Anregungen für die Digitale Lehre

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Obwohl es in diesen Tagen dankenswerterweise viele Materialsammlungen und technischen Support für die Digitale Lehre gibt, ist es vielleicht dennoch für Einige unklar, wie Lehre digital konkret strukturiert werden kann. Zudem stellt Digitale Lehre nicht nur ein technisches Phänomen dar, sondern auch eine soziale Situation, die gestaltet werden sollte. Daher kommen hier einige Hinweise, sich einen Weg zur digitalen Lehre zu erschließen:

1. Zeit- und Ressourcenmanagement

Die eigene Lehre angesichts der aktuellen Lage ad-hoc auf digitale Lehre umzustellen ist eine Herausforderung, zumal die Aufgaben für Lehrende keineswegs weniger werden. Daher gilt es die eigene Zeit und die Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Zudem handelt es sich bei der Umstellung auf digitale Lehr- und Lernkontexte nicht einfach um eine Übertragung von Präsenzbetrieb der Lehre ins Digitale. Vielmehr handelt es sich hier um einen umfassenden Transformationsprozess, der, je nach Konzeption, Vorerfahrungen und Tools, ganz unterschiedliche Herausforderungen und Chancen birgt. Digitale Lehre hat andere Präsenz- und Absenzlogiken sowie Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten als Präsenzlehre, was zumindest mitgedacht werden sollte. Schauen Sie daher, welche Lehrangebote Sie wie digital gestalten wollen. Es kann hilfreich sein, sukzessiv vorzugehen und erst einmal die ersten Termine der Lehrveranstaltungen zu planen und nach und nach (auch durch das Feedback der Studierenden) die Lehrveranstaltungen weiterzuentwickeln.

Geben Sie sich für die Planung und Realisation der digitalen Lehre also etwas Zeit und bedenken Sie, dass eventuell auch Studierende für digitale Lehr- und Lernsituationen mehr Zeit benötigen. Die Studierenden müssen sich nicht nur auf Digitale Lehre umstellen, sondern sind derzeit eventuell auch in Pflege- und Versorgungskontexten eingebunden. Dies kann auch für Lehrende gelten. Darüber hinaus sind eventuell die Infrastrukturen im Homeoffice nicht so gut, wie das in der Universität sonst der Fall ist. Das ist eben kein "normales" Semester, welches mit E-Learning gestaltet werden soll, sondern eines unter krisenhaften Bedingungen.

Daher kann es eine gute Option sein, sich evolvierend der Digitalen Lehre anzunähern, erst einmal einfache Lösungen zu erarbeiten und diese sukzessiv zu erweitern, zu optimieren und zu vertiefen.

2. Feedback

Ein enorm wichtiger Faktor bei der Gestaltung von Digitaler Lehre betrifft das Feedback. Da durch digitale Settings einfaches Präsenzfeedback wie ein Nicken oder andere nonverbale Gesten, Rückfragen und Antworten nicht ohne weitere Planung möglich sind, sollte die Digitale Lehre ein besonderes Augenmerk auf Feedbackmöglichkeiten legen, um die Motivation der Studierenden aufrecht zu erhalten und Wertschätzung für Beteiligung und Ausarbeitungen zu vermitteln. Darüber hinaus erhöht das Feedback auch die Verbindlichkeit des digitalen Angebots, wenn bspw. wöchentlich eine Ausarbeitung mit den Kommiliton*innen erarbeitet und / oder eine Videosprechstunde (in Gruppen oder individuell) stattfindet. Wenn Studierende Rückmeldungen zu ihren Lernprozessen bekommen und ihrerseits Rückmeldungen zur Digitalen Lehre geben können, können konstruktive Lehr- und Lernszenarien entstehen, die durch intrinsische Motivation und höhere Selbstwirksamkeitserfahrungen auf beiden Seiten geprägt sind. Feedback kann dabei ganz unterschiedlich gestaltet werden:

  • systemgenierte Nachrichten nach der Abgabe einer Aufgabe
  • systemgenerierte Erinnerungen für die Abgabe
  • systemgenerierte Nachrichten zum Stand/Vollständigkeit der Aufgabenbearbeitung
  • ein kurzer aber persönlicher Kommentar der Lehrenden
  • die Möglichkeit einer Videosprechstunde
  • ausführliches (schriftliches, audioviduelles, auditives) Feedback zu Ausarbeitungen
  • Chats
  • Peer Review Verfahren
  • Gruppenarbeiten
  • und viele Varianten mehr…

3. Tradierte Pfade und neue Wege

Digitale Lehre kann, muss aber nicht auf Lehrvideos basieren. Auch digitale Materialsammlungen sind möglich aber keineswegs eine Voraussetzung für Digitale Lehre. Eventuell ist es eine Chance solche Vorstellungen zu hinterfragen und die derzeitige Situation als Möglichkeit zu begreifen andere Lehr- und Lernsituation zu erproben.

  • Möglich ist bspw. ebenso, dass die Studierenden zunächst ein Thema aus ihren Bildungspfaden heraus recherchieren, dabei Quellen bewerten und im Peer Review mit Kommiliton*innen ein gemeinsames Ergebnis erarbeiten. So erfahren Lehrende wie Studierende sich Themen erschließen, welche medialen Pfade sie nutzen und welche Bewertungsmaßstäbe angesetzt werden. Auf dieser Basis kann die wissenschaftliche Bearbeitung der Thematik noch einmal passgenauer abgestimmt werden.
  • Vielleicht können Studierende als Ausarbeitungsmöglichkeit ein Video zum Thema aufnehmen, Fotos oder Collagen einreichen, eventuell ist aber auch sinnvoll einfach ein schriftliches Essay, eine Hausarbeit, ein Exzerpt oder ein Protokoll einzuholen.

Diese Ausführungen sollen dazu anregen, dass die Bandbreite der medialen Klaviatur für Digitale Lehre / Distant Teaching etc. sehr vielfältig sein kann und auch tradierte Formen des wissenschaftlichen Arbeitens den Zweck des Distant Teaching erfüllen können. Genauso kann es spannend und bereichernd sein, neue Formen auszuprobieren.

4. Klare und einfache Arbeitsanweisungen

Bei der Planung Ihrer Digitalen Lehre /Distant Teaching sollten Sie darauf achten klare und einfache Arbeitsanweisungen zu geben. Es ist zudem sehr hilfreich ein kurzes Vorwort zur Lehrveranstaltung zu verfassen und darin die Lehrveranstaltung vorzustellen, Lernziele, Arbeitsweisen, Modulzuweisungen, Creditpoints, Arbeitsaufwand und Leistungserbringung und -nachweise zu klären, um ein grundsätzliches Arbeitsverständnis zu etablieren. Darauf aufbauend sollten die einzelnen Lehrveranstaltungen übersichtlich strukturiert und Bearbeitungs- und Aufgabenhinweise möglichst klar und einfach formuliert werden, um stetige Rückfragen zu vermeiden, da dies digital unter Umständen einen sehr viel höheren Arbeitsaufwand erfordert.

5. Digitale Lehr- und Lernkontexte sind spezifisch

Ähnlich wie ein Werkzeugkoffer funktionieren digitale Lernmanagementsysteme und digitale Tools für die Lehr- und Lernszenarios. Was für den einen Fachbereich, eine Fächerkultur oder für bestimmte Lehrpersönlichkeiten sehr gut funktioniert, kann für andere gänzlich ungeeignet sein. Da sind digitale Präferenzabfragen wie etwa PINGO in Readerseminaren mit 20 Studierenden oder Webkonferenzen mit 100 Studierenden bildlich gesprochen die Schrauben, die mit dem Hammer eingeschlagen werden. Schauen Sie daher, welche Tools und Möglichkeiten für Ihre Lehrveranstaltung, Ihre Lernziele und Ihre Studierendengruppen sinnvoll sind. Inspirationen und Best Practise Beispiele finden Sie auf den Seiten zum E-Learning 2020.

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