Konferenzen

Das Center for World Music schafft Zugänge zu Forschung und Teilhabe an Wissensproduktion. Das Forschungzentrum richtet mit nationalen und internationalen Partner*innen Konferenzen, Round Tables und Symposien aus, um an musikethnologischen Diskursen teilzunehmen und sie mitzugestalten.

 

Decolonizing Europe through Music Scholarship? Whiteness, Citizenship and Borders

Symposium der Fachgruppe Musikethnologie und Vergleichende Musikwissenschaft in der Gesellschaft für Musikforschung (GfM)

30. September 2021 | Konzertsaal, Beethovenhaus Bonn (Bonngasse 22-24 53111 Bonn) | GfM, Universität Bonn  

Es gibt viele Theorien der " Dekolonisierung ", die in verschiedenen politischen, akademischen und fachlichen Kontexten unterschiedliche Wertigkeit, Prioritäten und Dringlichkeiten haben. Unsere Definition ist weit gefasst und konzentriert sich darauf, die Auswirkungen des europäischen Imperialismus auf >"Race-", Klassen-, Geschlechter- und Sexualitätsstrukturen zu hinterfragen und der epistemischen, methodologischen und institutionellen Ausgrenzung und Gewalt entgegenzuwirken, die auf dem rassistischen, sexistischen, klassistischen und homophoben Erbe Europas beruht. Das Symposium wird sich auf Fragen von Weißsein, (kultureller) Teilhabe und Grenzen konzentrieren, um sich mit neuen Konstellationen von Macht und Ausgrenzung im Europa des 21. Jahrhunderts auseinanderzusetzen.

Beschreibung

Europa klammert sich immer vehementer an sein Selbstbild als das Universelle, die Quelle der "Vernunft", des "Wissens" und der "Freiheit", während seine eigenen Bevölkerungen, Institutionen und Wissenssysteme Widerstand leisten, zusammenbrechen und seine vermeintliche Vormachtstellung untergraben. Es feiert seine demokratische Tradition, während populistische Parteien die Möglichkeiten der politischen Repräsentation aushöhlen und exklusivere Kategorien für die Staatsbürgerschaft fordern; es rühmt seine umweltfreundlichen technologischen Erfindungen, während es weiterhin zu viel konsumiert und die Umwelt verschmutzt; es setzt sein Streben nach finanziellem Wachstum fort, während Sparmaßnahmen die Klassen- und regionalen Unterschiede verstärken; es lobt seine fortschrittliche Geschlechterpolitik und seine LGBT-Rechte, während es Asylsuchende in Internierungslager schickt und Flüchtende im Mittelmeer sterben lässt. Das postkoloniale Projekt der Dekolonisierung Europas hat den Kontinent aufgefordert, sich mit seinem imperialen Erbe und den fortbestehenden Neoimperialismen auseinanderzusetzen, insbesondere entlang der Grenzen von "Race", Ethnizität, Religion, Klasse, Geschlecht und Sexualität. Heute ist die Forderung von Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen nach einer Dekolonisierung des Kontinents nicht nur dringlicher, sondern auch komplexer geworden, da es in Europa neue Machtkonstellationen, Regionen und Ideologien gibt.

 

Themen

Diese Veranstaltung wird sich mit einem breiten Spektrum dieser Fragen befassen, indem sie Musik, Musikmachen und Musikwissenschaft in einer Vielzahl von Kontexten untersucht:

  • Wie wird Weißsein im heutigen Europa musikalisch konstruiert oder dekonstruiert?
  • Auf welche Weise halten Musik und Musikwissenschaft in Europa Vorstellungen von europäischer Zugehörigkeit aufrecht, die auf normativen Identitätskategorien basieren? Wie kann Musik in Europa Teilhabe gewähren oder verweigern?
  • Wie kann Musik ethnische, nationale und kontinentale Grenzen aufrechterhalten oder überschreiten?
  • Wie beteiligt sich die Musikwissenschaft an der Konstruktion und Vorstellung von Europa?
  • Was sind die (post-)kolonialen Voraussetzungen und historischen, ideologischen und institutionellen Grundlagen, auf denen sich die Musikwissenschaft in Europa entwickelt hat? Was sind die kritischen Reaktionen darauf?
  • Was bedeutet die Dekolonisierung Europas im einundzwanzigsten Jahrhundert und was sind die Aufgaben der Musikwissenschaftler*innen?
Ziel

Ziel ist es, musikwissenschaftliche und -ethnologische Ansätze, Konzepte und Strategien zu vertiefen und weiterzuentwickeln, die sich mit diesen aktuellen und drängenden Debatten auseinandersetzen. Mit diesem Symposium wollen wir einen transdisziplinären Raum für den Austausch über aktuelle Forschungsprojekte zum Thema "Dekolonisierung Europas" schaffen, die repräsentativ für das Spektrum musikwissenschaftlicher Arbeit in diesen Kontexten sind. Hierzu gehören vor allem (aber nicht ausschließlich) Forschungsfelder, die sich der Musikethnologie und der sozial- und kulturwissenschaftlich geprägten Musikforschung angehörig fühlen. Der Musikbegriff wird hierbei als ein offener verstanden, der keinen genrespezifischen Eingrenzungen unterliegt.

Programm

09:00 Begrüßung und Einführungsvortrag von Michael Fuhr (Universität Hildesheim), Cornelia Gruber (Universität Wien) und Thomas Hilder (Norwegian University of Science and Technology, Trondheim)

09:30 Stefanie Alisch (Humboldt-Universität zu Berlin): Whiteness and Class in Ethnographic Music Research

10:00 N.N.

10:30 Pause

11:00 Lisa Gaupp (Leuphana-Universität Lüneburg): Transcultural Music Studies: A Decolonial Approach

11:30 Eckehard Pistrick (Universität zu Köln): The ‘eye level fiction:’ Power Inequalities in Ethnomusicological Research and Teaching

12:00 [digital] Charissa Granger (University of the West Indies, St. Augustine, Trinidad and Tobago): Sounding Out Decolonially: Politics of Love in Steelband

12:30 Mittagspause

14:00 – 16:00 Virtueller Runder Tisch [Link wird bekanntgegen)

Shanti Suki Osman (University of Oldenburg): Moderation

Alexander Douglas (British Forum for Ethnomusicology): Wokeness and Theoretical Calumny in Music Studies

Ana Hofman (Slovenian Academy of Science and Arts, Ljubljana): Decolonising Europe in the Neoliberal Fringe. Affects, Bodies, Sounds

Shzr Ee Tan (Royal Holloway, University of London): Decolonising Music: Culture Wars, Wilful Misunderstandings, Brave Spaces and Good Conversations

16:30 – 17:30 Fachgruppensitzung Musikethnologie und vergleichende Musikwissenschaft (Hörsaal 4.001, Lennéstr. 6)

Redner*innen
  • Michael Fuhr (CWM)
  • Cornelia Gruber (Universität Wien)
  • Thomas Hilder (Norwegian University of Science and Technology, Trondheim)
  • Stefanie Alisch (Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Lisa Gaupp (Leuphana-Universität Lüneburg)
  • Eckehard Pistrick (Universität zu Köln)
  • Charissa Granger (University of the West Indies, St. Augustine, Trinidad and Tobago)
  • Shanti Suki Osman (University of Oldenburg)
  • Alexander Douglas (British Forum for Ethnomusicology)
  • Ana Hofman (Slovenian Academy of Science and Arts, Ljubljana)
  • Shzr Ee Tan (Royal Holloway, University of London)
Veranstalter / Kooperationen
Teilnahme

Bitte registrieren Sie sich hier für die Teilnahme am Symposium.

Voraussetzung für die Teilnahme vor Ort wird entweder der Nachweis  

●      einer vollständigen Impfung, 

●      der Genesung von einer Covid-19-Erkrankung innerhalb der letzten 6 Monate vor Kongressbeginn oder

●      eines gültigen Negativtests sein. 

Über die zusätzlich erforderlichen Hygienemaßnahmen werden wir den dann geltenden Regelungen entsprechend informieren. 

Die Kongressgebühr ist wie folgt gestaffelt:

 

 

   Regular

  (bis 31.8.)  

Late bird

(bis 1.10.)

GfM-Mitglieder

 

  60 €

 70 €

nicht GfM-Mitglieder

 

  70 €

 80 €

GfM-Mitglieder (ermäßigt)

 

  30 €

 40 €

nicht GfM-Mitglieder (ermäßigt)

 

  40 €

 50 €

Schüler*innen    10 €  10 €

 

Als ermäßigt gelten Studierende und Arbeitslose. Nachweis per Studienbescheinigung oder Arbeitslosenbescheinigung (Dateiupload erforderlich).

 


Leere, Stille und die Erfahrung des Wartens: Anthropologische Perspektiven auf das Themenfeld Abwesenheiten
Le vide, le silence, l’attente : Une anthropologie de l’absence

Herbstschule | 22. - 26.11.2021 | Bayonne, Baskenland - Frankreich | Deutsch-Französische Hochschule (DFH) / Université franco-allemande (UFA)

Für die Herbstschule der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) und der Université franco-allemande (UFA), ausgerichtet von Musikethnologen des CWM sowie Kollegen aus Paris und Köln, werden Beiträge gesucht. Die Herbstschule findet 22.-26.11. statt, Beiträge und Bewerbungen zur Teilnahme können bis 19.09. eingereicht werden.

Diese Herbstschule befasst sich mit der Thematik "Anthropologie der Abwesenheit" und nimmt dabei Bezug auf Erfahrungen von Leere, Stille und Unsicherheit, die besonders in ihrer wissenschaftstheoretischen Dimension mit Bezug auf Musik interdisziplinär erfasst und diskutiert werden. Dabei wird nach der besonderen sozialen Wirksamkeit von Abwesenheitserfahrungen und Strategien des Rückzugs gefragt. Die Herbstschule 2021 ermöglicht zudem Wissenschaftler*innen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften einen Dialog mit prominenten Künstler*innen und Vertreter*innen von Kulturinstitutionen zu führen (u.a. mit der Regisseurin Lena Herzog und ihrem Werk Last Whispers).

 

ÜBERBLICK

Ankunft: Sonntag, 21. November 2021; Abreise: Samstag, 27. November 2021.

Teilnehmende: 16 Nachwuchswissenschaftler*innen oder Künstler*innen (Master, Promotion, Post-Doc). keine Einschränkung in Bezug auf Nationalität und Disziplin.

Arbeitssprachen: Französisch, Deutsch, Englisch.

Ort: Institut ARI (CNRS-EHESS), Cité des Arts, 3 avenue Jean Darrigrand, F-64100 Bayonne

Digitale Einreichung an: denis.laborde@ehess.fr / Raimund.Vogels@hmtm-hannover.de / cwm_fuhr@uni-hildesheim.de / epistric@uni-koeln.de

Einreichungsfrist: Sonntag, 19. September 2021 23:59 Uhr / Auswahl: Freitag, 1. Oktober 2021

Kosten: kostenfreie Teilnahme. Reise- und Aufenthaltskosten vor Ort werden durch die Herbstschule übernommen. 

Beschreibung

Traumatische Erfahrungen in unseren Gesellschaften nehmen häufig Bezug auf Erfahrungen der Stille, des Zweifels, der Leere, der Abwesenheit und auf Formen des (Er)wartens, die als konstitutive Lebenserfahrungen gelten. Dabei lässt sich das Warten aber keinesfalls als ein inaktiver Zustand kennzeichnen, sondern als ein Zustand, der gerade in kultureller Hinsicht auch aktiv und produktiv sein kann. Das Aussetzen sozialer Aktivität kann also ebenso einschränkend wie befreiend wirken. Formen und Strategien des künstlerisch produktiven Wartens sollen daher den Ausgangspunkt für Reflektionen von und mit jungen Forscher*innen im Rahmen der DFH bilden.

Die pandemiebedingt selbst erfahrene Situation der (Selbst)isolation hat unseren Blick auf existente Arbeiten im Bereich "Anthropologie der Abwesenheit" (Bille, Hastrup, Sørensen 2010) gelenkt. Wir streben eine Öffnung und Erweiterung dieses Diskurses an, um innovative interdisziplinäre Perspektiven auf ein hochaktuelles Feld sozialwissenschaftlicher Forschung zu ermöglichen - das der "scheinbar passiven" oder "unproduktiven" sozialen Praktiken. Der Rückzug aus dem Sozialen, oder Praktiken, in denen "Abwesenheit" sozial markiert wird (die "Schweigeminute" beispielsweise), stehen daher im Mittelpunkt. Die Veranstaltung versucht menschliche Strategien des Umgangs mit Abwesenheiten und Formen der Stille zu thematisieren und vergleichend zu diskutieren.

Interdisziplinäre Perspektiven

Die Wissenschaftsdisziplin der Anthropologie hat sich intensiv mit der Rolle der Sinne bei der Konstruktion menschlicher Gemeinschaften beschäftigt. Obwohl sich einzelne Studien beispielshaft mit Äußerungen von Stille sowie Strategien des sozialen Rückzugs beschäftigt haben (als eine alternative Form von Sozialität), etwa in Form vergleichender Studien zum Themenfeld "Warten" (Hage 1997) oder im ethnographischen Kontext (Kobelinsky 2010), so werden diese doch eher als Ausnahmesituationen jenseits der Norm wahrgenommen und nicht eingehend analysiert.

1. Im Bereich der Philosophie und der kognitiven Psychologie haben die Analyse von Erfahrungen des Wartens, der Stille und Abwesenheit dazu geführt, dass bestimmte Formen der Traumatisierung besser erfasst werden können und gleichzeitig Studien im Bereich der sozialen Ungleichheit und des ungleichen Zugangs zu sozialen Dienstleistungen befördert. Laure Wolmark (2017) prägte im Zusammenhang ihrer Studien zu Erfahrungen des Verlusts und der sozialen Marginalisierung von Asylsuchenden den Begriff der « clinique de l'exil ». Die Erfahrung des Wartens wird in diesem Kontext als spezielle Form psychologischer Gewalt charakterisiert. Die Herbstschule fokussiert daher auf die Fragestellung: Kann die Erfahrung des Wartens systematisch mit Formen von Exklusion, von Machtlosigkeit oder der (sozialen) Herabstufung verbunden werden? Diskutiert wird diese Frage mit Bezug auf Fallstudien, situativ verortete und kontextualisierte Beobachtungen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten wobei auch das Potential interdisziplinärer Methodologien für dieses Themenfeld untersucht wird.

 

2. Die Sozial- und Kulturwissenschaften haben sich mit dem Phänomen der Stille bereits eingehend auseinandergesetzt. Dabei wird Stille nicht nur als die "Abwesenheit von Klang" verstanden, sondern auch als ein intentioneller Akt um "etwas auszudrücken" - beispielsweise in Momenten des sozialen Teilens von Stille ("Schweigeminute"). Stille wird zudem als ein Indikator für Formen der Ungleichheit wahrgenommen. Dabei wird die Stille im Bereich der Musik oft als ein "antisoziales" Phänomen (Seremetakis 1997) dargestellt, das im Widerspruch zu Formen des "Sich Ausdrückens", zur vokalen Fähigkeit des "voicings" (Weidman 2014) steht. Andererseits wurde mit Verweis auf Foucault die Stille als spezifische Form der sozialen Machtausübung charakterisiert, als "Währung der Macht" (Achino-Loeb 2005). Ähnliche Einordnungen wurden für das Phänomen des Wartens unternommen: soziale Hierarchien bestimmen in diesen von uns hinterfragten Denkmustern wer auf wen wartet. In symmetrischer Art und Weise wird die Stille von der soziologisch orientierten Musikwissenschaftsforschung als eine soziale Operation beschrieben (Le Marec und Ribac 2019).

 

3. Die politische Dimension ist die dritte Dimension der Auseinandersetzung mit dem Themenfeld. Konkret manifestiert sich diese in Formen des Rückzugs und des (erzwungenen) Verstummens. Brandon LaBelle (Overheard and Interrupted 2016) spricht in diesem Zusammenhang von sonic agency um eine "passive subversive Aktivität" zu bezeichnen, die bestehende soziale und politische Ordnungen in Frage stellen kann. Stille oder Passivität als Aktivität kennzeichnen in diesem Kontext eine spezifische Form der Kommunikation. Diese aktive Dimension eines scheinbar passiven Sozialverhaltens soll im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Austauschs der Herbstschule stehen. Erfahrungen der Stille, der Distanzierung, der Abwesenheit, der (Selbst)isolation und des Rückzugs hinterfragen auf prominente Weise unsere etablierten Vorstellungen von sozialen Normen.

Entsprechend der Zielvorstellung der Sommerschulen seit ihrer Gründung im Jahr 2010 beziehen wir uns auf Fallstudien, die gegenübergestellt, verglichen und aus interdisziplinären Blickwinkeln betrachtet werden. Dabei streben wir die Teilnahme von Wissenschaftler*innen aus einem breiten Feld der Geistes- und Sozialwissenschaften an - etwa aus den Disziplinen Ethnologie, Anthropologie, Musikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Kunst- und Medienwissenschaft, Geographie, Soziologie, Politikwissenschaften, Psychologie.

Für die Edition 2021 sind besonders Bewerbungen von (Klang)künstler*innen und Kulturschaffenden, die Leere, Abwesenheiten oder Stille zum Ausgangspunkt ihrer Werke gemacht haben, erwünscht. Die Herbstschule ist in Präsenz geplant, angepasst an die pandemische Lage wird aber die Möglichkeit der Präsentation von einzelnen Beiträgen in digitaler Form angeboten.

Organisationsteam
  • Dr. Michael Fuhr, Musikethnologe, Center for World Music, Stiftung Universität Hildesheim
  • Prof. Denis Laborde, Anthropologe, directeur d’études EHESS (Paris), directeur de recherche CNRS (UMR Passages – Institut ARI, Bayonne)
  • JProf. Dr. Eckehard Pistrick, Musikethnologe, Institut für Europäische Musikethnologie, Universität zu Köln
  • Prof. Dr. Raimund Vogels, Musikethnologe, Center for World Music, Stiftung Universität Hildesheim
Guest Speakers
  •     Prof. Martin Stokes, Musikethnologe, King's College, London
  •     Dr. Antonio Pusceddu, Ethnologe, CRIA, Universität Lissabon
  •     JProf. Konstanze Schütze, Kuratorin, Kunst- und Medientheorie, Universität zu Köln
  •     Prof. Philip Bohlman, Musikethnologe, University of Chicago (tbc)
  •     Dr. Carolina Kobelinsky, Anthropologin, CNRS (LESC, Université Paris-Nanterre) (tbc)
  •     Dr. Karsten Lichau, Historiker, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin (tbc)

 

Eingeladene Künstler*innen
  • Lena Herzog, Fotografin und Videokünstlerin, San Francisco & Prof. Madana Seyfeddinipour, SOAS University of London/Gastwissenschaftlerin Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (Berlin) für Last Whispers, Oratorio for vanishing voices, collapsing universes and a falling tree, création audiovisuelle sur les langues menacées de disparition.
  • Paula Olaz, Komponistin & Gonzalo Amilburu, Regisseur für AZTARNAK 1 – TRACES 1, ce qu’on laisse derrière soi pour vivre (production Haizebegi avec les demandeurs d’asile du CADA de Bayonne et les étudiants de l’Ecole de Cinéma de Saint-Sébastien)

Unsere sprachliche Vielfalt erodiert. Die Dynamik der Übertragung erodiert zugunsten der dominanten Sprachen. Jede Woche verschwindet eine Sprache von der Erdoberfläche. Wissenschaftler*innen zählen heute 7.000 Sprachen, von denen die Hälfte bis zum Ende des Jahrhunderts ausgelöscht sein wird. Lena Herzog greift dieses Thema auf: Last Whispers ist ein "immersives Oratorium", das für eine hochtechnologische audiovisuelle Installation komponiert wurde. Wie überlebt die menschliche Gemeinschaft den Verlust dieses Kommunikationsinstruments, das auch ein Instrument der Selbsterkenntnis ist? Wie können wir das Ende dieses Teils von uns selbst akzeptieren, den jeder erbt und der den Tiefen der Zivilisationszeitalter der Welt, in der wir leben, einen Sinn gegeben hat? Weil es zweifellos zu spät ist, haben die UNO und die UNESCO das Jahr 2019 zum Internationalen Jahr der indigenen Sprachen erklärt. Die schleichende Vernichtung schreitet massiv voran, ihr einziges Zeichen ist das Schweigen selbst. Diese Katastrophe sucht die Kunst von Lena Herzog heim.

Last Whispers sind die letzten Einflüsterungen dieser Sprachen, die die menschliche Maßlosigkeit mit sich bringt. Lena Herzog lässt uns ihnen zuhören: den Wanano der indigenen Völker Brasiliens und Kolumbiens, den Ayoreo der letzten Communities, die in den Wäldern Paraguays Zuflucht suchten, den Bathari aus dem Oman, den Tosu, der tibeto-burmesischen Sprache Sichuans. Durch ihr Eintauchen in die Archive des Endangered Languages Programme (ELDP) an der School for Oriental and African Studies (SOAS, University of London) und das Arbeiten an und mit den dort aufbewahrten Archivdokumenten hat sie ein rohes Zeugnis einer Menschheit erstellt, die immer noch reich an Vielfalt ist. So hat sie diese Sprachen in eine faszinierende akustische Sequenz verwandelt. Die im Schwarz-Weiß-Dialog mit den wissenschaftlichen Archiven aufgenommenen Bilder und der binaurale Ton lassen uns in die Tiefen dieser Ontologien eintauchen, die dem menschlichen Abenteuer Bedeutung verliehen haben. Lena Herzogs visionäres Anliegen ist es, das bevorstehende Ende der Welt zuerleben, um es zu vermeiden.

Bewerbung

Die Bewerber*innen senden ein Abstract/Projekt im Umfang von max. 2 Seiten. 8 Beiträge werden ausgewählt (Gruppe A). Jeder der Bewerber*innen entwickelt einen Text von circa 10 Seiten, um diesen auf einer gemeinsamen Plattform zur Verfügung zu stellen. Während der Herbstschule werden diese Beiträge von 8 weiteren Beiträger*innen kommentiert (Gruppe B). Die Publikation eines Artikels in den Cahiers scientifiques du festival Haizebegi ist vorgesehen.

Bewerbungsunterlagen

  •     kurzer CV;
  •     Kurzpräsentation des künstlerischen Projekts oder des Promotions-/Master-/Post-Doc Projekts;
  •     kurze Zusammenfassung des Projekts/geplanten Beitrags (max. 2 Seiten) mit Bezug auf die Thematik der Herbstschule

Einreichung in elektronischer Form an das Organisationsteam unter folgenden Email-Adressen: denis.laborde(at)ehess.fr / Raimund.Vogels(at)hmtm-hannover.de / cwm_fuhr(at)uni-hildesheim.de / epistric(at)uni-koeln.de

Einreichungsfrist: Sonntag, 19. September 2021 23:59 Uhr / Auswahl: Freitag, 1. Oktober 2021

Kooperationen

Vergangene Konferenzen

Widening Aesthetic Discourse - Postcolonial and Global Perspectives

Online Roundtable Discussions

Oct 29th, Nov 19th, Dec 03rd 2020, 4 - 6pm (Central European Winter Time)
Please contact GRK2477(at)uni-hildesheim.de for participation


DFG Research Training Group “Aesthetic Practice”, DFG Koselleck Project “Histories of Philosophy in a Global Perspective”, Center for World Music

Program

Over the past decades, postcolonial and global perspectives have significantly widened and re-arranged aesthetic discourses. Cultural and philosophical theory is trying to keep pace with aesthetic practices, that have ceased to obey Eurocentric constrictions long ago. Thereby, a postcolonial view carries the potential not only for a re-reading of the history of aesthetic practices. It also brings the political dimension of aesthetic practice and theory of aesthetics in the present to the fore. Based on postcolonial perspectivation, different layers and aspects of globalized discourses on art and aesthetics can be made accessible in novel ways.
These questions are addressed from different angles in three online roundtable discussions: Michaela Ott and Ivo Ritzer will discuss “dividuation” and “composite cultures” from the point of view of Africa-focused media studies. Monica Juneja and Christian Utz will talk about the possibility of a global history and historiography of visual arts and music. Simon Gikandi and Ruth Sonderegger will engage in an intellectual exchange on the connectedness of colonialism and the emergence of aesthetic discourses in 17th- and 18th-century Europe.

Oct 29th: Postkoloniale Konstellationen in den zeitgenössischen Künsten und der Ästhetik / Postcolonial constellations in contemporary arts and aesthetics

Invited Guests: Michaela Ott (Professor of Aesthetic Theories, Hochschule für bildende Künste Hamburg) and Ivo Ritzer (Junior Professor of Media in Africa, University of Bayreuth)

Nov 19th: Globalization of art history and music history in the course of the 20th century

Invited Guests: Monica Juneja (Professor of Global Art History, University of Heidelberg) and Christian Utz (Professor of Music Theory / Music Analysis at the University of Music and Performing Arts Graz)

Dec 3rd: Colonialism and aesthetics

Invited Guests: Simon Gikandi (Robert Schirmer Professor of English, Princeton University) and Ruth Sonderegger (Professor of Philosophy and Aesthetic Theory, Academy of Fine Arts Vienna)

 

In cooperation with DFG Research Training Group “Aesthetic Practice”, DFG Koselleck Project “Histories of Philosophy in a Global Perspective”