In dem Sammelband Qualitative Videoanalyse in Schule und Unterricht, der von Michael Corsten, Melanie Pierburg, Dennis Wolff, Katrin Hauenschild, Barbara Schmidt Thieme, Ulrike Schütte und Sabrina Zourelidis herausgegeben wurde, dreht sich alles um die vielfältigen Möglichkeiten, die Wirklichkeit des Schulunterrichts anhand audio-visueller Daten zu erfassen und zu analysieren. Videographie als Tool qualitativer Forschungsstrategien ist an ein weites Spektrum von Fragestellungen, Auswertungsmöglichkeiten und theoretischen Perspektivierungen anschlussfähig. Den damit einhergehenden methodischen und methodologischen Fragen widmen sich die versammelten Beiträge und perspektivieren dabei unterschiedliche Problemkonstellation. So stehen im ersten Teil Transformationsprozesse im Fokus, die sich auf unterschiedliche Übersetzungsschritte in videografischen Projekten beziehen. Wie kann bspw. das detaillierte Datenmaterial allgemeindidaktisch generalisiert werden (vgl. Beitrag Leicht et al.) und wie können Resonanzphänomene (vgl. Beitrag Moritz) zugänglich gemacht werden? Der zweite Teil widmet sich der Dokumentarischen Unterrichtsforschung, die sich allgemein auf die Rekonstruktion von Lernprozessen richtet (vgl. Beitrag Asbrand und Martens) und dabei auch fachspezifischen Besonderheiten in Unterrichtskontexten nachspürt (vgl. Beitrag Theisohn et al.; Jehle et al.). Anschließend vereint der dritte Teil praxeografische Betrachtungen, die Unterricht als Vollzugsgeschehen analysieren. Der vierte Teil rückt technische Fragestellungen in den Mittelpunkt, die sich auf den Umgang mit der Kamera als Erhebungsinstrument beziehen. Schließlich widmet sich der letzte Teil methodologischen Forschungsfragen. Was bekommt man bspw. in den Blick, wenn man unterschiedliche Auswertungsmethoden als Sehhilfen auf das Datenmaterial versteht (vgl. Beitrag Leser)? Und welche Besonderheiten bzgl. Datenschutz und Forschungsethik sind beim Erheben, auswerten und veröffentlichen von audio-visuellen Daten zu beachten (vgl. Beitrag Sonnleitner et al.)?    

In Zeiten von Social Distancing, die eine Digitalisierung der Forschung und der Lehre einfordern, können aus der Diskussion methodischer Fragen, die sich auf das Feld der  Videographie beziehen, wichtige Erkenntnisse für neue Forschungsstrategien gezogen werden. Insofern kann der Sammelband neben seinen videografie-spezifischen Erkenntnissen auch als aktuelle Reflexionsmöglichkeit gelesen werden.