Henriette Kagelmann

„Die waren oft ein bisschen liederlich ..."

Henriette Kagelmann, 1951 geboren, 1967 Abschluss der Polytechnischen Oberschule (POS) nach der 10. Klasse, 1967 bis 69 Ausbildung zur Gärtnerin, 1969 bis 72 Studium an der Ingenieursschule für Gartenbau in Quedlinburg – Gartenbauingenieurin, verheiratet, zwei Kinder.

Schon als Jugendliche half ich immer gern bei der Ernte auf der Obstbaumplantage in unserem Dorf. Deshalb nahm ich nach der 10. Klasse eine Gärtnerlehre auf und wurde – weil ich mich wohl geschickt dabei anstellte – an die Quedlinburger Ingenieursschule für Gartenbau delegiert. Ich erhielt 1969 einen kostenfreien Platz im Internat und ein Stipendium von 160 Mark im Monat. 20 Mark kostete die Verpflegung in der Schule, den Rest konnte ich für Anderes verwenden. Wer einen Notendurchschnitt von 2,5 hatte, erhielt außerdem noch ein Leistungsstipendium von 40 Mark; und wer besser als 2,0 stand und auch politisch aktiv war, bekam 60 Mark.

Das Internat hatte drei Etagen. Im Erdgeschoss wohnten die Studenten, im ersten und zweiten Stock die Studentinnen. Jeden Tag wurde eine Studentin oder ein Student für die Aufsicht bestimmt: Waschräume kontrollieren, Licht löschen und auf die Schließzeiten achten.

Es gab auch Fernstudenten an der Schule. Die waren oft ein bisschen liederlich und borgten sich Bücher bei uns Direktstudenten aus. Einer dieser Fernstudenten lieh sich meine Zahlentafel aus. Dann lud er mich zum Essen ein. Im August 1972 heirateten wir.