Music Museum of Iran: Sicherung von Originaltonbändern

Auswärtiges Amt, Nov. 2021 bis Juni 2022

Das vom Auswärtigen Amt (November 2021 bis Juni 2022) geförderte Projekt „Music Museum of Iran – Sicherung von Originaltonbändern“ erschließt und sichert Tonträger, die iranische musikalische Praxen verschiedener Epochen dokumentieren. Es ergänzt ein vorangegangenes Projekt (vom Auswärtigen Amt im Zeitraum 2012-2016 gefördert), in dem die Digitalisierungsinfrastruktur des Music Museum of Iran (MMI) ausgebaut wurde. Die Projektkoordination haben Dr. Keivan Aghamoseni und Christoph Hölzel inne.

 

Musik und Kulturerhalt im Sinne der Konvention „Safeguarding of Intangible Cultural Heritage“ der UNESCO genießen im Iran staatlicherseits einen geringen Stellenwert bzw. sind mitunter politisch unerwünscht. Obschon die oben genannte UNESCO-Konvention bereits 2009 vom iranischen Parlament unterzeichnet wurde, unterbleiben systematische Konservierungsanstrengungen bezüglich musikalischer Praktiken und Traditionen. Das Music Museum of Iran ist auf diesem Sektor in einem professionellen Rahmen aktiv und verfügt mittlerweile über eine solide Dateninfrastruktur zur mittel- und langfristigen Sicherung von Tondokumenten. In einem weiteren Schritt soll das Museum nun in die Lage versetzt werden, umfangreiche Tonbandsammlungen zu digitalisieren. Unter diesen Objekten befinden sich einzigartige Originalaufnahmen.

 

Im vorangegangenen Förderzeitraum wurden Schellackplattenbestände sowie 45-RPM-Schallplattenbestände systematisch digital erfasst und in eine Dateninfrastruktur eingepflegt. Entstehende Forschungsdaten wurden nachhaltig und für ein Fachpublikum zugänglich beim Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) zur Verfügung gestellt. In diesem Forschungsprojekt soll die geschaffene Infrastruktur weiter genutzt und ausgebaut werden. Bislang stehen 3689 digitalisierte Schellackschallplatten sowie 8306 digitalisierte Vinylschallplatten (7") bereit, zudem 8.000 überspielte Musikkassetten und circa 2.000 digitalisierte Videokassetten. Insgesamt sind 5000 Tonbänder vorhanden, davon wurden 3200 vor 13 Jahren digitalisiert und bedürfen einer Prüfung und ggf. Erneuerung.

 

Die drei Hauptsammlungen stammen von den Sammlern Golshan Ebrahimi, Ahmad Reza Ahmadi und Mohammad Taqi Massoudieh, davon ist erstere bereits digitalisiert und auf Farsi katalogisiert. Sie umfasst Radio- und Fernsehsendungen von den 1950er bis 1980er Jahren; darunter sowohl musikalische als auch politisch-gesellschaftliche Sendungen. Sie gilt als eine Dokumentation des Soziallebens der iranischen Gesellschaft des Zeitraums, Beispiele hierfür sind die Aufnahme der ersten Sendung im iranischen Radio, als im Jahr 1979 die Revolutionäre den staatlichen Rundfunk besetzt haben und den Sieg der Revolution bekanntgaben, alle musikalischen Radiosendungen (z.B. Aufzeichnungen der populären Radiosendung Golha) und private Aufnahmen renommierter Musiker*innen.

Die Sammlung von Mohammad Taqi Massoudieh besteht inhaltlich aus seinen Feldforschungen bzw. Feldaufnahmen in den verschiedenen Regionen des Iran der 1960er und 1970er Jahre. Viele Musiktraditionen aus dem Nordosten (Khorasan), Südosten (Baluchestan), Nordwesten (die Iranische Region Aserbaidschan), und Südwesten des Iran (Bushehr), sind auf  den Tonbändern festgehalten. Außerdem umfasst diese Sammlung einige Aufnahmen nordafrikanischer, türkischer und zentralasiatischer Musik. Ein Teil dieser Sammlung entstand im Rahmen von Feldforschungen mit Prof. Josef Kuckertz von der Universität Köln im Jahr 1972 in Teheran. Die Sammlung von Ahmad Reza Ahmadi besteht aus Interviews mit wichtigen Künstler:innen der 1980er Jahren; sie sind Dokumente einer mündlich überlieferten Musikgeschichte.