Karla Grobe

Schule halten im Krieg

Karla Grobe, 1918 geboren, 1937 Werkabitur, bis 1939 Arbeitsdienst, viersemestriges Lehramtsstudium in Frankfurt a. d. Oder, Segelfliegerin und Lehrerin, verheiratet, drei Kinder.

Die Frauenoberschule „Helene Lange“ in Halle a. d. Saale verlässt Karla Grobe 1937 mit dem Werkabitur. Damit hatte sie die Berechtigung zum Besuch einer Pädagogischen Hochschule. Einen Monat später hat sie ihren Führerschein in der Tasche und lernt Segelfliegen.

Karla ist voller Pläne, sie will Lehrerin werden, die Welt sehen. Doch vor dem Studium in Frankfurt a. d. Oder kommt der Arbeitsdienst, danach der Krieg: Am 5. September 1939 besteht sie, nur wenige Tage nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, ihre Erste Lehrerprüfung. Bald danach hat sie 98 Kinder in der Klasse, die Arbeit ist hart, alle männlichen Kollegen sind eingezogen.

Im April 1942 wird Karla Schulleiterin in Großdorf (Wielka Wieś bei Poznań). Sie unterrichtet, versorgt das Vieh, holt mit dem ganzen Dorf die Ernte ein. 1943 besteht sie ihre Zweite Lehrerprüfung. Doch der Krieg kommt näher. Karlas Klassenzimmer ist im letzten Kriegswinter der einzige Ort mit Ofenheizung im Dorf. Bereits hochschwanger hält sie bis zur Flucht täglich Schule. 1945 wird ihre erste Tochter auf dem schwierigen Weg zu ihrem Mann ins zerbombte Hildesheim geboren.