arbeiten, dass der gesellschaftliche Wandel positiv gestaltet wird“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić anlässlich ihres Besuches an der Universität Hildesheim.

Die Ministerin hat in dieser Woche die Universität Hildesheim besucht, um sich über den Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" zu informieren. Darüber hinaus informierte sie sich über die Qualifizierung von Geflüchteten, die ein Studium aufnehmen möchten. Außerdem sprach die Ministerin mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich Mehrsprachigkeit über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung.

Musikalische Wege: Aus der Not heraus den Gesang entdeckt

„Mit Musik kann man etwas bewegen, was man mit Worten nicht erreichen kann“, sagte Tinatin Tsereteli. Als Zehnjährige kam sie mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Deutschland an, da in Georgien ein Bürgerkrieg ausbrach. „Wenn ich allein war, bin ich eingetaucht in meine Musikwelt. In Georgien hatte ich Klavier- und Geigenunterricht. Die Musikwelt meiner Kindheit war sehr vielfältig. In Deutschland hatte ich kein Instrument, eine völlige Leere, wir hatten ein Zimmer für die ganze Familie. Aus meiner Not heraus habe ich den Gesang für mich entdeckt.“ Nach dem Abitur hat sie Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und anschließend im Weiterbildungsstudiengang „musik.welt" studiert. Die Sängerin und Musikpädagogin kombiniert die musikalische mit der sprachlichen Bildung in Kitas und Grundschulen. „Die Kinder wollen lernen und alles wie ein Schwamm aufsaugen, wir müssen ihnen nur die Chance geben“, sagt Tsereteli.

Über Bildungschancen sprach auch Abbass Anoor. „Ich bin in Darfur aufgewachsen. Ich wollte zur Schule gehen, aber ich durfte nicht. Ich wollte nicht als Kuhhirt enden und rannte mehrfach ohne Erfolg von zu Hause weg, bis es mir mit 13 Jahren gelang. Ich wollte in die Schule gehen. Erst mit 20 Jahren lernte ich richtig, Texte und meinen Namen zu schreiben.“ 25 Jahre später spricht Anoor vier Sprachen: Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Er ist ein bekannter Rapper aus dem Sudan und musste wegen seiner kritischen Liedtexte das Land verlassen. In seinen Texten spricht der Musiker und Dichter trotz einer positiven Grundeinstellung auch die Probleme seines Landes an. „Ich kann mich durch Musik am besten ausdrücken, was ich fühle, was ich auf den Straßen gesehen habe zu der Zeit, als ich noch im Sudan war.“

Heute studiert der Rapper Musik an der Universität Hildesheim. „Die universitäre Sprache ist etwas schwierig für mich, der Weg von Frankfurt nach Hildesheim ist zeit- und kostenaufwändig“, sagt der 43-Jährige. „Aber für mich ist das Studium eine große Chance. Wirklich, eine große Chance. Ich lerne viele neue Dinge über Musik, Geschichte und kulturelle Diversität. Ich lerne ein neues Instrument, jetzt spiele ich E-Bass. Die Leute an der Universität sind sehr hilfreich, auch in anderen Lebensbereichen. Das Center for World Music hat mir eine Chance, eine neue Familie gegeben. Mein Dank gilt Professor Raimund Vogels und Morena Piro – ich habe zum Glück diesen Ort gefunden. Jetzt habe ich eine zweite Heimat – hier in Deutschland.“

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige aus, die Musik in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – zum Beispiel in Kitas, Schulen, Stadtteilen, Flüchtlingsunterkünften und Jugendzentren. „Das Wissenschaftsministerium hat den Studiengang musik.welt ermöglicht. Die Stiftung Niedersachsen fördert diese Arbeit, dafür bedanken wir uns sehr“, sagte Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Ohne die Unterstützung der Stiftung Niedersachsen könnten die Studentinnen und Studenten nicht an der Universität Hildesheim lernen, da viele den Betrag für ein berufsbegleitendes Studium nicht finanzieren könnten. Insgesamt erhalten 20 Studierende jeweils ein Stipendium. Eine wichtige Landesstiftung habe die Bedeutung von Musik und kultureller Diversität in der Gesellschaft erkannt und handelt entsprechend, so der Musikethnologe und Direktor des Hildesheimer Forschungszentrums, Professor Raimund Vogels. Dadurch konnten in Hildesheim Strukturen aufgebaut werden, um Bildungswege von Menschen, von denen viele ihre Bildungsabschlüsse im Ausland (etwa Georgien, Kamerun, Marokko, Russland, Sudan, Iran, Irak, China, Mongolei) erworben haben, zu fördern und gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen anzuerkennen.

Universität begleitet Wege in das Studium – Ministerin: „Sie sind Pioniere“

Während Tinatin Tsereteli und Abbass Anoor den Übergang in das Studium bereits geschafft haben, sind einige junge Erwachsene mitten auf ihrem Weg an die Universität. Die Wissenschaftsministerin sprach mit jungen Erwachsenen aus Syrien, Ruanda und dem Iran, die sich derzeit in einem sechsmonatigen Intensivsprachkurs auf ein Studium vorbereiten. Sie gaben Einblicke in ihren Lebensweg und erklärten, welche Chancen, aber auch Schwierigkeiten sie erleben.

Seit Frühjahr 2015 begleitet die Universität Hildesheim Studieninteressierte mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg ins Studium. Derzeit nehmen 15 junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs und einer Studienvorbereitung teil. „Wir begleiten Studierende auf ihrem Weg an die Universität. Die Studienvorbereitung umfasst eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewerbung, Finanzierung und Stundenplangestaltung. Wie orientiere ich mich auf dem Campus, wie nutze ich die Bibliothek und das Rechenzentrum? Außerdem gehören Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, Treffen mit Studierenden und Ausflüge dazu“, sagte Anna-Maria Pulm, Mitarbeiterin im International Office der Uni Hildesheim.

„Ich persönlich habe einen Plan, Schritt für Schritt“, berichtete der 24-jährige Majed. Seit eineinhalb Jahren lebt er in Deutschland. „Erst muss ich die deutsche Sprache besser sprechen und schreiben. Ich möchte gut in der Sprache sein. Dann möchte ich mein Informatikstudium abschließen und einen Beruf finden. Ich konnte mein Studium in Aleppo in Syrien nicht fortsetzen, Ich habe viel Zeit verloren und möchte endlich wieder lernen. Ich habe zufällig über eine Freundin von dem Intensivsprachkurs in Hildesheim erfahren – das ist ein großes Glück. Das Uni-Angebot ist selten, ich kenne viele Freunde, die keinen Sprachkurs machen und sich nicht auf ein Studium vorbereiten können. Ich mache mir aber Sorgen, wie ich mein Studium finanzieren kann.“

Auch Nareen, Sajadeh und Ahlam möchten ihr Studium fortsetzen. Als Nareen vor eineinhalb Jahren in Hildesheim ankam, war der Wunsch groß, wieder zu lernen. „Wegen des Krieges in Syrien konnte ich mein Mathematikstudium nicht fortsetzen“, so die 24-Jährige. „Am Anfang war es einfach mit der Sprache, ich habe eine B1-Prüfung abgeschlossen. Dann gab es eine lange Pause – und nun habe ich endlich den Sprachkurs an der Universität gefunden. Man muss sich bemühen, um sein Ziel zu erreichen.“ Sajadeh bereitet sich derzeit auf das Lehramtsstudium vor, ein zweimonatiges Praktikum an einer Grundschule in Hannover habe ihren Berufswunsch bestätigt. An einer iranischen Universität hat die 31-Jährige Englisch und Literatur studiert. Dann habe sie viel Zeit verloren. Nun möchte sie „unbedingt weiterstudieren“. Täglich fährt sie vier Stunden durch Niedersachsen, um an dem Sprachkurs in Hildesheim teilzunehmen. Auch Ahlam hat „viel gewartet“, um ihren Bildungsweg fortsetzen zu können. „Das Schwierige ist die Sprache. Ich habe viel alleine gelernt und habe mir die Sprache selbst beigebracht. Ich habe nach einem Sprachkurs gesucht. Viele Schulen haben mir gesagt: Nein, du kannst nicht studieren. Dann habe ich diesen Intensivsprachkurs der Universität Hildesheim gefunden, ich bereite mich jetzt auf mein Studium vor. Es ist eine tolle Gelegenheit. Wir lernen gemeinsam und wir diskutieren in der Gruppe“, sagt die 24-jährige Ahlam. Sie lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland.

„Sie sind Pioniere, sie haben jetzt angefangen, ihren Bildungsweg an der Universität fortzusetzen. Ich wünsche Ihnen alles Gute“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin zu den jungen Erwachsenen.

Mehrsprachigkeit: Maßnahmen sollten auf Forschungserkenntnissen aufbauen

Es sei wichtig, so Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, aktuelle Bildungsmaßnahmen auf Erkenntnissen aus der Forschung aufzubauen. Derzeit tagen etwa 40 Promovenden sowie Professorinnen und Professoren aus den USA, dem Irak, Schweden, Island, Italien, England und Deutschland an der Universität Hildesheim. Darunter Koryphäen wie die Linguisten Professor Konrad Ehlich, Professorin Rita Franceschini und Professorin Aneta Pavlenko.

„Es gibt viele Personen, die aktuell beim Spracherwerb helfen möchten. Damit wir jetzt nicht in eine Phase kommen, in der sich viele Personen engagieren, dann aber merken, dass sie nicht weiterkommen oder an Widerstände stoßen, braucht es eine Professionalisierung von Lehrpersonen, die in verschiedenen Altersstufen unterrichten können – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene – und Personen, die sich auch mit Traumata befassen“, sagte die Schweizer Professorin Rita Franceschini, die an der Freien Universität Bozen in Südtirol, Italien, forscht und lehrt.

„Wir müssen die gesamte Lernbiografie eines mehrsprachigen Kindes betrachten, und können ein Kind nicht allein auf Sprache oder Migrationshintergrund reduzieren. Eine interdisziplinäre Perspektive ist wichtig. Jeder Lerner bewegt sich innerhalb eines soziokulturellen Umfeldes, bringt eine bestimmte Persönlichkeit, bestimmte kognitive Fähigkeiten und psychologische Bewältigungsstrategien mit“, sagte Professorin Kristin Kersten. Die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin untersucht derzeit in zwei Forschungsprojekten gemeinsam mit Psychologen, wie Kinder mehrsprachig lernen. An bilingualen Schulen und Kindertagesstätten dokumentiert das Forscherteam zurzeit, wie der Spracherwerb funktioniert und wie Lehrer diese Lernprozesse begleiten und bilinguale Programme implementieren [mehr Infos zur Studie 1 und Studie 2]. Die Projekte werden im Rahmen der Programme „PRO Niedersachsen“ und „VW Vorab“ gefördert.

Wie können Lehrerinnen und Lehrer den Spracherwerb begleiten? „Es sollte Plattformen geben, um sich über gelungene Maßnahmen auszutauschen. Jede Person lehrt für sich alleine. In einem ‚Center for meetings‘ könnten sich Lehrer treffen und ihr Wissen und Materialien teilen: Was funktioniert gut? Das ist sehr simpel, aber effektiv“, kommentierte Professorin Aneta Pavlenko von der Universität Philadelphia, USA. Sie ist selbst in einem Flüchtlingscamp aufgewachsen und hatte in den 90er Jahren Englisch in einer Flüchtlingsunterkunft in Italien unterrichtet. Solch ein Austausch sollte sowohl online wie auch offline, im persönlichen Gespräch, möglich sein. „Lehrer sollten sowohl gelungene Materialien und Stundenplanungen teilen als auch ihre Erfahrungen, wenn etwas nicht klappt", so Professorin Pavlenko.

„Der Bedarf an abgesichertem Wissen zu Fragen der Migration und Integration ist groß“, so Elke Montanari. Daher fördert die Universität den wissenschaftlichen Nachwuchs.

An der internationalen „Summer School: Multilingualism and Diversity Education" sind das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung, das Institut für deutsche Sprache und Literatur, das Institut für englische Sprache und Literatur sowie das Institut für Interkulturelle Kommunikation beteiligt.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache Interkulturelle Kommunikation Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Center for World Music Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Lehrerbildung Personalportal
news-10851 Mon, 26 Oct 2015 13:55:00 +0100 Musik – mehr als Unterhaltung https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musik-mehr-als-unterhaltung/ Ein Team vom Center for World Music der Uni Hildesheim setzt auf die verbindende Kraft der Klänge und bildet Fachleute aus, um die musikalische Vielfalt zu erhalten. Bisher haben Lehrerinnen, Musiker, Sozialpädagogen, ein Polizist und Kulturmanagerinnen im bundesweit besonderen Studienprogramm „musik.welt“ studiert. Rhythmus, Tempo, Melodie: Musik kann mehr sein als ein schöner Hintergrundklang. Wer sich im Stadtteil umhört, welche Rolle Musik im Leben spielt, der kann große Emotionen und strahlende Augen erleben. Für Jananan aus Hildesheim gehört der wöchentliche Musikunterricht in einem tamilischen Bildungsverein zum Alltag. Seine Eltern dokumentieren das Musikspiel und den Tanz der Geschwister auf einem tablet-Computer. Der Schüler erlernt das Instrument Mridangam, eine Trommel, die halb so groß ist wie er. Seine Familie floh wegen eines Bürgerkriegs in Sri Lanka nach Deutschland.

Einige Straßen weiter, im Center for World Music, dreht sich der Alltag ebenfalls täglich um Musik. Welche Klänge in den Räumen erklingen? Alle. Über viele Ecken erreichte Raimund Vogels, der das Hildesheimer Forschungszentrum leitet, neulich eine Anfrage eines jungen Mannes aus Syrien. Er konnte sein Instrument, eine Oud, auf der Flucht nicht mitnehmen. Nun, angekommen in Deutschland, sucht er ein Instrument – er vermisst die vertrauten Klänge. „An einem Musikinstrument kann man sich nicht nur im sprichwörtlichen Sinne tatsächlich festhalten, es kann schlicht helfen, Gefühle von Heimweh und Zukunftssorgen zu mildern“, sagt Vogels.

Und im Norden Hildesheims, in einem Industriegebiet mit wenig Anbindung zur Stadt, erleben Sozialarbeiter in diesen Tagen die Kraft der Musik in einer Erstaufnahmestelle für etwa 150 Flüchtlinge. Es ist ein Ort, an dem Menschen, die geflohen sind, das erste Mal mit Deutschland in Kontakt kommen und registriert werden. Es fehlt an Gelegenheiten zum Sprachenlernen und Zusammenkommen, die Tage bestehen aus Warten, Essen, Schlafen. Doch manchmal singen sie alle zusammen, berichtet einer der Sozialarbeiter. „Das kommt super an. Auch Stunden danach summen manche weiter. Wir müssen alle Sinne, alle Sensoren anschalten, um uns zu verständigen. Das geht."

Einige Kilometer weiter, in Hannover, arbeitet eine junge Frau mit dem „natürlichen Instrument des Menschen“ – der Stimme. „Wir singen. Musik berührt uns, egal wie viel Deutsch man spricht", sagt Tinatin Tsereteli über ihre Arbeit an Kitas und Grundschulen. Die Kinder summen die Melodie, sie sprechen im Rhythmus mit. Wenn sie „Der, die, das, wer, wie was", das Lied aus der Sesamstraße, singen, dann bewegen sich die Kleinen dabei im Raum und suchen nebenbei Gegenstände für den Artikel „der“. Tinatin Tsereteli erinnert sich an zwei pakistanische Mädchen: „Sie haben in Pakistan nie gesungen, kannten keine Kinderlieder." In einigen Ländern ist Musik verboten. Tsereteli kommt nicht aus dem Staunen heraus, was die Kinder können. „Sie wollen lernen und alles wie ein Schwamm aufsaugen. Wir müssen ihnen nur die Chancen geben", sagt die 32-Jährige.

Als Zehnjährige kam Tinatin Tsereteli mit ihrer Familie nach Deutschland, sie erinnert sich an ihre Zeit im Flüchtlingsheim: „Wenn ich allein war, bin ich eingetaucht in meine Musikwelt. In Georgien habe ich Klavier- und Geigenunterricht gehabt. In Deutschland hatte ich kein Instrument, wir hatten ein Zimmer für die ganze Familie. Aus meiner Not heraus habe ich den Gesang für mich entdeckt.“

Tinatin Tsereteli ist eine der bisher etwa 50 musik.welt-Studierenden. Die Universität Hildesheim sucht derzeit wieder bundesweit Lehrerinnen, Erzieher, Sozialpädagogen, Musikerinnen oder andere Berufstätige, die die Kraft der Musik in ihrem Arbeitsumfeld – zum Beispiel in Kitas, Schulen, Stadtteilen, Flüchtlingsunterkünften und Jugendzentren – aufgreifen wollen. Wer sich für ein berufsbegleitendes Studium interessiert, kann sich bis zum 1. November 2015 bewerben. „Wir stellen uns den gesellschaftlichen Herausforderungen. Musik ist besonders geeignet, um integrativ und sozial zu wirken“, sagt Morena Piro, die den Studiengang „musik.welt – kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ mit aufgebaut hat. Eine der Absolventinnen, Esin Savas, hat zuvor an der Supermarktkasse gearbeitet. Dabei hat sie ihr Leben lang musiziert, sich einen Fundus an musikalischen Fähigkeiten selbst erarbeitet. Dann wurde sie auf das Studium aufmerksam, mittlerweile ist Savas Integrationsbeauftragte der Stadt Peine – und weiß, welche Stärke im gemeinsamen Musizieren liegen kann.

„Wir wollen Multiplikatoren ausbilden, die in ihrem Umfeld mit Musik arbeiten. Eine Referentin der Landesmusikakademie Niedersachsen, die bei uns studiert hat, hat zum Beispiel dafür gesorgt, dass landesweit Fortbildungen zum Umgang mit musikalischer Vielfalt für Erzieher und Lehrer angeboten werden. In den zwei Studienjahren arbeiten wir vor allem auch an der Haltung: Was ist es Wert, vermittelt zu werden? Welche Musik findet Anerkennung? Für viele ist eine Opernsängerin mindestens so exotisch wie eine Didgeridoo-Spielerin. Ästhetik, Bedeutung und Wertigkeit von verschiedenen Musikformen beruht allein auf gesellschaftlichem Konsens und Zuschreibungen. Es geht darum, die musikalische Vielfalt aufzugreifen, wertzuschätzen, sie soll nicht verloren gehen“, sagt Morena Piro.

In Digitalisierungsprojekten sichern die Hildesheimer Musikethnologen Musikarchive weltweit, unter anderem in Ägypten, derzeit in Iran und Nigeria. Das Team um Professor Raimund Vogels bewahrt mit Partnern vor Ort Klangarchive. In Teheran dokumentieren sie derzeit 100 Jahre Musikgeschichte auf Schallplatten, darunter die ersten Aufnahmen iranischer Sängerinnen – die Klänge sollen aber nicht im Archiv versteckt werden. Derzeit arbeiten sie, mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, der Stiftung Niedersachsen und der Volkswagen Stiftung, an Wegen, die Klänge weltweit online recherchierbar und damit zugänglich zu machen. Schulen, Forscher und Musikstudierende können mit dem Material arbeiten. Neben diesen digitalen Klängen können die Studierenden auf eine Sammlung von über 4000 Musikinstrumenten zurückgreifen: eine Kamancheh und Oud aus der Türkei, eine Tar aus Ägypten, eine Gitarre aus Namibia, eine Balalaika aus Russland. Hinzu kommt ein Netzwerk an Partnern und Instrumentallehrern, denn im Studium erlernt jeder Student ein Musikinstrument aus einem anderen Kulturkreis zu spielen. Die musik.welt-Studierenden setzen sich dafür ein, die Musik „in den Herzen und Köpfen zu bewahren“, sagt Morena Piro.

Die Universität Hildesheim sucht derzeit auch Schulen in Deutschland, die sich für die Themen „Musik verbindet“ und „kulturelle Vielfalt“ interessieren. Das Forschungszentrum erhält regelmäßig Anfragen von Schulen und berät diese: Was können wir tun, wie können wir mehr Musik in ein Klassenzimmer holen? Wie kann Musik Jugendliche verbinden? In Hildesheim werden neben dem berufsbegleitenden Studiengang auch Lehramtsstudierende ausgebildet, die Musik an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichten.

Info: Musik studieren: Bewerbungsphase läuft

Eine Rahmentrommel. Im Musikstudium kommt die Sammlung Irle zum Einsatz. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Musik kann Menschen aus unterschiedlichen Ländern trennen – oder verbinden. Wer in Hildesheim Musik studiert, erlernt eine „fremde“ musikkulturelle Sprache. In Wohnzimmern, Stadtteilen und Schulen gibt es mehr Klänge als Klavier, Gitarre und Flöte. Doch Rhythmen, die Bağlama, Balalaika und Mbira erzeugen, werden kaum wahrgenommen. Der Kanon in Schulen ist meist auf europäische Instrumente und wenige Werke reduziert.

Der berufsbegleitende zweijährige Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ soll dies ändern, Multiplikatoren ausbilden und interkulturelle Musikprojekte vor Ort entwickeln. Derzeit studieren Tontechniker, freie Musiker, Erzieherinnen, Lehrer, Konzertveranstalter, Musikschulleiter, Sozialpädagoginnen und ein Polizist an der Universität Hildesheim. Sie kommen einmal im Monat aus Berlin, Dortmund, Zürich, Oberhausen, Hannover und aus niedersächsischen Kleinstädten nach Hildesheim. Einige der 20- bis 60-jährigen Studierenden sind in der Türkei, Iran, Marokko oder Russland aufgewachsen. Die Stiftung Niedersachsen unterstützt das berufsbegleitende Studienprogramm „musik.welt“ an der Universität Hildesheim.

Der Studiengang wird fortgeführt und startet nun in die dritte Runde. Der Studiengang wendet sich an alle, die Kompetenzen erlangen möchten, um das Potential der Musik umfassend in der täglichen Arbeit nutzen zu können. Interessierte können sich um einen Studienplatz bis zum 1. November 2015 bewerben. Das Studium beginnt im Januar 2016. Es besteht die Möglichkeit auf Zertifikat zu studieren. Ein Bachelor-Abschluss oder Ähnliches ist dann nicht erforderlich. Wer finanzielle Unterstützung benötigt, dem hilft die Universität bei der Beantragung. Interessierte können sich mit Fragen an Morena Piro wenden (piro@musikwelt-niedersachsen.de).

Der Hörsaal im Center for World Music ist ungewöhnlich – ein ehemaliger Kirchenraum mit etwa 3000 Musikinstrumenten aus allen Erdteilen aus der Sammlung Irle. Studierende lernen inmitten einer der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Instrumente. Und sie gehen raus, in die Stadtteile, in Wohnzimmer, in Schulen und setzen dort Praxisprojekte um. Jeder Student erlernt außerdem ein Instrument: Wer bisher ein Schlagzeug spielt, lernt nun auch, die Kora zu spielen. Wer bisher die Saz erklingen lässt, spielt nun auch Cello. Die Studierenden erlernen eine „musikalische Fremdsprache“, sagt Professor Raimund Vogels. „Musik ist eine emotionale Kraft – sie kann Verständigung fördern aber auch trennend wirken und wird in Konflikten eingesetzt. Musik läuft nicht nur nebenher, sie ist nicht nur Unterhaltung", sagt Vogels.

Wer sich vor Ort einen Eindruck verschaffen möchte, kann am Samstag, 31. Oktober 2015, in der Universität vorbeikommen. Am Center for World Music (Schillstraße/Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim) zeigen Studierende aus dem aktuellen Jahrgang ihr Können. Das Konzert mit Gespräch findet von 18:00 bis 20:00 Uhr statt. Einer der Musikstudenten, der unter anderem bereits Stücke für die Berliner Philharmonie komponierte, hat für das Hildesheimer musik.welt-Ensemble eine Komposition geschrieben, die erstmals erklingt. Ab 10:00 Uhr proben die Musikstudierenden.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de).

]]>
Pressemeldungen Flüchtlinge Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music MA KDmB - musik.welt
news-10324 Mon, 20 Jul 2015 11:40:00 +0200 Musik, auf der Oberfläche so sanft https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musik-auf-der-oberflaeche-so-sanft/ Musik wirkt so milde, ist aber hochpolitisch, sagt Raimund Vogels. Die Musikhochschule in Hannover und die Universität Hildesheim unterstützen den Forschungsnachwuchs. Seit sieben Jahren bauen sie ein weltweites Doktorandennetzwerk in der Musikethnologie aus. Isa Lange hat zugehört – kaum ein Vortrag kommt ohne Klänge aus. Als sie mit der Forschung begann, dachte Fredeliza Campos Piper, sie kann all ihre Fragen beantworten. „Ich ende nun mit vielen neuen Fragen.“ Die Wissenschaftlerin der Australian National University in Canberra untersucht Musikfestivals auf den Philippinen und möchte herausfinden, wie Menschen sich zu Gruppen zusammenfinden und welche Rolle dabei die Instrumente spielen, die sie mitbringen. An einem Nachmittag im Juni gibt sie Einblicke in ihre Forschung. „Oh, can I play, can I play it?“, die Vortragszeit von 20 Minuten ist vorbei. Bevor eine halbstündige Diskussion beginnt, klickt Campos Piper auf ihren rosanen Tablet-Computer und startet einige Musikbeispiele und Videos. Fredeliza Campos Piper hat mit 24 Stunden die längste Anreise der zwei Dutzend Forscher aus aller Welt, sie kommt aus Australien.

Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen seit sieben Jahren junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bosnien und Herzegowina, Malaysia, Indien, Griechenland, Nigeria, Türkei, Brasilien, Iran und Südkorea nicht nach Berlin oder Köln, sondern nach Norddeutschland. Am Center for World Music (CWM) trifft sich einmal im Jahr der musikethnologische Nachwuchs. „Musik machen ist vielfältig und auch politisch. Um Musik zu verstehen, ist ein globaler Blick und die Feldforschung vor Ort notwendig“, sagt der Vizepräsident Professor Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, mit der die Hildesheimer Universität den Doktorandenworkshop organisiert. Professor Raimund Vogels und Professor Philip Bohlman von der Universität Chicago bauen dieses Netzwerk aus, unterstützen die Forscher in ihren Fragen und knüpfen somit Kontakte zu Musikethnologen weltweit – die jährlich nach Hildesheim anreisen.

„Wir haben gemeinsame Fragestellungen, gemeinsame Sorgen, gemeinsame Hoffnungen. Musik ist für uns hochpolitisch, sie wirkt auf der Oberfläche so sanft“, sagt Raimund Vogels, der das Forschungszentrum an der Universität Hildesheim leitet und derzeit mit Wissenschaftlern aus Nigeria und Iran zusammenarbeitet, um Musikarchive digital zu erfassen und recherchierbar zu machen.

Senegal – Deutschland – USA: Einen Zwischenstopp in Hildesheim macht zum Beispiel Scott Lindford von der University of California in Los Angeles. „Ich habe die letzten zehn Monate in Senegal geforscht und bin nun auf dem Rückweg in die USA. Ich untersuche, wie Musik rundum die Welt zirkuliert und Musikstile aus der Welt lokal zusammenkommen“, sagt der amerikanische Forscher. „Der Doktorandenworkshop wurde mir stark empfohlen von einem Kollegen, der im letzten Jahr dabei war, denn ich kann hier nach einer langen Zeit der Feldforschung und Datensammlung nun etwas distanzierter auf das Material schauen.“ Er ist das erste Mal in Hildesheim und „keineswegs traurig, dass ich nicht in Berlin gelandet bin“, sagt Lindford. „Ich komme aus einem kleinen Dorf in den USA, Hildesheim ist für mich eine Großstadt. Ich sehe hier die kleine Forschergruppe für mehrere Tage, das ist großartig und wie eine Familie.“

Ai Mei Luo aus Taiwan hat von dem Workshop in Hildesheim über eine E-Mail erfahren. Der Workshop sei eine gute Möglichkeit, sich mit anderen jungen Forschern auszutauschen. Sie studiert Musikethnologie an der Chinese University of Hong Kong und untersucht „wie Musik genutzt wird, um sich selbst zu präsentieren“. Ihr Datenmaterial sind CD-Sammlungen von Kinderliedern, sie beobachtet das Geschehen auf Musikfestivals und spricht mit Zuschauern. Musikethnologen, sagt Ai Mei Luo, machen Feldforschung, um „zu verstehen, wie Menschen in ihrem wirklichen Leben Musik machen, verstehen, hören, es geht nicht nur um Archiv-Recherche“. Normalerweise habe man auf Forschertreffen nur wenig Zeit, um eigene Forschung zu diskutieren. „Mir gefällt es sehr in Hildesheim, wir haben viel Zeit für Diskussionen und Austausch, das ist sehr wichtig, nicht in fünf Minuten kurz und simpel durch ein Thema zu jagen und nur Momente einzufangen, sondern sich wirklich intensiver über Forschungsmethoden und Inhalte auszutauschen“, sagt die taiwanesische Forscherin. Das, so Michael Fuhr von der Musikhochschule in Hannover (HMTMH) sei die Grundlage. „Das ist die Besonderheit: Die meisten Forscherinnen und Forscher haben ihre Feldforschung bereits abgeschlossen und können jetzt dank der Kommentare ihrer Kollegen ihre Arbeit diskutieren“, sagt Fuhr, der den Workshop mitorganisiert hat. „Das wird sehr gut angenommen, wir erhalten in der Regel mehr Anfragen und können oft nur ein Drittel annehmen und einladen. Wir halten auch nach dem Workshop die Kontakte zueinander. Wenn man sich einmal persönlich getroffen hat, ist es leichter, wieder zusammenzukommen.“

In diesem Jahr befassen sich die zwei Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Wandel von Musikinstrumenten in ihrem kulturellen Kontext, was mit Musik passiert, wenn Menschen mobil sind (Migrationsbewegungen) und wie Musik in Konfliktregionen und politisch eingesetzt wird. Stephen Miller aus Belfast gibt einen Einblick in die „Irish Rebel Music“. Simran Singh von der University of London befasst sich mit dem Politischen in Hip Hop Musik in Uganda. Dabei sitzen die Forscher inmitten einer der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Musikinstrumente.

Klänge gehören zu den Treffen der Forscher, kaum ein Vortrag kommt ohne Musik aus. Darren Fenn aus Newcastle platziert das Instrument „Bandoneon“ neben seinen Laptop, wenn er spricht. Auch Amra Toska aus Bosnien und Herzegowina lässt Musik während ihres Vortrags laufen, einen „Urban Love Song“: „Sevdalinka“ ist ein lyrisch-musischer Monolog, der „die innere Verfassung ausdrückt“. „Wir leben sehr individualisiert, das Musikstück transportiert das Gefühl von Menschlichkeit und Liebe. Um zu überleben, müssen Menschen aneinander orientiert und nicht vereinzelt verstreut sein, wir leben in einer großen Gruppe“, sagt Amra Toska.

Mazedonien, Äthiopien, Brasilien: Rückblick 2014

Iran, Türkei, Serbien, Irak, USA und Deutschland: Rückblick 2013

Lesen Sie mehr über die Forschung am Center for World Music im aktuellen Uni-Magazin ab Seite 78 (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-9843 Thu, 02 Apr 2015 18:50:00 +0200 Kein Kaufhaus, keine Disco: Ein Forschungszentrum https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/kein-kaufhaus-keine-disco-ein-forschungszentrum/ Musik und Sport können zusammenführen – oder auf furchtbare Weise entzweien, sagt der Literaturwissenschaftler Guy Stern. Das Center for World Music zeige, „es ist ein menschliches Bedürfnis, sich kreativ auszuüben“, so der Professor am Rande seines Besuchs. Ein Rundgang mit dem Instrumentensammler Rolf Irle und dem Musikethnologen Julio Mendivil. Nachbarn kommen manchmal vorbei: Sie seien froh, dass aus der Kirche, in der sie einst geheiratet haben, kein Kaufhaus wurde. „Haben Sie eine Schalmei?“, erkundigt sich Professor Guy Stern. In der Literatur werden immer wieder die schönen Klänge dieses Instruments genannt. Ludwig van Beethoven erwähnt sie in den Heiligenstädter Testamenten, einem Brief des Komponisten an seine Brüder, in dem er verzweifelt von seiner fortschreitenden Ertaubung berichtet. Rolf Irle muss die Frage verneinen, was selten vorkommt, er zeigt verwandte Instrumente. Seine Sammlung erweitert der 80-Jährige seit 60 Jahren monatlich. Sie umfasst mittlerweile über 3000 Objekte, zählt zu einer der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Instrumente und ist im Center for World Music untergebracht, eine ehemalige Kirche, fußläufig zur Universität. Ein besonderer Hörsaal, schließlich lernen Musikstudierende zwischen 1000 Instrumenten. Die Nachbarschaft hat in diesem Kirchenraum ihre Kinder getauft, geheiratet, Angehörige konformiert, begraben. „Ich bekomme häufig Antworten von älteren Damen, die sagen: Wir sind so froh, dass hier kein Kaufhaus draus wurde, keine Disco“, berichtet Irle.

„Sie dürfen alles anfassen“, sagt der Sammler, der die Objekte der Hildesheimer Universität 2009 stiftete und nun, an einem Tag Ende März, dem amerikanischen Literaturwissenschaftler und gebürtigen Hildesheimer Guy Stern zeigt. Er drückt dem Gast koreanische Schellen in die Hand, die eine gehörte einem erfahrenen Medizinmann, die andere einem Jungen, der lernt. Die eine hat sieben Schellen, die andere zwölf. Der erfahrene kann mit weniger Schellen „genau so die Götter erreichen, der Junge muss sich mehr in den Vordergrund schieben, Krach machen". Ein Duett, sagt Guy Stern und stimmt die Schellen gemeinsam mit Irle an. Man könne nur das verstehen, was man angefasst habe, zitiert dieser Pestalozzi. Als junger Lehrer habe er gehörlosen und blinden Schülern die Sammlung gezeigt, erinnert er sich. Einer fragte: Machen Sie das nicht regelmäßig, dass man die Instrumente anfassen kann? „Da wurde mir klar: Anfassen! Wie oft habe ich meine Schüler gefragt: Habt ihr das begriffen, erfasst? Die haben überhaupt nichts angefasst. Die Kinder dürfen die Instrumente hautnah erleben. Meine Erfahrung ist: Erwachsene gehen viel unvorsichtiger mit den Dingen um“, sagt Rolf Irle. Bei ihm zu Hause wurde es zu eng. Vom Universitätspräsidenten Professor Wolfgang-Uwe Friedrich habe er erfahren, wie die Sammlung in Forschung und Lehre genutzt werden könnte, deshalb habe er die Sammlung der Universität Hildesheim geschenkt. „Unter einer Bedingung: Ich habe jeden Tag – Tag oder Nacht, Sommer oder Winter – Zugang zu meinen Instrumenten.“ Einmal im Monat führt er Alt und Jung durch die  Sammlung.

Über seine Motivation zu stiften, sagt Rolf Irle: „Ich möchte die Dinge weitergeben, an die jungen Menschen, die heute die Universität besuchen. Das ist herrlich. Das ist für mich ein Jungbrunnen, wenn ich Besuchern erzählen kann, wie die Dinge hergestellt wurden, mit welchen sie verwandt sind, wo sie herkommen. Ich kann auf diesem Wege dieser Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich möchte all den Menschen, auch meinen Lehrern danken. Wenn ich eines Tages abgehen muss, träume ich davon, dass ich vielleicht einige für die Vielfalt der Instrumente begeistert habe.“

Was für Rolf Irle eine Leidenschaft ist, ist für die Musikethnologen des Hildesheimer Forschungszentrums (Kurzinfo PDF) Arbeit. Julio Mendivil, der das Center for World Music mit Professor Raimund Vogels leitet, sagt: „Er kann zu jedem Instrument etwas erzählen, die Instrumente sind hier keine toten Objekte sondern sollen belebt werden. Wir pflegen die Sammlung, stellen Forschungsmaterial bereit. Wir haben in Europa die größte Sammlung von Tonträgern, aus Afrika, Amerika, Asien. Etwa 44.000 Schallplatten, die wir den Studierenden, Forschenden und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Wir sind sehr bemüht, das was wir hier machen, zurück in die Gesellschaft zu geben.“ Derzeit digitalisieren und sichern die Forscher, mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Stiftung Niedersachsen, Musikarchive in Iran und Nigeria. Niedersachsen sei mit der Musikhochschule in Hannover, den Universitäten in Oldenburg, Göttingen und Hildesheim sehr gut aufgestellt und „die musikethnologische Ecke Deutschlands“.

Julio Mendivil mit einem Instrument, das für Touristen gebaut wurde. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

„Kann man die Instrumente noch spielen, so dass den Eindruck der genuinen Komposition wieder schaffen kann?“, fragt Guy Stern. Das hängt von den Instrumenten ab, so Mendivil. In Hildesheim seien andere klimatische Bedingungen als in den Ursprungsländern. Saiteninstrumente leiden mit den Jahren, sie gehen relativ schnell kaputt, das Material sei sehr fein.

Das älteste Instrument ist etwa 2400 Jahre alt. Und Rolf Irle kennt auch dazu die Geschichte: „Bei Straßenbauarbeiten nahe Neapel wurde ein Gräberfeld von etwa 300, 400 vor Christi entdeckt. Auch ein Flötlein wurde gefunden, aus Ton, der Schnabel war schon abgebrochen, das war für die Museen wohl zu popelig. Ein Tourist hat das erworben, von dem habe ich das Instrument auf dem Antikmarkt in Hannover erwerben können“, berichtet der Sammler. Auf dem Markt sei er an jedem Wochenende. In vielen Teilen der Erde bauen die Spieler ihre Instrumente selber, das sollte man wissen. Wer kann hier schon eine Stradivari selber bauen?, fragt Rolf Irle. Bis auf 20 seien alle Instrumente Originale.

Irle beschreibt ein Problem beim Sammeln: Er müsse sich immer darauf verlassen, was der Vorbesitzer ihm sagt, wenn er dieser Information nicht trauen kann und sie ihn nicht überzeugt, beginnt die Recherche. Über 600 Bücher und Quellen über die Instrumente hat er über die Jahre angelegt, gesammelt. „Ich muss oft den Weg rekonstruieren, manchmal finde ich ihn gar nicht.“ Die längste Trompete, die „lange Trompete aus Tibet“ zählt 4 Meter 85. Irle zeigt auf eine horizontal an der Empore unter der ehemaligen Orgel befestigte Trompete aus Kupferblech, die man auf zwei Armlängen zusammenschieben kann. Sie sieht schwer aus, das Material ist hauchdünn. Daneben das Gegenstück, die Instrumente werden paarweise gespielt. Auf der Orgelempore stehen außerdem seltene Instrumente aus Tibet, aus buddhistischen Klöstern und von Wandermönchen.

Ein Duett mit Schellen: Guy Stern und Rolf Irle im Forschungszentrum der Universität. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Weiter zur chinesischen, birnenförmigen Laute, eine Pipa, und zur Dàn Ty Bà aus Vietnam. „Am letzten Tag der Weltausstattung Expo in Hannover habe ich von dem Stand des Landes Vietnam die Instrumente kaufen dürfen“, freut sich Irle und spielt das hölzerne Instrument an. „Die Instrumente wurden im höfischen Kontext gespielt. Sie müssen nicht besonders laut sein, werden nicht draußen gespielt“, ergänzt Julio Mendivil. So unterschiedlich wie Instrumente weltweit seien können, es gibt nur vier Klangprinzipien. „Welcher Körper wird zum Vibrieren gebracht? Töne sind Virbrationen“, so Mendivil. Bei den Idophonen zum Beispiel, den Selbstklingern, bewegt sich der Körper selbst, schlägt aneinander und Töne entstehen. Eine andere Weise: Wenn eine Membran oder eine Saite gespannt wird und vibriert, dann kann man eine Spannung einstellen. Bei den Flöten vibriert die Luft. „Mit der digitalen Technologie gibt es Keybords und alle Möglichkeiten. Aber von Natur aus greifen wir auf wenige Grundprinzipien zurück.“

Rolf Irle fordert nun zum Lauschen auf. „Frosch!“, flüstert er. Er fährt mit einem Holzstab über einen geriffelten Holzkörper. „Zu welchem Prinzip gehört das?“, möchte Stern wissen. Zu den Selbstklingern. „Die Kinder sind begeistert davon, die hören den Frosch. In Hannover steht das Instrument auf dem Alter in Klöstern. In vielen ostasiatischen Dörfern wird es in Gottesdiensten gespielt. Wir kennen das nicht, manche sagen: Kinderspielzeug“, berichtet Irle. Die Musikethnologen um Julio Mendivil unterscheiden zwischen Musikinstrumenten und Klangobjekten. „Selbst einen Topf kann man als Trommel nutzen. Aber nicht jedes Klangobjekt ist ein Musikinstrument“, sagt der Forscher. „Da möchte ich entgegnen“, so Irle. „Jedes Ding, dass gezielt einen oder mehrere Töne hervorbringt, ist ein Instrument. Bei der heutigen Fülle werden viele Instrumente nur noch für Lärm genutzt, da müssen wir umdenken. Aber dies hier – Frosch! – ist ein Instrument.“

Julio Mendivil holt ein Objekt mit einem blau-rot-gelben Aufdruck aus den Vitrinen: Es ist nicht fürs Spielen gemacht, sondern für Touristen. Instrumente, die gebaut werden, um sie zu verkaufen. „Auch Ideen über Musik und Verhalten zählen wir zur Musik. Nicht allein das Spielen an sich. Im Konzert etwa, da wissen wir: Der erste Satz ist zu Ende, ich darf noch nicht klatschen. Das wissen wir bei anderen Kulturen nicht.“

Nachgefragt bei Professor Guy Stern: Musik kann verbinden, und trennen

Professor Guy Stern im Center for World Music der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Sie besuchen Ihre Geburtsstadt regelmäßig.

Warum bin ich hier zugegen, das ist die 1200-Jahr-Feier der Stadt Hildesheim. Als Ehrenbürger wurde ich eingeladen. Dieses Jubiläum soll auch Erinnerungen an Hildesheim wachwerden lassen, darüber spreche ich in der Volkshochschule. Ich bin in Hildesheim geboren, als Jugendlicher hier aufgewachsen. Ich bin wiedergekommen, das erste Mal 1945 als Soldat. Danach zu Vorträgen und Gastvorlesungen. Es werden Jugenderinnerungen wach. Ich habe mittlerweile freundschaftliche Verbindungen mit dem Turnverein Eintracht, die Mitgliedschaft wurde mir als Zwölfjähriger gekündigt, auf Befehl von oben: Keine Juden durften einer deutschen Organisation angehören. Ich habe es sehr positiv aufgenommen, dass der Turnverein eine Art von Wiedergutmachung angeboten hat: Eine lebenslängliche Ehrenmitgliedschaft, das habe ich angenommen.

Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben?

Ich bin Vizepräsident der Kurt-Weill-Stiftung. Das Lied, das Jederman kennt, ist die Ballade von Mackie Messer und die Dreigroschenoper, er hat ein ausgedehntes kompositorisches Erbe hinterlassen. Das ist mein Zugang zur Musik, ich komme mit großen Koryphäen, zu denen ich keineswegs zähle, zusammen. Ich wurde als Literaturhistoriker und Freund von der Witwe Lotte Lenya eingeladen, beizutreten und und versuche mich autodidaktisch auf die halbe Höhe des Ausschusses zu schwingen, der sonst aus Dirigenten und Darstellern besteht. Ich bin ein fanatischer Liebhaber von Musical Theatres. Das ist meine Liebe zur Musik.

Sport und Musik können Felder für Teilhabe sein, wo wir Gemeinschaft und Zusammenhalt erfahren können. Wir arbeiten an der Universität daran, bilden Sportlehrer aus, die Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten gemeinsam unterrichten können. Welche Erwartungshaltungen richten wir an Musik?

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht: Wie weit kann Musik uns beeinflussen, die Frage haben wir auch gerade hier am Center for World Music aufgeworfen. Kann uns Musik vereinigen, zum Beispiel im Chor? Es ist, wie man ein Instrument benutzt, man kann Musik – und alles Menschliche – zum Guten, zum Menschlichen hin benutzen, aber auch zum Unmenschlichen. Jawohl, die Musik kann uns vereinen. Aber schauen Sie, schon im Mittelalter, da gibt es einen Roman über den Heiligen Nikolaus von Kues. In diesem Roman gibt es gegenseitige Chöre, die sich ideologisch und religös entzweien. Die singen gegeneinander, das ist eine ganz mächtige Szene, und manchmal kommt zufällig eine ungewollte Harmonie zustande, man kann es nicht ganz kontrollieren. Es ist auch möglich, ungeheuer Unmenschliches zu treiben. Die Menschen, die zur Zeit des Nationalsozialismus zur Gaskammer geführt wurden, wurden begleitet von einem kleinen Orchester, denen wurde aufgespielt. Ich kenne ein Mitglied des Lasalle-Quartetts, das später berühmt wurde. Der musste als Jugendlicher diesem Orchester beitreten, das war seine Lebensrettung, hat aber ein Trauma bei ihm hinterlassen, er hat sozusagen die Leute zum Tode geblasen. Ich möchte auf diesen Gegensatz hinweisen, Musik kann uns verbinden, aber sie kann uns auch entzweien. Das Potential für Gutes steckt sowohl im sportlichen wie im musikalischen Zusammenspiel.

Aber es liegt letzten Endes bei uns, was wir daraus machen, wie wir uns verhalten. Wie auch beim Internet, das von Guten und Schlechten genutzt werden kann und nicht per se ein demokratisches Medium ist.

So ist es. Wenn ich an das Unsportliche im Sport denke, das ist nicht sauber: Es war früher ein sauberer Sport, Fouls kamen immer vor, aber es war ein sauberer Sport. Heute sehe ich mir den Frauenfussball viel lieber an. Wie roh es manchmal zugeht, einer der deutschen Weltmeister hat wenige Minuten gespielt, ein junger Läufer, jemand sprang ihm auf den Rücken – er war raus. Das ist nicht mehr der Sport. Wir haben es in unserer Hand, alle diese guten Sachen für uns benutzen zu können und daraus etwas zu bauen. Aber die Gefahr ist da, dass wir zerstören.

Um eine Brücke zu diesem Ort zu schlagen, wo wir uns gerade befinden: Es ist ein Anliegen des Center for World Music an der Stiftung Universität Hildesheim, die Instrumente nicht hinter Vitrinen zu verstecken. Sie sollen zum Einsatz kommen, man soll sie hören und über sie sprechen. Lehrer und Musiker lernen zum Beispiel in einem berufsbegleitenden Studiengang (Reportage PDF), wie sie mit der musikalischen Vielfalt in ihren Schulen und Stadtteilen umgehen können.

Es ist eine wunderbare Zufügung zur musikologischen und menschlichen Erziehung. Wir sehen hier, dass überall Instumente entstanden sind, und das Musik keineswegs ein Monopol Europas ist. Wir sehen, dass die Begeisterung für Musik die Leute zum Kreativen geführt hat. Rolf Irle erzählte zum Beispiel, dass die ausübenden Künstler sich oft ihre Instrumente selbst gebaut haben. Ich finde es großartig, dass die Universität Hildesheim diese Instrumentensammlung erworben hat und dass sie es zeigen kann, wenn ein in Afrika gespieltes Instrument eine Ähnlichkeit besitzt zu einem Instrument in Australien. Das zeigt, es ist ein menschliches Bedürfnis, sich kreativ – denn das ist es ja, die Musik –, sich kreativ auszuüben.

Die Fragen stellt Isa Lange.

Zur Person

Professor Guy Stern ist 1922 in Hildesheim geboren, als Jugendlicher musste er die Stadt verlassen und emigrierte 1937 in die USA. Seine Familie wurde 1942 nach Warschau deportiert. Guy Stern lehrte an Universitäten in New York und Detroit. Er ist Direktor des Holocaust Memorial Center.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim, Isa Lange, 05121.883-90100 und presse[at]uni-hildesheim.de

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Lehrerbildung Bildungsintegration
news-9252 Sat, 06 Dec 2014 06:54:00 +0100 UNESCO-Musikstadt: Schnittmengen suchen und in Musik investieren https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/unesco-musikstadt-schnittmengen-suchen-und-in-musik-investieren/ Eine Stadt findet ihren Rhythmus: Hannover wurde von der UNESCO als City of Music ausgezeichnet. Was steckt dahinter, ist das mehr als ein Stempel auf dem Briefkopf? Die Auszeichnung als Musikstadt kommt auch in Hildesheim an. Nachgefragt bei Kulturpolitikern und Musikethnologen. Anfang Dezember 2014 wurde die niedersächsische Landeshauptstadt von der Kulturorganisation der Vereinten Nationen als City of Music ausgezeichnet. Die Stadt Hannover hat sich mit einer Kombination aus musikalischer Vielfalt, musikalischer Bildung und Musikwirtschaft beworben und reiht sich nun ein in das Netzwerk der „kreativen Städte", zwischen Bogota, Bologna und Sevilla. Hannover ist die Stadt, in der die Schallplatte erfunden – Emil Berliner hat vor 125 Jahren die Deutsche Grammophon gegründet –, die erste Musikkassette produziert und die erste CD gepresst wurde. Im digitalen Zeitalter nicht mehr wegdenkbar: Auch das MP3-Format wurde von einem Hannoveraner mitentwickelt.

Die Auszeichnung als Musikstadt kommt auch in der umliegenden Region an. Etwa in Hildesheim. Das sei eine große Ehre für die Stadt Hannover, vor allem aber eine Herausforderung, meint Professor Wolfgang Schneider. Den Titel könne man als Auftrag verstehen, Investitionen in Musikschulen und Musikunterricht auf den Weg zu bringen und Räume für die Kreativen zu finden (lesen Sie mehr im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 06.12.2014). Er beobachtet kulturpolitische Entwicklungen in ländlichen Regionen und Großstädten und wie Kultur zum Wirtschaftsfaktor wird. Schneider gehört seit zwei Jahren selbst zum UNESCO-Netzwerk, ist Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“ (Kulturpolitik für die Künste innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse), angesiedelt am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Seine Arbeitsgruppe geht zum Beispiel der Frage nach, welche Rolle Künstler in politischen Umbrüchen in Nordafrika spielen und unter welchen Rahmenbedingungen sie arbeiten.

In der Kulturpolitik, so Schneider, bietet es sich an, konzeptbasiert vorzugehen: Für die Bewerbung bei der UNESCO hat Hannover eine Bestandsaufnahme gemacht. Der musikalische Herzschlag wurde also erfasst, der Klangkörper Hannover gescreent. Die Stadt sollte weiter herausarbeiten, wo Stärken und Desiderate liegen. „Es ist ein Abwägen zwischen Hochkultur und der Breite, zwischen Spitzenleistungen und kultureller Bildung. Man kann zweigleisig fahren. Es geht nicht allein um Geld, Spitzenleistungen können auch durch Veranstaltungsmanagement Anerkennung erfahren", so der Kulturpolitikprofessor. Indem man hört, was ist. „Es ist absolut notwendig, dass die City of Music zur City of People of Music wird, dass die Menschen eingebunden werden. Ein Weg kann sein, von Anfang an darauf zu setzen, dass Musik zum Alltag gehört. Das fängt im Kindergarten an."

Warum nicht diesen Weg einschlagen: Jede Erzieherin und jeder Erzieher, der in Hannover eingestellt wird, muss ein Instrument spielen können, so Wolfgang Schneiders Vorschlag. Chancen sieht er auch im Ganztagsschulbereich, die Musik im Schulalltag Hannovers zu stärken und gegenwärtiges Kindermusiktheater zu etablieren.

„Mit dem Label UNESCO City of Music sollte man nun Schnittmengen zwischen den vielen Einrichtungen und Kulturschaffenden stärker suchen, das Netz der Creative Cities beleben und gemeinsame Programme gestalten", schlägt Professor Raimund Vogels vom Center for World Music der Hildesheimer Universität vor. Die Möglichkeiten, sich nun mit den anderen Städten wie zum Beispiel Hamamatsu in Japan auszutauschen, seien äußerst wertvoll. Die musikalische Vielfalt müsse auch stärker in Schulen und Stadtteilen aufgegriffen werden, so Vogels. Die Hildesheimer Uni, die Musikhochschule in Hannover und die Stiftung Niedersachsen arbeiten in dem musikethnologischen Forschungszentrum seit fünf Jahren zusammen, das auch in der Bewerbung um den UNESCO-Titel mit aufgeführt wurde.

Entstanden ist zum Beispiel ein berufsbegleitender Studiengang. Berufstätige, darunter Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Musiker, Tontechniker und Polizisten, lernen, wie sie die musikalische Vielfalt in ihrer Arbeit in Schulen, Kitas, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen können. Einige der 20- bis 60-jährigen Studentinnen und Studenten haben türkische, iranische, marokkanische und russische Wurzeln. In den zwei Studienjahren lernt jeder Student ein Instrument aus einem anderen Kulturkreis als dem eigenen und setzt ein Praxisprojekt in der Region um. „Es freut uns, das die Kulturelle Vielfalt eine wichtige Kernaussage der Bewerbung Hannovers ist. Denn die Vielzahl der Kulturen, die in unserer Gesellschaft leben werden hier als Bereicherung erkannt. Anerkennung und Wertschätzung der Musik ist ein wichtiger Beitrag für die Integration. Wir arbeiten bereits stark an der Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Förderung und zum Erhalt der Kulturellen Vielfalt in der Region", berichtet Morena Piro, die den Studiengang mit aufgebaut hat.

Daran knüpft Kulturpolitikprofessor Schneider an: Hannover ist eine multikulturelle Stadt mit vielen musikalischen Sprachen. Über die Städtepartnerschaften, etwa nach Blantyre in Malawi, kann die Stadt Beziehungen zu anderen musikalischen Sprachen ausbauen und pflegen.

Wo endet eine Musikstadt eigentlich – dazu Schneider: Eine Großstadt wie Hannover hat immer auch Verpflichtung für die Region. In Kultureinrichtungen gehen auch Bürger, die nicht aus Hannover kommen.

Info: Musikalische Vielfalt – Was ist das Center for World Music?

Das 2009 gegründete Center for World Music versteht sich als Kompetenzzentrum der Musikethnologie an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit. In Kooperation von Universität Hildesheim und Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover widmet es sich in Forschung, Lehre und öffentlichen Veranstaltungen den Musikkulturen der Welt. Das Center for World Music beheimatet umfangreiche Tonträger und Instrumenten- Sammlungen. Dazu zählt das „Music of Man Archive" des Musikethnologen Professor Wolfgang Laade, eine Leihgabe der Stiftung Niedersachsen mit etwa 45.000 Tonträgern, 10.000 Büchern und 1.000 Musikinstrumenten. Eine der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Instrumente kommt in der Lehrer- und Erzieherausbildung in Hildesheim zum Einsatz. Die Sammlung Rolf Irle umfasst über 3000 Musikinstrumente. Im Saal des Center for World Music werden etwa 1.000 Objekte als Dauerausstellung gezeigt. In Forschungs- und Digitalisierungsprojekten ist das Center for World Music international ausgerichtet und verfügt über enge Kooperationsbeziehungen mit Musiksammlungen unter anderem in Kairo, Teheran, Accra und Maiduguri. „Das Center for World Music steht für die musikalische Vielfalt und wir freuen uns mit Botschafter für die UNESCO City of Music zu sein. Wir wünschen uns künftig, gerade im Bereich der Vermittlung, mit unseren Angeboten noch mehr wirken zu können und die Kooperationen mit den Partnern Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Pavillion, Musikzentrum und vielen anderen zu stärken", sagt Raimund Vogels.

Lesetipp – Mehr zum Thema in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:

„Was wird hier gespielt? Aufmerksamkeit als Währung: Warum ist Hannover City of Music geworden? Weil die Stadt es will / Nachgefragt bei Wolfgang Schneider, Professor für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim", Interview, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 06.12.2014 (print)

]]>
Pressemeldungen Kulturpolitik Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-9170 Fri, 21 Nov 2014 20:04:00 +0100 Vielstimmig: Die Welt der Töne https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/vielstimmig-die-welt-der-toene/ Wir sollten kulturelle Vielfalt in der musikalischen Bildung ernst nehmen. In Wohnzimmern, Stadtteilen und Schulen gibt es mehr Klänge als Klavier, Gitarre und Flöte. Warum weiß die Gesellschaft die musikalische Vielfalt nicht mehr zu schätzen? Musik kann Menschen aus unterschiedlichen Ländern verbinden – wie das geht, lernen Lehrer, Erzieher und Musiker an der Hildesheimer Universität. Die Stiftung Niedersachsen unterstützt das Programm. Beim Tag der Hausmusik zeigen Studierende, was in der Vielfalt steckt, kombinieren zum Beispiel Geige und Santur. Nicht nur sprachlich, auch musikalisch tut sich Einiges auf unseren Schulhöfen. Die musikalische Vielfalt werde bisher aber zu wenig beachtet, sagt Dr. Gesa Schönermark von der Stiftung Niedersachsen. „Mit der und durch die Musik können wir viele Brücken bauen und Chancen eröffnen. Daher werden wir Menschen fördern, die neue Wege gehen", so Schönermark.

Die Stiftung Niedersachsen unterstützt mit 100.000 Euro den zweiten Jahrgang des berufsbegleitenden Studienprogramms am Center for World Music an der Universität Hildesheim: In dem auf zwei Jahre angelegten Weiterbildungsstudiengang lernen je Jahrgang etwa 30 Berufstätige, wie sie die musikalische Vielfalt in ihrer Arbeit in Schulen, Kitas, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen können. Sie lernen, wie sie eine Grundhaltung fördern können, die geprägt ist vom Respekt jeder Musik gegenüber. Einige der 20- bis 60-jährigen Studenten haben türkische, iranische, marokkanische und russische Wurzeln.

„Man kann auch musikalisch mehrsprachig leben", sagt der Musikethnologe Professor Raimund Vogels. Unter den Studierenden sind Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Musiker, Tontechniker und Polizisten. Sie lernen im Studium ein Instrument zu spielen, das nicht aus dem eigenen Kulturkreis stammt. So arbeitet sich eine 56-Jährige Bratschistin in Tonalitäten und Rhythmen der persischen Kniegeige, Kamancheh, ein und ein 53-jähriger Musikschulleiter aus Stade spielt seit dem Studium das türkische Zupfinstrument Baglama. „Musik ist eine emotionale Kraft – sie kann Verständigung fördern aber auch trennend wirken und wird in Konflikten eingesetzt. Musik läuft nicht nur nebenher", sagt Vogels. Der Kanon in Schulen sei „auf europäische Instrumente und wenige Werke reduziert". Das Studienprogramm soll dies ändern, Multiplikatoren ausbilden und interkulturelle Musikprojekte vor Ort entwickeln.

Tag der Hausmusik

Am Samstag, 22. November 2014, feiert Niedersachsen den Tag der Hausmusik. Die Landesmusikakademie Niedersachsen und der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" der Stiftungsuniversität Hildesheim gestalten diesen Tag interkulturell und laden Interessierte in die Villa Seeliger in Wolfenbüttel ein. Von 12:00 Uhr bis 17:00 Uhr gibt es Konzerte, Gespräche und Führungen. Die erklingende Hausmusik ist kulturell vielfältig und reicht von türkischen über persische bis zu westafrikanischen Klängen. Zuhörer können wenig bekannte Instrumente und deren typischen Einsatz kennenlernen. Wer seine Stimme oder sein Lieblingsinstrument im Gepäck mitbringt, ist für einen spontanen hausmusikalischen Beitrag herzlich willkommen. Der Tag ist Teil der landesweiten Aktion „Heimvorteil" von Musikland Niedersachen (www.heimvorteil-niedersachsen.de).

Lesetipp: Handlungsempfehlungen zu Musik, Vielfalt und Integration

Fachleute haben Handlungsempfehlungen erarbeitet, wie die Musikpolitik in Deutschland stärker als bisher an der UNESCO Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen ausgerichtet werden sollte. Die Experten fordern unter anderem, die Lehramtsausbildung um interkulturelle Schwerpunkte als verpflichtende Bestandteile zu erweitern und die Musiklehrerausbildung um das Erlernen einer „fremden“ musikkulturellen Sprache zu ergänzen. In allen Feldern des Musiklebens sind Haltungen erforderlich, „die von Respekt jeder Musik gegenüber geprägt sind“.

„Musik.Vielfalt.Integration – Zeit zu handeln“ (PDF)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Zentrum für Bildungsintegration MA KDmB - musik.welt Bildungsintegration
news-9078 Tue, 04 Nov 2014 17:54:00 +0100 Wie wir zusammenleben: Vielfalt in Bildungseinrichtungen in Israel und Deutschland https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-wir-zusammenleben-vielfalt-in-bildungseinrichtungen-in-israel-und-deutschland/ Worte und Klänge verbinden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Haifa und Hildesheim. Nach dem Austausch über Forschungsmethoden in Hildesheim geht es weiter nach Berlin: In der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erfahren sie mehr über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Mit der Jungen Islamkonferenz kommen sie über den Islam als drittgrößte Religion in Deutschland ins Gespräch. Mit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus sprechen sie über Bildungsmaterialien in der Einwanderungsgesellschaft. Instrumente haben nun einmal die Eigenschaft, zu klingen. Nach einer Stunde Rundgang durch die Räume der ehemaligen Timotheuskirche drängt sich ihr Wesenszug immer stärker auf – von Professor Raimund Vogels erfahren die israelischen und deutschen Forscherinnen und Forscher zunächst mehr über die Digitalisierung von Musikarchiven, etwa in Ägypten und Iran. Vogels gibt Einblicke in Forschungsmethoden und berichtet vom Interesse der Musikethnologen, mehr darüber zu erfahren, warum Menschen Musik lieben oder sie ablehnen und wie Musik Aggressionen auslösen oder überwinden kann.

An diesem Novembertag sitzen 20 Nachwuchswissenschaftler inmitten von Glasvitrinen. Darin: eine der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Musikinstrumente. Der ehemalige Lehrer Rolf Irle hat die Klangkörper in 50 Jahren zusammengetragen – und der Universität gestiftet, unter der Bedingung, dass sie zugänglich ist, in der Lehrerausbildung zum Einsatz kommt und erforscht wird. Dazwischen: ein Stuhlkreis. Ob die Instrumente noch klingen, fragt ein junger Israeli. Raimund Vogels vom Center for World Music der Universität Hildesheim spürt die große Neugier im Raum, den Instrumenten ihre Klänge zu entlocken. Was kann man da anderes tun, als die Türen der Vitrinen zu öffnen? Und schon landen die Klangkörper in Händen, an Mündern, auf Oberschenkeln; Töne einer Kurzhalslaute erklingen. Herzliches Lachen, intensive Gespräche, Klänge – ein drei Monate junges Kind einer israelischen Forscherin lässt sich davon nicht beunruhigen und gluckst in die Runde.

Im Gespräch: Erziehungswissenschaftlerin Viola B. Georgi

Seit einem Jahr läuft das Forschungsprojekt der Universitäten Haifa und Hildesheim. Die israelischen und deutschen Wissenschaftler aus den Bereichen Pädagogik, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft, Geographie und Soziologie befassen sich mit Vielfalt in Bildungseinrichtungen und wie wir zusammenleben. Sie gehen in Jugendclubs, Schulen, Theater und Stadtteilversammlungen, länderübergreifend bilden sie Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Isa Lange sprach mit der Hildesheimer Professorin Viola Georgi. Gemeinsam mit ihrem Kollegen aus Haifa, Professor Yotom Hotam, leitet sie das Projekt „Diversity in Israel und Deutschland", das von der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum gefördert wird.

Einige untersuchen die Wirkung von Integrationskursen, andere werten mehrsprachige Schulprogramme aus und untersuchen am Beispiel russischsprachiger Einwanderer, wie Schulen und Eltern zusammenarbeiten. Zeigen die empirischen Forschungsarbeiten in Ihrem Projekt, wie Vielfalt und Interkulturalität im Alltag angekommen sind?

Viola Georgi: Die Arbeiten zeigen den Alltag gelebter Vielfalt in Deutschland und Israel. Sie zeigen aber auch, wo es Grenzen und Friktionen gibt. Das hat viel mit dem historischen Gewordensein und dem politischen Selbstverständnis zu tun. Wir erfahren – mit einem durch die Forschungsprojekte fokussierten Blick – wie Diversity in beiden Gesellschaften konkret verhandelt wird. Zugleich ist spannend, wie die unterschiedlichen theoretischen und methodischen Zugangsweisen der Promovierenden diese Vielfalt thematisieren und sichtbar machen. Wie werden Muslime und der Islam in israelischen Schulbüchern repräsentiert? Wie können traditionelle religiöse Lebensentwürfe jüdisch-orthodoxer Frauen feministisch gelesen werden? Wie sehen Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund die schulische Praxis in der Einwanderungsgesellschaft? Welche reformpädagogischen Konzepte eignen sich besonders für den Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft? Neben der Diskussion über den theoretischen und methodischen Zuschnitt der Forschungsprojekte, ermöglichen „field trips“ vor Ort einen praktischen und direkten Blick auf die Forschungsfelder.

In der aktuellen Forschungswerkstatt befassen Sie sich mit dem Thema „Bildungsdilemma in Zeiten von Konflikten". Was ist damit gemeint?

Viola Georgi: Hier geht es unter anderem darum, Probleme und Dilemmata von  Bildungsinstitutionen in Krisenregionen – insbesondere mit Blick auf den Nahostkonflikt – zu diskutieren. Wie werden Krieg und Konflikt in den Schulen und Bildungseinrichtungen „freiwillig“ oder „unfreiwillig“ zum Thema gemacht? Wie gehen Lehrerinnen und Lehrer mit dieser Situation um? Welche Konzepte von civic education können hier unterstützend wirken?

Dann geht es weiter nach Berlin. Was ist in der Antidiskriminierungsstelle des Bunds und bei der Jungen Islam Konferenz geplant?

Viola Georgi: Die Teilnehmenden werden die vielfältigen Arbeits- und Handlungsfelder der Antidiskriminierungsstelle des Bundes kennenlernen und erfahren, wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (2006) in Deutschland umgesetzt wurde. Mit der Jungen Islamkonferenz wollen wir über den Islam als drittgrößte Religion in Deutschland ins Gespräch kommen. Mit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus werden wir unter anderem Bildungskonzepte und Materialien diskutieren, die den Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft aufgreifen. 

Sie kombinieren die Diskussion und den Austausch über Forschungsmethoden mit einem Kulturprogramm, das auch ein Statement ist: Sie tagen im Center for World Music der Universität Hildesheim zwischen Klangkörpern, eine der größten Sammlungen außereuropäischer Musikinstrumente. Und im Berliner Gorki-Theater werden Sie das Stück „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen” anschauen. Das Haus wurde gerade unter der Leitung von Shermin Langhoff und Jens Hillje, ein Absolvent der Hildesheimer Kulturwissenschaften, als Theater des Jahres ausgezeichnet und bringt ein Programm auf die Bühne, das den vielfältigen Biographien der Stadt gerecht zu werden versucht. Welche Rolle spielen diese gemeinsamen Begegnungen im Forschungsprozess und für das länderübergreifende Projekt?

Viola Georgi: Die Auseinandersetzung mit kultureller Bildung ist uns im Rahmen des Austauschs sehr wichtig. Sowohl das Center for World Music mit seinen spannenden musikethnologischen Projekten, als auch der Besuch des Gorki-Theaters bieten eine Möglichkeit gemeinsam, über diversitätsbewusste, rassimuskritische und postmigrantische künstlerische Praxis nachzudenken.

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher (Bilder unten) aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher (Bilder unten) aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher (Bilder unten) aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-8530 Mon, 30 Jun 2014 18:27:00 +0200 Rolle von Musik in der Gesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/rolle-von-musik-in-der-gesellschaft/ Musik spielen, um Konflikte zu lösen, um Kulturerbe zu erhalten, um Freiraum zu schaffen. Drei junge Forscher geben Einblicke, woran sie derzeit arbeiten. Der musikethnologische Nachwuchs trifft sich einmal im Jahr an der Uni Hildesheim. Philip Bohlman von der Universität Chicago sagt: „Das Spektrum der Forschungsarbeiten ist breiter geworden. Gerade für die jungen Forscher, die aus allen Ecken der Welt kommen, ist der fachliche Austausch wichtig. Das Center for World Music hat eine besondere Anziehungskraft." „Musikethnologen haben direkten Kontakt zur Gesellschaft, beobachten Alltag. Ihnen wird in der Feldforschung sehr bewusst, welche Rolle Musik in der Gesellschaft spielen kann“, sagt Thomas Hilder, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for World Music der Uni Hildesheim. Fast 90 junge Musikethnologen hatten sich beworben, um Ende Juni 2014 beim sechsten internationalen Doktorandenworkshop in Hildesheim dabei zu sein, ein Viertel erhielt eine Zusage, um ihre Forschung vorzustellen und zu diskutieren. „Es geht in diesem Jahr zum Beispiel um indische Casting-Wettbewerbe, bei denen Jugendliche versuchen, zwischen Tradition und Individualismus eine Balance zu finden. Sie machen die Stimmen von Vorbildern nach und versuchen doch ihren eigenen Stil zu entwickeln, wie Annar Desai-Stephens zeigt. Andere Forscherinnen, etwa Stephanie Vos, befassen sich mit Migration und Musik und untersuchen etwa die Lebenslagen von südafrikanischen Jazzmusikern, die seit 1960 nach London auswanderten und sich hier auch musikalisch positionierten“, so Thomas Hilder, der nach seiner Promotion an der University of London nach Hildesheim übersiedelte und hier den musikethnologischen Forschungsnachwuchs stärken möchte. Diler Özer Efe von der Istanbul Technical University untersucht anhand von Interviews und Aufnahmen, wie sich die Musikkultur seit den 1970er Jahren im Vergleich zum politischen Wandel in der Türkei verändert hat und welche Rolle oppositionelle Musiker spielen.

„Über die Jahre hat sich das Themenspektrum erweitert, die Entwicklung ist vielversprechend, Hildesheim hat für die jungen Forscherinnen und Forscher eine besondere Anziehungskraft. Hier können sie plaudern, sich fachlich austauschen“, sagt Philip Bohlman, Professor für Musikwissenschaft an der Universität Chicago. Er dreht sich schwungvoll um, blickt über die Schulter und strahlt. „Darum geht’s!“ Hinter ihm wuselt es – persönliche Gespräche statt bloß E-Mail-Kontakt. Es ist Pause, der Marathon beginnt um 9:00 Uhr, endet täglich am späten Abend. Die Pausen sind goldwert, um einander besser kennen zu lernen. „Die Wissenschaftler kommen wie bereits im Vorjahr aus allen Ecken der Welt, so entsteht ein gemeinsamer Fachbereich, denn uns verbinden ähnliche Fragen“, sagt Bohlman. Von traditionell bis populär, über Jazz und Klassik – nicht ein bestimmtes Thema steht im Fokus, stattdessen bietet die Universität Raum, um sich über theoretische und methodische Herausforderungen auszutauschen. Dabei wird der Nachwuchs von Musikethnologen, darunter die beiden Direktoren des Center for World Music, Professor Raimund Vogels und Julio Mendívil, begleitet. Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) und die Universität Hildesheim organisieren den Doktorandenworkshop einmal pro Jahr gemeinsam. So entsteht ein weltweites Netzwerk von Nachwuchswissenschaftlern.

Gespräche mit Komponisten, DJs und Publikum in Mazedonien

Woran und wie arbeiten Musikethnologen – Dave Wilson, Leila Qashu und Cassio Nobre sind Teil des diesjährigen Doktorandenworkshops und geben Einblicke in ihre Forschung. Was er besonders an der musikethnologischen Forschung schätzt, ist die Flexibilität, sagt Dave Wilson von der University of California in Los Angeles. „Ich zeichne Interviews auf, frage Musiker, Komponisten, DJs, das Publikum und Club-Besitzer, welche Rolle Musik in ihrem Leben spielt.“ Derzeit befasst er sich viel mit den Grenzen und Möglichkeiten von „participant-observation“, also „teilnehmender Beobachtung“. Sein Feldlabor liegt in Mazedonien. „Ich verbringe die Zeit mit Menschen und beobachte, wie und warum verschiedene Dinge eine Bedeutung für sie haben. In der Regel notiere ich meine Beobachtungen noch spät in der Nacht, um sicherzustellen, dass ich nichts vergesse.“ Er konzentriert sich, etwa in der Hauptstadt Skopje, auf „Ethno-Bands“, die Folk und Pop mixen, auf Jazz, House und Techno sowie neue klassische Kompositionen. Mittlerweile hat Dave Wilson eine Menge Material in dem südosteuropäischen Land angesammelt, aufgezeichnete Interviews und Notizen, um herauszufinden, welche Bedeutung Musik für die Menschen hat. „Ich bin selbst Musiker, so habe ich beschlossen, dass die musikalische Zusammenarbeit Teil meiner Forschung wird. Indem ich mit Jazzmusikern, traditionellen Musikern und DJs in Tonaufnahmen und Live-Auftritten zusammenarbeitete, komme ich in die Lage, die Musik in einer anderen Art und Weise zu verstehen, als ich es durch Fragen und Beobachtungen erfassen könnte.“

In Mazedonien arbeitet der ausgebildete Saxophonist Dave Wilson mit Jazzmusikern zusammen. „Es ist faszinierend, mit ihnen zu sprechen, zu spielen und von ihnen zu lernen.“ Einige mazedonische Musiker haben Jazz in Amerika studiert, andere in Österreich, nur wenige in Mazedonien. Das Musik- und Bildungsumfeld beeinflusse die Kreativität der Musiker maßgeblich, so Wilson. An der Universität Hildesheim verbringt er einige Tage Forschungsaufenthalt, „um die Arbeiten anderer Wissenschaftler zu entdecken, die in einem ähnlichen Stadium der Forschung sind, und um vom Erfahrungsreichtum und Wissen der älteren Forscher zu lernen“. Und, natürlich, um die Fußball-Weltmeisterschaft – vor allem das Spiel USA gegen Deutschland – zu sehen.

Musikrituale in Äthiopien, um Konflikte zu lösen

Musik, um Konflikte zu lösen? Leila Qashu untersucht, wie Frauen in Äthiopien, die Gruppe der Arsi Oromo, die Kraft von Musik und Klängen nutzen, um sich gegen Unterdrückung und Missbrauch zu wehren und Konflikte friedlich zu lösen. Dabei analysiert sie in ihrer Doktorarbeit „Towards an Understanding of Justice and Human Rights: Women's Musical Rituals in Ethiopia as Conflict Resolution" das spirituelle und musikalische Ritual „Ateetee“.

„Die Frauen leben in einer politisch männlich dominierten Gesellschaft, sie nutzen musikalische Rituale, um Wiedergutmachung zu verlangen. Wenn eine Frau missbraucht und in irgendeiner Weise entehrt wurde, ob mündlich, körperlich oder psychisch, versammelt sie sich mit anderen Frauen vor dem Haus des Täters“, so Leila Qashu. Am Ende des Gesangsrituales erwarten sie vom Täter eine Entschuldigung. Die Musikethnologin der nordamerikanischen University of Newfoundland hat Jahre in äthiopischen Gemeinden verbracht, um die Rituale zu dokumentieren und mit den Arsi-Frauen, Teilnehmern, Gemeindemitgliedern, Regierungsbeamten für Kultur- und Frauenfragen und religiösen Führern zu sprechen. „Diese Art der lokalen Justiz ist oft erfolgreich, weil viele Menschen vor Ort in den Prozess eingebunden werden. Sie versuchen so Frieden zu schaffen.“ Leila Qashu berichtet in Hildesheim aus der Feldforschung, die sie in Filmaufnahmen festgehalten hat: „In einem Geschäft in der Stadt geriet ein Mann in einen Streit mit einer Frau, er beleidigte sie. Sie rief den Rat der Frauen, im Lauf des Tages versammelten sich über 200 Frauen vor dem Haus des Mannes, um die Betroffene zu unterstützen.“

Forschung teilen, kritische und konstruktive Rückmeldungen empfangen"

Für die junge Wissenschaftlerin ist der Doktorandenworkshop im Hildesheimer Forschungszentrum „eine unglaublich gute Möglichkeit, um mit jungen und etablierten Wissenschaftlern über Forschungsprojekte zu diskutieren“. „Ich bin sehr dankbar, es ist eine fantastische Gelegenheit, um meine Forschung zu teilen, um kritische und konstruktive Rückmeldungen zu empfangen“, sagt Leila Qashu. Dabei sei die Teilnahme für sie eine Ehre. „Dass ich unter den Bewerbern ausgewählt wurde, spornt mich an. Das Stipendium ist auf höchstem Niveau. Im Verlauf einiger Tage sind wir zu einer kleinen internationalen Gemeinschaft zusammengewachsen. Ich möchte den Kontakt nun weiter halten und die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren ausbauen“, sagt Leila Qashu.

Auch Cassio Nobre nutzt das Zusammenkommen in Hildesheim, um Kollegen aus anderen Orten der Welt kennen zu lernen. „Es ist sehr inspirierend und ich erfahre mehr darüber, wie sie mit ähnlichen Fragen und Herausforderungen umgehen.“ Der Doktorand der Musikethnologie an der University of Bahia in Brasilien untersucht, welche Maßnahmen wirken, um ein traditionelles handgefertigtes Instrument, die „viola machete“, zu erhalten. Er beobachtet Entwicklungen in der Politik und warum sich einige Samba-Spieler entscheiden, das Instrument wieder in ihren Ensembles professionell einzusetzen. Seit etwa zehn Jahren befasst sich Cassio Nobre in der Region Recôncavo Baiano, wo er aufgewachsen ist und lebt, mit traditionellen Varianten der brasilianischen Samba – „Samba de Roda" und „Samba Chula". „Als Forscher erlebe ich den Alltag in ländlichen Gemeinden, erstelle Musik- und Videoaufnahmen und stehe im engen Kontakt zu den meist älteren Menschen. Die Arbeit ist komplex und fordert einen großen Zeiteinsatz, auch um die Freundschaft zu erhalten, die zwischen mir und den Menschen, die ich beobachte, entstanden ist. Ich möchte den Kontakt halten, auch wenn das Forschungsprojekt abgeschlossen ist“, erzählt Cassio Nobre. Derzeit schreibt er Artikel, um seine Überlegungen über die Wechselwirkungen zwischen traditioneller Musik und zeitgenössischen Welt festzuhalten.

Wer sich für musikethnologische Forschung interessiert, kann Dr. Thomas Hilder vom Center for World Music kontaktieren (E-Mail cwm_hilder[at]uni-hildesheim.de).

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-7375 Thu, 07 Nov 2013 16:25:00 +0100 Zeit zu handeln https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/zeit-zu-handeln/ Fachtag in Berlin: Sachverständige aus Wissenschaft, Politik, Musik und Verbänden erarbeiten praktische Handlungsempfehlungen für Integration durch Musik. Es geht um die Umsetzung der UN-Konvention zur kulturellen Vielfalt und um das Potenzial, das die interkulturelle Musikszene für die Integrations- und Bildungsarbeit in Deutschland hat. Sachverständige aus Wissenschaft, Politik, Musik und Verbänden erarbeiten praktische Handlungsempfehlungen für Integration durch Musik. Sie kommen am Donnerstag, 14. November 2013, auf einem Fachtag der Stiftung Niedersachsen in der Berliner Landesvertretung zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Potenzial, das die interkulturelle Musikszene für die Integrations- und Bildungsarbeit in Deutschland hat. Wissenschaftler der Universität Hildesheim, die im Bereich Bildung und Einwanderung forschen, sind beteiligt.

Der Tag beginnt mit einer nicht öffentlichen Expertenrunde. Ab 14:30 Uhr ist die Tagung öffentlich. Der Präsident der Deutschen UNESCO Kommission, Walter Hirche, und Generalsekretär Joachim Werren von der Stiftung Niedersachsen führen in das Thema ein. Danach diskutieren Tabea Rößner, Medienpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen; Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats; Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music der Universität Hildesheim, und die Musikerin Denise M‘Baye über die Förderung der Kulturellen Vielfalt in Deutschland. Stefan Lang von Deutschlandradio Kultur moderiert diese Podiumsdiskussion. Um 16:00 Uhr erfolgt die Präsentation der Handlungsempfehlungen.

Auf einem Projektemarkt stellen sich außerdem Projekte aus ganz Niedersachen vor, die Beispiele sollen zur Nachahmung anregen: So werden Schülerinnen und Schüler aus Haupt- und Realschulen von der LAG Rock zu HipHop-Mentoren ausgebildet, sie leiten Jugendgruppen an ihren Schulen. In Braunschweig haben Flüchtlinge 2011 das Ensemble „Pepinos“ gegründet. Sie verzichten auf elektronische Instrumente und wollen mit ihrer Initiative den Kontakt zwischen Flüchtlingen, Migranten und Deutschen fördern. Die Musiker kommen aus Haiti, Ukraine, Kasachstan, Iran, Deutschland und der Elfenbeinküste. Mit den Lebenswegen von aus Russland zugewanderten Deutschen befasst sich der Frerener Freundschaftschor im Emsland. Der Wettbewerb „Creole“ fördert die Vielfalt der Musiktraditionen und ist ein Spiegelbild Deutschlands im 21. Jahrhundert. Über 300 Bands zeigen seit 2006 in acht Regionen, wie Migration und Kulturkontakt sie musikalisch beeinflusst haben.

Am Nachmittag zeigen Musikerinnen und Musiker ihre interkulturellen Beiträge in einem Wandelkonzert, darunter Erzieher, Musiker und Lehrer aus dem Hildesheimer Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“. Sie lernen berufsbegleitend, wie sie die musikalische Vielfalt in ihrer Arbeit in Jugendzentren, Stadtteilen, Schulen und Kitas aufgreifen können. Jeder Student erlernt ein Instrument aus einem anderen Kulturkreis und entwickelt ein Praxisprojekt. 2014 startet der zweite Jahrgang. Bewerbungen sind noch im November möglich (bei Morena Piro, piro@musikwelt-niedersachsen.de).

Der Deutsche Musikrat, die Deutsche UNESCO Kommission, Musikland Niedersachsen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim sind am Fachtag „Musik.Vielfalt.Integration“ beteiligt. Mehr als 150 Fachleute werden in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin erwartet.

Anmeldungen sind online möglich und erforderlich (www.musikvielfaltintegration.de). Der Fachtag „Musik.Vielfalt.Integration“ findet am 14. November 2013 von 13.00 bis 19.00 Uhr in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund statt (In den Ministergärten 10, 10117 Berlin).

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Bildungsintegration Lehrerbildung
news-7262 Thu, 31 Oct 2013 11:46:00 +0100 Orientalismus in populärer Musik https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/orientalismus-in-populaerer-musik/ In der Literaturwissenschaft, in politischen Debatten, Musikkritiken – Edward Said hat Spuren hinterlassen. Zehn Jahre nach seinem Tod befassen sich Musikwissenschaftler an der Universität Hildesheim auf einer Konferenz mit dem Wirken Saids. In Vorträgen und Live-Performances geht es um die Frage, wie Musik das „kulturell Andere“ schafft. 1935 in Palästina geboren, dort und in Ägypten aufgewachsen. Kein Muslim, sondern Christ. In den USA ein anerkannter Forscher in Princeton, Harvard und zuletzt an der Columbia-Universität aber als Araber gesehen. „Edward W. Said konnte und wollte nicht platznehmen auf den ihm zugewiesenen Stühlen. Das lernen wir aus seinen Schriften, auch aus seinen Vorstellungen über Musik. Es geht nicht darum, Identitäten zu produzieren sondern eher um ein Stadium der Desorientierung und des Dazwischen“, sagt Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt, Musiksoziologe an der Universität Hildesheim. „Ohne Ort zu sein, dieses Gefühl scheint ihn geprägt zu haben. Das reizt uns an Saids Theorie. Wir haben keinen Kern.“

Schulerfahrungen – vor allem Fremdheitserfahrungen – haben Said beschäftigt. „Ich hatte zu tun mit Lehrern, die eine andere Sprache sprachen, für die Zu Hause etwas anderes bedeutete als für mich. In meiner ersten Schule sagten sie: 'Wir gehen über den Sommer nach Hause.‘ Und ich fragte mich, was das eigentlich bedeutete, wohin sie gehen. Ich bin hier nicht wirklich zu Hause. Ich bin kein Ägypter. Wo ist dann eigentlich mein Zu Hause?“, sagte Said kurz vor seinem Tod in einem Interview.

Edward Saids viel rezipiertes Buch Orientalism (1978) gilt als ein Gründungsdokument Postkolonialer Theorie. Mit dem Dirigenten Daniel Barenboim gründete der Kulturtheoretiker das West-Eastern Divan Orchestra. In Hildesheim untersuchen die Forscher, wie Welt und Kulturen in populärer Musik „vorgestellt“ und exotistische Weltvorstellungen produziert werden. Welche Formen kennt die populäre Musik für Mehrdeutigkeit und Ambivalenz?

Das Symposium „Popular Orientalism(s). In Erinnerung an Edward Said als Musikkritiker“ befasst sich vom 7. bis 9. November 2013 an der Universität Hildesheim mit zeitgenössischer populärer Musik und Fragen nationaler oder kultureller Repräsentation. „Subtile Vorstellungen und Klischees des ‚Orients' tauchen im deutschsprachigen Schlager, in Rock- und Pop-Musik und in sogenannter Weltmusik auf“, sagt Johannes Ismaiel-Wendt, der die Konferenz leitet. Brit Pop, Latin Jazz, Afro Beat – in Hildesheim befasst er sich mit den Raumverweisen, die in populärer Musik auffallen. Ob die Bangles mit „Walk like an Egyptian“ oder barfuß tanzende Sängerinnen mit „arabischem Blut“ wie Shakira und Loreen – sie spielen mit dem „kulturell Anderen“. „Musik hat die Kraft, auf unsere Bilder von ‚Anderen‘ einzuwirken, sie zu konstruieren. Das kommt in Wohnzimmern und Clubs bei Hörern an“, so der Kulturwissenschaftler Ismaiel-Wendt.

Beyoncé und Shakira: Orientalismus in der Popmusik

Die Musikindustrie im Blick hat Markus Henrik Wyrwich, der mit dem Buch „Orientalismus in der Popmusik“ (September 2013) 35 Jahre nach Erscheinen des Schlüsselwerkes „Orientalism“ zeigt, wie beliebt orientalistische Phänomene in der Popmusik heute sind und welche soziokulturelle Brisanz von ihnen ausgeht. So hat Madonna mithilfe von Orientalismen Image-Veränderungen eingeleitet, 50 Cent reichert Musikvideos mit sexuellen Haremsfantasien an und Eminem löst Angstkitzel mit Anspielungen auf islamistisch-terroristische Bedrohungen aus. In Hildesheim analysiert Wyrwich den Song „Beautiful Liar“ von Beyoncé und Shakira.

Barbara Hornberger und Matthias Müller stellen Orientalismen in Schlagern und Popsongs vom frühen 20. bis ins 21. Jahrhundert vor. Susanne Binas-Preisendörfer zeigt „Fundstücke orientalischen Begehrens“. Jay Ruthledge und Raimund Vogels diskutieren über „Musiktraditionen zwischen Plattenmarkt und Museum“. Julio Mendívil spricht über „Orientalismus andersrum“ und zeigt, wie Forschung auch exotisiert, da „Mainstream“ wie Schlagercommunities weniger untersucht werden. Alexander Weheliye aus Chicago zeigt in einem Vortrag, wie elektronische Musik als „weiße Musik“ präsentiert wird. So übertönt die Düsseldorfer Gruppe „Kraftwerk“ häufig die Bedeutung der DJs aus der Bronx und Chicago.

Elektronische Musik schafft Desorientierung

„Neue Wege findet die elektronische Tanzmusik. Musiker wie Saam Schlamminger (aka Chronomad) zeigen, welche neuen Möglichkeiten Musik selbst bietet, um einer kartierten Welt zu entfliehen oder in eine Schublade eingeordnet zu werden“, sagt Johannes Ismaiel-Wendt. So erfinden sie „heimatlose Klänge, Sounds und Melodien, die an Aliens erinnern“. Zwischen den Vorträgen der Hildesheimer Konferenz sind intensive Live-Performances eingebaut. So streuen Saam Schlamminger und der Produzent Burnt Friedman in das Tohuwabohu der Sound-Installation „Repetition:Takes:Place in Actuality“ kulturelle Pattern. Im Burgtheater auf der Domäne inszenieren sie in einer Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin unmögliche Resonanzräume. Ursprünge dafür sind Trommeln, Flöten und Echos. Sie irritieren –,  eine E-Gitarre klingt da wie eine indische Sitar.

„Je nachdem von welchem Standpunkt aus ich höre, höre ich unterschiedlich“, berichtet Ismaiel-Wendt und weist auf eine weitere Performance mit dem Titel „Desorientierung in ferner Nähe“ hin. „Simone Ayivi, Katharina Kellermann und Juliane Kremberg zeigen, wie der Orient in Bildern und in unseren Wohnzimmern auftaucht, die täglichen Bilder, die wir von Arabern zu sehen bekommen. Sie stellen die Frage: Was bedeutet Arbeit am eigenen exotisierenden Blick?“

All die klischeehaften Bilder seien „sehr wirksam“, so der Musiksoziologe. „Walt Disneys Filme sind Schätze, für Bilder, die wir vom Orient haben. Da ist Aladin, der Meisterdieb, der klaut, ein dunkelhäutiger Junge mit weiten Hosen um Diebesgut zu verstauen.“

Wie der Alltag in Schulen auf Einwanderung reagiert, ist ungeklärt

Ismaiel-Wendt hat daher zur Konferenz Erziehungswissenschaftler eingeladen, fragt nach zeitgenössischer postkolonialer Bildung und hofft, dass auch Musiklehrer aus der Region teilnehmen. Viola Georgi, Professorin für Diversity Education an der Universität Hildesheim ist Gastgeberin für eine besondere Lecture-Performance von Mark Campbell (aka DJ Grumps). Der Pädagoge und Künstler aus Toronto wird den „Remix“ hörbar machen. „Deutschland ist ein Einwanderungsland, aber wie der Alltag in Schulen darauf reagiert ist ungeklärt“, sagt Ismaiel-Wendt und warnt vor ethnisierenden Zuschreibungen. „Integrieren wir jetzt türkische Tonleitern in den Musikunterricht, weil türkische Schüler im Klassenzimmer sitzen? Und was ist, wenn diese Kinder diese Klänge nicht kennen, weil sie mit Rock und Pop aus Großbritannien aufgewachsen sind?“

Das Symposium führt musikwissenschaftliche und musikethnologische Abteilungen der niedersächsischen Universitäten Göttingen, Hannover, Oldenburg und Hildesheim sowie internationale Experten zusammen. Audio-Installationen werden in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin, entwickelt. Bereits vom 31. Oktober bis 2. November 2013 fragen Wissenschaftler aus der arabischen Welt, den USA, Lateinamerika und Asien auf einem Symposium im Haus der Kulturen der Welt nach dem wissenschaftlichen und politischen Erbe Saids im Hinblick auf die aktuellen Transformationsprozesse in der arabischen Welt.

Die Konferenz ist kostenfrei und öffentlich. Interessierte sind herzlich eingeladen. Veranstaltungsort ist am 7. November der Kulturcampus Domäne Marienburg, am 8. und 9. November das Center for World Music in Hildesheim. Veranstalter sind das Institut für Musik und Musikwissenschaft und das „Herder-Kolleg. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung“ der Universität Hildesheim. In Kooperation mit dem Center for World Music und dem Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim und dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin. Die Sparkasse Hildesheim unterstützt das Symposium.

]]>
Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-6925 Mon, 19 Aug 2013 08:38:00 +0200 Ministerin: „Wegweisend in der Lehramtsausbildung" https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/ministerin-wegweisend-in-der-lehramtsausbildung/ „Die Uni Hildesheim ist zwar nicht groß, aber wegweisend in der Lehramtsausbildung. Die Kulturwissenschaften sind einmalig in Deutschland. Exzellenz lässt sich auch ohne Masse produzieren", sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur beim Rundgang über den Kulturcampus Domäne Marienburg. Persien, Südamerika, Tibet, Afrika - die Instrumente kommen aus allen Erdteilen. „Mir gefällt besonders, dass die Sammlung zugänglich ist, dass man die Instrumente anfassen kann", sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić über das Center for World Music. Beim Antrittsbesuch Mitte August an der Universität Hildesheim stellten Musikethnologen das Forschungszentrum mit seinen mehr als 6000 Instrumenten und 50.000 Tonträgern vor. „Wir digitalisieren Musikarchive weltweit mit Partnern in Ghana, Ägypten, Malawi. Aktuell erfassen wir in Zusammenarbeit mit dem Musikmuseum in Teheran seltene Aufnahmen aus einhundert Jahren iranischer Musiktradition", so Prof. Dr. Raimund Vogels. Einen Überblick über Forschungsprojekte in Afrika, Zentralasien, Südamerika und Nordeuropa gaben Dr. Julio Mendívil und Kerstin Klenke. Hildesheim sei unter Musikethnologen ein zunehmend gefragter Standort, erst im Juni kamen Nachwuchswissenschaftler in Hildesheim zusammen. Der Sammler Rolf Irle (Film-Portrait) erläuterte der Ministerin lebhaft, wie er in 50 Jahren 3000 Objekte zusammengetragen hat. „Mit Universitäten hatte ich zuvor keine guten Erfahrungen, viele wollten die Instrumente nicht zugänglich machen. Dann bin ich auf Hildesheim aufmerksam geworden, der richtige Standort für meine Sammlung, da sie hier für die Öffentlichkeit zugänglich ist", so Irle.

„Musik und Sport sind wichtige Felder für Teilhabe. Wir beziehen sie in unseren Forschungs- und Lehrschwerpunkt Bildungsintegration ein", sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Das Modellvorhaben beschäftigt sich mit Fragen von Migration, Zuwanderung und Chancengerechtigkeit zum Beispiel an Hochschulen und Schulen. Es wird mit 2,85 Millionen Euro im „Niedersächsischen Vorab" gefördert. 

„Die Uni Hildesheim ist zwar nicht groß, aber wegweisend in der Lehramtsausbildung, in der Bildungsintegration voll im Trend, und die Kulturwissenschaften sind einmalig in Deutschland. Exzellenz lässt sich auch ohne Masse produzieren", sagte die Wissenschaftsministerin beim Rundgang über den Kulturcampus. Baudezernent Thomas Hanold und Dekan Prof. Dr. Jens Roselt gaben einen Einblick in die umgebaute und sanierte Domäne Marienburg, darunter die im 14. Jahrhundert errichtete Kernburg mit dem „Hohen Haus". 1000 Studierende der Kulturwissenschaften lernen und experimentieren auf dem mittelalterlichen Burggelände, zwei Drittel kommen aus anderen Bundesländern und dem Ausland nach Hildesheim. Der Studiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis ist der älteste Studiengang seiner Art bundesweit. 

„Dämmen muss man hier ja nicht. Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur auf Antrittsbesuch", Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 15.08.2013

„Wir müssen noch viel lernen, um neue Publikumsschichten zu gewinnen", Hildesheimer Allgemeine Zeitung, Interview mit Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić, 15.08.2013

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Präsident MEd (Lehramt) Polyv. 2-Fäch.BA BA KuÄP Lehrerbildung Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-6794 Thu, 25 Jul 2013 16:43:00 +0200 An alle Musikbegeisterten: Studiengang geht in 2. Runde https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/an-alle-musikbegeisterten-studiengang-geht-in-2-runde/ Musik verbindet Menschen aus unterschiedlichen Ländern und kann Integration fördern – wie das geht, lernen Berufstätige in Hildesheim. Studierende aus sieben Herkunftsländern nutzen seit zwei Jahren die musikalische Vielfalt in ihren Berufen – in der Sozialarbeit, in der Schule. Im Januar 2014 geht der Studiengang „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ in die 2. Runde. Eine Bewerbung ist bis zum 1. November möglich. Die Universität Hildesheim bietet ein Studienprogramm an, das die durch Migration entstandene kulturelle Vielfalt ernst nimmt. Der berufsbegleitende Masterstudiengang richtet sich an Musiker, Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen und Kulturvermittler, die lernen möchten, das Potential von Musik umfassend in der täglichen Arbeit zu nutzen. Er ist Teil des Programms „musik.welt“ der Stiftung Niedersachsen. Generalsekretär Joachim Werren sagt: „Wenn wir die musikalische Ausbildung von den traditionellen europäischen Wurzeln etwas entfernen, weitet sich der Blick auf eine vielfältige und reiche Welt, die uns durch die zugewanderten Menschen bereits näher gerückt ist. Die Stiftung Niedersachsen wird auch zukünftig mit ihren Förderentscheidungen an der Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Kulturellen Vielfalt mitwirken.“

Das zweijährige Studium beinhaltet eine musikethnologische und -pädagogische Ausbildung. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Interkulturelle Musikpädagogik, Musik und Soziale Arbeit, Projektmanagement, Tonproduktion und Ensemblepraxis. Jeder Student erlernt ein Instrument, das nicht dem üblichen Repertoire aus dem eigenen Herkunftsland entspricht. Die Studentinnen und Studenten entwickeln ein Projekt, das sie innerhalb von zwei Jahren umsetzen. „Sie können ihre Erfahrungen unmittelbar einbringen. Wir ermutigen Menschen aus Einwanderfamilien, sich zu bewerben“, sagt Studiengangskoordinatorin Morena Piro. Die Aufnahme der Studierenden erfolgt in einem dreistufigen Prüfungsverfahren; künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Kompetenzen werden geprüft.

Bereits in der ersten Runde stieß der Studiengang bundesweit auf großes Interesse. „Das Studium bietet neben den Ausbildungsinhalten eine Chance zur Begegnung und weckt Experimentierfreude in und durch die Musik“, sagt Jana Lipnicki, die seit 2011 am Center for World Music an der Uni Hildesheim lernt. Sie schätzt die Vielfalt der Studierendengruppe: Die 20- bis 60-Jährigen kommen aus unterschiedlichen Berufsfeldern: Die Bandbreite reicht von der Erzieherin bis zur Orchestergeigerin, vom Lehrer für herkunftssprachlichen Unterricht über einen Elektrotechniker bis zum freien Musiker. Die Hälfte der Studierenden hat einen Migrationshintergrund und stammt aus Ländern wie Georgien, Marokko, Türkei, Russland und Iran. Zwei Drittel haben vor Studienbeginn bereits Erfahrungen in der Integrationsarbeit gesammelt. Der erste Jahrgang ist aktuell mitten in der Projektarbeit – die Projekte reichen von der interkulturellen Öffnung der Musikschule Hildesheim, über den Einsatz von Musikkoffern in Niedersachsen bis zur Verwendung von Musik als Brücke zur Sprache. Im Projekt „Saz trifft Geige“ treffen sich regelmäßig Jugendgruppen in Hannover.

Das deutschlandweit besondere Pilotprojekt ist Teil des Programms „musik.welt@niedersachsen” der Stiftung Niedersachsen und wurde gemeinsam mit dem Center for World Music der Stiftungsuniversität Hildesheim, der Hochschule für Musik und Theater Hannover und drei weiteren Hochschulen entwickelt. Die Stiftung Niedersachsen fördert den Studiengang.

Informationen zur Bewerbung

Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Das Studium beginnt im Januar 2014, Bewerbungen sind bis zum 1. November 2013 möglich. Die Seminare finden in mehrtägigen Blockveranstaltungen und an vier Wochenenden pro Semester statt. Beim Arbeitgeber kann Bildungsurlaub beantragt werden. Aufgrund der Größe des Studiengangs ist es möglich auf die Kompetenzen der Studierenden individuell einzugehen und sie für ihr jeweiliges Arbeitsfeld zu stärken.

Studieninteressierte wenden sich mit Fragen zur Bewerbung und zu Studieninhalten an die Studiengangskoordinatorin Morena Piro (05121.883-295, piro@musikwelt-niedersachsen.de). Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-102, presse@uni-hildesheim.de)

Save the date: Musik.Vielfalt.Integration. Fachtagung zur Förderung kultureller Vielfalt in Niedersachsen am 14. November 2013 in der Landesvertretung Niedersachsen, Berlin.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Bildungsintegration MA KDmB - musik.welt
news-6738 Sat, 29 Jun 2013 07:48:00 +0200 Junges Musikethnologen-Netzwerk entsteht in Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/junges-musikethnologen-netzwerk-entsteht-in-hildesheim/ Im Center for World Music an der Universität Hildesheim stellen seit fünf Jahren junge Forscher – unter anderem aus Istanbul, Belgrad, Chicago – ihre Doktorarbeiten zur Diskussion. „Wir wollen die musikethnologische Forschung stärken“, sagt Dr. Thomas Hilder. Seit 2011 arbeitet er am Center for World Music, dem musikethnologischen Forschungszentrum an der Universität Hildesheim. Innerhalb von vier Tagen stellen bereits zum fünften Mal 16 junge Musikethnologen ihre Forschungsarbeiten vor. Mehr als 50 weltweit hatten sich um einen Platz im internationalen Doktoranden-Workshop beworben, denn Angebote dieser Art gibt es nur wenige. „An einem Ort zusammenkommen – das ist wichtig um Vertrauen aufzubauen und sich auch künftig im Forschungsprozess über Ländergrenzen hinweg gegenseitig zu unterstützen“, sagt Thomas Hilder, der in London promovierte und die Konferenz gemeinsam mit den Professoren Raimund Vogels (Hildesheim/Hannover) und Philip Bohlman (Chicago) organisiert. Die Nachwuchswissenschaftler kommen aus Istanbul, Chicago, Belgrad, London, Wien, Illinois, Pittsburgh, aus Südkorea, Iran und Japan.

Eine Reihe von Forschern befasst sich mit Musik im städtischen Raum. Marija Dumnic, University of Arts in Belgrad, untersucht alte urbane Musik in serbischen Städten, wie sie seit dem 18. Jahrhundert traditionell gespielt wird. „Eine Spannbreite an Tönen, ‚orientalische‘ Einflüsse aus dem osmanischen Reich und europäische Einflüsse aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie bestimmen diese Musikrichtung“, erklärt Dumnic. Sie dokumentiert in Tonaufzeichnungen und Interviews, wie im Künstlerviertel Skadarlija in Belgrad noch heute diese Klänge ertönen und wen die Musik im Publikum erreicht. Lauren Flood, Columbia University, untersucht, wie sich Musik verändert, wenn Musiker in New York und Berlin experimentelle Musikinstrumente und elektronisches Equipment selber bauen. „Medien-Formate werden zunehmend interaktiver. Die jungen Tüftler von heute können morgen Mainstream-Produzenten sein“, so Flood.

„Digitale Technologien haben erhebliche Auswirkungen auf die Produktion und den Vertrieb von Musik. Außerhalb von Europa und Nordamerika liegen dazu wenig Studien vor“, sagt Monika Schoop von der Universität Köln. Sie untersucht in ihrer Studie „Everyone is digital now!?“, wie in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, digitale Technik in der Musikproduktion genutzt wird. „In den 90ern benötigte man eine Plattenfirma, um ein Album zu produzieren. In den letzten 10 Jahren stiegen der Internetzugang und digitale Aufzeichnungen. Musik-Labels mussten wegen Piraterie schließen. Nischenmärkte und kleine Labels entstanden on- und offline,  Musiker verbreiten ihre Musik selbst über Plattformen wie ‚Bandcamp‘ und nutzen soziale Netzwerke und Crowdfunding.“ Um in diesem neuen Markt mitzuspielen, „benötigen Künstler dennoch Geld, Infrastruktur und bestimmte Fähigkeiten, mit der Technik umzugehen“, so Schoop.

Musik im Dorfalltag im Norden Irans und von chaldäisch-irakischen Einwanderern in Istanbul

In der iranischen Region Gilan im Norden des Landes leben vor allem zwei ethnische Gruppen, Talesh im Westen und Gilak in der Ostseite, die sich in Dialekten, im Singen und Musizieren unterscheiden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Dörfern. „Diese Region mit ihren faszinierenden kulturellen Identitäten ist der Ausgangspunkt meiner Dissertation“, sagt die Musikwissenschaftlerin Sara Banihashemi von der Universität Hamburg. Sie untersucht die Rolle der Musik im Alltag – im Sport, in der Unterhaltung, in der Ehe und bei religiösen Zeremonien – und hat dies in Filmen und Tonaufzeichnungen dokumentiert. „Bevor die Klänge verloren gehen“, sagt Banihashemi.

Mit der Musik von chaldäisch-irakischen Einwanderern in Istanbul befasst sich Evrim Hikmet Öğüt von der Istanbul Technical University. „Religiöse Minderheiten wie christliche Gemeinden werden im Irak verfolgt. Für viele Asylsuchende und Flüchtlinge ist die Türkei ein Transitland auf den Weg in die USA, nach Kanada und Australien. Wegen bürokratischer Hürden müssen sie in der Türkei ungewisse Zeiträume überbrücken, von sechs Monaten bis zu mehreren Jahren“, so Öğüt. Welche Rolle spielt in dieser Lebenssituation Musik? Evrim Öğüt dokumentiert, wie in Istanbul ein neues musikalisches Repertoire der chaldäischen Kirche entsteht.

Wie Musik zur europäischen Identität beiträgt

Reneé Holley von der University of Illinois stellt ihr Forschungsprojekt „Singing the European Union: Cultural policy and its constituent voices in Germany” vor. Sie befasst sich mit dem musikalischen Leben in Deutschland und geht der Frage nach, wie sich hierin nationale und EU-Identitäten wiederspiegeln. In einer Studie untersucht sie, wie EU-Kultur-Programme die kreative Leistung von Musikern und Musikorganisationen beeinflussen. Und wie entsteht dadurch ein Gefühl – Holley nennt es „Europe-ness“? „Ich will herausfinden, wie Musik, wie expressive Kultur, zur Agenda der europäischen Integration beiträgt und wie politische Entscheidungsträger dafür kämpfen, um das Motto der EU – United in Diversity –  zu verwirklichen“, sagt die Musikwissenschaftlerin.

Mahsa Pakrevan, University of Alberta, befasst sich mit klassischer persischer Musik in der heutigen iranischen Kultur. In seiner Dissertation untersucht er, wie neue Poesie (She’r-e no) in der iranischen Musik eingesetzt wird und wie das Publikum darauf reagiert. Dabei filmt er Live-Auftritte, interviewt berühmte klassische Musiker. „Ich will herausfinden, welche Haltung Musiker und das Publikum gegenüber dem Begriff der Tradition einnehmen und wo Grenzen und Chancen eines musikalischen ‚Fortschritts‘ stecken“, so Pakrevan. Die Studie schafft eine Grundlage für vergleichbare Forschungsprojekte im Nahen Osten und schlägt eine Brücke zwischen der Musikethnologie und Literatur.

Musikwissenschaftler der Uni Hildesheim unterstützen die Doktoranden, darunter Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt, Prof. Dr. Matthias Rebstock, Dr. Ulrich Wegner und PD Dr. Julio Mendivil. Prof. Dr. Tina Ramnarine, University of London, hält den Hauptvortrag über Orchester im internationalen Vergleich. Im Vorjahr nahmen Musikethnologen aus Peru, Griechenland, USA, Tschechien und Brasilien teil. Das Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim und die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover veranstalten den Doktoranden-Workshop. Die Universitätsgesellschaft Hildesheim und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützen die Konferenz.

Wer sich für musikethnologische Forschung interessiert, kann Dr. Thomas Hilder vom Center for World Music kontaktieren (Tel. 05121.883-294, E-Mail cwm_hilder@uni-hildesheim.de).

Kontakt für Medien: Pressestelle der Universität Hildesheim, Isa Lange (presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-102 und 0177.8605905)

Die Welt der Weltmusik. Doktoranden stellen ihre Projekte zur Diskussion, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 28.06.2013

Programm und Abstracts der Promotionsprojekte (PDF)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music International Office Internationales
news-6528 Thu, 09 May 2013 16:17:00 +0200 Saz trifft Geige https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/saz-trifft-geige/ Durch Migration entstandene musikalische Vielfalt aufgreifen: Die Universität Hildesheim und die Stiftung Niedersachsen haben einen besonderen Weiterbildungsstudiengang entwickelt. Eineinhalb Jahre nach Start des Studiums liegen erste Ergebnisse vor. Jeder Student plant ein Praxisprojekt. Esin Savaz und Johanna Udert führen in Hannover Jugendliche und Erwachsene zusammen. Einblicke in den Probenraum. „Wir führen in unserem Studienprojekt zwei Gruppen zusammen, die sonst eher unter sich bleiben", sagt Esin Savas. Und Johanna Udert ergänzt: „Eine Saz-Gruppe, Musikerinnen uns Musiker türkischer Herkunft, und eine Gruppe deutscher Kinder und Jugendlicher, die klassische Streichinstrumente spielen, treffen sich zum Kennenlernen, gemeinsamen Musizieren und mehreren Auftritten in öffentlichem und halböffentlichem Umfeld." Die beiden studieren seit Anfang 2012 im Weiterbildungsstudiengang musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung. Das Projekt „Saz trifft Geige" ist Teil ihres Studiums.

„Das gemeinsame Musizieren auf westlichen und türkischen Instrumenten bildet den Schwerpunkt der Begegnung. Die Lieder und Musikstücke bearbeiten die Teilnehmer gemeinsam. Sie spielen türkische und westeuropäische Melodien, verbinden und kombinieren sie, tauschen die Instrumente zeitweilig", sagt Savaz. Über das Musikalische sei es möglich „die eigene Kultur der anderen gegenüber zu stellen, zu verbinden". Die beiden Projektleiterinnen wollen damit auch „vorhandene Informationsdefizite und Vorurteile auf beiden Seiten abbauen". 

An diesem Projekt beteiligen sich fünfzehn Waldorfschüler der Klassen 2 bis 13 mit den Instrumenten Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass. Auch zwei Mütter mit Altblockflöte und Cello sind dabei. Die Saz-Gruppe hat etwa zwanzig Mitglieder und ist ebenfalls altersgemischt. Nach vielen Einzelproben kommen die 8- bis 50-Jährigen seit Februar 2013 zu gemeinsamen Probentagen zusammen. Im Juni und Juli folgen dann die ersten Auftritte in Ilsede, beim Sommerfest der Waldorfschule und dem Fest der Kulturen in Hannover.

Info zum Studiengang: Studierende fordern mehr Vielfalt in der musikalischen Bildung

Musikalisch mehrsprachig – statt Querflöte spielt Jana Lipnicki auf der türkischen Längsflöte Nay. Der 55-Jährige Yusuf Sengör hat seine Saz mit einer Gitarre ausgetauscht und probt Akkordgriffe. Die beiden gehören zu den 24 Studierenden des berufsbegleitenden Studiengangs musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung an der Universität Hildesheim, der mit der Stiftung Niedersachsen und weiteren Hochschulen entwickelt wurde.

In Deutschland leben viele Menschen aus anderen Kulturen, die teilweise hoch entwickelte musikalische Kenntnisse haben, die sie weitergeben könnten. Oft wird diese Vorbildung nicht anerkannt. Hier setzt der Weiterbildungsstudiengang an. Die Studierenden erhalten seit Januar 2012 eine zweijährige musikethnologische und -pädagogische Ausbildung am Center for World Music der Universität Hildesheim (Übersicht Studieninhalte). Dazu gehören die Entwicklung eines eigenen Praxisprojekts, der Umgang mit Medien und das Erlernen eines Instruments aus einer anderen Kultur.  Innerhalb von zwei Jahren lernen die Berufstätigen Mbira, Balafon, Tabla, Klavier, Saz, Darbuka, Nay, Blockflöte, Klarinette, Sitar zu spielen.

Die Hälfte der Studierenden – darunter Musiker, Lehrkräfte, Elektrotechniker und Sozialarbeiter im Alter von 20 bis 60 Jahren – kommt aus Ländern wie Georgien, Marokko, Türkei, Russland, Iran, Deutschland.

Interessierte können sich bei Rückfragen an Morena Piro wenden.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music MA KDmB - musik.welt Bildungsintegration
news-6200 Sun, 24 Feb 2013 15:15:00 +0100 Musikalisch mehrsprachig https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musikalisch-mehrsprachig/ „Die Vielfalt der Kulturen sollte in der Bildungslandschaft stärker als Potential verstanden werden", so der Generalsekretär des Deutschen Musikrats. Der Studiengang musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung setze „richtungsweisende Impulse“. Vor einem Jahr startete das Pilotprojekt der Stiftung Niedersachsen und der Universität Hildesheim mit 20 Studierenden im Alter von 25 bis 60 Jahren. Nun gibt es erste sichtbare Ergebnisse. Und hörbare. Musikalisch mehrsprachig – statt Querflöte spielt Jana Lipnicki auf der türkischen Längsflöte Ney. Yusuf Sengör hat seine Saz mit einer Gitarre ausgetauscht und probt Akkordgriffe. Die beiden gehören zu den 20 Studierenden des berufsbegleitenden Studiengangs musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung. Seit Januar 2012 lernen sie innerhalb von zwei Jahren ein Instrument aus einer anderen Kultur zu spielen. Erstmals zeigten sie am Freitag in einer Werkschau ihr Können. Im „Center for World Music“ erklangen mehr als 15 verschiedene Instrumente – Mbira, Balafon, Tabla, Klavier, Saz, Darbuka, Ney, Blockflöte, Klarinette, Sitar.

Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, betont: „Die Vielfalt der Kulturen ist ein unermesslicher Reichtum, der in der Bildungslandschaft viel stärker als Potential für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft verstanden werden sollte. Insofern setzt der Studiengang musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung richtungsweisende Impulse.“

„Die aus europäischer Sicht oft immer noch als ‚primitiv‘ abgewerteten Instrumente anderer Kulturkreise sind hochgradig komplex“, unterstreicht Kurt Klose, der das Modul „Instrumentalunterricht“ leitet und mit dessen Hilfe die Studentengruppe in den vergangenen Monaten zum Ensemble wurde. „Die große Neugier unserer Studenten ist beeindruckend, sie sind offen für alle kulturellen Einflüsse von der ‚anderen‘ Seite.“ Die Studierenden arbeiten künftig mit Jugendlichen und Erwachsenen zusammen, „um musikalische Vielfalt zu transportieren“. „In unseren Klassenzimmern kommen die Klänge und Instrumente aus anderen Kulturkreisen zu selten vor“, sagt Klose.

„Ich habe lange gebraucht, um mit der türkischen Ney einen ersten Ton zu erzeugen“, berichtet Studentin Lipnicki. Die Kulturwissenschaftlerin spielte zuvor schon seit vielen Jahren Querflöte und hat sich in das orientalische Tonsystem, in die Melodien und Spielweise der Ney eingearbeitet. „Ich bin noch ein Anfänger, aber seit einem Jahr hat sich viel getan. Von meinem musikalischen professionellen Niveau auf der Querflöte musste ich runterkommen und mit Geduld Tonleitern üben“, sagt sie mit großem Respekt vor ihrem Instrument. Jana-Kerstin Lipnicki spricht von einer „grundlegenden Erfahrung“. „Unabhängig vom Arbeitsalltag ist es bereichernd, sich außerhalb des Systems einer westlich-klassischen Ausbildung zu bewegen. Das gilt für die Musik, fürs Sprachenlernen und das ganze Leben", sagt sie. Lipnicki arbeitet bei der Landesmusikakademie Niedersachsen als Bildungsreferentin für vokales Musizieren.

Jeder Student führt im Studium ein „Praxisprojekt" durch. In Hannover startet zum Beispiel das Projekt „Saz trifft Geige". Die 28-Jährige Lipnicki hat die Veranstaltungsreihe „Transkulturelle Matinée“ entwickelt. Von Februar bis April werden Musiker in Wolfenbüttel Lieder aus dem Nordiran, Georgien und Brasilien vortragen und mit dem Publikum darüber ins Gespräch kommen. 

„Mit Musik kann man in der Integrationsarbeit viel erreichen. Musik verbindet Menschen gleich welcher Herkunft“, sagt Yusuf Sengör, der seit der Kindheit Saz spielt. Seit einem Jahr hat er wöchentlich Gitarrenunterricht und lernt Noten zu lesen. Seit 30 Jahren arbeitet Sengör als Lehrer für herkunftssprachlichen Türkischunterricht an niedersächsischen Schulen mit Kindern, von denen bis zu 60 Prozent eine Zuwanderungsgeschichte haben – und mit unterschiedlichen Klängen, Rhythmen und Melodien aufgewachsen sind.

Kulturelle Vielfalt in der musikalischen Bildung

In Deutschland leben viele Menschen aus anderen Kulturen, die teilweise hoch entwickelte musikalische Kenntnisse haben, die sie weitergeben könnten. Oft wird diese Vorbildung bei uns nicht anerkannt. Hier setzt ein Weiterbildungsstudiengang an, den die Stiftung Niedersachsen und die Stiftungsuniversität Hildesheim unter dem Titel „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" entwickelt haben.

Die 20  Studierenden erhalten seit Januar 2012 eine zweijährige musikethnologische und -pädagogische Ausbildung am Center for World Music. Dazu gehören der Umgang mit Medien, die Entwicklung eines eigenen Praxisprojektes und das Erlernen eines Instruments der jeweils anderen Kultur. Die Hälfte der Studierenden – darunter Musiker, Lehrkräfte, Elektrotechniker und Sozialarbeiter im Alter von 20 bis 60 Jahren – kommt aus Ländern wie Georgien, Marokko, Türkei, Russland, Iran, Deutschland.

Wie Musik zur Fremdsprache wird, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 21.02.2013

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Weiterbildung MA KDmB - musik.welt Bildungsintegration
news-5858 Tue, 11 Dec 2012 19:32:00 +0100 Mehrspurig https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/mehrspurig/ Im Seminar stellt er ein Grammophon von 1928 auf den Tisch, daneben eine Schellack-Platte und einen MP3-Player, „um zu untersuchen, wie technische und mediale Entwicklungen die Musiken, Künstler und Hörer verändert haben“, sagt Johannes Ismaiel-Wendt. Seit 2012 ist er Juniorprofessor für Systematische Musikwissenschaft und Musiksoziologie. Ist Hip-Hop eine globale Sprache? „Versteht ein Hamburger Rapper, was in einer Beiruter MC vor sich geht?“, fragt Johannes Ismaiel-Wendt, der in einem Projekt am Haus der Kulturen der Welt in Berlin lokale Szenen, Slangs und Codes mit zusammengeführt hat. Im Projekt „Translating Hip Hop“ kamen Rapperinnen und Rapper in Manila, Nairobi, Beirut und Bogotá zusammen, um buchstäblich ihre Texte als auch Kontexte zu übersetzen. „Da waren die Übersetzungs- und Kulturtheorien der letzten hundert Jahre in wenigen Tagen live zu erleben“, so sein Fazit.

Seit Mai 2012 ist Johannes Ismaiel-Wendt Junior-Professor für Systematische Musikwissenschaft und Musiksoziologie. Zu seinen Schwerpunkten an der Universität Hildesheim zählen die musikalischen Massenkulturen der Gegenwart, postkoloniale Theorien sowie das trans- und interkulturelle Lernen in der Lehrerausbildung.

Dabei befasst sich der 39-Jährige mit den Raumverweisen, die in der populären Musik auffallen. Ein Blick in den Plattenladen oder Online-Shop verrät, wie präsent geografische Verortungen sind: Brit Pop, Latin Jazz, und Afro Beat. „World Music“ werde meist national sortiert. „Die Raummetapher ist ein Überbleibsel des kolonialen Denkens und der nationalistischen Aufteilung der Erde. Kulturelle Produktion, in diesem Fall Musik, machen wir an ethnischen und rassistischen Kategorien fest“, sagt er.

Ismaiel-Wendt begeistert die Studierenden der Kulturwissenschaften in seiner Lehre. So schickt der Professor die Studentinnen und Studenten in die Bibliothek und zu Youtube. „Im Netz ist so viel zu hören, sie sollen auf Entdeckungstour gehen.“ Theorie und musikalische Praxis werden in der Lehre eng verbunden. „Deshalb biete ich im Wintersemester ein Doppel-Seminar an – Forschungslektüre sowie eine Übung zum Umgang mit Music Tools“, sagt Ismaiel-Wendt, der selbst Electronic Dance Music macht und soundlectures hält. „Lauter Kopien, keine Originale“, sagt er über die zeitgenössische elektronische Musik, die größtenteils aus Sampeln und Kopien entsteht, aus mehreren Spuren.

Mit dem Center for World Music, dem musikethnologischen Forschungszentrum der Universität, plant er eine enge Zusammenarbeit. Im Herbst 2013 findet zum 10. Todestag von Edward Said eine Tagung zur Postkolonialen Musikforschung statt. Vorträge zu populärer Musik und kultureller Repräsentation werden genauso Teil dieser Kooperation sein, wie Live Performances im Center und auf der Domäne – „Mehrspur-Erkenntnis eben“.

Lesen Sie den Artikel im Uni-Journal, Ausgabe November 2012 (PDF)

]]>
Pressemeldungen Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 Center for World Music
news-5715 Thu, 15 Nov 2012 08:40:00 +0100 Abgadza statt Jay-Z: Musikarchive in Westafrika https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/abgadza-statt-jay-z-musikarchive-in-westafrika/ Nachwuchswissenschaftler aus Maiduguri und Cape Coast dokumentieren in Ton- und Filmarchiven die heutige musikalische Praxis in Westafrika. Als einzige Forschungsinstitution aus Deutschland ist das Center for World Music der Universität Hildesheim am dreijährigen Forschungsprojekt beteiligt – und greift auf Digitalisierungserfahrung in Sierra Leone, Malawi und der koptischen Kirche in Ägypten zurück. Von den politischen Unruhen in Nigeria bleibt die musikethnologische Forschung nicht unberührt. Derzeit sind junge Forscher aus Westafrika vor Ort in Hildesheim. Zwölf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ghana und Nigeria erforschen Musikgenres in Westafrika und ihre Bedeutung für die Identität von Menschen. Einer von ihnen ist Eric Debrah Otchere. Der 28-Jährige dokumentiert Lieder und Singspiele von Kindern, die er in Grundschulen in Cape Coast mit Mikrofon und Videokamera aufgenommen hat. In seiner Doktorarbeit will er herausfinden, wie Musik mit der Gemütslage von Menschen zusammenhängt. Dazu hat er ghanaische Studenten zu ihren musikalischen Vorlieben befragt.

Andere untersuchen Musik- und Tanzrituale bei Beerdigungen, die Vermischung von Tradition und Moderne bei regionalen und nationalen Kultur-Festivals, oder den wachsenden Einfluss evangelikaler Pfingstkirchen auf populäre Musik. Damit dokumentieren sie gegenwärtige musikalische Praxis in Westafrika.

Außerdem interessiert die jungen Wissenschaftler, was die Bevölkerung über Musik denkt. Erstaunlich ist: Während auch in Westafrika die Medien an Einfluss gewinnen und sich Gesellschaft und Musikkultur stark wandeln, ist die Stellung lokaler Musikstile ungebrochen hoch. Vielleicht haben lokale Identitäten in der Auseinandersetzung mit der Globalisierung sogar an Bedeutung gewonnen.

Das dreijährige Forschungsprojekt „Formation und Transformation von Musikarchiven in Westafrika“ endet 2012 und wird mit 410.000 Euro von der Volkswagenstiftung gefördert. Beteiligt sind die Universität Cape Coast in Ghana, die Universität Maiduguri in Nigeria und als einzige deutsche Institution das Center for World Music (CWM) der Universität Hildesheim.

„Wir haben es in Ghana und Nigeria mit einer unglaublichen Vielfalt unterschiedlicher Musiken zu tun. Dabei spielen vor allem das Internet, Radio, Fernsehen und die neuen digitalen Formate wie MP3 eine große Rolle. Auf dem Handy kann heute praktisch jeder sein privates Musikarchiv mit sich herumtragen“, sagt Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music. „Es sind nicht in erster Linie Michael Jackson, Dolly Parton, oder Jay-Z, deren Musik natürlich verfügbar ist, sondern gerade lokale Genres wie ‚abgadza‘, ‚borborbor“ oder ‚tsinza‘-Musik, die wir als MP3 auf dem Handy von Leuten wiederfinden.“

Das dokumentierte Material wurde aufbereitet und ist für die Forschung zugänglich. Neben der Publikation der Ergebnisse geht es nun um die Vernetzung der Musikarchive an den drei Standorten. Das Musikarchiv in Maiduguri besteht bereits seit den 80er Jahren, das Material ist aber in großen Teilen noch nicht digitalisiert. In Cape Coast wird durch das Projekt nun ein audiovisuelles Archiv aufgebaut, der Fokus liegt auf aktueller ghanaischer Popularmusik. Bei der mittel- und langfristigen Datensicherung – eines der größten Probleme für die afrikanischen Partner – kommt dem Center for World Music eine Schlüsselrolle zu.

Von den politischen Unruhen in Nigeria bleibt die musikethnologische Forschung nicht unberührt. Vier Doktoranden aus Nigeria und Ghana sind bis Ende November in Hildesheim. „Der dreimonatige Forschungsaufenthalt ist für uns ein großes Glück, da seit 2011 die akademische Arbeit im Nordosten Nigerias immer schwieriger geworden ist. Zwar handelt es sich bei den Unruhen der vergangenen Monate insgesamt um punktuelle Vorkommnisse. Aber die Menschen müssen stets mit der sehr realen Gefahr eines möglichen terroristischen Anschlags leben. Und zuletzt sind Universitäten in das Visier der Extremisten gerückt, was uns sehr beunruhigt“, erklärt ein Doktorand aus Maiduguri. „Wir freuen uns, dass die Hildesheimer Bürger uns so herzlich aufnehmen. Eine Vermieterin stellt uns sogar eine Drei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung.“

Center for World Music – Sammeln, forschen und vermitteln

Das Center for World Music, eine 2009 gegründete musikethnologische Forschungseinrichtung der Stiftung Universität Hildesheim, zählt über 5000 Musikinstrumente aus aller Welt, rund 50.000 Tonträger und mehr als 10.000 Bücher zur Musikethnologie. Regionale Forschungsschwerpunkte sind Westafrika, Zentralasien und Nordeuropa.

Neben der musikethnologischen Forschung, der Erschließung und Erweiterung der Sammlungen und interkultureller Musikvermittlung ist das CWM mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in die Sicherung und Katalogisierung von Musikarchiven im Ausland involviert. Bisherige Projekte widmeten sich Sammlungen aus Sierra Leone, Malawi, Ghana und der koptischen Kirche in Ägypten. In Vorbereitung sind Projekte im Iran und in Tadschikistan.

Im Juni 2015 findet eine gemeinsame Konferenz „Memory, Power, and Knowledge in African Music and Beyond'" an der University of Cape Coast in Ghana statt, auf der die jungen Forscher ihre Ergebnisse vorstellen.

Medienkontakt: Uni Hildesheim, Isa Lange (presse@uni-hildesheim.de, 0177.8605905)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music
news-5592 Fri, 26 Oct 2012 15:05:00 +0200 Sammler Rolf Irle geehrt https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/sammler-rolf-irle-geehrt/ Eine Hundepfeife aus England, wenige Millimeter klein. Die tibetische Langtrompete ist mit 4,85 Metern das größte Instrument. 2400 Jahre alt ist die Gefäßtrompete aus Süditalien. Rolf Irle hat über 3000 Musikinstrumente gesammelt, die im „Center for World Music“ an der Universität Hildesheim erforscht und in Bildungsprojekten eingesetzt werden. Am heutigen Freitag ernennt die Universität den 77-Jährigen zum Ehrenbürger. „Der Sammler, Lehrer und Musikethnologe Rolf Irle hat mit seinem Wirken wie kaum ein anderer dazu beigetragen, dass die Vielfalt musikalischer Erscheinungsformen weltweit in Hildesheim einen Ort der Forschung und der Bewahrung gefunden hat “, sagt Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music. Die Universität Hildesheim ernannte Rolf Irle am heutigen Freitag auf Beschluss des Senats und des Präsidiums in einer akademischen Feierstunde zum Ehrenbürger. Präsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich überreichte bei diesem Anlass die Urkunde.

Der 1935 geborene Rolf Irle befasst sich seit 1955 mit den Musikinstrumenten der außereuropäischen Kulturen und mit den europäischen Volksmusikinstrumenten. Von 1960 bis zu seiner Pensionierung 1994 hat er in Niedersachsen als Lehrer gearbeitet.

Irle hat eine über 3000 Instrumente umfassende Sammlung aufgebaut. Besondere Schwerpunkte liegen in den Regionen Tibet/Nepal, Ostasien, Indien, Indonesien, Neuguinea und Türkei. Die Sammlung umfasst außerdem seltene Musikinstrumente aus Afrika mit Menschen- und Tierdarstellungen, die von herausragendem musealen Wert sind. Sakral- und Ritualinstrumente aller Religionen und Glaubensformen gehören zum Bestand. Dabei ist es Rolf Irle wichtig, dass die Sammlung genutzt wird, er hat an vielfältigen Bildungsprojekten mitgewirkt, zum Beispiel an schulischen und kirchlichen Projekttagen zu den Themen Dritte Welt und Musikinstrumente in den Herkunftsländern von Mitschülern. „Rolf Irle ist von dem pädagogischen Ethos durchdrungen, dass sich Menschen in Anerkennung ihrer kulturellen Leistungen mit gegenseitiger Achtung, Interesse und Respekt begegnen“, unterstreicht Prof. Vogels.

Seit 2009 ist die Sammlung Bestandteil des Center for World Music, des musikethnologischen Forschungszentrums der Universität Hildesheim. Rolf Irle bietet ehrenamtlich Führungen durch die Instrumentensammlung an. Regelm äßig nehmen Familien und Schulen die Angebote war. Wertvolle Instrumente wie die indische Sitar, eine aufwändig beschnitzte afrikanische Rassel oder die arabische Laute Ud dürfen angefasst und gespielt werden.

Die Würde einer Ehrenbürgerin oder eines Ehrenbürgers der Universität Hildesheim kann Persönlichkeiten verliehen werden, die sich in herausragender Weise um die Beziehungen zwischen Hochschule und Gesellschaft verdient gemacht haben. So hat Gerald Frank zum Beispiel den Arbeitskreis Informationstechnologie seit 1998 aufgebaut und den Ausbau des informationstechnologischen Studienangebots unterstützt. Margot Möller-Meyer, seit 50 Semestern Gasthörerin der Universität, wurde 2012 Ehrenbürgerin und setzt sich für Nachwuchswissenschaftler und ausländische Studierende ein.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music Forschung Bürgergesellschaft Vernetzung
news-5437 Tue, 09 Oct 2012 08:50:00 +0200 Tabu?! im Landesmuseum: Klänge aus dem Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/tabu-im-landesmuseum-klaenge-aus-dem-center-for-world-music/ Klänge steuert das Center for World Music der Universität Hildesheim zur Ausstellung „Tabu?!“ im Landesmuseum Hannover bei. Die Sounds stammen aus der Sammlung „Music of Man Achive“, die rund 45.000 Tonträger und 1.000 Musikinstrumente umfasst und derzeit in Hildesheim erschlossen wird. Jenseits offizieller Gesetze bestimmen in allen Kulturen Tabus den Alltag. Informelle Übereinkünfte signalisieren, was innerhalb einer Gesellschaft als unangemessen gilt. Unter dem Namen „Tabu?! Verborgene Kräfte – Geheimes Wissen" zeigt das Landesmuseum Hannover bis April 2013 erstmals rund 160 Exponate aus allen großen ethnologischen Sammlungen in Niedersachsen, darunter heilige Gegenstände, Kleidungsstücke, Totenmasken und Götterfiguren aus der Südsee, Afrika, China, Südamerika und Sibirien.

Klänge von rituellen Instrumenten steuert das Center for World Music (CWM) zur Ausstellung bei, so dass Objekte hörbar werden. Die Sounds stammen aus der Sammlung „Music of Man Achive“ von Wolfgang Laade. Die rund 45.000 Tonträger, 10.000 Bücher und 1.000 Musikinstrumente sind eine Dauerleihgabe der Stiftung Niedersachsen an die Stiftung Universität Hildesheim und werden seit 2008 mit Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur erschlossen.

„Wir freuen uns, auf einen reichhaltigen Fundus an Tonaufnahmen zurückgreifen zu können“, sagt Kerstin Klenke. Die wissenschaftliche Koordinatorin des musikethnologischen Forschungszentrums in Hildesheim erläutert die Recherche: „Für einige Instrumente, wie zum Beispiel die tibetische Langtrompete ‚dung chen', die auch im Saal des CWM ausgestellt ist, war es sehr einfach, Sounds zu finden. Davon existieren viele Aufnahmen. Für ein Reibholz aus Neu-Irland, die ‚livika' oder ‚launut', war das nur dank des detektivischen Spürsinns unserer studentischen Mitarbeiter möglich. Das Instrument ist selten auf Tonträgern zu finden. Es hat einen außergewöhnlichen Klang."

„Wir sind mit der Sammlung Wolfgang Laade erstmals im Ausstellungsbereich tätig und hoffen auf langfristige Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen“, so Klenke. Als Kooperationsprojekt der ethnologischen Sammlungen in Hannover, Göttingen, Hildesheim, Braunschweig und Oldenburg trägt die Ausstellung wesentlich zur Vernetzung des Center for World Music mit weiteren ethnologischen Sammlungsbeständen in Niedersachsen bei. „Gerade die Nähe zum Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim mit seinen umfangreichen ethnologischen Sammlungen ist für uns ein unglaublicher Gewinn. Wir haben ein gemeinsames Konzept für ein Klangmuseum in Hildesheim erarbeitet, aber das ist im wahrsten Sinne des Wortes noch Zukunftsmusik.“

Aktuelle Tabuthemen: Veranstaltungsreihe

Das Landesmuseum Hannover begleitet die Ausstellung mit einer Veranstaltungsreihe über aktuelle deutsche Tabuthemen. Am Dienstag, 13. November, um 19:00 Uhr sprechen u.a. Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, und Dr. Stephan Opitz, Mitautor des Buches „Kulturinfarkt“, über Provokation und Polemik in kulturpolitischen Debatten. Moderiert wird das Gespräch von Elske Brault, NDR Kultur. Weitere Talkrunden befassen sich mit Sterbehilfe, Integrationspolitik und Migration, Kindesmissbrauch sowie Depression im Sport.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Center for World Music Forschung
news-4674 Sun, 06 May 2012 19:56:00 +0200 Wer singt, macht keinen Blödsinn https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/wer-singt-macht-keinen-bloedsinn/ „Wer singt, macht keinen Blödsinn", sagt Yusuf Sengör. Der 54-Jährige ist in Niedersachsen als Türkischlehrer tätig. Seit vier Monaten studiert er an der Universität Hildesheim im Weiterbildungsstudiengang musik.welt – „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung". Wie er zur Musik gekommen ist? „Als ich klein war, habe ich in der Türkei erlebt, wie die Nachbarskinder getrommelt haben, das hat mich fasziniert", so Yusuf Sengör. Das Spielen der Saz, einem traditionellen türkischen Saiteninstrument, hat er sich selbst beigebracht. „Nach Gehör." Inzwischen lernt er das Gitarrenspiel. In Hildesheim. 

„Kulturelle musikalische Mehrsprachigkeit", so nennt Prof. Dr. Raimund Vogels das Konzept eines Moduls des Weiterbildungsstudiengangs. Alle 24 Studierenden erlernen in den kommenden zwei Jahren ein Instrument einer anderen Kultur. Vogels ist Direktor des Center for World Music an der Universität Hildesheim und Professor für Musikethnologie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

„Es ist spannend, sich durch das Spielen auf iranischen Instrumenten in andere Tonalitäten und Rhythmen einzuarbeiten", berichtet Johanna Udert. Die Bratschistin und Musiklehrerin bringt Erfahrungen in der Orchesterarbeit mit bis zu 100 Kindern mit. „In der pädagogischen Arbeit möchte ich stärker andere Kulturen einbeziehen." Auch Yusuf Sengör setzt Musik in der Schule ein. Wenn er die Saz in die Schule mitbringt, sei das Interesse der Schülerinnen und Schüler an den Klängen groß. „Wer singt und musiziert, macht keinen Blödsinn", ist er sich sicher. Dabei möchte Sengör über das Musizieren in der Schule auch die Eltern stärker einbinden, erreichen. Neben der musikalischen Praxis stehen für die Studierenden unter anderem musikethnologische und musikpädagogische Seminare auf dem Stundenplan.

Finanziell unterstützt wird der Studiengang von der Stiftung Niedersachsen. Deren Referentin Dr. Gesa Schönermark unterstreicht die Bedeutung von Musik in der interkulturellen Verständigung: „Musik kann Brücken bauen." Grundlage des Studiengangs ist eine umfangreiche musikethnologische Sammlung an Tonträgern, Instrumenten und Dokumenten, die die Stiftung Niedersachsen dem Center for World Music als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. „Unsere Studierenden holen die Instrumente aus den Vitrinen", unterstreicht Raimund Vogels. 

Ende Mai gestalten die 24 Hildesheimer Studierenden beim Fest der Kulturen in Hannover ein dreitägiges musikalisches Programm unter dem Titel „Globales Dorf".

„Die musikalische Integration. Musik verbindet Menschen aus aller Welt – und kann deshalb die Integration von Migranten fördern. Wie das geht, lernen Studierende an der Universität Hildesheim" (Deutsche Welle, Beitrag von Christina Beyert, 06.05.2012)

„Klangfarbe der Töne. Neuer Studiengang Weltmusik an der Uni Hildesheim" (DIE WELT, Beitrag von Thomas Korn, 03.03.2012)

Kulturelle Vielfalt als Chance: Weiterbildungsstudiengang öffnet Hochschultüren

]]>
Pressemeldungen Center for World Music MA KDmB - musik.welt
news-4246 Tue, 06 Mar 2012 19:42:00 +0100 Kulturelle Vielfalt als Chance: Weiterbildungsstudiengang öffnet Hochschultüren https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/kulturelle-vielfalt-als-chance-weiterbildungsstudiengang-oeffnet-hochschultueren/ Musiker, Lehrkräfte und Sozialarbeiter aus sieben Ländern nutzen das Potenzial der Musik für ihre Arbeit. Der Weiterbildungsstudiengang „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ an der Stiftung Universität Hildesheim öffnet Hochschultüren. Viele der 24 Studierenden im Alter von 20 bis 60 Jahren haben Erfahrungen in der Integrationsarbeit. Am Wochenende setzten sich die Studierenden mit der Stimme im Kulturvergleich auseinander. Seit 30 Jahren ist Yusuf Sengör Lehrer für herkunftssprachlichen Türkischunterricht. Im Januar hat sein Studium an der Stiftung Universität Hildesheim begonnen. „Um mein erstes Zupfinstrument, eine Saz, kaufen zu können, habe ich auf dem Baumwollacker in der Türkei gearbeitet. Endlich darf ich Musik studieren! Ich bin sehr glücklich“, erklärt der 54-Jährige. „Mit Musik kann man in der Integrationsarbeit mehr erreichen als manch einer glaubt. Musik verbindet Menschen gleich welcher Herkunft“, ist Sengör überzeugt. Er greift auf vielfältige Erfahrungen in der Integrationsarbeit zurück, arbeitet an niedersächsischen Schulen mit Kindern, von denen bis zu 60 Prozent eine Zuwanderungsgeschichte haben. 

Tinatin Tsereteli kam als Elfjährige aus Georgien nach Deutschland. „Ich überstand die Zeit der Sprachlosigkeit, Heimatlosigkeit und die Musikferne im Flüchtlingsheim.“ Nach ihrem Kulturwissenschaftsstudium an der Universität Hildesheim beginnt sie mit dem berufsbegleitenden Studium. Tsereteli sieht in der musikalischen Bildung die Möglichkeit, eine Brücke zu bauen zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft.

Berufsbegleitende musikethnologische und -pädagogische Ausbildung

In den nächsten zwei Jahren erfahren 24 Studierende eine berufsbegleitende  musikethnologische und -pädagogische Ausbildung. Georgien, Marokko, Türkei, Kasachstan, Russland und Iran – 40 Prozent der Studierenden haben einen Migrationshintergrund. 

Zu den Lehrinhalten zählt die musikalische Praxis, neben den theoretischen Seminaren zu Musikethnologie, Interkulturalität, Musik und Soziale Arbeit, Musikpädagogik und Projektmanagement. Jeder Studierende erlernt ein Instrument einer anderen Kultur. Yusuf Sengör hat sich für die Gitarre entschieden. „Musikalischen Fremdsprachenerwerb" nennt Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music, dieses Konzept. Im Rahmen der dritten Präsenzphase an diesem Wochenende stand das Thema „Stimme im Kulturvergleich" im Mittelpunkt der Betrachtungen. 

Weiterbildungsstudiengang öffnet Hochschultüren

Eine Besonderheit des Studiengangs ist, dass die Auswahl der Studierenden für das Zertifikatsstudium aufgrund der Motivation und der künstlerischen Kompetenzen des Einzelnen getroffen wurde – nicht aufgrund der vorherigen Ausbildung. Auch Berufstätige ohne Abitur oder deren Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, haben die Möglichkeit, sich durch ein Studium weiter zu qualifizieren. „Die offene Hochschule zeigt neue Wege zum Studium auf. Berufliche Qualifikationen und Weiterbildungsmaßnahmen können als Studienvoraussetzung anerkannt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt weg von der absoluten Vorgabe formaler Berechtigungen hin zur stärkeren Anerkennung individueller, fachlicher Kompetenzen. In Niedersachsen gilt diese Regelung seit Herbst 2010“, erklärt Dr. Margitta Rudolph, Leiterin des Weiterbildungszentrums der Universität Hildesheim.

„Der Weiterbildungsstudiengang nimmt die kulturelle Vielfalt, die Realität in unserem Land in den Blick. Wir wollen konsequent dazu beitragen, die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien zu verbessern“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und weist auf das Leitbild „Bildungsintegration“ der Stiftung Universität Hildesheim hin. „Gleichzeitig erkennen wir ihre vielfältigen Erfahrungen an, begreifen sie als Bereicherung und Chance.“  Der Universitätspräsident dankt Dr. Margitta Rudolph für die fantastische Aufbauarbeit und Weiterentwicklung des Weiterbildungszentrums und der Stiftung Niedersachsen für die finanzielle Unterstützung. 

Kooperationspartner

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt ist Teil des Leitziels Bildungsintegration der Stiftung Universität Hildesheim und des Programms musik.welt@niedersachsen der Stiftung Niedersachsen. Der Studiengang wurde gemeinsam mit dem Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim, der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, dem Musikland Niedersachsen und drei weiteren Hochschulen entwickelt.

Macht neugierig auf die Kulturen der Welt: Das Center for World Music

Das Center for World Music, die musikethnologische Forschungseinrichtung der Stiftung Universität Hildesheim, zählt über 6000 Musikinstrumente aus aller Welt, rund 50.000 Tonträger und mehr als 10.000 Bücher zur Musikethnologie. Es steht für musikethnologische Forschung und interkulturelle Musikvermittlung und leistet einen Beitrag zur Verständigung der Kulturen. Direktor ist Prof. Dr. Raimund Vogels, seit 2001 Professor für Musikethnologie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und Träger des Niedersächsisches Wissenschaftspreises 2008.

Bildungsintegration an der Stiftung Universität Hildesheim

Die Stiftung Universität Hildesheim hat das Leitziel „Bildungsintegration" formuliert und ein Maßnahmenbündel aus Projekten, Professuren, Studiengängen und Stipendienprogrammen initiiert. Im Leitbild heißt es: „Unser Land ist seit Jahrzehnten auch durch Immigration geprägt. Wir wollen konsequent dazu beitragen, die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien weiter zu entwickeln, um ihre Integration zu fördern. Gleichzeitig erkennen wir ihre vielfältigen Erfahrungen an.“

Stiftung Niedersachsen fördert musik.welt – Mehr dazu im Uni-Journal Februar 2012

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle (presse[at]uni-hildesheim.de].

]]>
Pressemeldungen Weiterbildung MA KDmB - musik.welt
news-4056 Fri, 10 Feb 2012 11:47:00 +0100 Bildungsmesse didacta: Praxisnahes Lehramtsstudium und Inklusive Pädagogik https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/bildungsmesse-didacta-praxisnahes-lehramtsstudium-und-inklusive-paedagogik/ Auf der Bildungsmesse didacta informiert die Universität Hildesheim vom 14. bis 18. Februar über die Lehramtsaus- und fortbildung. Die Zentrale Studienberatung und das Weiterbildungszentrum informieren über das „Hildesheimer Modell“ der Lehramtsausbildung sowie die Weiterbildungsstudiengänge. Mit dem zweijährigen Weiterbildungsstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ werden Lehrkräfte auf ein inklusives Bildungssystem vorbereitet. Die Zentrale Studienberatung (ZSB) der Universität Hildesheim informiert auf der didacta über die Studiengänge der Universität Hildesheim, insbesondere über das „Hildesheimer Modell“ der Lehramtsausbildung. Theorie und Praxis werden in enger Kooperation mit 250 Partnerschulen aus der Region Hildesheim und Hannover von Anfang an verbunden. Mehrere Praxisphasen durchziehen ab dem ersten Semester das Studium, die Praxisphasen werden intensiv vorbereitet, begleitet und nachbereitet.

Das Weiterbildungszentrum der Universität Hildesheim stellt auf der didacta das neue Kompetenzzentrum für Lehrerfortbildung und die Weiterbildungsstudiengänge vor. Berufstätige aus dem gesamten Bundesgebiet werden im Weiterbildungsstudiengang „organization studies“ in den Bereichen Organisations-, Bildungs- und Schulmanagement ausgebildet. An der Universität Hildesheim können sich seit 2011 Lehrkräfte, Schulleiterinnen, Schulleiter, Erzieherinnen und Erzieher umfassend für das „inklusive unterrichten“ berufsbegleitend weiterbilden. Die Hochschule informiert auf der didacta über den Weiterbildungsstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“.

Die Bachelor- und Masterstudiengänge Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Pädagogik der Kindheit/Diversity Management werden am 16. Februar im Rahmen eines Thementags „Alleskönner in Kitas. Was die Ausbildung heute leisten muss" vorgestellt (Workshop Kindheitspädagogische Hochschulausbildung in Niedersachsen).

Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Josef Lange wird am Freitag, 17. Februar, um 11:00 Uhr, den Stand der Universität Hildesheim auf der didacta besuchen.

Die Universität Hildesheim auf der didacta 2012 in Hannover: Halle 15, Stand E47.

]]>
Pressemeldungen ZSB Weiterbildung Polyv. 2-Fäch.BA MA IPK MA KDmB - musik.welt MA IMuK Studieninteressierte MA OS Erziehungswissenschaft Inklusion
news-3777 Sat, 10 Dec 2011 10:12:00 +0100 Musikarchive in Tadschikistan https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musikarchive-in-tadschikistan/ Die stellvertretende Kulturministerin Tadschikistans besuchte das Center for World Music, um neue Kooperationsmöglichkeiten der digitalen Sicherung und internationalen Vernetzung von Musikarchiven in Tadschikistan auszuloten. „Neben einem zum Teil bereits digitalisierten Bestand staatlicher Musikarchive gibt es in Tadschikistan vor allem eine Vielzahl unerschlossener Privatsammlungen teilweise mit wertvollen handschriftlichen Einzelstücken“, betonte die stellvertretende Kulturministerin Tadschikistans, Prof. Dr. Faroghat Azizi, im Gespräch mit Prof. Dr. Raimund Vogels, dem Geschäftsführer des Center for World Music (CWM), Kerstin Klenke, der wissenschaftlichen Koordinatorin des CWM, und Dr. Angelika Jung, Musikethnologin aus Weimar mit Schwerpunkt Zentralasien.

Diese Sammlungen zu sichten, digital zu sichern und schließlich der wissenschaftlichen Musikforschung und pädagogischen Praxis in einer digitalen Datenbank zur Verfügung zu stellen, wäre Ziel einer Zusammenarbeit zwischen staatlichen Kulturinstitutionen Tadschikistans und dem CWM. Die staatlichen und privaten Sammlungen, letztere zumeist im Besitz von Musikschaffenden oder deren Nachkommen, würden auf diese Weise über die Grenze Tadschikistans hinaus recherchier- und – je nach Rechtelage – eventuell sogar einsehbar werden. „Auch Musiker, die ihr Repertoire mit Hilfe von Aufnahmen erweitern, werden von einer digitalen Sicherung des Materials in einer Datenbank profitieren“, betont Prof. Dr. Raimund Vogels.

30 000 musikethnologisch relevante Schallplatten der Laade-Sammlung des CWM werden bereits in eine solche Datenbank eingepflegt. Sie umfasst derzeit hoch aufgelöste Image-Scans der Schallplattenhüllen und Covertexte und ermöglicht das Abspielen von Audioaufnahmen. 3D-Ansichten von Instrumenten, Fotografien und Videoaufzeichnungen sind als weitere Features der Datenbank angedacht.

Die digitale Bündelung von Musikarchiven weltweit ist ein visionäres Projekt, das nur in internationaler Zusammenarbeit, mit gesicherter staatlicher Förderung und unter Berücksichtigung komplexer Rechtslagen realisierbar ist. Im Falle der tadschikischen Sammlungen würde die Expertise der Musikethnologinnen und Musikethnologen vor Ort für ihre inhaltliche Erschließung genutzt und das Know-How deutscher Spezialistinnen und Spezialisten im Bereich Digitalisierung und Katalogisierung wiederum nach Tadschikistan weitergegeben werden. Die Weiterbildung von Beschäftigten im Ausland wurde bereits in anderen Digitalisierungsprojekten umgesetzt, so Azizi, die zuversichtlich ist im Hinblick auf das Zustandekommen eines Kooperationsprojekts. Die digitale Sicherung von Aufnahmen und anderen musikbezogenen Materialien versteht sie gerade auch angesichts der politischen Instabilität der Region als wichtige Maßnahme zum Schutz des Kulturerbes Tadschikistans.

Der regionale Fokus der Aktititäten des CWM wird neben Afrika auch auf Asien erweitert. Als erster Schritt in diese Richtung ist eine Zusammenarbeit mit dem Musikmuseum in Teheran, Iran, in Planung. Kooperationen mit Musikethnologinnen und -ethnologen und Musikinstitutionen in Tadschikistan und Usbekistan, zu dem bereits langjährige Forschungskontakte bestehen, wären nicht nur regional nahe liegend, sondern auch musikalisch sehr interessante Nachfolgeprojekte.

]]>
Pressemeldungen Center for World Music
news-3621 Thu, 10 Nov 2011 16:23:00 +0100 Musikalische Bildung https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musikalische-bildung/ Auf große Resonanz stößt der berufsbegleitende Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“. Im Frühjahr 2012 beginnt die musikethnologische und -praktische Ausbildung. Auf große Resonanz stößt der berufsbegleitende Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“. 37 % der Bewerber haben einen Migrationshintergrund, 61 % weisen Erfahrungen in der Integrationsarbeit auf, der Altersdurchschnitt liegt bei 39 Jahren.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt ist Teil des Programms musik.welt@niedersachsen der Stiftung Niedersachsen. Der Studiengang wurde gemeinsam mit dem Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim, der Hochschule für Musik und Theater Hannover,  dem Musikland Niedersachsen und drei weiteren Hochschulen entwickelt.

2012 beginnt die musikethnologische und -pädagogische Ausbildung, zu der die Kompetenzentwicklung in den Bereichen Interkulturalität, Musik und Soziale Arbeit, Projektmanagement und die musikalische Praxis zählt. Im Zuge des Studiums entwickelt jeder Studierender ein Praxisprojekt.

]]>
Pressemeldungen Center for World Music MA KDmB - musik.welt
news-3341 Wed, 07 Sep 2011 17:07:00 +0200 musik.welt https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musikwelt/ Zum Wintersemester 2011/12 startet an der Stiftung Universität Hildesheim der berufsbegleitende Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ (Master of Arts oder Zertifikatsstudium). Eine Bewerbung ist bis zum 15. Oktober möglich. Im Mittelpunkt stehen die musikethnologische und -pädagogische Ausbildung sowie die Kompetenzentwicklung in den Bereichen Interkulturalität, Musik und Soziale Arbeit, Elementare Musikpädagogik, Projektmanagement und die musikalische Praxis. „Wie kaum ein anderes Medium ist Musik geeignet, um kulturell-integrativ und somit auch sozial zu arbeiten. Musik kann altersunabhängig vermitteln und als internationale Sprache, Menschen aus unterschiedlichen Ländern unabhängig von ihrem kulturellen und religiösen Hintergrund verbinden“, unterstreicht Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim. Der Weiterbildungsstudiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ reagiert auf die aktuellen Herausforderungen einer kulturell sich wandelnden Gesellschaft.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt ist Teil des Programms „musik.welt@niedersachsen" der Stiftung Niedersachsen und wurde gemeinsam mit dem Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim, der Hochschule für Musik und Theater Hannover, dem Musikland Niedersachsen und drei weiteren Hochschulen entwickelt.

„Die Stiftung Niedersachsen unterstreicht mit ihrer Initiative das langjährige Interesse an der Musikethnologie und ihrer Bedeutung für die interkulturelle Verständigung. Der neue Studiengang wird eine bisher nirgendwo gelehrte Expertise erzeugen, die uns in der praktischen Integrationsarbeit besser und schneller als bisher voranbringen wird. Wir sind ermutigt durch die problemlose Akkreditierung, die gute Nachfrage und die Netzwerkqualität der beteiligten Hochschulen”, bekräftigt Dr. Gesa Schönermark, Referentin der Stiftung Niedersachsen.

Im Mittelpunkt stehen neben der musikethnologischen und -pädagogischen Ausbildung insbesondere die Kompetenzentwicklung in den Bereichen Interkulturalität, Musik und Soziale Arbeit, Elementare Musikpädagogik, Projektmanagement sowie die musikalische Praxis. Während des Studiums wenden die Studierenden theoretische Erkenntnisse unmittelbar in der Praxis an, konzipieren ein Praxisprojekt und setzen dieses bis zum Ende des Studiums um.

Der Studienabschluss qualifiziert für die Ausübung von Tätigkeiten in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales; zum Beispiel in Schulen, Kindertagesstätten, kulturellen Einrichtungen oder Projekten in den Bereichen Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, Frühkindliche Bildung, Migrationsarbeit und Erwachsenenbildung.

„musik.welt“ öffnet Hochschultüren

Der Studiengang richtet sich an Musiker_innen, Lehrkräfte, Sozialarbeiter_innen, Musikvermittler_innen und Erzieher_innen, die das Potential der Musik für ihre Arbeit nutzen möchten.

Die Auswahl der Studierenden für das Zertifikatsstudium wird aufgrund der Motivation und der künstlerischen Kompetenzen des Einzelnen getroffen, nicht aufgrund ihrer vorherigen Ausbildung. Studieninteressierte mit Migrationshintergrund sind ausdrücklich willkommen. Aufgrund der Größe des Studiengangs ist es möglich auf die individuellen Kompetenzen der Studierenden einzugehen.

Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Das Studium beginnt im Januar 2012, Bewerbungen sind bis zum 15. Oktober 2011 möglich. Die Gebühren für den Weiterbildungsstudiengang werden von der Stiftung Niedersachsen übernommen. Der Semesterbeitrag ohne Semesterticket wird von den Studierenden getragen.

]]>
Pressemeldungen MA KDmB - musik.welt Center for World Music
news-2859 Tue, 31 May 2011 16:42:00 +0200 Delegation des Musikmuseums Iran zu Gast im CWM: Musikalisches, kulturelles Erbe bewahren https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/delegation-des-musikmuseums-iran-zu-gast-im-cwm-musikalisches-kulturelles-erbe-bewahren/ Zu Kooperationsgesprächen besuchte eine Delegation des Musikmuseums Iran das Center for World Music. Angestrebt werde eine Kooperation mit der Musikhochschule Hannover, der Stiftung Universität Hildesheim und dem Bibliotheksverbund Göttingen, kündigte Museumsdirektor Ali Moradkhani in Hildesheim an. Das Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim will das Museum in Teheran technisch unterstützen und die dortigen Bestände für die eigene Forschung nutzen, sagte Prof. Dr. Raimund Vogels. Der Vorsitzende des Musikmuseums Iran, Ali Moradkhani, und zwei seiner Kollegen, Zahra Habibizad, Direktorin vom Schallarchiv des Musikmuseums Iran, und Mohammarreza Sharayeli, Experte des Schallarchivs, besuchten im Mai 2011 Kooperationspartner in Hannover, Hildesheim und Göttingen. Ziel der Reise war es, die Forschungsmöglichkeiten vorzustellen, die das Musikmuseum in Bezug auf iranische Musik und die Musik der Nachbarländer Irans anbieten kann.

Im Center for World Music (CWM), einer musikethnologische Forschungseinrichtung der Stiftung Universität Hildesheim, wurden mögliche Kooperationen diskutiert. Ein gemeinsames Interesse besteht darin, die digitalen Bestände des Musikmuseums bibliographisch nach gegenwärtigen wissenschaftlichen Standards zu erfassen und in Zusammenarbeit mit der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) in Göttingen zu sichern. „Ziel ist es, einerseits die musikwissenschaftliche Infrastruktur im Iran nachhaltig so zu stärken, dass die Bestände des Musikmuseums für die Musiker vor Ort zugänglich sind und in die künstlerischen Schaffensprozesse einfließen können, andererseits Musikethnologinnen und Musikethnologen außerhalb Irans über das CWM Zugang zu einer anderweitig nur schwer zugänglichen Sammlung iranischer Tonaufnahmen zu ermöglichen“, erklärte Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des CWM.

Das Musikmuseum Iran

Das Musikmuseum Iran wurde 2009 in Teheran mit den zentralen Zielen gegründet, das musikalische Erbe Irans zu schützen, zwischen musikalischer Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln sowie die Kulturgüter für die Zukunft zu erhalten („safeguarding“). Es hat eine Sammlung der ältesten Schallplattenaufnahmen Irans  in seinem Bestand. Das Musikmuseum Iran ist eine nicht-staatliche Institution, die unter Aufsicht der kulturellen Abteilung der Stadtverwaltung von Teheran liegt.

Es besteht aus folgenden Abteilungen: Instrumentenarchiv (zahlreiche Instrumente aus unterschiedlichen Regionen Irans), Musikarchiv (besteht derzeit aus ca. 4 Terabyte Musikaufnahmen), Konzerthalle, Tonstudio, Fachbibliothek, Werkstatt für den Instrumentenbau.

]]>
Pressemeldungen Center for World Music
news-2684 Thu, 14 Apr 2011 07:39:00 +0200 Neuer Direktor des Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/neuer-direktor-des-center-for-world-music/ Der Musikethnologe Prof. Dr. Raimund Vogels leitet ab April 2011 als Direktor das Center for World Music (CWM) der Stiftung Universität Hildesheim. Das Präsidium der Hochschule beschloss am 12.04.2011 Vogels’ Ernennung. „Über die Ernennung freue ich mich sehr. Ich möchte das Center for World Music als Forschungszentrum weiter ausbauen und die intensive Zusammenarbeit mit Stiftungen fortführen, um Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Hildesheim einzuladen“, erläutert Vogels. Die „Scharnierfunktion“ des Zentrums möchte Vogels weiter stärken: „Das Center for World Music ist ein verbindendes Glied zwischen der Stiftung Universität Hildesheim und der Hildesheimer Öffentlichkeit.“ Gefördert von der Stiftung Niedersachsen soll zum Herbst 2011 der berufsbegleitende Masterstudiengang „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ starten. „Der Studiengang sieht die im Sinne der UNESCO-Konvention reiche musikalische Vielfalt Niedersachsens als wichtige Chance für die kulturelle Bildung. Es sollen neue musikalische Lernprozesse stimuliert und so ‚Integration’ durch Musik als aktiver Prozess interkulturellen Lernens gefördert werden“ so Vogels. Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim, gratulierte Vogels zum neuen Amt und zeigte sich überzeugt, dass das CWM das Forschungsprofil der Universität nachhaltig stärken werde.

Vogels studierte Musikwissenschaft in Köln, Legon (Ghana) und Berlin, wo er im Jahr 1987 mit einer Dissertation über die Frauengesänge der Dagaaba im Nordwesten Ghanas promovierte. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Musikethnologischen Abteilung des Berliner Völkerkundemuseums in Nigeria mit dem Aufbau eines Musikarchivs an der University of Maiduguri befasst. 1995 begann er eine fünfjährige Assistenzzeit am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Köln, wo er sich über die Musik an den islamischen Herrscherhöfen im Nordosten Nigerias habilitierte. 2001 wurde Vogels als Professor für Musikethnologie an die Hochschule für Musik und Theater Hannover berufen. Von Juni 2003 bis Juli 2006 war er dort mit dem Amt des Vizepräsidenten Ressort Wissenschaft betraut.

Im Jahr 2008 wurde ihm der Niedersächsische Wissenschaftspreis für seine Bemühungen für das Fach Musikethnologie zuerkannt.

Vogels’ Arbeitsgebiete und Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Musik in Westafrika, Musik und Migration sowie Musikethnologie in der Musikpädagogik.

Unterstützt wird Vogels durch den Gründungsdirektor des CWM, Prof. Dr. Wolfgang Bender, der im März in den Ruhestand trat. Bender wird sich als Projektbeauftragter für Afrika weiterhin für das CWM engagieren.

Das Center for World Music

Das Center for World Music ist eine musikethnologische Forschungseinrichtung der Stiftung Universität Hildesheim und bietet sowohl Lehre als auch ein Veranstaltungsprogramm an.

Im Sommer 2009 öffnete das Center for World Music in Hildesheim seine Türen und gewährt seitdem einen Einblick in eine Sammlung mit über 3500 Musikinstrumenten aus aller Welt, rund 50.000 Tonträgern und mehr als 10.000 Büchern zur Musikethnologie. Heute steht das Center for World Music für musikethnologische Forschung und interkulturelle Musikvermittlung und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verständigung der Kulturen.

Ausführliche Informationen zum Center for World Music:

http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=3006

]]>
Pressemeldungen Center for World Music
news-2528 Wed, 02 Mar 2011 14:23:00 +0100 ICTM Deutschland zu Gast im Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/ictm-deutschland-zu-gast-im-center-for-world-music/ „Musikinstrumente – Seele und Vermächtnis“ war das Thema der Jahrestagung des deutschen Nationalkomitees des International Council for Traditional Music (ICTM), zu der Musikethnologen aus ganz Deutschland im Februar 2011 im Center for World Music (CWM) zusammenkamen. Der ICTM ist eine mit der UNESCO in beratender Beziehung stehende Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich der Erforschung, Ausübung, Dokumentation, Bewahrung und Verbreitung von Musik aus aller Welt verpflichtet hat. Auf Einladung von Prof. Dr. Wolfgang Bender tagte das deutsche Bundeskomitee des ICTM dieses Jahr an einem Ort, der „musikethnologische Forschung, Lehre und musikalische Praxis gezielt verbindet", so der Geschäftsführer des Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim. Gemeinsam mit  Prof. Dr. Raimund Vogels, Vorstandsvorsitzender des CWM, gab Prof. Bender zu Beginn der Tagung einen Einblick in die Vorgeschichte, Entwicklung und Zukunft des CWM.

Im Zentrum der Tagung, die von Dorit Klebe, der Präsidentin des deutschen Nationalkomitees des ICTM, organisiert wurde, standen Beiträge zum Tagungsthema „Musikinstrumente – Seele und Vermächtnis“. Schon zu Beginn zeigte sich die Veränderung der musikalischen Praxis in Abhängigkeit von den politischen und sozio-kulturellen Transformationsprozessen als ein Schwerpunkt der Vorträge. Nevzat Çiftçi, Frankfurt, untersuchte die „Emanzipation der türkischen Langhalslaute Bağlama“. Im Osmanischen Reich bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Instrument der Nomaden verpönt, nimmt sie in der heutigen Türkei die Rolle eines Nationalinstrumentes ein und ist ein beliebtes Instrument in der interkulturellen Weltmusikszene. Sven Kirschlager, Berlin, trug seine Feldforschungsergebnisse über die Musikergruppe der Corridistas, einst wandernde Musiker in Südmexiko, vor. Ihre musikalische Praxis und soziale Funktion wandelte sich im Zuge der Einführung von Überlandbussen und modernen Kommunikationsmedien radikal. Prof. Bender unterstrich, dass der UNESCO-Auftrag zum Erhalt der kulturellen Vielfalt und des Weltkulturerbes ein Auftrag für jeden sei.

Die umfassende Schallplatten-, Literatur- und Instrumentensammlung „Music of Man Archive“ von Prof. Dr. Wolfgang Laade ist heute neben der Instrumentensammlung von Rolf Irle der Grundstock des Archivs des CWM. Ihre Bedeutung für Forschung und Lehre stellte Dr. Michael Öhler, Hannover/ Hildesheim, bei der Darstellung des „Music of Man Archive“ heraus. Ziel ist es, über 25 000 Schallplatten mit Aufnahmen von Musiken aus aller Welt zu digitalisieren.

Janne Groth und Lutz Dollereder, Hannover/Hildesheim, stellten gemeinsam mit Prof. Vogels das am CWM angesiedelte und der kulturellen Vielfalt verpflichtete Projekt musik.welt@niedersachsen vor. Das Ziel des Projekts, das von der Stiftung Niedersachsen gefördert wird, sei vor allem die Einrichtung des Weiterbildungsstudiengangs „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“. Mit dem Studiengang soll die Lücke in der interkulturellen Musikpädagogik und -vermittlung in Niedersachsen geschlossen und Diversität und musikalische Bildung verbunden werden.

Prof. Vogels betonte abschließend, dass die Bedeutung der Musikethnologie in der wissenschaftlichen Kulturlandschaft stark gestiegen sei. Mit dem CWM, seinen Sammlungen, Konzertveranstaltungen und Projekten wie dem internationalen Doktoranden-Workshop sowie zahlreichen Drittmittelprojekten, erlange die Musikethnologie in Niedersachsen eine in der deutschen Hochschullandschaft verstärkte Bedeutung und internationale Ausstrahlung. Die Vielzahl von Nachwuchswissenschaftlern neben den etablierten Musikethnologen bei der diesjährigen Jahrestagung des ICTM weist auf eine zukunftsfähige und relevante Wissenschaft hin.

Das Center for World Music erwies sich erneut als hervorragender Standort für musikethnologische Tagungen, nicht zuletzt weil die ausgestellte Instrumentensammlung es ermöglicht, zur besseren Anschauung der Vorträge direkt auf Exponate zu verweisen.

 

]]>
Pressemeldungen Center for World Music
news-1091 Thu, 18 Mar 2010 00:00:00 +0100 Musik als soziales Gedächtnis einer Gesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/musik-als-soziales-gedaechtnis-einer-gesellschaft/ Dreijähriges Forschungsprojekt führt Wissenschaftler aus Ghana und Nigeria nach Hildesheim Vom 15.-26. März 2010 treffen sich die Projektteilnehmer des Forschungsprojektes "The Formation and Transformation of Musical Archives in West African Societies" in Hannover und Hildesheim zu einem Projekt-Workshop, um gemeinsam die kollektiven und individuellen Forschungsaktivitäten zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Das Forschungsprojekt "The Formation and Transformation of Musical Archives in West African Societies" ist ein Kooperationsprojekt deutscher, ghanaischer und nigerianischer Partner aus verschiedenen akademischen Disziplinen. Es wird von der Volkswagenstiftung im Rahmen der Initiative "Wissen für morgen – kooperative Forschungsvorhaben im subsaharischen Afrika" gefördert und ist am Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim angesiedelt.
Das "Center for World Music" der Stiftung Universität Hildesheim hat gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Theater in Hannover einen Schwerpunkt zur Erforschung von Musikarchiven aufgebaut. Ziel dieses Projekts ist die Erforschung unterschiedlicher Felder musikalischen Wissens und musikalischer Praxis in Westafrika, insbesondere in Nigeria und Ghana. Der Ansatz des Projekts ist interdisziplinär und umfasst unter anderem die Perspektiven der Musikwissenschaft, der Soziologie, der Geschichte, der Kulturwissenschaften, der Medienwissenschaften sowie der Pädagogik. Universitätsdozent Dr. Wolfgang Bender vom "Center for World Music" betont die Bedeutung der Musik als identitätsstiftendes Mittel für eine Gesellschaft und rückt die Frage nach Musikerziehung in formellen und informellen Bildungsbereichen als ein zentrales Thema in den Mittelpunkt der Workshops. Professor Raimund Vogels von der Hochschule für Musik und Theater Hannover benennt ein weiteres entscheidendes Ziel der internationalen Zusammenarbeit: "Das Verstehen der eigenen Kultur, die Erfahrungen im Austausch miteinander und nicht zuletzt das, was wir unter "capacity building" verstehen, also die akademische Auseinandersetzung zu lernen, ist eines der Ziele der Workshops." 
Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Hochschulen in Hannover und Hildesheim, in Maiduguri, Nigeria, und Accra, Ghana. Innerhalb dieses Projektes werden sowohl die "materiellen Archive", also Klangarchive, Museen und Bibliotheken untersucht, wie auch die sogenannten "ideellen Archive", damit die praktischen Kenntnisse und Gebräuche von Menschen. Beide Archive bewahren, beeinflussen und verändern das kulturelle Erbe und damit das soziale Gedächtnis einer Gesellschaft.
Das gesamte Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und begann 2009.

]]>
Pressemeldungen Center for World Music
news-1066 Tue, 02 Feb 2010 00:00:00 +0100 Übergabe der Sammlung koptischer Musik an das Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/uebergabe-der-sammlung-koptischer-musik-an-das-center-for-world-music-der-stiftung-universitaet-hildes/ Einzigartige Bestände gesichert Anfang Februar wurde in einem Festakt im Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim die Sammlung der koptischen Musik des Patriarchats der Koptischen Kirche in Kairo feierlich übergeben. Diese Sammlung wurde im Herbst 2009 in einer Kooperation zwischen dem Koptisch-Orthodoxen Patriarchat in Kairo/Alexandria mit direkter Unterstützung durch Papst Shenouda III. und der Stiftung Universität Hildesheim sowie der Hochschule für Musik und Theater Hannover digital gesichert und wird nun im Center for World Music für die Wissenschaft zugänglich gemacht.

"Als eine internationale Forschungsstätte erfüllen wir damit einmal mehr unseren Auftrag mit Leben", so Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich in seiner Begrüßung der zahlreichen namhaften Gäste aus Politik, Kirche, Wissenschaft und Kultur. Friedrich dankte dabei besonders der Stiftung Niedersachsen für ihre verlässliche Unterstützung der Aktivitäten des Center for World Music. Professor Dr. Franz Riemer, der Vizepräsident der Hochschule für Musik und Theater Hannover, betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung des nun digital gesicherten Materials für die Forschung weltweit und der Generalsekretär der Stiftung Niedersachsen, Joachim Werren, brachte die einzigartige Leistung der beteiligten Musikwissenschaftler und -ethnologen auf den Punkt: "Mit der Digitalisierung der Tonbänder ist der Verlust der koptischen Musik abgewendet." Dr. Thomas Götz, Beauftragter für Außenwissenschaftspolitik des Auswärtigen Amtes Berlin unterstrich die Bedeutung der Sicherung dieser einzigartigen Bestände als einen wichtigen Programmpunkt innerhalb der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. 
In ihren Vorträgen über die Geschichte und Gegenwart der koptischen Musik stellten Dr. Michael Ghattas, der Leiter der Musikaliensammlung der Koptischen Kirche in Kairo und Professor Dr. Raimund Vogels von der Hochschule für Musik und Theater Hannover die Bedeutung der Sammlung eindrucksvoll dar und erläuterten diese älteste Gesangstradition der christlichen Kirche in Wort, Ton und Bild. Mit einer Danksagung des Koptischen Bischofs für Deutschland, Anba Damian, und einer musikalischen Kostprobe, dargeboten von Kantoren der koptischen Kirche, endete die Veranstaltung.

]]>
Pressemeldungen Musik und Musikwissenschaft Center for World Music
news-990 Thu, 15 Jan 2009 00:00:00 +0100 Zu Gast in Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/zu-gast-in-hildesheim/ Hochrangige Delegation aus China zu Gast in Hildesheim Eine hochrangige Delegation aus der Provinz Anhui/China war am 15. Januar 2009 zu Gast an der Stiftung Universität Hildesheim.

 

Mit dabei waren Vertreter des Bildungsministerium der Provinz Anhui, ein Präsident sowie mehrere Vizepräsidenten diverser chinesischer Hochschulen, die besonderes Interesse hatten, die Universität Hildesheim in ihrer Struktur, mit ihren Studienangeboten und im Bereich "Internationalisierung" kennen zu lernen.

Begrüßt wurde die Delegation am 15.1. um 10 Uhr im Konferenzraum der Universität Hildesheim durch den Präsidenten der Universität, Herrn Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Anschließend erläuterte der Vizepräsident Dr. Christoph Strutz die Organisationsstruktur der Universität und die vielfältigen Angebote im Bereich der Internationalisierung, Prof. Dr. Karl-Heinz Arnold stellte das "Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung (CeBU)", Elke Sasse-Fleige das International Office vor, Dr. Wolfgang Bender gab Auskünfte über das "Center for World Music".

Nach einer Mittagspause und einer Stadtführung durch Hildesheim endete der Besuch der Delegation mit einem Empfang im Rathaus der Stadt Hildesheim.

]]>
Pressemeldungen Internationales Center for World Music
news-1018 Wed, 20 Feb 2008 10:57:00 +0100 CHE Forschungsranking: Uni Hildesheim schafft auf Anhieb den Sprung in die Gruppe forschungsstarker Hochschulen in Erziehungswissenschaft https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/che-forschungsranking-uni-hildesheim-schafft-auf-anhieb-den-sprung-in-die-gruppe-forschungsstarker/ Uni Hildesheim punktet bei Promotionen und Publikationen Die Stiftung Universität Hildesheim hat erstmals mit dem Fach Erziehungswissenschaft an dem aktuellen Forschungsranking 2007 des CHE teilgenommen und gleich den Sprung in die Gruppe der forschungsstarken Hochschulen geschafft.

Im Fach Erziehungswissenschaft wurden 49 Universitäten in den Vergleich einbezogen. Als Forschungsindikatoren stehen in diesem Fach vor allem die verausgabten Drittmittel, die Ergebnisse einer bibliometrischen Analyse und die Anzahl der Promotionen zur Verfügung. Die detaillierten Ergebnisse zum Ranking des Faches Erziehungswissenschaft sind in dem Ranking auf den Seiten 99 bis 113 dargestellt.

CHE Forschungsranking 2007

Nachfolgende Tabelle 1 zeigt die forschungsstarken Hochschulen in Erziehungswissenschaft im Überblick. Eine Universität wird als forschungsstark bezeichnet, wenn sie bei mindestens drei der sechs Indikatoren eine Platzierung in der Spitzengruppe erreicht. Keine der untersuchten Hochschulen hat die Maximalzahl erreicht, aber die Universität Oldenburg belegte immerhin fünf Spitzenplätze. Darüber hinaus ist diese Universität – gemeinsam mit der Universität Hildesheim – neu in der Gruppe der Forschungsstarken. Im Vergleich zum Vorjahr gab es keine Absteiger: Alle Hochschulen, die sich im Jahr 2004 schon in der Gruppe der Forschungsstarken befanden, sind hier auch weiterhin vertreten. Nur vier der forschungsstarken Universitäten (HU und FU Berlin, Uni Bielefeld und LMU München) sind auch im Reputationsindikator stark, d.h. sie wurden von über 25% der Professoren dieses Faches als führend in der Forschung bezeichnet.

 

 


Zur Methodik des RankingsDas CHE ForschungsRanking umfasst derzeit sechzehn Fächer und basiert auf dem umfangreichen Datenmaterial, das durch die jährlichen Untersuchungen zum CHE-HochschulRanking zur Verfügung steht. Während im CHE-Hochschulranking neben ausgewählten Forschungsindikatoren Informationen zum Studium, wie z.B. Studiendauern oder Studierendenurteile im Mittelpunkt stehen, konzentriert sich das ForschungsRanking ausschließlich auf die universitäre Forschung.

Die Aktivitäten der Universitäten auf diesem Gebiet sollen bundesweit transparent gemacht und forschungsstarke Fakultäten in den einzelnen Fächern hervorgehoben werden. Neben den "pro-Kopf"-Forschungsindikatoren (z.B. Drittmittel pro Wissenschaftler), die auch im HochschulRanking ausgewiesen werden, werden im ForschungsRanking auch die Absolutwerte (z.B. Drittmittelsumme) berücksichtigt. Die Ergebnisse werden auf unterschiedlichen Ebenen aggregiert: Neben den fachspezifischen Ranglisten zu den einzelnen Indikatoren werden "forschungsstarke Hochschulen je Fach" sowie "Forschungsstarke Universitäten" mit einem hohen Anteil an forschungsstarken Fächern herausgestellt.


 

Forschungsprofil der Stiftung Universität Hildesheim:
Nach der Bewilligung des Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft "Transnationale soziale Unterstützung" im Dezember 2007 ist das positive Abschneiden der Universität Hildesheim in dem CHE Forschungsranking ein weiterer Nachweis dafür, dass die Universität Hildesheim neben Exzellenz in der Lehre auch im Bereich Forschung große Erfolge verzeichnet.

Forschungszentren an der Stiftung Universität Hildesheim:

  • Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung. Ein Netzwerk wissenschaftlicher Forschungsprojekte des CeBU wirkt innovationsfördernd im Bereich der Lehrerbildung. Die Projekte werden ergänzt durch Forschungen zu Entwicklungsprozessen in Organisationen, insbesondere im Schulmanagement. Dieses niedersachsenweit einmali-ge Forschungszentrum wurde aktuell um das Forum Fachdidaktische Forschung erweitert;
  • Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen. Das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen ist zuallerst Plattform für Forschungsvorhaben, für den interdisziplinären und internationalen Austausch und für die wissenschaftliche Nachwuchsförderung, mit dem Ziel das Forschungsprofil der Pädagogik der frühen Kindheit zu schärfen. Darüber hinaus unterstützt es die regionale Vernetzung und die Professionalisierungsbemühungen in den Handlungsfeldern der Pädagogik der frühen Kindheit.;
  • Centrum für Kulturtheorie. Dieses kulturwissenschaftliche Zentrum befindet sich in Planung. In ihm werden die kulturwissenschaftlichen Fächer künftig auch mit der Kulturphilosophie, Kulturgeschichte und Kultursoziologie zusammenarbeiten;
  • Center for World Music. Das internationale Zentrum für Weltmusik befindet sich in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover im Aufbau;
  • Ambient Intelligence. Das Fach Informatik hat einen Vorschlag erarbeitet, der zurzeit diskutiert wird.

Der Nachwuchsförderung gilt das besondere Augenmerk der Universität Hildesheim. Hier wurden in den letzten Jahren wichtige Weichenstellungen vorgenommen. Heute bietet die Hildesheimer Stiftungsuniversität dem wissenschaftlichen Nachwuchs interessante Forschungsnetzwerke an:

  • das DFG-Graduiertenkolleg "Transnationale soziale Unterstützung";
  • das Margot-Möller-Promotionskolleg im Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften;
  • das fachbereichsübergreifende Promotionskolleg "Interkulturalität in Bildung, ästhetik, Kommunikation";
  • das Promotionskolleg "Produktionsräume ästhetischer Praxis";


Forschen für Niedersachsen und die Region
In diesem Jahr wird ein weiteres Graduiertenkolleg "Schulforschung" entstehen, das direkt in die bewährte Zusammenarbeit mit rund 140 Schulen der Region eingebunden sein wird.


Weitere Informationen:

 

www.uni-hildesheim.de

 

 


Kontakt:

 

 

Prof. Dr. Olga Graumann
Geschäftsführende Leiterin des Instituts für Erziehungswissenschaft

E-Mail: jaugrau(at)uni-hildesheim.de

Prof. Dr. Martin Schreiner
Dekan des Fachbereich I - Erziehungs- und Sozialwissenschaften

E-Mail: schreinr(at)uni-hildesheim.de

 

 

]]>
Pressemeldungen Center for World Music Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Promotionskolleg
news-912 Tue, 14 Nov 2006 10:51:00 +0100 "The sound" Centre for World Music entsteht in Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/en/center-for-world-music/aktuelles/neuigkeiten/artikel/artikel/the-sound-centre-for-world-music-entsteht-in-hildesheim/ Stiftung Niedersachsen überträgt Weltmusikarchiv der Stiftung Universität Hildesheim Die Stiftung Niedersachsen ist Eigentümerin des "Music of Man" - Archivs, das von dem Musikethnologen Prof. Dr. Wolfgang Laade (Zürich) aufgebaut wurde. Die "Sammlung Laade" umfasst rund 500 Musikinstrumente, 50.000 Tonträger und eine Fachbibliothek. Die Stiftung Niedersachsen hat beschlossen, die Sammlung Laade und weitere Sammlungen der Stiftung Universität Hildesheim zur gemeinsamen Nutzung mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover zu übertragen.

Die Universität Hildesheim und die Hochschule für Musik und Theater Hannover wollen die Sammlung der Forschung und Lehre zugänglich machen und auch der öffentlichkeit Nutzungsmöglichkeiten schaffen. Die beiden Hochschulen planen ergänzend einen gemeinsamen Studiengang "Interkulturelle Musikpädagogik".

Durch den am 30. Juni 2006 von der Stiftung Niedersachsen, der Hochschule für Musik und Theater Hannover und der Stiftung Universität Hildesheim unterzeichneten Kooperationsvertrag ist die Grundlage für die Schaffung eines Centrums für Weltmusik der Universität Hildesheim gelegt worden. Das Centrum für Weltmusik soll sein Domizil auf der Domäne Marienburg in Hildesheim finden. Damit erhält die Musikethnologie in Deutschland einen neuen Standort. Das Centrum für Weltmusik der Universität Hildesheim vereinigt eine einzigartige Sammlung von über 1.000 Musikinstrumenten aus allen Erdteilen, eine wertvolle Sammlung von rund 50.000 Tonträgern mit ethnischer Musik sowie eine 10.000 Bände umfassende Fachbibliothek. Es dient der wissenschaftlichen Forschung und Lehre und ist zugleich eine Stätte künstlerischer Praxis. Es wurde geschaffen durch das erfolgreiche Zusammenwirken von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist ein Zeugnis deutscher Stiftungskultur und ein Beitrag zum Musikland Niedersachsen.

Die Niedersächsische Landesregierung begrüßt das Projekt "Centrum für Weltmusik" der Universität Hildesheim. Ministerpräsident Christian Wulff erklärte: " Die von Ihnen vorgelegte Konzeption ist in der geplanten Kooperation mehrerer Hochschulen und in der Verbindung von ethnologischer Musikwissenschaft und Musikpädagogik bundesweit einmalig und kann für Hildesheim und die anderen beteiligten Standorte ein hervorragendes Alleinstellungsmerkmal bedeuten."

Die Stiftung Universität Hildesheim will mit Partnern aus Stadt und Land, aus der Wirtschaft und aus der Kultur, sowie zusammen mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen ein internationales Centrum schaffen: The ● sound CENTRE FOR WORLD MUSIC @ uni-hildesheim.de. Sie lädt alle Interessierten zum Gespräch ein.

 

"The sound" - Projektskizze

]]>
Pressemeldungen Stiftungsuniversität Center for World Music