Rezension

Erschienen in: Kulturpolitische Mitteilungen IV/2019, Nr. 167, S. 99

Verfasser: Dr. Tobias J. Knoblich

Wolfgang Schneider / Kristina Jacobsen:

„Transforming Cities. Paradigms and Potentials of Urban Development Within the European Capital of Culture”

Die Geschichte der Kulturhauptstädte Europas ist eine kulturpolitische Erfolgsgeschichte. Seit 1985 verleiht die Europäische Union den Titel einer Stadt, die damit für ein Jahr im Licht der supranationalen Aufmerksamkeit steht, seit 2004 an mindestens zwei Städte. Im Laufe der Jahre hat sich der Anspruch massiv gewandelt: Es geht nicht nur um Glanz und Action, sondern um konzeptbasierte Stadtentwicklung mit den Mitteln der Kultur. Sowohl die Erwartungen an den Bewerbungsprozess, der schon als Weg wertvoll und Ziel sein kann, als auch an nachhaltige Wirkungen bei der tatsächlichen Umsetzung haben also zugenommen.

Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim hat sich intensiv mit den Prozessen rund um das Thema Kulturhauptstadt beschäftigt und ein „LAB“ eingerichtet, um insbesondere die deutschen Kandidaten zu beobachten, den Diskurs zu moderieren und die Akteure zu Kooperationen anzustiften. Trotz der europäischen Konkurrenzsituation kann man viel voneinander lernen und das eigene Profil schärfen. So entwachsen der Abgrenzung auch gemeinsame Einsichten. Ein Forum in Kooperation mit der Kulturpolitischen Gesellschaft im Jahr 2017 brachte über 100 Expert*innen aus der EU in einen gewinnbringenden Austausch.

In der nun vorliegenden englischsprachigen Publikation, in der Akteure aus zahlreichen europäischen Ländern zur Sprache kommen, werden die Erträge – ergänzt um interessante Interviews – zugänglich gemacht und systematisiert. Nach einer wissenschaftlichen Einordnung des Feldes vertiefen die Autor*innen verschiedene Aspekte des Bewerbungsprozesses. Schließlich gewährt der Band Einblicke – und das ist seine große Stärke – in konkrete Fallbeispiele, ob früherer Kulturhauptstädte oder aktueller Bewerber.

Auszug aus
Politik & Kultur
Zeitung des Deutschen Kulturrates