Diversität in Israel und Deutschland: Forschungswerkstatt startet

Mittwoch, 04. Dezember 2013  / Alter: 3 Jahre

Wie wir zusammenleben – Die Universitäten Haifa und Hildesheim bringen junge Wissenschaftler aus den Bereichen Pädagogik, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft, Geographie und Soziologie zusammen. Die Masterstudenten und Doktoranden bilden jeweils Tandems. Warum – das erklärt Prof. Viola B. Georgi anlässlich der ersten Forschungswerkstatt im Gespräch mit Isa Lange.

Die israelischen und deutschen Forscher bilden Tandems und begleiten sich künftig gegenseitig ins Forschungsfeld. Sie sind mitten drin, in der Schule, im Jugendclub, im Theater oder in der Stadtteilversammlung. Hier beim Auftakt mit den Projektleitern der Universitäten Hildesheim und Haifa im Dezember 2013: Dr. Linor Hadar, Prof. Dr. Yotam Hotam, Dr. Lisanne Ackermann, Prof. Dr. Viola B. Georgi, Dr. Ayman Agbaria. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel und Deutschland begleiten sich gegenseitig ins Forschungsfeld, schauen sich über die Schulter. Was erhoffen Sie sich von dem Austausch?

Viola Georgi: Nun – die israelische und die deutsche Gesellschaft sind stark durch Migrations- und andere gesellschaftliche Pluralisierungsprozesse geprägt. Es ist spannend, über einen direkten Austausch junger Forscher und Forscherinnen in beiden Ländern über den jeweiligen Tellerrand zu schauen. Wir wollen erst einmal herausfinden, wie die Diskurse um gesellschaftliche Diversität in beiden Gesellschaften eigentlich beschaffen sind, also Ähnlichkeiten und Differenzen entdecken. Wir fragen: Welche Themen – Dimensionen von Vielfalt – stehen in den wissenschaftlichen und öffentlichen Debatten um Diversity im jeweiligen nationalen Kontext im Vordergrund und warum? Welche Aspekte von Vielfalt werden bisher nicht oder wenig thematisiert und warum ist das so? Von wem und wie werden diese Debatten geführt? Welche Rolle spielt die Wissenschaft? Wie fühlt es sich an, zu – häufig nicht etablierten Themen – zu arbeiten? Wir fragen auch: Welche Methoden kommen im Feld der Diversity Studies in beiden Ländern zur Anwendung? Wo stoßen diese an ihre Grenzen und welche neuen methodischen Zugänge lassen sich finden?

Wir erhoffen uns, über thematische und methodisch vergleichende Perspektiven, einen tieferen Einblick in die jeweiligen Besonderheiten der gesellschaftlichen Diskurse zu Diversität in Israel und Deutschland zu erhalten. Grundsätzlich geht es also um die Frage, welche Strategien in den beiden Ländern im Umgang mit Heterogenität entwickelt werden.

Die ausgewählten Nachwuchswissenschaftler arbeiten alle empirisch im Bereich Diversität, erheben Daten im Feld, durch Beobachtung und Interviews. Warum haben Sie sich für diese Nähe zur „Wirklichkeit" entschieden, welche Erwartung ist damit verbunden?

Wir wollen möglichst nah dran sein – an aktuellen und neuen Entwicklungen, Beschreibungen und Entdeckungen im Feld von Diversity Studies. Außerdem wollen wir, dass die Teilnehmenden, sich nicht nur kognitiv zu ihren Qualifikationsarbeiten austauschen, sondern durch Feldgänge „spüren“ und erfahren können, wie das Forschungsfeld der Partner beschaffen ist. Es macht schon einen Unterschied, ob man sich im Nachhinein über ein bereits geführtes und verschriftlichtes Interview oder eine Beobachtung austauscht – oder ob man selbst dabei war, in der Schule, im Jugendclub, im Theater oder in der Stadtteilversammlung.

Was überrascht Sie, mit welchen Fragen befassen sich die jungen Leute, die Sie nun für die Forschungswerkstätten ausgewählt haben?

Das Spektrum ist unglaublich breit und doch scheint das Thema „migrationsbedingte Heterogenität“ viele zu beschäftigen:  Wir haben Teilnehmende, die zur Inszenierung von Männlichkeit arbeiten, also einen klaren Genderbezug in ihren Arbeiten haben. Andere beschäftigen sich mit sozialer Herkunft und dem Zugang zu Bildung – etwa in der Hochschule, und mit Minderheiten – etwa die Roma in Deutschland. Die jungen Forscher untersuchen interkulturelle Elternarbeit am Beispiel von russischen Einwanderern in beiden Ländern und Diskriminierung von Lehrpersonen, die Minderheiten angehören oder einen Migrationshintergrund haben. Außerdem werden die Lehrerrolle in urbanen Räumen, die Wirkung von Integrationskursen und das Islambild in israelischen Schulbüchern untersucht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Überblick: German Israeli Young Researchers – Exchange on Diversity

Wie wir zusammenleben – Die Universitäten Haifa und Hildesheim bringen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Pädagogik, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft, Geographie und Soziologie zusammen. Die 16 deutschen und israelischen Masterstudenten und Doktoranden bilden jeweils Tandems und tauschen sich über die Diskurse zu Diversität in beiden Ländern aus. Das erste Treffen startete in dieser Woche in Berlin und Hildesheim. Die Partner-Universitäten richten 2014 weitere Forschungswerkstätten aus.

Die Forscher werten zum Beispiel mehrsprachige Schulprogramme aus; führen Interviews mit Lehrpersonen, die Minderheiten angehören; beobachten, wie Kinder in konfessionellen Kindergärten lernen und wie sich in Schulklassen Geschlechtsidentitäten äußern. Prof. Dr. Viola Georgi und Prof. Dr. Yotam Hotam leiten das Projekt „Diversity in Israel und Deutschland – German Israeli Young Researchers – Exchange on Diversity", das von der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum gefördert wird. Derzeit baut die Erziehungswissenschaftlerin Viola Georgi an der Uni Hildesheim das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften" auf, das Unterricht und Bildungsprozesse in Einwanderungsgesellschaften untersucht. Die Gründungskonferenz findet vom 20. bis 22. Februar 2014 in Hildesheim statt.

Von: Pressestelle, Isa Lange

Die israelischen und deutschen Forscher bilden Tandems und begleiten sich künftig gegenseitig ins Forschungsfeld. Sie sind mitten drin, in der Schule, im Jugendclub, im Theater oder in der Stadtteilversammlung. Hier beim Auftakt mit den Projektleitern der Universitäten Hildesheim und Haifa im Dezember 2013: Dr. Linor Hadar, Prof. Dr. Yotam Hotam, Dr. Lisanne Ackermann, Prof. Dr. Viola B. Georgi, Dr. Ayman Agbaria. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim