Forschungsethische Aspekte im Forschungsdatenmanagement

Forschungsethik und „gute wissenschaftliche Praxis”

Digitale Technologien haben den Forschungsprozess tiefgreifend verändert. Die Ethik stellt Methoden bereit, Veränderungen zu hinterfragen. Forschende tragen eine Verantwortung gegenüber der „Scientific Community”. Vertraulichkeiten sind rechtlich verankert. Ein Forschungsdatenmanagement kann helfen, noch vor der Datenerhebung und während des Forschungsprozesses ein Bewusstsein für sensible Themenbereiche zu schaffen.

Wir beschäftigen uns mit den Anforderungen der Ethikstandards in den Fachgesellschaften, die erfüllt werden müssen. Dabei müssen alle wissenschaftlichen Qualitätskriterien und Grundsätze „guter“ wissenschaftlicher Praxis (DFG) gegenüber der „Scientific Community“ in jedem Forschungsprojekt eingehalten werden. Diese sind ein Kernelement des vertrauenswürdigen und nachhaltigen Forschungsdatenmanagement im Sinne der FAIR-Prinzipien in einer sehr heterogenen Datenvielfalt. Beim Thema Forschungsethik und Forschungsdatenmanagement an unserer Universität in allen Fachbereichen und Instituten spielen sowohl Daten aus der qualitativen Forschung als auch aus der quantitativen Forschung eine wichtige Rolle. Besonders die Erziehungswissenschaften der Stiftung Universität Hildesheim haben sich schon lange mit der Forschungsethik auseinandergesetzt, zum Beispiel „inwieweit akademisch Forschende bei der Initiierung von Forschung bereits eine Agenda setzen müssen, damit sie Kinder hierzu informiert einladen können, und wie dies mit dem Postulat der Offenheit zu vereinbaren ist, das für eine geteilte Verantwortung steht.” (Vgl. Eßer, Florian/Sitter, Miriam (2018). Ethische Symmetrie in der partizipativen Forschung mit Kindern. Forum: Qualitative Sozialforschung, 19. Jg., H. 3, https://doi.org/10.17169/fqs-19.3.3120 (Zugriff am 20.01.2021))

Die Forschungsethik in Projekten ist also bereits bei der Antragsstellung bzw. beim Schreiben des Datenmanagementplans zu berücksichtigen. In den Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis heißt es in Leitlinie 10:

“Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen mit der verfassungsrechtlich gewährten Forschungsfreiheit verantwortungsvoll um. Sie berücksichtigen Rechte und Pflichten, insbesondere solche, die aus gesetzlichen Vorgaben, aber auch aus Verträgen mit Dritten resultieren, und holen, sofern erforderlich, Genehmigungen und Ethikvoten ein und legen diese vor. Im Hinblick auf Forschungsvorhaben sollten eine gründliche Abschätzung der Forschungsfolgen und die Beurteilung der jeweiligen ethischen Aspekte erfolgen. Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen eines Forschungsvorhabens zählen auch dokumentierte Vereinbarungen über die Nutzungsrechte an aus ihm hervorgehenden Forschungsdaten und Forschungsergebnissen.” (Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft. (2019). Guidelines for Safeguarding Good Research Practice. Code of Conduct. http://doi.org/10.5281/zenodo.3923602, Zugriff am 20.01.2021)

In der praktischen Unterstützung zum Forschungsdatenmanagement in der Universitätsbibliothek Hildesheim wird in Anlehnung an den DFG-Kodex auf die allgemeine Ethikkommissionen der Stiftung Universität Hildesheim hingewiesen und darüber beraten, ob jeweils ein Ethikvotum für ein beantragtes Projekt notwendig sei.

Relevanz der Forschungsethik für alle vier Fachbereiche und Institute der Stiftung Universität Hildesheim

Die Ethikkommission des Fachbereichs 1, Erziehungs- und Sozialwissenschaften, versteht sich als ein Gremium, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fachbereichs in ethischen Fragen auf Antrag in diesen Prozessen berät. Auf Antrag erstellt die Kommission dann ein Gutachten.

Forschungsethik für alle Fachbereiche und Institute

Gerade im Fach Psychologie hat das Thema Forschungsethik im Forschungsdatenmanagement bereits hohe Aufmerksamkeit erhalten. Die ethischen Fragestellungen sind aber bis hin zum Fachbereich 4 der wichtig, insbesondere für die Informatiker, die programmieren, und für jene Forschende, die in den Bereichen Maschinelles Lernen, Big Data, Künstliche Intelligenz und Algorithmen tätig sind. In der Biologie und den Lebenswissenschaften werden ethische Fragen rund um die Künstliche Intelligenz gestellt.

Themen im FDM zu forschungsethischen Belangen

Themen im Forschungsdatenmanagement zur Forschungsethik sind häufig Freiwilligkeit der Teilnahme als Voraussetzung einer Studie, das Prinzip der informierten Einwilligung („informed consent“) in bildungs- und sozialwissenschaftlichen Studien, Schutz der Teilnehmenden durch Sicherstellung der Anonymität, Privatheit sowie Vermeidung von Risiken. Dazu kommen rechtliche Fragestellungen insbesondere zu Persönlichkeitsrechten (Dritter). Vor den Feldforschungen müssen die informierten Einwilligungen vorliegen. Auch sollte sichergestellt sein, dass noch keine vergleichbaren Daten vorliegen, die sekundär genutzt werden könnten. Für die Teilnehmenden am Forschungsprojekt darf die Arbeit keine Belastung darstellen.

Weiterführende Literatur

Heise, N.; Schmidt, J.-H. (2014): Ethik der Online-Forschung. In: M. Welker, M. Taddicken, J.-H. Schmidt, N. Jackob (Hrsg.), Handbuch Online-Forschung. Sozialwissenschaftliche Datengewinnung und -auswertung in digitalen Netzen. Köln: Halem, S. 519-539

Huber, E. (2019): Beratung und Entscheidungsfindung bei rechtlichen und ethischen Fragen des Forschungsdatenmanagements. In: Bausteine Forschungsdatenmanagement, Nr. 2 (Oktober), S. 31-39. https://doi.org/10.17192/bfdm.2019.2.8072 (Zugriff am 20.01.2021)

Kinder-Kurlanda, Katharina E., Katrin Weller, Wolfgang Zenk-Möltgen, Jürgen Pfeffer, and Fred Morstatter (2017): Archiving Information from Geotagged Tweets to Promote Reproducibility and Comparability in Social Media Research. In: Big Data & Society 4 (2): 1-14. http://dx.doi.org/10.1177/2053951717736336 (Zugriff am 20.01.2021)

RatSWD [Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten] (2017): Forschungsethische Grundsätze und Prüfverfahren in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. RatSWD Output 9 (5). Berlin, Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD). https://doi.org/10.17620/02671.1 (Zugriff am 20.01.2021)

Unger, Hella von (2018): Ethische Reflexivität in der Fluchtforschung. Erfahrungen aus einem soziologischen Lehrforschungsprojekt. Forum Qualitative Sozialforschung (FQS), 19(3), Art. 6, http://dx.doi.org/10.17169/fqs-19.3.3151 (Zugriff am 20.01.2021)

Zook M., Barocas S., Boyd D., et al. (2017): Ten simple rules for responsible big data research. PLoS ComputationalBiology13(3): e1005399. https://doi.org/10.1371/journal.pcbi.1005399 (Zugriff am 20.01.2021)