Aktivitätsbericht SELF-le@rning 04/23 – 04/24

Nicht nur durch die Corona-Pandemie wurde deutlich, dass neue Formen des Lehrens und Lernens in den Universitäten benötigt und erwünscht ist. Ein weiterer Grund sind veränderte Präferenzen der Studierenden für Ihr Studium, wie das duale Studium oder internationale Studiengänge. Die Studierenden wünschen sich ein dynamisches und nicht an den Standort gebundenes Studium, sowie die Möglichkeit das Lerntempo ihren eigenen Bedürfnissen anpassen zu können. Dies wird ebenfalls deutlich durch alternative Lernplattformen (z.B. Udacity) und die steigende Anzahl an erworbenen Online-Studienabschlüssen [1] sowie deren Anerkennung durch marktführende Firmen (z.B. Google).

Die SELF-le@rning online Lernplattform soll durch optimierte und innovative Lernkonzepte die Bedürfnisse der heutigen Studierenden, Arbeitseinsteiger:innen und den Fortbildungswünschen von Berufstätigen an das erfolgreiche Lernen erfüllen. Das Material wird online in Form von videogestützten und textbasierten Lerneinheiten für die Studierenden zur Verfügung gestellt. Die Lehrenden werden durch Plattformfunktionen bei der Erstellung von Lernmaterial unterstützt, indem Lernstrategien bzw. Techniken integriert werden (z.B. Aktivierungsfragen, Aufnahme von Wissen durch Wiederholung, Fragen zur Lernzielkontrolle).

Zusätzlich zu inhaltlichen Themen werden Lerntechniken und -strategien für das selbstregulierte Lernen ebenfalls als eigene Module zur Verfügung gestellt. Die Studierenden sollen die Möglichkeit haben, durch die Erfahrungen mit der Selbstlern-Plattform ihr eigenes Lernverhalten zu reflektieren und anzupassen.

Die Lerneinheiten werden auf eine Zeitspanne von weniger als 15 Minuten ausgerichtet, um den Studierenden eine dynamische Zeiteinteilung zu ermöglichen, wie zum Beispiel drei Lerneinheiten in einer freien Stunde zwischen zwei Vorlesungen oder eine Lerneinheit im Zug.

Die Plattform soll auf das Vorwissen, die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen der unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzer eingehen, Wissenslücken identifizieren und die Studierenden bei der Auswahl der Lerneinheiten unterstützen.

Die folgenden Kernkonzepte werden in die SELF-le@rning Plattform integriert:

  • Nanomodule: Abgeschlossene kleine Lerneinheiten beschränkt auf ca. 15 Minuten.
  • Didaktische Konzepte: Des Weiteren sollen innovative didaktische Konzepte integriert werden, um den Studierenden eine individualisierte Unterstützung ihrer Lernstrategien zu bieten.
  • Individuelle Lernpfade: Durch unterschiedliches Vorwissen soll ein individueller Lernpfad für die Studierende erstellt werden, um Stärken und Schwächen zu analysieren und einen persönlichen Lernplan zu ermöglichen.

Für die Realisierung der SELF-le@rning Plattform wurden die folgenden Ergebnisse in dem Berichtszeitraum erreicht:

Bereits im vorherigem Berichtszeitraum wurde die Selbstlernplattform universitätsweit veröffentlicht: https://www.uni-hildesheim.de/selflearn/. Anschließend wurden im aktuellen Berichtszeitraum kontinuierlich Erweiterungen in die Plattform eingespielt und bereits in ersten Lehrveranstaltungen erprobt. Dabei wurde auch der Single-Sign-on der Universität integriert, so dass sich Benutzende ohne erneute Registrierung direkt mit ihrer RZ-Kennung in der Plattform anmelden können.  Technisch bedingt wurde ebenfalls der Open-Source Identitäts- und Zugriffsmanagementserver Keycloak [2] integriert, so dass künftig auch Externen eine Zugriffsmöglichkeit angeboten werden kann.

Im Lehrbetrieb wurde mit der Plattform ein Konzept erprobt, bei dem Studierende im Rahmen einer Prüfungsleistung selber Erklärvideos erstellen sollten. Eine erste praktische Erprobung im WS 22/23 kam zu der Erkenntnis, dass sich die Einbindung der Studierenden in die Videoproduktion in der Praxis nicht mit dem Anspruch der Erstellung von OER-konformen Lehrmaterialen vereinen lies, da die Studierenden zu einem hohen Grad urheberrechtlich geschütztes Material eingebunden haben. Basierend auf den Erkenntnissen wurden im WS23/24 die Instruktionen für die Studierenden stark überarbeitet, um den Anspruch an OER-konformen Lehrmaterialen nachzukommen. Zusätzlich wurden gänzlich neue Lehrvideos aufwändig produziert. Abbildung 1 zeigt die Verwendung eines solchen selbstproduzierten Videos zum Selbstregulierten Lernen. Zudem wurden aufwändig Lernzielkontrollen erstellt, die Multiple-Choice-Quizzes in den Lernzielstufen zum Erinnern, Verstehen und Anwenden beinhalteten. Bei den Multiple-Choice-Fragen wurde darauf geachtet, dass sich die Distraktoren aus typischen Verständnisfehlern ableiten ließen. Derzeit wurden 18 Nanomodule auf diese Weise OER-konform neu produziert. Überdies wurden durch die Verwendung von bereits vorhandenem Material 346 weitere Nanomodule inkl. Lernzielkontrollen erstellt und in die Plattform eingepflegt.

 

Abbildung 1: Lernansicht der initialen Lernplattform. Der Präsentationsbereich wird nach Abschluss der Lerneinheit auch zur Darstellung der Lernzielüberprüfung genutzt werden.

Des Weiteren wurden unterstützende Lehrvideos produziert, um den Studierenden die Plattform und das selbstregulierte Lernen näher zu bringen. Dabei handelt es sich um 11 der 18 OER-konformen Nanomodule.

Im Zuge der Plattformweiterentwicklung wurden einzelne Konzepte nochmals überarbeitet, damit sich diese besser in ein gemeinsames Konzept einfügen. Auch wenn dadurch eine bessere Bedienbarkeit und eine höhere Benutzerakzeptanz zu erwarten ist, führte diese konzeptionelle Überarbeitung stellenweise zu einer deutlichen Verzögerung bei der Fertigstellung der Teilkomponenten. In Folge dessen wurden die folgenden Komponenten bereits fertiggestellt oder stehen kurz vor der Veröffentlichung:

  • Learning Analytics zur Selbstanalyse des eigenen Lernverhaltens (siehe Abbildung 2).
  • Eine Export-Funktion in das LiaScript Format um die Kurse OER-konform exportieren und ggf. in Twillo einbinden zu können.
  • Ein Kompetenzeditor, um zukünftig die zu vermittelnden Kompetenzen eines Kurses im System erfassen zu können (siehe Abbildung 3).
  • Funktionen zur Unterstützung des selbstregulierten Lernens wie beispielsweise Aktivierungs- und Selektivfragen.
  • Ein Lizenz-System, um bei Lehrmaterialien beschreiben zu können, ob es sich hierbei um OER handelt, wodurch potentiell auch ein Export für Studierende und kursfremdes Lehrpersonal ermöglicht werden könnte.
Abbildung 2: Initiale Version zur Analyse des persönlichen Lernverhaltens (Learning Analytics)

Zudem wurden bereits erste Schritte zur Evaluation der Plattform unternommen. Neben anonymisierten Zugriffszahlen wurden Studierende in einer quantitativen und zwei qualitativen Umfragen zu ihren Lernpräferenzen befragt. So konnte bestätigt werden, dass sie sich tendenziell kürzere Einheiten wünschen (max. 15 Minuten). Die zweite Umfrage fand im Rahmen einer freiwilligen Befragung statt. Dabei wurden erhoben, ob die studierenden die Plattform zur Klausurvorbereitung genutzt haben. Hier wurde eine große Akzeptanz der Selbstlernplattform bestätigt. Aus semesterbegleitenden quantitativen Fragebogenerhebungen wird die Begleitung der Lehrveranstaltung mit Testfragen als positiv von den Studierenden eingeschätzt.

 

Die nächsten Schritte für den kommenden Berichtszeitraum:

  • Kontinuierliche Weiterentwicklung der Selbstlernplattform, durch die Integration weiterer Funktionen (z.B. individueller Lernpfad) und
  • Integration in Vorlesungen beteiligter Fachbereiche und Kooperationspartner (z.B. Computerlinguistik).
  • Erstellung von einem Transfer-Konzept für den Wissenstransfer.
  • Entwicklung eines Lerntagebuchs
  • Möglichkeiten spezifischer Selbsttests, in den verschiedenen Lernzielstufen oder thematischen Inhalten
  • (Weiter-)Entwicklung eines Evaluationskonzepts
  • Verknüpfung der bearbeiteten Nanomodule mit dem Lerntagebuch und ggf. den Inhalten der anderen Fachbereiche (bspw. Medieninformatik-Inhalte mit Wahrnehmungsinhalten)

Referenzen:

[1]     Lager, S. (2020). Major Milestone! Udacity Reaches 100,000 Alumni. Online https://www.udacity.com/blog/2020/03/udacity-reaches-100k-alumni.html [Verifizierungsdatum 17.05.2024]

[2]    Keycloak. Online https://www.keycloak.org/ [Verifizierungsdatum 17.05.2024]

Abbildung 3: Prototyp des Skill-Editors zur Modellierung der zu vermittelnden Kompetenzen eines Kurses.

Kontakt

E-Mail: learning(at)uni-hildesheim.de

Projektleitung: Prof. Dr. Jürgen Sander
Projektkoordination: Birgit Oelker 
Projekttransfer: Dr. Sanne Ziethen