Zweite Jahrestagung der Themengruppe

Die 2. Tagung der DVPW-Themengruppe „Internet und Politik“fand am 23. und 24. November 2017 am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum statt. Das‚ Superwahljahr 2017‘ mit nationalen Wahlen in mehreren europäischen Staaten(Niederlande, Frankreich, Deutschland) und einer Reihe von Landtagswahlen (Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein) in Deutschland ist ein auch für die politikwissenschaftliche Internetforschung besonderes Jahr. Zum Ersten ist noch stärker als in der Vergangenheit damit zu rechnen, dass Internetentwicklung und Digitalisierung das Wahlkampfgeschehen prägen werden. Politische Parteien und andere Wahlkampfakteure werden innovative Verfahren der Online-Kommunikation zur Mobilisierung, beim negative campaining oder beimMarketing (micro-targeting etc.) zum Einsatz bringen. Zum Zweiten werden auch die Forscher/-innen in politik- und/oder kommunikationswissenschaftlichen Studien wie nie zuvor auf große, automatisiert erhobene Bestände von Online-Kommunikationsdaten, insbesondere von sozialen Medien (Twitter, Facebooketc.), zurückgreifen und diese in innovativer Weise (Big-Data-Analysen,Computational Social Science etc.) analysieren. Welches Potential bieten dieDaten und wie werden sie mit analogen Wahlforschungsverfahren verknüpft? Zum Dritten wird zunehmend die Qualität politischer Online-Kommunikation und die politische Wahlkampfdebatte bemängelt. Entsprechende Sorgen sind gerade seitden politischen Ereignissen des Vorjahres (US-Präsidentschaftswahl,Brexit-Referendum) zunehmend hervorgetreten. Sie werden unter den Schlagwörtern Fake News, Social Bots, ausländische Propaganda und anderen vorgetragen und mitpolitischen Forderungen nach regulatorischen Eingriffen in die Online-Kommunikation verbunden. Mit ihrer zweiten Tagung möchte die Themengruppe„Internet und Politik“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft diegenannten Entwicklungen aufnehmen und bereits frühzeitig am Ende des besonderen Wahljahrs ein wissenschaftliches Forum bieten, um das methodische Vorgehen underste Ergebnisse empirischer Studien vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren (Panel 1 und 2). Zudem soll auch Raum für theoretische Arbeiten und Diskussionen zu den Chancen und Risiken der Online-Kommunikation für die demokratische Entwicklung geboten werden (Panel 3). Die Beiträge adressierten bspw. folgende Fragen:

  • Welche (neuen) Verfahren des E-Campaigning (negative campaigning, micro-targeting) lassen sichbeobachten? Wie werden sie mit analogen Verfahren verknüpft?
  • Wie variierenEinsatz und Wirkung im Länder- und Mehrebenenvergleich? Wie variiert dies bei unterschiedlichen Wahlkampfakteuren und Zielgruppen?
  • Welche Auswirkungen hat die Online-Kommunikation, haben insbesondere soziale Medien auf den Wahlkampf und auf die demokratische Debatte?
  • Welche Qualität haben Wahlkampfdiskurse im Netz? Zeigen sich Unterschiede zwischen den Ländern und auf verschiedenen politischen Ebenen?
  • Lässt sich eine Fragmentierung politischer Öffentlichkeiten im Wahlkampf beobachten (Stichwort:Echo chambers)? Wie reagieren Parteien? Wählen die Parteien Strategien um diese aufzubrechen?
  • Wie reagieren Regierungsvertreter und Parteien auf die Sorgen vor Propaganda, Manipulation und Falschinformationen?
  • Welche Rolle spielen Social Bots für die Wahlkampfkommunikation?

Die Tagung der Themengruppe fand an dem im Frühjahr 2017 neugegründeten Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum statt. Aufgrund der großzügigen Förderung durch das CAIS konnten aktive Teilnehmern/-innen für Anreise und Unterkunft finanziell unterstützt werden.Das vollständige Programm können Sie hier einsehen.